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herrselder Kreisblatt
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Zernfprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 13.
Dienstag, den 31. Januar
1911
Amtlicher teil.
Her-feld, den 25. Januar 1911.
Ich habe aus Antrag von Mitqliedern der Gewerbesteuer- klasse IV die heute stattgehabte Mskl von Mitgliedern und Stellvertretern des Steuerausschusses der Gewerbesteuerklasse IV gemäß Artikel 4,5 der Anlage II zum Artikel 21 B Nr. 3 der AusführungS-Anweisunq zum Gewerbcstcuergefttz für ungültig erklärt und zur Wiederholung der Wahl einen neuen Cermin auf
Montag, den 6. Februar d. Js., 10° Borm. im Sitzungszimmer des LandratSamtsgebäudes anberaumt.
Ich nehme Bezug aus die Bekanntmachung vom 10. d. Mts., I. Nr. 88, Kreisblatt Nr. 6, und bemerke folgender:
Zu wählen find 5 Abgeordnete und eine gleiche Anzahl Stellvertreter. Die Wahlen erfolgen nach relativer Stimmen- Mehrheit.
Wählbar sind männliche Mitglieder der Gewerbesteuerklasse, die das fünsundzwanzigste Lebensjahr vollendet haben und sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden. Von mehreren Inhabern eines Geschäfts ist nur einer wählbar und wahl- berectitigt.
Aktien- und ähnliche Gesellschaften üben die Wahlbefugnis durch einen von dem geschästSsührenden Vorstände zu bezeich- nenden Beauftragten auS. Wählbar ist von den Mitgliedern des geschästSsührenden Vorstände- nur eins. Minderjährige und Frauen können die WahlbefugniS durch Bevollmächtigte ausüben, wählbar sind sie nicht.
Die Wahlberechtigten — d. s. sämtliche zur Zeit der Wahl zur Gewerbesteuer veranlagten Gewerbetreibenden deS VeranlagungSbezirkS in ihrer Klasse — werden zum obigen Cermin eingeladen.
Ich weife daraus hin, daß, falls die Wahl der Abgeord» neten und Stellvertreter von der Steuergesellschaft verweigert oder nicht ordnungsmäßig bewirkt wird, oder die Gewählten die ordnungsmäßige Mitwirkung verweigern, die dem Steuer, ausschusse zustehenden Befugnisse nach § 48 de- Gesetze- auf den Vorsitzenden übergehen.
Der Vorsitzende des Steuerausschusses der Gewerbesteuerklasse IV:
I. Nr. 88. v o n G r u n e l i u S, Landrat.
HerSseld, den 25. Januar 1911.
Auch im laufenden Jahre wird voraussichtlich eine beschränkte Anzahl Kinder unbemittelter Eltern hiesigen Kreises, welche an chronischer Skrofulöse leiden oder auS einem anderen Anlaß einer Badekur besonder- bedürftig find, auf Kreiskosten in die Kinderheilanstalt in Solbad Sooden a/Werra ausgenommen werden können.
Die Herren OrtSschulinspektoren ersuche ich ergebenst, mir
Roman von E. v. W i n t e r f e l d - W a r n o w.
(Fortsetzung.)
Und da blickte daS FörsterhauS auS dem Grün hervor. Ihr Vaterhaus! Leonie legte die Hände über die Augen und Tränen quollen zwischen den Fingern hervor, Tränen der Wehmut und der Freude und Tränen tiefsten Schmerze- zugleich. Sie wollte den Wagen umkehren lasten. Sie wollte nicht bis zum Hause fahren. Und sie fand doch die Kraft nicht, dem Kutscher die Weisung zu geben. Die Sehnsucht wuchs zu riesengroß in ihr, alle- wiederzusehen, nicht allein das Haus, sondern auch die Räume, diese heimlichen, stillen Zimmer, in denen die alten Möbel mit schwarzem Lederbezug standen. Wieviel glücklicher war sie in ihnen gewesen, wenn abends der Vater mit der langen Pfeife aus und ab schritt, und sie lesend auf dem Ledersosa saß, als in dem prunkvollen Salon deS Palasthotels, wo ihr Mann so oft zankte und tobte.
Und wie süß schlief eS sich in ihrem Mädchenstübchen, in dessen Fenster die Bäume deS WaldeS hineinsahen. Hier hatte sie ihre kleine Bibliothek, ihre Lieblinge unter den Dichtern ihre Nähmaschine, ihr Klavier. Wieviel süßer schlief sich'- als in dem eleganten Schlasgemach mit dem Betthimmel und den vielen kostbaren ESchelchen aus dem Toilettentisch! Hier war sie müde zur Ruhe gegangen und nach köstlichem Schlaf morgen- früh mit den Hähnen ausgestanden, um die kleine Wirtschaft zu besorgen. Dort lag nach durch. Wachter und durchweinter Nacht ein Tag voll neuer Sorgen vor ihr.
Plötzlich hielt der Kutscher an. Er wandte sich um.
„Wollen Sie nicht auSsteigen?"
Eine jähe Angst befiel sie.
„Nein, nein, nicht auSsteigen! Ich kenne die Leute im Forsthause nicht I"
Da öffnete fich die Tür.
Sin junger, kräftiger Mann trat hrrau». Der grüne Rock
solche Kinder ihre- Bezirk- nach Anhörung der Eltern oder Vormünder bi- zum 8. Februar d. I-, gefälligst in Vorschlag zu bringen. Außer deS Namen- der Kinder ist deren Geburt-tag sowie auch der vollständige Name der Eltern anzugeben. Ebenso ist die Bedürftigkeit kurz zu begründen.
Aufnahmesähig sind Knaben von 3—12 Jahren und Mädchen im Alter von 3—14 Jahren.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
A. 595. von GruneliuS.
Her-feld, den 26. Januar 1911.
Mit Genehmigung der Königlichen Regierung habe id) aus Grund de- § 103 de- Zuständigkeit-gesetze- vom 1. August 1883 anstelle de- Förster- Wacker den Königlichen Förster Orlob, Oberförsterei Neuenstein, die au-hülfSwerse Mitwirkung bei Ausübung de- Jagdschutzes in den Gemeindebezirken Aua und Obergei- übertragen.
I. 1123. Der Landrat.
3. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
1. Ein Teil des
(Semeinbetveges
auf dem Hundsstück, Beginn des Hauptweges nach dem Lindig, bei dem Zollhaus von der Landstraße ab, Blatt 7 Parzelle ~ etc. soll auf ungefähr 30
Meter lang
verlegt werden.
Zeichnungen hierzu liegen auf dem Bürgermeisteramt zur Einsichtnahme offen.
2. Von dem Gemeindeweg Blatt 11 Nr. 97 beim Zollhaus soll der Teil zwischen den Schlotzhauer- und Sliebing'schen Grundstücken, von der Landstraße bis zur Eisenbahnlinie,
eingezogen
werden.
Nach Vorschrift des § 57 des ZuständigkeitSgesetzes vom 1. April 1883 wird dies mit der Aufforderung bekannt gemacht, daß Einsprache hiergegen binnen 4 Wochen bei Meidung des Ausschlusses bei der unterzeichneten Behörde geltend zu machen sind.
Philippsthal, den 26. Januar 1911.
Die Wegepolizeibehörde
Lingemann.
kennzeichnete ihn alS Jäger. Er zwirbelte den flotten Echnurr- bart in die Höhe und blickte verwundert und erwartungsvoll die Droschke und ihre Insassin an.
DaS war der Nachfolger ihre- Vater-, ein junger und auffallend stattlicher Mann. WaS würde er denken, daß sie zu ihm kam?
Er lächelte ihr auch etwa- belustigt entgegen. Aber da sah er ihre verweinten Augen, sah die heißen Blicke, die an dem Häuschen hingen, und er wußte, wen er vor sich hatte.
„Wollen Sie auSsteigen?" fragte er verlegen und war im Grunde doch der Sicherere von beiden, da er sich hier in seinem HauSherrnrecht fühlte.
„Ich bin Frau Berg, geborene Erdmann", sagte sie leise.
„So steigen Sie doch bitte auS. Sie wollen gewiß gern die Försterei besuchen."
Er hatte jetzt seine Sicherheit wiedergesunden und sagte halb scherzend, um ihr über den peinlichen Augenblick fortzu- helsen:
„Sie finden aller aus dem alten Fleck, auch die Möbel, die ich übernommen habe."
Er reichte ihr die Hand und fie stieg aus. Er ging voran inS Hau- und öffnete die Tür zum Wohnzimmer. Wirklich, die alten Möbel, da standen sie noch! Da- Ledersosa und bei VaterS Schreibfekretär auS Birnbaumholz, der viereckige Tisch und in der Ecke daS Gewehrspind. Auch deS Vater- großer Lehnstuhl stand am Fenster, wie immer. Er schob ihn ihr hin, und sie setzte fich hinein.
Sprechen konnte sie noch nicht.
WaS wollte sie auch hier? Nur immer die Schmerzen neu auswühlen — oder sie lindern in der lieben, alten Umgebung ?
»Sehen Sie, hier ist noch alle-, wie eS war", begann «r von neuem. „Da ich unverheiratet bin, war eS am natürlichsten, daß ich die Einrichtung unverändert ließ. Uebrigen-, es freut mich, daß Sie gekommen sind. Ich habe etwa- für Sie gefunden. Ich wollte es erst der Polizei au-liesern, aber da dacht« ich, vielleicht ist e- ein Geheim- ni-, vielleicht wollte ei Förster Erdmann vor der Welt
nichtamtlicher teil.
Zur tW-lsihrinMtN Verfujsuuzsfruzt.
Die mehrtägige Beratung der VersassungSvorlage für Elsaß-Lothringen im Deutschen Reichstage hat leider dieselbe noch sehr wenig gefördert, da alle Parteien des ReichStageS teils Vorbehalte gemacht haben, teils wesentliche Abänderungen für die eljaß-lothringische Versassung wünschen. Bei einer ruhigen Beurteilung der versuchten Lösung diese- Problemmuß aber doch anerkannt werden, daß die ReichSregierung in der Frage einen Schritt weitergehen, und vor allen Dingen den Wünschen der Elsaß-Lothringer entgegenkommen will, denn Elsaß-Lothringen soll ja einen eignen Landtag zur Beratung der LandeSgesetze erhalten, nur die selbständige Vertretung Eljaß-LothringenS im Deutschen BundeSrate soll noch nicht bewilligt werden, sondern in der Frage der Landeshoheit soll Elsaß-Lothringen auch künftig noch unmittelbar unter dem Kaiser stehen. Der Staatssekretär Delbrück hat ja auch sehr gründlich und sehr fachlich auSgeführt, daß Elfaß- Lothringen deshalb noch kein vollberechtigter deutscher BundeS- staat werde» kann, weil sich die eljaß-lothringische Bevölkerung noch lange nicht in den deutschen ReichSgedanken eingelebt hat und immer noch mehr oder weniger im Herzen französisch gesinnt ist. Niemand dürfte auch über diesen Punkt besser unterrichtet sein, als die Regierungsvertreter im ReichSlande Elfaß-Lothringen, und das von mancher Seite gestellte Verlangen, daß eS nun an der Zeit fei, Elsaß-Lothringen zu einem selbständigen und frei^ BundeSstaate im Deutschen Reiche zu machen, ist offenbar versrüht. Interessant ist es, daß die französische Presse die elsaß-lothringische Verfassung-« frage alS das eljaß-lothringische Versaffungsproblem diskutiert und daraus am liebsten eine elsaß-lothringijche Frage machen möchte. Die Franzosen meinen, die Lösung deS Problemsei unmöglich, da die Gesetze der Natur stärker waren alS die Absichten der deutschen Regierung, womit natürlicherweise die französische Presse die Meinung vertreten will, daß die Elsaß-Lothringer niemals vollständig in den deutschen Reichs- gedanken ausgehen würden. Jedenfalls kann man aus dieser Kundgebung der französischen Zeitungen ersehen, daß die Lösung der elsaß-lothringischen Verfassungssrage noch gar nicht vollständig möglich ist, und daß die ganze Angelegenheit nur mit gewissen Vorbehalten von Schritt zu Schritt ihrer Lösung entgegengebracht werden kann. Vergleicht man damit die auch in Deutschland vielfach vertretene Forderung, daß gegenüber der französisch gesinnten Protestpartei in Elsaß- Lothringen die strengsten Maßregeln angewandt werden möchten, so muß man doch ohne weiteres zugeben, daß Elsaß-Lothringen sich noch in einem politischen Ausnahmezustand befindet und deshalb auch von der deutschen ReichS- regierung noch unter einem gewissen Ausnahmegesetze behandelt werden muß. Diese- Ausnahmegesetz geht ja aber nicht dahin
verbergen. Und so hob ich es auf, bis ich Sie einmal sehen würde, oder bis" — er stockt« — „bis Ihr Vater srei- kommt."
AlS Leonie noch nicht antwortete, fuhr er fort: „Ich sand'S da in dem Sekretär. Wenn man da unten die Tür ausmacht, ist gleich links eine Feder. Zufällig drückte ich daraus. Da sprang hier außen eine Tür aus und ein große- Fach wurde sichtbar. Erst schien eS mir leer zu sein, doch alS ich hinein- saßte, fand ich dies Papier."
Er trat an den Sekretär nnd zog ihn auf, nahm einen zusammengefalteten Bogen heraus, der aus der Rückseite gesiegelt war. Oben darauf stand von des alten Erdmann Hand geschrieben: „Für meine Tochter. — Nach meinem Tode zu öffnen."
Der junge Mann reichte Leonie das Papier.
„Nach meinem Tode" — also durfte sie es jetzt nicht öffnen? Es war ein Vermächtnis für den Fall seines Tode- an sie.
„Ist et Ihres Vater- Handschrift?"
„Sie ist es, ja! Mein Gott, war mag das Schriftstück enthalten?"
„So nehmen Sie eS hin. Sie sehen, die Siegel sind unversehrt. ES ist mir sehr lieb, Ihnen daS Papier auSgeliefert zu haben. Wollen Sie jetzt meine kleine Wirtschaft sehen — meine Hühner nnd Tauben?"
„Heut« nicht! Seien Sie nicht böse. Ich danke Ihnen für da- Blatt! Ich danke Ihnen, daß ich hier sitzen durfte. Aber ich denke, ich komme wieder, wenn — die- Blatt enthält, war ich hoffe. Verzeihen Ere, wenn ich Ihnen unverständlich erscheine. Das Blatt bedeutet vielleicht für mich mehr als Leben und Sterben."
Sie stand rasch auf, viel elastischer und frischer als vorhin, und er begleitete sie zum Wagen.
Und nun fuhr sie wieder dahin.
Aber in ihrer Hand lag das Papier.
ES brannte sie wie glühendes Eisen. Ein Abschied-wort ihre- Vater- vielleicht! DaS durfte sie j^t noch nicht öffnen Und doch, war er nicht so gut wie tot? War es nicht geistiger Tod, da im Gefängnis zu fitzen? Würde nicht die- Papier