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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 14

Amtlicher Ctil.

In Nr. 49 deS ZentralblatteS für das Deutsche Reich vom Jahre 1910 ist daS neue Verzeichnis der zur Annahme von Praktikanten ermächtigten Krankenhäuser und medizinisch- wissenschastlichen Institute veröffentlicht (59 der PrüsungSord- nung für Aerzte vom 28. Mai 1901.) Cin ausführlichere Angaben enthaltende- Verzeichnis der preußischen Anstalten ist in Nr. 1 des Ministerialblattes für Medizinal-Angelegen- Hciten vom laufenden Jahre abgedruckt.

Im Regierungsbezirk« Caffel sind zur Annahme von Praktikanten ermächtigt:

die Landkrankenhäuser in Caffel, Fulda, Hanau und Hersfeld,

die LandeShospitäler in Haina und Merxhausen,

die LandeSheilanstalt in Marburg,

die LungenheilstättenStadtwald" bei Melsungen und in Oberkaufungen,

das hessische Diakonissenhaut und daS Krankenhaus vom Roten Kreuz in Caffel, sowie daS St. Vinzenz-KrankenhauS in Hanau. (A. II. 10383/10.)

Caffel, am 13. Januar 1911.

Der Regierungspräsident.

I. V. Rieß von Scheurnschloß.

*

Herrseld, den 28. Januar 1911.

Wird veröffentlicht.

I. 1051. Der Landrat.

3. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

............. ............- ..................................... .............I

Der Vorsitzende des Sekttonsvorstandes.

8. 120.

Herrseld, den 26. Januar 1911.

In den nächsten Tagen werden den Herren Bürger­meistern und Gutsvorstehern deS Kreise- einige Exemplare meiner Bekanntmachung betreffend die Durchführung der UnfallverhütungSvorfchristen in den landwirtschaftlichen Haupt- und Nebenbetrieben der Hessen-Naffauischen landwirtschaft­lichen Beruf-genossenschaft zugehen.

Ich ersuche, diese Exemplare der Bekanntmachung in ge­eigneter Weise und an leicht zugänglichen Stellen in der Gemeinde zum öffentlichen Aushang zu bringen. Vorzugs­weise werden hierfür das AmtSlokal, die Gast- und Echank- wirtschasten, sowie die sonstigen etwaigen in der Gemeinde vorhandenen öffentlichen Gebäude, wie, Amtsgericht, Post­anstalten rc. in Betracht kommen.

Bis zum 15. Februar d. JS. sehe ich einem Bericht da­rüber entgegen, inwieweit meiner Verfügung entsprochen worden ist unter gleichzeitiger Angabe der Stellen, wo die B.kanntmachung zum AuShange gelangt ist.

Roman von E. v. Winterfeld-Warnow.

(Fortsetzung.)

Die Langsamkeit des Direktor- erpreßte Leonie ein Stöhnen.

Was wollte er denn noch? Er sollte daS lesen, ihren Vater freigeben, und dann wollte sie ihn nicht wieder be­lästigen.

Nun sah der Direktor sich um.

Welch ein sorschender, gräßlicher Blick) war da-, mit dem er sie anschaute l E- überlief sie kalt. Er wendete das Papier um und um, betrachtete die Siegel, die Hand- schuft.

Wo kommt der Wisch her?"

Empört sprang Leonie auf. Er winkte mit der Hand.

Bitte, ruhig Blut! Beantworten Sie meine Frage: Wie kommen Sie zu dem Ding?"

Ich war in der Försterei, und da gab mir der jetzige Förster diese- Blatt."

Und wo fand er er?"

Im Schreibtisch meines Vater-."

Und war eS noch versiegelt?"

Jawohl, ich brach die Siegel auf."

Hm hm! Das ist schon etwas. So ist wenigstens ein Zeuge dafür da, daß daS Ding echt ist."

Herr!"

Bitte, erregen Sie sich doch nicht! Ich muß das wissen."

Aber, nicht wahr. Herr Direktor, nun kann ich doch meinen Vater mitnehmen?"

Mitnehmen?" Er lächelte. Aber diesmal war <1 ein mitleidiges Lächeln.

Mitnehmen können Sie ihn nicht. DaS ist unmöglich!"

Ja, aber er ist doch unschuldig! Hier haben Sie doch klar und deutlich, schwarz aus weiß die Beweise seiner Un­schuld."

Donnerstag, den 2. Februar

Hierbei nehme ich zugleich Veranlassung daraus hinzu» weisen, daß in Kürze eine allgemeine Revision der Unsall» Verhütung-vorschriften durch die Königlichen Gendarmen der Kreise- vorgenommen wird. Ich ersuche, die- in ortsüblicher Weise zur Kenntnis der Ortseingesessenen zu bringen und in dieser Bekanntmachung auch daraus aufmerksam zu machen, daß Strafe zu gewärtigen ist, wenn die vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen fehlen.

von GruneliuS.

HerSfeld, den 25. Januar 1911.

Unter dem Schweinebestande deS Landwirt- Valentin Lenz in BeierShausen ist die Schweineseuche au-gebrochen. I. 981. Der Landrat.

I. «.:

Wessel, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 30. Januar 1911.

Der in der Stadt Fulda aus den 9. Februar d. JS. angesetzte Viehmarkt wird nicht abgehalten werden.

I. 1275. Der Landrat.

I. «.:

Wessel, KreiSsekretär.

nichtamtlicher teil.

Reichstag.

Der Reichstag erörterte am Montag zunächst den Gesetz- entwurs betr. die Einlegung von Revisionen bei einem obersten Landgericht in bürgerlichen ÄrchtSstreitigkriten, in erster Lesung. Staatssekretär des ReichtjustizamteS Dr. LlSco erklärte bei Er­läuterung deS Entwurfes, er entspreche einem Antrag BayernS und wolle dem bisherigen Mißstand steuern, daß daS bayerische Recht in bürgerlichen Recht-streitigkeiten beim Reichsgericht nicht revifibel sei. Diesem Mißstande woll« die jetzige Borlage durch schärfere Abgrenzung der Zuständigkeit des obersten Lau- de-gericht- und deS Reichsgerichts abheljen. Abg. Dr. Junck (nat.-lib.) erklärte sich namenS seiner Fraktion gegen die Grund­bestimmung deS Regierung-entwurfes, eS sei nicht angängig, fortan in die Hände eines obersten LandesgerichteS die Ent­scheidung darüber zu legen, welche Sache zur Kompetenz des Reich-gericht- gehöre oder nicht. Der bayerische Justizminister Ritter v. Miltner verteidigte die Borlage und betonte die Zwangslage, in der sich Bayern in dieser Frage befinde. Abg. Speck (Zentr.) stimmte der Vorlage zu; nach einer Entgegnung deS Abg. Dr. Junck schloß die erste Lesung. ES folgte sogleich die zweite Lesung, in welcher der grundlegende Artikel 1 dieser Vorlage gegen die Stimmen der Nationallibe­ralen mit Au-nahme der bayerischen Abgeordneten Wölzl und Wohl angenommen wurde. Einstimmig gelangten Art. 2 und 3 zur Annahme. Die weitere Sitzung wurde durch

Ja, daS heißt immerhin hm eS ist wenigstens ein Anhalt, um dar Verfahren wieder ausnehmen zu können. Vorläufig ist eS nicht- weiter. Und dann" er trat nahe zu ihr heran und blickte sie wieder forschend anwollen Sie, daß dieser Bries veröffentlicht, wollen Sie, daß er in öffent­licher Gerichtssitzung verlesen wird? Ei« wissen, war daS für Sie bedeutet?"

Ich weiß und ich will e-! Und ich bin mit allem ein­verstanden, was Sie für richtig halten. Nur sagen Sre mir das eine, Herr Direktor, kann ich meinen Vater jetzt mitnehmen, kann ich ihn sprechen?"

So rasch geht eS nicht! Sie müssen sich an einen Rechts- anwalt wenden. Ich will Ihnen gern behülflich sein, die neue Untersuchung in die Wege zu leiten. Aber Sie werden doch nachher Ihr Zeugnis, Sie werden doch nicht im entscheidenden Moment diese Mitteilung zurückziehen, wider­rufen ?"

Da- werde ich nicht. Ich weiß jetzt, wa- meine Pflicht ist, und ich werde sie erfüllen."

Er drückte ihr die Hand und führte sie zur Tür.

Ich rate Ihnen, sich an Ihren Verteidiger von damals, an Herrn Doktor Sturmvogel zu wenden. Wenn etwa- zu machen ist, so bringt er es fertig!"

Monate waren seitdem vergangen. Auch über Deutsch­land schien wieder eine wärmere Sonne, auch für Deutschland war der Frühling heraufgezogen. Die Lerchen jubilierten wieder auf den Leckern und der Schwarzspecht hämmerte im Walde.

Ein leiser, grüner Schleier lag zart über den Buchen. Der Waldmeister duftete an den Waldausgängen. Auch di« Waldwege waren wieder trocken und eben. In rascher Fahrt rollte darauf ein Wagen unter den Laubkronen dahin.

In dem Wagen saßen Förster Steinmeister, der Nachfolger deS alten Erdmann, Leonie und er, der alte Förster Erd­mann, selbst.

In Wahrheit jetzt ein alter R111.

1911.

die Beratung von Petitionen auSgefüQt, wobei eine Petition des Wirk!. Geh. KriegSrateS Uhlenbrock in Friedenau betreffs der Dienstverhältnisse der Militärintendanten usw. eine längere Diskussion hervorrief.

Im Reichstag begann am Dienstag die dritte Lesung deS Zuwach-steuergesetze-. ES liegt dazu wieder eine größere An­zahl von Anträgen vor, die in ihrer Mehrzahl auf einem Kompromiß der bürgerlichen Parteien beruhen und zum Teil mehr redaktionell sind, zum Teil auf eine Abschwächung deS GesetzeS hinauSlausen. Außerdem beantragen die Konser­vativen für sich allein, die Steuerfreiheit der Lande-fürsten und LandeSfürstinnen wieder herzustellen. In der Generaldwkuffwn erklärte der Abg. Dr. Jäger, daß daS Zentrum, die Annaym« einiger Aenderungen vorausgesetzt, bereit sei, den Beschlüssen der 2. Lesung zuzustimmen. Der Abg. Dr. Arendt führte für seine Person auS, daß daS Gesetz in seiner jetzigen Form nur die Bodenspekulation fötbern werde. ES sei daher für ihn un­annehmbar. Der Abg. Dr. Südekum meinte, daS ursprünglich steuertechnische Gesetz habe mehr und mehr politische Bedeutung gewonnen. Unter der MaSke der Besitzsteuer würden gerade die Besitzenden geschont. Die Vorlage fei immer agrarischer und städteseindlicher geworden und werde nur wenig ein­bringen. Der Staatssekretär könne nicht mehr behaupten, daß eS für die Balanzierung deS Etats von Bedeutung sei, für dir Veteranen würde nicht- absallen. Die sozialdemokratisch« Fraktion werde daher daS Gesetz ablehnen, auch wenn sie ganz allein bleiben sollte. Der Reichtschotzsekretär wandte sich gegen den Vorredner. Wenn die Regierungsvorlage auch den Bor­zug gehabt hätte, so könnten doch die Sozialdemokraten der Regierung keine Majorität schaffen. Auch stehe nicht einmal fest, daß sie alle dafür stimmen würden. Ein sozialdemokra- tische- Blatt habe die Vorlagen grundschlecht, da- stümperhaft« Werk eine- MilitäranwärterS genannt. (Große Heiterkeit.) Die Städte würden keinen Nachteil erleiden, und für die Veteranen liege kein Grund zur Beunruhigung vor.

Abgeordnetenhaus.

Im Abgeordnetenhaus wurde am Dienstag der Etat der Domänenverwaltung beraten. In der allgemeinen Aussprache wurde teil- die Aufstellung diese- Etat- bemängelt, teils war von der Wertschätzung der Domänen, der Art ihrer Verpachtung, oder von der Frage, ob Verpachtung oder staatliche Selbstverwaltung, oder von der Kostspieligkeit der Bauten die Rede. Mit zur Debatte standen zwei Anträge: Der eine vom Zentrum Angebrachte forderte für alle fünf Jahre eine Aufstellung über die Werte der Domänen und ihrer wirtschaftlichen Ergebnisse. Infolge deS Widerspruchs der Regierung, der auch von der Rechten eingelegt wurde, erfuhr der Antrag insofern eine Abjchwächung, als die in ihm vor- geschriebene Frist gestrichen wurde. So gelangte er fast ein­stimmig zur Annahme. Weniger glücklich waren die Sozialdemokraten mit ihrem Antrag, der eine Nachweisung

Fröstelnd schauerte er zusammen unter der warmen Decke, die ihm Leonie über die Knie gelegt hatte. Seine Augen starrten in da- Grün. Ob sie aber etwa- sehen? Es blitzt kein Erkennen in ihnen, feine Freude bei Wieder- sehen-.

Er war frei!

Nach endlosen Bemühungen seine- Verteidiger-, nach auf­opfernden Mühen Leonie-, die weder verwunderte Blicke noch spitze Redensarten scheute, kam eS endlich gut Wiederaufnahme beS Verfahrens. Auch der junge Förster Steinmeister stand ihr treulich bei, bis endlich, endlich nach langen Sitzungen die Freisprechung erfolgte. E- hatte ungeheure- Aussehen gemacht, alle Zeitungen berichteten über den Fall. Man verherrlichte die wunderbare Macht der Vaterliebe, man empörte sich über die ungeratene Tochter. Leonie wußte von dem allen nur eins sie wußte nur, daß er endlich frei sein sollte! Mochte seine Freiheit auch mit dem Preis ihrer Ehre er­kauft sein!

Nun wollten sie den alten Erdmann zuerst nach dem Schauplatz feiner früheren Tätigkeit bringen. Sein Nach­folger hatte ihm dort ein Heim geboten, bis er gesund genug wäre, in bie Stadt überzusiedeln, bis GraS über die Ge­schichte gewachsen wäre. Leonie nahm diese- Anerbieten an auS einem ganz bestimmten Grunde. Sie fühlte, daß ihr Vater nur dort gesunden konnte. Sie hatte ja die entsetzliche Angst, daß durch die Hast sein Geist gelitten haben könnte, wie e- an seinem Körper ohne weitere- ersicht­lich war.

War er sühlte und dachte, ob er froh war, baS konnte sie nicht ergründen. Er war vollständig apathisch, als sei er ganz fühlloS geworden in dieser schrecklichen Zeit.

Kein Freudenstrahl zuckte über da- Gesicht, als die Ge- fängni-mamrn hinter ihm lagen.

Der Augenblick, auf den Leonie so große Hoffnungen gesetzt hatte, ging vorüber, ohne aus ihn Eindruck gemacht zu haben.

$6 Er und trank, er dankte für jede Handreichung, er sprach auch einige kurze Worte. Aber eS war, als sei seine Seele «erschlossen, als halt« ein eiserner Reis sie umspannt,