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herrMer Kreisblatt

Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 19.

Dienstag, den 14. Februar

1911.

Amtlicher teil.

Her-feld, den 7. Februar 1911.

Nachstehend veröffentliche ich daS Körung-ergebnis einiger von der Körung-kommission im Monat Januar d. J-. be­sichtigter Zuchtbullen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

A. 790. von GruneliuS.

s

ö

Der Bullenhalter

Der Bullen

Tag der Körung

Alter

Nasse

Farbe und Abzeichen

Befund

Name

Wohnort

1

Claus Christ.

Mecktar

Simment.

Z. G. Homberg

Gelbschack w. Stirn

noch brauchbar

24. 1. 1911

2

Claus Christ.

Mecklar

16 Mt.

Simmentaler Z. G. Sontra

Gelbrotschack w. Kopf

brauchbar

24. 1. 1911

3

Schüler Georg

Oberhaun

13 Mt.

Simmentaler Z. G. Sontra

Gelbschack w. Kopf

brauchbar

24. 1. 1911

4

Lipphardt Heinr.

Kleba

15 Mt.

Simmentaler Z. G. Oberbaden

wie vor

brauchbar

6. 1. 1911

Her-feld, den 10. Februar 1911.

Diejenigen Herren Bürgermeister der Kreises, welche meine Versügung vom 26. Januar 1911 L 1006 betreffend; die Ausscheidung der Steuerkataster aui dem Staatsarchiv in Marburg noch nicht erledigt haben, werden mit Frist b i S z u m 15. d. M t -. erinnert.

I. 1006 II. Der Landrat.

I. A: Wessel, Krei-sekretär.

Hertfeld, den 8. Februar 1911.

Der Bürgermeister Johanne- Wenzel in Malkome« ist am 30. v. MtS. als solcher für einen am 15. d. Mt». beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum wiedergewählt worden.

Ich habe diese Wiederwahl bestätigt.

A. 724. Der Landrat

von GruneliuS.

Her-feld, den 8. Februar 1911.

In der Zeit vom 27. Februar bis 1. April d. J-. wud Herr Schlachthofverwalter Tierarzt Friedrich Hierselbst einen KursuS in der Trichinen- und Fleischbeschau in dem hiesigen Schlachthaus abhalten. I. 1760. Der Landrat.

I. A.: Wessel, Krei-sekretär.

HerSfeld, den 8. Februar 1911.

DaS Proviantamt Fulda kauft noch fortgesetzt gut ge­reinigten, gesunden Hafer und Roggenstroh.

I. 1774. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, Krei-sekretär.

KmmschjW.

Roman

von Freisrau Gabriele von Schlippenbach.

(Herbert Rivulet.)

(Fortsetzung.)

Na, Kinder, nun find wir ja vollzählig", sagte Baron von Schorn,ich denke, wir gehen noch einmal durch die Ausstellung. Bruno, Jrmgard und Lör-bach müssen sie fich ansehen, dann wollen wir unS ali Belohnung einen guten Tropfen gönnen, mir klebt die Zunge am Gaumen."

Cher papa, laß mich den Wein au-suchen, ich kenne die besten Marken", bot Leutnant Bruno.ES gibt eineRüdes- heimer Berg delikat!"

Du bist ein Sybarit, Bruno", meinte LörSbach lächelnd, aber eS klang ein leiser Tadel in diesen Worten.

Der Leutnant lachte etwa- gezwungen, dann neigte er den wohlfrisierten Kops beistimmend.

Ja, Wein, Pferde, Hübsche Weiber daS ist meine Passion I UebrigenS sieh dir mal dort da- reizende Käserchen an, sie tritt eben in den Saal, wo BöcklinS Bild« au-gestellt sind. Hast du je solche Augen gesehen, solch herrliche-, gold­blonde- Haar, dazu diese herrliche Figur so zierlich wie ein Püppchen nur etwa- blaß ist sie. Wahrschein­lich solch ein abgearbeitete- Lasttierchen an einer Schule oder in einem Geschäft. Ich möchte sie gern kennen lernen!"

Um ihr den Kops zu verdrehen, wie du e- liebst", sagte Lör-bach.

Ja, vielleicht", entgegnete Leutnant Bruno keck.

Aber, waS ist da-? Da redet der Vater die ältere Dame an, die mit der Kleinen gekommen ist! Woher kennt eher pere sie?"

Ein Teil der nachstehenden

(Semetnbtwege

soll eingezogen und verkauft werden. 1. Kartenblatt 2 Parzelle 117/59 95 qm,

2. 3 123/67 u. 124/67 34 qm,

3. 3 125/67 49 qm,

4. 5 96/81 3 ar 73 qm,

5. 5 97/81 u. 98/81 1 ar 55 qm.

Nach Vorschrift der § 57 deS Zuständigkeit-gesetze- vom 1. August 1883 wird dies mit der Aufforderung bekannt ge­macht, etwaige Einsprüche hiergegen bei Meldung de- Aus­schlusses binnen 4 Wochen bei der unterzeichneten Behörde geltend zu machen.

Reckerode, den 8. Februar 1911.

Die Wegepolizeibehörde.

Klotzbach.

nichtamtlicher Ceil.

Abgeordnetenhaus.

DaS Abgeordnetenhaus erörterte am Sonnabend sehr ein­gehend eine Vorlage, in der für Arbeiterwohnungen staatliche Mittel gefordert werden. Bekanntlich hat sich der preußische Staat schon seit Jahren bemüht, die Wohnung-verhältnisse seiner Arbeiter zu bessern. Die-mal werden sogar 12 Millionen verlangt. Die Redner aller Parteien standen dem Gesetzent­wurf wohlwollend gegenüber mit Ausnahme der Sozialdemo» traten, die, wie gewöhnlich, die soziale Fürsorge des Staates

Baron Schorn schüttelte eben herzlich die Hand der Dame, die neben dem jungen Mädchen stand. Er hatte in ihr die Witwe eine- Regimentskameraden erkannt, der den deutsch- französischen Krieg mitgemacht.

Er freut mich wirklich sehr, gnädige Frau, Sie nach so langer Zeit wiederzusehen", sagte Baron Schorn, die Hand der Frau Major Ludolff herzlich schüttelnd,ich habe Ihrem Mann, meinem früherem Major, ein treues Andenken bewahrt. Wie geht ei Ihnen?"

Ueber bot trotz der grauen Haare noch hübsche Gesicht Frau Ludolffs glitt ein freundliche- Lächeln, die dunklen Augen blickten offen in des Frag«- Antlitz. Dann erwiderte sie mit dem Stolze der Armen, der Schattenblumen:

Gut, Herr Baron, ich habe liebe, gute Kinder."

Unser beste- Glück", warf Frau von Schorn freundlich ein, die hinzugetreten war, um sich auch bekannt zu machen. Hier kann ich Ihnen gleich meine drei Weitesten vorstellen, unser Gustav ist erst zwölf Jahre alt und noch Gymnasiast in P."

Elsriede und Irma sowie deren Mann standen hinter der Mutter, und mit Stolz stellte die Baronin sie vor.

In ihrer schlichten, herzlichen Art begrüßte die Majorin sie. Bruno kam aus die Gruppe zu. Er hatte da- Einglas ein­geklemmt und versuchte, mit demreizenden Käserchen" anzu- handeln; aber sie war so harmlos und unschuldig und ver­stand dir Absicht nicht.

Nun wurden sie sich in aller Form vorgestellt. Die sanfte Stimme der Majorin sagte:

Hier meine Tochter Emmy, und dort kommt mein Ernst."

Elsriede erbebte leicht. E< war derselbe junge Mann, der vorhin neben ihr vor dem GemäldeGlückliche Menschen" gestanden hatte, der sie durch den Kneifer mit den großen, traurigen Augen angeschaut.

Baron Schorn und Lör-bach hatten einen hübschen, schattigen Platz gefunden. Die beiden Regiment-kapellen

ve quicken wollten mit politischen Forderungen. Im übrigen wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, praktische kleine Woh­nungen zu bauen. Die Vorlage wurde in erster und zweiter Lesung angenommen. E» folgte die erste Beratung einet Gesetzentwurfes über eine Anleihe zur Erweiterung der An­lagen der Staat-bergverwaltung. Sie beträgt 14V» Millionen. Die Ansichten über die Zweckmäßigkeit dieses Plane- waren geteilt. Einig' Redner begrüßten die Vorlage mit höchsten Worten der Anerkennung, während andere, so besonder- Abg. Pappenheim (kons.) angesichts der wenig günstigen Ergebnisse de- fiskalischen Bergbaue- zur Vorsicht rieten und eine Kom­mission-beratung für notwendig hielten. HandelSminist« Sydow verteidigte den Entwurf, der nach seiner Meinung sich in den richtigen Grenzen bewege. Die neuen Mittel sollen dazu dienen, da- Bestehende weiter auszubauen. Die Vorlage wurde dann an die Budgetkommisiion überwiesen. Da- HauS begann dann noch die Beratung bei Etat- de- Ministerium- deS Innern. Die Einnahmen wurden nach kurzer Besprechung bewilligt. Das Hau- vertagt die weitere Beratung aus Mon­tag 11 Uhr

Reichstag.

Der Reichstag setzte am Freitag die Spezialberatung d« Justiznovelle mit der Abstimmung über § 77 (Besetzung der Strafkammer in erster Instanz mit zwei Richtern und drei Schöffen) und die hierzu vorliegenden Abänderung-anträge sort. Den socialdemokratischen Antrag, die Straskammer in der ersten Instanz w e in der Berufungsinstanz mit einem Richter und vier Schöffen zu besetzen, lehnte der Reich-tag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ab. Die nament­liche Abstimmung über die seitens bei ZentrumS und der Fortschrittlicher» BolkSpaU». 2£*Uj1 gleichlautenden Anträge aus Besetzung der Strafkammer in beiden Instanzen mit zwei Richtern und drei Schöffen ergab deren Annahme mit 175 gegen 142 Stimmen bei drei Stimmenthaltungen. Mit dieser erheblichen Abänderung der RegierungSfassung ist also § 77 genehmigt und demnach die Einführung de- Laienelemente- auch in der Berufungsinstanz der Strafkammer trotz der Er­klärung des Staatssekretär- Dr. Li-co, ein solcher Beschluß würde die Justizvorlage für die verbündeten Regierungen unannehmbar machen, beschlossen. Zu § 80 lag ein sozial­demokratischer Antrag vor, die Preßdelikte vor dat Schwur­gericht zu verweisen, behufs Entlastung der Strafkammer und im eigenen Interesse der Angeklagten. Außerdem lag auch von volktparteilicher Seite ein Antrag vor, wonach bei Ver­weisung von Preßdelikten an das Schwurgericht gewisse Ausnahmen staltfinben sollen Doch lehnie da» Haus beide Anträge ab. Dagegen wurde zu § 81 ein Antrag der Sozialdemokraten angenommen, wonach die Schwurgerichte aus drei ständig angestellten Richtern und zwölf Geschworenen zu bestehen haben. § 99,1 bestimmt in seinem Kernpunkt, paß die BerufungSsenate für Strafsachen außerhalb der Hauptverhandlung mit drei richterlichen, in der Hauptver­handlung mit fünf richterlichen Mitgliedern, einschließlich bei Vorsitzenden, zu besetzen sind. Ein sozialdemokratischer Antrag, die Berufungsjenate mit zwei ständigen Richtern und fünf

spielten; bunt wogte die Menschenmenge hin und her, und der große Springbrunnen warf seine in der Sonne zerstäubenden Wasser empor, in Regenbogensarbcn funkelte der feine, feuchte Staub.

Emmy und Elsriede von Schorn gingen nebeneinander nach Art so junger Mädchen hatten sie schnell Gesallen an­einander gesunden und plauderten munter zusammen. Man bestellte Kaffee und alle setzten sich um den großen runden Tisch. Die Herren rauchten und gingen bald zum Wein über.

Sie rauchen nicht, Herr Ludolff?" fragte Baron Hugo von Schorn, Ernst seine Zigarettentasche hinhaltend.

Nein, Herr Baron, ich danke."

Ernst dachte bei sich:Wie sollte ich mir solchen Luxu- erlauben, ich habe für die Meinen zu sorgen."--

Aber Sie trinken doch ein GlaS Wein mit einem alten Freunde Ihre- Vaters", bat Schorn und füllte den Römer Ludolffs mit derseinen Marke", die Bruno ausgesucht hatte.

Danke besten-, Herr Baron."

Ich kann eS nicht abschlagen, wenn ich nicht unhöflich sein will. Aber mehr al- ein Glas trinke ich nicht, ich kann keinen so teuren Wein bestellen, und sreihalten Lffe ich mich nicht. Auch die Armut hat ihren Stolz", dachte Ernst.

Welchen Beruf haben Sie, Herr Ludolff?" fragte Schorn freundlich.

Ich bin Buchhalt« bei Schröder u. Comp."

So, so, und fühlen Sie sich glücklich?"

Ein seltsam traurige- Lächeln glitt über bei jungen Manne- Gesicht.

Ich hätte gern studiert", sagte er.

Armer Kerl, du konntest es wohl nicht", schloß Schorn aui der Antwort, die zögernd hervoikam.Es scheint der Familie nicht glänzend zu gehen; ihre Kleidung ist einfach, die Handschuh« find abgetragen. Trotzdem ist die Tochter