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HerrMer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 23.
Donnerstag, den 23. Februar
1911.
Amtlicher teil.
Von dem im Dorfe Wölfershansen gelegenen
weg
Kartenblatt 2 Parzelle sollen an die Eheleute Johannes
Brandau Hierselbst 0,29 ar und zwar Kartenblatt 2 79 Parzelle ^ und an den Bergmann Georg Engler hier-
78 selbst 0,6 ar und zwar Kartenblatt 2 Parzelle abgegeben ob
werden.
Nach Vorschrift der § 57 der Zuständigkeits-Gefetzes vom 1. April 1883 wird dies mit der Aufforderung bekannt gemacht, daß Einsprüche hiergegen binnen 4 Wochen bei Meldung des Ausschlusses bei der unterzeichneten Behörde geltend zu machen sind.
Wölfershansen, den 20. Februar 1911.
Die Wegepolizeibehörde.
Mohr.
nichtamtlicher teil.
MitbsWmg der MMm.
Der vor kurzem ausgegebene Bericht über die Ergebnisse deS Betriebes der vereinigten preußischen und hessischen Staatseijenbahnen im Rechnungsjahre 1909 bringt eine Darstellung über den Eisenbahnunsall bei Mühlheim a. RH. und die Bestrebungen der Eisenbahnverwaltung zur Verminderung der Gefahren deS Eisenbahnbetriebes. Dabei werden auch über Versuche mit Vorrichtungen zur Verhütung deS UebersahrenS der Haltesignale nähere Mitteilungen gemacht.
Bei den in den EisenbahndirektionSbezirken Hannover, Halle, Danzig und BreSlau angestellten Versuchen mit dem van BraamschenZugsicherungsapparat ist sestgestellt worden, daß die Wirkung der Einrichtung biS jetzt sehr unsicher ist. In Hannover mußten die Versuche nach vierzehntagigem Probe- betrieb eingestellt werden, weil die Streckenanschläge derart beschädigt und verbogen waren, daß sie nicht im Gleise belassen werden konnten. In dieser kurzen Zeit sind aber viele Versager beobachtet worden. In Danzig versagte die Einrichtung u. a. an einer Lokomotive in zwölf Tagen neunmal. In Halle sind bei 50 Schnell- und Personenzügen, die im Monat Oktober mit der Einrichtung befördert wurden, bei elf Zügen Versager gemeldet worden, und zwar bei einem Zuge ein Versager, bei sechs Zügen zwei, bei einem Zuge drei, bei zwei Zügen süns und bei einem Zuge acht Versager. Bei einer
5anntnseljn|iit9t.
Roman von Freifrau Gabriele von Schlippenbach.
(Herbert Rivulet.) (Fortsetzung.)
Frau West seufzte. Auch sie dursten sich keine Reise ertauben. Sie wären gern in ein kleines Ostseebad, nach Deep oder Divenow gegangen, aber dazu reichte eS nicht.
Ernst kam heute früher zurück; es war Samstag. Er klagte über Kopsweh und lag, ohne zu sprechen, aus dem Schaukelstuhle vor der offenen Balkontür. Wenn die Sonne hinter die Dächer sank, war es etwas kühler. Emmy war auch schon zu Hause und spielte mit ihrem kleinen Neffen, für den sie eine große Vorliebe hatte.
„Still, nicht so laut, Onkel Ernst hat Kopfweh", ermähnte sie daS lebhafte Kind.
Der Junge schlich auf den Fußspitzen zum Schaukelstuhl und legte die kleine heiße Hand aus die schmerzende Stirn
Ernst-. .
Die Berührung war ihm unangenehm, aber er sagte ei nicht; er zog die Kinderhand fort und streichelte den Blondkopf zärtlich.
„Armer Onkel", sagte der Kleine und jchmregte sich an den Mann.
ES klingelte. Der Postbote war da, er brächte einen Bries für Frau Ludolff. Dieser lautete:
Schornstätten, Mark Brandenburg,
15. Juni 19 . .
„Meine verehrte Frau Majorin!
Ich habe eine Bitte an Sie und Ihren Sohn Ernst sowie an Ihre Tochter Emmy. Unser Gustav, der zwölf Jahre alt und in der Quarta bei Realgymnasium- in P. ist, hat Nachhilfestunden im Rechnen nötig. Würde Ihr Sohn Ernst sich wohl entschließen, sie ihm zu geben?
Es wäre uni sehr lieb, und Sie täten uni einen Gefallen, wenn Sie diese unsere Bitte befürworten wollten.
vor kurzem vorgenommenen Probefahrt kamen aus der Strecke von Jüterbog bis Bitterseld bei achtzehn mit solchen Einrichtungen versehenen Signalen sechs Versager vor.
Nach diesen Ergebnissen erscheint dieser Apparat zur Verwendung im Eisenbahnbetrieb noch nicht geeignet. Zu der Frage, ob eine selbsttätige Auslösung der Bremse durch Einrichtungen auf der Strecke, von der bei den Versuchen abgesehen war, zweckmäßig ist. liegt eine bemerkenswerte Aeußerung der Vertreter des „Verbandes Königlich preußischer und Groß- herzoglich hessischer Lokomotivführer" vor. Diese erklärten bei einer Beratung über Verbesserung der Signaleinrichtungen, daß sie in einer solchen selbsttätigen Bremsung des Zuges ein Mittel zur Erhöhung der Betriebssicherheit nicht erblicken könnten, Sie besürchten davon vielmehr Gefährdungen des Zuges und nehmen auch keinen Anstand, die Besorgnis aur- zusprechen, daß eine solche Einrichtung einen Lokomotivführer bei großer Ermüdung oder schwierigen Verhältnissen veranlassen könnte, im Vertrauen aus die Wirksamkeit der selbsttätigen Zug- bremse die Aufmerksamkeit, die er sonst der Beobachtung der Strecke zuwenden würde, zu vermindern. Hieraus könnten aber schwere Betriebsgefahren entstehen.
In den DirektionSbezirken Hannover, Stettin und Breslau sind Versuche mit einem elektrischen Signalmelder von Siemens u. HalSke gemacht worden, der zur Ankündigung eines Vorsignals aus der Lokomotive ein hörbares und sichtbares Zeichen gibt. Auch hierbei traten verschiedene Mängel auf. In letzter Zeit sind nach Einführung mehrfacher Verbesserungen die Ergebnisse der Versuche mit dieser Einrichtung erheblich günstiger gewesen. Ob ein Erfolg von ihr zu erwarten sein wird, wird aber im wesentlichen auch noch davon abhängen, wie sie sich bei starkem Schnee verhalten wird, worüber bis jetzt ausreichende Erfahrungen noch nicht vorliegen.
Um, wenn irgend angängig, auch noch andere Einrichtungen in die Versuche einbeziehen zu können und tunlichst bald zu einem Ergebnis zu kommen, sind die bedeutendsten Signalbauanstalten aufgefordert worden, Vorschläge zu machen. Darauf sind neuerdings einige neuen Anregungen erfolgt, die aber noch nicht so weit durchgebildet sind, daß ihre Erprobung im Betriebe schon hätte vorgenommen werden können. Die preußische Staatseisenbahnverwaltung wendet, wie ausdrücklich betont wird, der Gewinnung eines Zugsicherungsapparates, der geeignet ist, die Lokomotivführer bei der Beobachtung der Streckensignale zu unterstützen, die vollste Aufmerksamkeit zu. Sie würde es mit Freude begrüßen, wenn die Bestrebungen, auf diese Weise den Dienst der Lokomotivsührer zu erleichtern und die Betriebssicherheit zu erhöhen, von Erfolg gekrönt würden. Sie würde nicht zögern, von solchen Einrichtungen Gebrauch zu machen, wenn die Versuche, die in weiterem Umfange fortgesetzt werden, zu einem befriedigenden Ergebnis führen.
Elfriede hätte auch gern französische und englische Konversationsstunden und außerdem sehnt sie sich nach einer gleichaltrigen Gefährtin für den Sommer. So hoffen wir, Ihre beiden lieben Kinder bald in Schornstätten herzlich willkommen zu heißen. Das Landleben tut Städtern gut, und Sie können versichert sein, daß uni allen daran liegt, daß Ihre beiden Kinder sich recht glücklich bei uni fühlen sollen.
Ich denke gern an unsere leider nur so kurze Bekanntschaft und hoffe, wir sehen un- im Winter wieder, wo wir für einige Wochen nach Berlin kommen werden. Bitte um Ihre baldige Antwort, geehrte Frau.
Mein Mann empfiehlt sich Ihnen bestens!
Mit hochachtungsvollem Gruß
Ihre ergebene
Marie von Schorn."
»Ernst, Emmy, lest doch, lest!" rief Frau Ludolff erregt.
„Ach, Mutti, wie herrlich! Aber Ernst, du bleibst stumm! So sprich doch!" eiferte Emmy.
Verwundert blickten die Mutter und Frau West aus Ernst. Ein gequälter Ausdruck lag auf seinem blassen Gesicht. Er stand langsam aus und ging einige Male aus und ab.
»Dar läßt sich nicht so schnell entscheiden", sagte er, „da- muß reiflich erwogen werden."
Er ging in sein Zimmer und kam an dem Abend nicht mehr heraus.
„Wie seltsam Ernst ist", tadelte Emmy, die Feuer und Flamme war.
„Liebes Kind, er hat wohl feine Gründe", sagte die Mutter sanft.
Sie ahnten nicht, welche Kämpfe durch die Seele bei Manne- brausten, der plötzlich eine in Sonnengold getauchte Landschaft vor feinen bei Lichter ungewohnten Augen sich erschließen sah. Einmal genießen, einmal da- kennen lernen, was in jedem Herzen ruht: die Sehnsucht nach der Sonne.
Wie ein stillet Fieber hatte ei an ihm gezehrt, seit er
Aus 3n« und Ausland.
Berlin, den 21. Februar 1911.
S e. Majestät der Kaiser nahm gestern vormittag im hiesigen Königlichen Schlosse die Vorträge bei Staatssekretärs deS Auswärtigen AmtS v. Kiderlen-Waechter und deS Chefs des Zivilkabinetts, Wirklichen Geheimen RateS v. Valentini entgegen. Abends 7 Uhr besuchte Se. Majestät ein Fest in dem Kasino der Landwehrinspektion Berlin. Später begab Sich Se. Majestät zur österreichisch-ungarischen Botschast, wo bei dem Grasen und der Gräfin Szögyeny» Manch ein Tanzfest stattsand.
Der Kaiser hat an eine Anzahl Angehörige der Marine welche sich bei den Arbeiten zur Rettung der Besatzung bei Untersecb otes „U. 3" und zur Rettung des Bootes besonders hervorgetan hatten, OrdenSdekorationen. Rettungsmedaillen und Ehrenzeichen verliehen. Zu den Ausgezeichneten gehören u. a. Kapitänleutnant v. Förster, welcher den Roten Adlerorden 4. Kl. erhielt, Oberlotse Freiwald. dem der gleiche Orden verliehen wurde und Oberleutnant z. S. Valentiner, welcher den Kronenorden 4. Kl. am Bande der Rettungsmedaille erhielt.
Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz hat im Sunderbundsdistrikt fünf Tiger geschossen, die den Viehzüchtern viel Schaden verursacht hatten. Der Kronprinz ist von seinem Aufenthalt in Ost-Bengalen sehr befriedigt und nimmt ein reges Interesse an den Kultivierung-plänen sowie an den lokalen Problemen, die damit zusammenhängen, daß infolge der Veränderungen der großen Flußläufe Inseln bald entstehen, bald verschwinden. Der Kronprinz wird am Mittwoch nach Kalkutta zurückkehren. — Aus einem längeren Bericht, den die „Deutsche Ztg." in ihrer gestrigen Nummer von einem befreundeten, auf Ceylon ansässigen Mitarbeiter erhält, entnehmen wir den nachstehenden Teil, der ein lebensgefährliches Abenteuer des Kronprinzen schildert: Unser Kronprinz hat sowohl hier, wie auf der indischen Reise eifrig gejagt. In Ceylon ist er dabei in Lebensgefahr geraten. Das war an einem der letzten Novembertage, als er in den Dschungeln der Horton Plains pirschte. An jenem Tage sah er sich im dichten Unterholz plötzlich aus wenige Schritte einem Elefanten gegenüber. Der Kronprinz führte eine Fern- rohrbüchje mittleren Kalibers, wie wir sie in Deutschland auf Hochwild benutzen. Trotz der geringen Entfernung hatte seine Kugel nicht die gewünschte Wirkung und daS verwundete Tier nahm ihn an. Die Bewegungen deS anscheinend plumpen Dickhäuters können außerordentlich schnell werden. Sein schwaches Gesicht wird durch seinen Geruchssinn vollkommen ersetzt, und ein Schlag mit dem Rüssel genügt, um einen Menschen zu töten. Vor iVa Jahren habe ich das bei einem Treiben auf Elefanten in der Gegend von Anuradhafura selbst gesehen. Ein Unglück schien unvermeidlich, denn der Kronprinz hatte keine Zeit für einen zweiten Schuß. Aber
mit Elfriede Schorn gesprochen, seit er den Zauber ihrer Nähe mächtig empfunden. Und nun: sie Wiedersehen, ihre süße Stimme hören, viele Tage, viele sonnendurchleuchtete, selige Tage. Er dachte nicht an sein spätere- ödes, traurige- LoS. Sein ganze- Leben war in die kurzen Wochen zusammen- gedrängt, die der Sommer in Schornstätten verhieß. Mochte ei nachher dunkel und kalt werden, er hatte dann wenigstens auch seine Sonnentage gehabt und konnte später darben. Seit er Elsriede von Schorn kennen gelernt, hatte er sich bemüht, sie zu vergessen. Wie sträubte sich alles in ihm gegen die Macht, die sie auf ihn, den ernsten Mann auSübte, und dennoch, dennoch, — eS war stärker, ei warf ihn nieder in den Staub. Sein Herz war frisch und unberührt; noch nie hatte ein weibliches Wesen Gewalt über ihn gewonnen. Mußte es gerade daS hochgeborene, reiche Mädchen sein, die alles hatte, waS ihm sehlte: Rang, Reichtum und andere Reize? —
„Ich bin arm, ohne Namen und ein Krüppel!"
Er sagte es sich mit unerbittlicher Wahrheit in dieser Nacht, in der er hart mit seinem rebellischen Herzen kämpfte. Und alS er am Morgen ausstand, sah er so elend au-, daß seine Mutter ganz erschreckt war.
„Mutter schreibe, daß wir in einer Woche kommen", sagte Ernst kurz.
Er ging schnell inS Bureau; dort erhielt er vier Wochen Urlaub.
Vier Wochen nun im Sonnenschein zu leben! Vier Wochen, um die Sehnsucht nach dem zu stillen, wonach er sein Leben lang die Hände auSgestreckt!
Emmy jubelte, als sie von dem Entschlüsse bei Bruder- hörte. Sie begann, gleich ihre Sommergarderobe in stand zu fetzen; sie hatte ja ein rundes Sümmchen erspart.
Auch Ernst ergänzte daS ihm Fehlende. Er schien die Abreise und den Aufenthalt bei SchornS recht nüchtern anzu- sehen.
Frau West forderte die Mutter und Willi aus, zu ihnen zu kommen. Ihr Mann hatte durch eine wissenschaftliche Arbeit unerwartet ein Honorar erhalten und eine Fischerhütte in Deep gemietet; das schrieb er seiner Frau.