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hersselder Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 29
Donnerstag, den 9. März
1911.
Amtlicher teil.
Her-feld, den 6. März 1911.
Die Herren Bürgermeister und Gut-vorsteher bei Kreise- ersuche ich um Einreichung der Zu- und Abgang-, listen für da- 2. Halbjahr bei Steuerjahres 1910 bi- spätesten- zum 15. d. M t -.
Bei den Begründungen der Zu- und Abgänge ersuche ich, sich genau an den Wortlaut der Begründungen in den Kontrollauszügen zu halten.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission.
Nr. 670. 3. Vertr.:
Fenner, Steuersupernumerar.
Her-feld. den 6. März 1911.
Der Landwirt Karl Sippe! in Bengendors ist alS Bürgermeister dieser Gemeinde für einen achtjährigen Zeitraum gewählt worden.
Ich habe diese Wahl bestätigt und den Gewählten am 4. b. Mt-. eidlich verpflichtet.
A. 1160. Der Landrat
von GruneliuS.
nichtamtlicher teil
Die Fernsprechresorni.
Bei seinem letzten Besuch in BreSlau sagte Kaiser Wilhelm zum Theaterdirektor Dr. Löwe: „Die BreSlauer wollen ein gutes Theater, aber bezahlen wollen sie nicht-." Ganz ähnlich verhält ei sich mit unserer Post, einen tadellos funktionierenden Fernsprechbetrieb, ja, man will au-reichend besoldete Beamte, Unterbeamte und Beamtinnen, aber bezahlen möchte man nicht-. Es wäre unnatürlich, wenn man aus die neue Fernsprechgebührenvorlage nicht räsonniert hätt«; denn der Mensch muß bekanntlich noch geboren werden, der freiwillig und sreudig dem Staate gibt, waS dem Staate gebührt. Ein Kaufmann kann durch ein einzige- Gespräch auf der Fernsprechleitung einige hundert oder tausend Mark verdienen, er wird aber aus die eine Mark schimpfen, die er dabei verausgaben muß. Für die meisten Geschäfte bedeutet der Fernsprecher ungeheure Ersparnisse; denn man erledigt heute fast alle- durch „Gespräche", aber die im Verhältnis dazu wirklich minimale Au-gabe, sie wird unangenehm empfunden.
Es ist und bleibt Tatsache, daß zu viel unnötig, d. h. zwecklos gesprochen wird, soviel unnötig, daß der Post erhebliche Kosten, ebenfalls unnötig, erwachsen. Daß viel zwecklos gesprochen wird, wissen nicht allein die Beamten und Beamtinnen, sondern auch die Teilnehmer selbst. Mancher
Roman
von Freifrau Gabriele von Schlippenbach.
(Herbert Rivulet.)
(Fortsetzung.)
„Nun, Emmchen, da bin ich!"
Elsriede von Schorn Hübsche- Gesicht, von der Winterkälte frisch angehaucht, blickte lachend in die Stube der Majorin Ludolff.
Emmy umarmte die Freundin und rief ihr ein erfreutet Willkommen zu.
„Seit vorgestern sind wir erst hier", plauderte Elsriede, nachdem sie auch die Majorin Ludolff in ihrer herzinnigen Art begrüßt hatte, „ich mußte doch gleich kommen und sehen, wie ei dir geht. Ich hielt e- länger nicht au-! Du bist meine liebste, einzige Freundin geworden! — Und wie siehst du denn au-? Etwas blaß, aber noch eben so lieb wie in Schornstätten! Weißt du, wir bleiben jetzt bis Ostern hier, ich soll in die Welt eingesührt werden."
„Daraus freust du dich gewiß sehr!"
„Natürlich! Er wird himmlisch werden! Aber dich besuche ich oft, ich möchte die Sprachstunden weiter nehmen. Bei uns wird er kaum gehen, da wird man immer gestört. Ich komme lieber zu dir, zweimal in der Woche! Willst du?"
„Gut, aber eS ist ein weiter Weg. Ihr wohnt doch im vornehmen Westen? In welcher Straße?"
„In der Mittelstraße, nicht im Westen; Papa hat dort eine Etage gemietet. Du siehst, e- ist gar nicht so weit von hier. Merke dir die Hautnummer: 44 a. Und nicht wahr, du besuchst mich oft?"
„Ost? Du kleiner Irrwisch, vergißt du, daß ich bis spät am Abend beschäftigt bin, und dann —"
Emmy hielt zögernd inne.
hat sogar au- diesem Grunde seinen Draht wieder abschneiden lassen, „um nicht unnütz so oft behelligt zu werden".
Die offensichtlichen Mißbräuche zu bekämpfen und vernünftigerweise eine gewisse Uebereinstimmung zwischen Leistung und Bezahlung anzustreben, das war der durchaus gesunde Gedanke bei der neuen Fernsprechgebührenvorlage. ES ist lächerlich, Staatssekretär Krätke dabei reaktionäre Gelüste zu- zuschreiben; er ist nur ein Keil in dem System. Solange der Staat Ueberschüsse von der Postverwaltung verlangt, so lange wird der Postches eben dafür sorgen müssen. Beim Staatssekretär Kraetke sieht man nur immer aQei grau in grau, man vergißt, daß er sowohl dem Publikum als auch der Geschäftswelt manches Gute und Schöne beschert hat. Schon die Einführung bei Postscheckverkehr-, die Verbilligung der Gebühren für Briefe nach Amerika auf direktem Wege und noch viele andere Reformen auch im praktischen Dienste werden für immer seinen Namen in den Postannalen verewigen.
ES wäre höchst bedauerlich, wenn die neue Gebührenordnung für den Fernsprechbetrieb vollständig unter den Tisch deS HauseS fiele, sie verdient es wirklich nicht. Gerade bei dem Fernsprechwesen, dat der Allgemeinheit so ungeheuren Vorteil und Erleichterung bietet, wäre eine „kleine" Ausbesserung der Gebühren für die Post, die wenigsten- einigermaßen den Selbstkosten gleichkommt, nur angebracht. Eilt alles dem Fernsprecher zu, Edelmann und Bauer, Kaufmann und Gewerbetreibender, Kriegerverein und Gewerkschaft, wie ein Parlamentarier sich äußerte, so ist zu erhoffen, daß sie auch alle beim „Bezahlen" dabei sein werden, wenn der neue Fernsprechgebührentaris, wie zu erhoffen, nicht vollständig rettung-loS auf Nimmerwiedersehen untertaucht.
Abgeordnetenhaus.
Da- preußische Abgeordnetenhaus setzte am Montag die Beratung bei Etat- der Bauverwaltung fort, wobei der Eisenbahnminister v. Breitenbach zu dem Projekte einer veränderten Führung deS geplanten KanalS von Leipzig nach der Saale erklärte, eine bestimmte Stellung der preußischen Regierung zu dieser Frage sei vor der Verabschiedung des SchiffahrtSabgabengesetzeS im Reichstage ausgeschlossen. Im weiteren Verlaufe der Sitzung verbreitete sich Finanzminister Lentze Über den KurS der preußischen StaatSpapiere.
Reichstag.
Im Reichstage wurde am Dienstag die zweite Beratung deS Militäretats fortgesetzt. Die Verhandlungen begannen mit einem Ordnung-ruf, den der Vizepräsident Dr. Spähn nachträglich dem Sozialdemokraten Hue für unparlamentarische Zwischenrufe erteilte, die dieser in der Freitagssitzung ausgestoßen hat. Die sachliche Beratung begann mit einer Aussprache über den Verkauf deS Tempelhoser Felder. Nachdem der ZentrumSabg. Erzberger kurz über die Verhandlungen in
„Dann —? Nun sprich weiter."
„Ihr habt so viele Bekannte, ich könnte stören."
„Stören? Da- tust du nicht. Aber weißt du, wenn die Eltern allein ausgehen, dann schreibe ich dir, und du leistest mir Gesellschaft. Ja?"
„Gern, Elsriede."
„Abgemacht! Da- wird sein werden!"
Die Schneppertür wurde aufgeschlossen. Elsriede blickte gespannt hin, es war Willi, der au- der Schule kam.
„Unser Jüngster", sagte die Schwester vorstellend.
Willi verbeugte sich etwas linkisch, wie es schnell aufge- schossene Jünglinge in seinem Alter oft tun, dann verschwand er in seinem Zimmer.
„Zu Ostern wird er Abiturient", erzählte Emmy, „und er ist eben erst achtzehn Jahre alt; Ernst will ihn aus- Poly- technikum schicken."
Elsriede hatte mit keinem Worte nach dem ältesten Bruder gefragt, obgleich sie die ganze Zeit an ihn gedacht hatte.
Frau Ludolff hatte den Tee bereitet und den Tisch gedeckt, eine Extraplatte kalten Ausschnitt- holen lassen, dann lud sie in herzlicher Art ihren jungen Gast ein, an der Mahlzeit teilzunehmen.
„Wie traulich ist hier alle-", sagte Elsriede, sich an den Tisch setzend. „Gnädige Frau, erlauben Sie mir, zu Ihnen zu kommen, wenn ich übersättigt von allen Bällen und Ver- gnügungen bin? Ich alt Landkind werde mich nicht zurecht- finden im Wirbel der großen Stadt."
„Gewiß, liebe- Fräulein, kommen Sie nur", entgeg- nete die Majorin freundlich. „Ihre Eltern und Sie haben unt zu Dank verpflichtet durch die schönen Wochen, die Ernst und Emmy vorigen Sommer in Schornstätten verlebten."
„O, der Dank ist nur auf unserer Seite, ei war eine schöne Zeit für uns!"
Elfrieden- Augen glänzten. Sie schwieg und blickte vor sich nieder.
„Wie geht et denn Ihren lieben Eltern?" fragte Frau Ludolff.
der Budgetkommission berichtet hatte, ergriff da- Wort der freisinnige Abg. Dove. Er erklärte, er wolle die Frage nicht vom Berliner Standpunkt aus erörtern, sondern unter etatS- rechtlichen Gesichtspunkten, die für die Volksvertretung bei Reiches die Hauptsache sein müßten. Redner ist der Meinung, daß die Genehmigung deS Reichstages zu dem von der Militärverwaltung abgeschlossenen Vertrag erforderlich sei, wenn auch diese Auffassung in der Praxis bisher nicht zur Geltung gekommen fei. Der Abg. Dr. Wiemer (Bp.) kritisierte den Kaufvertrag sachlich, der nach seiner Ansicht den örtlichen Interessen nicht in dem Maße Rechnung trägt, wie eS der Reichstag im vorigen Jahre gewünscht habe; er begründet eine Resolution, den Reichskanzler zu ersuchen, er möge etwaige Bestrebungen auf Herbeisührung einer Verständigung zwischen den Beteiligten und der Stadt Berlin unterstützen.
Aus 3h* und Ausland.
Berlin, den 7. März 1911.
Nachdem Se. Majestät der Kaiser gestern in Wilhelmshafen die Kaiserwerft besichtigt hatte, fand bei Nllerhöchstdemselben auf der Deutschland Frühstück-tafel statt, an der der Großherzog von Oldenburg teilnahm. Nachmittags um drei Uhr setzte Se. Majestät der Kaiser die Besichtigung bei der südlichen Hafenerweiterung fort und kehrte um 4 Uhr auf die Deutschland zurück. Se. Majestät nahm später an einem Herrenabend in der OffizierSspeiseanstalt teil und kehrte um Mitternacht zum Linienschiff Deutschland zurück, das heute früh gegen 4 Uhr in Begleitung der Kreuzers Hela und der Depeschenboote D 4 und 8 74 nach Helgo. land in See ging.
Nach Aufzeichnungen der Deutschen Tageszeitung sind bisher für die Reichstagswahlen 730Kandid aten aufgestellt worden, und zwar 162 der nationalliberalen, 160 der sozialdemokratischen Partei, 126 der Fortschrittlichen Volkspartei, 97 der deutsch-konservativen Partei, 63 bei ZentrumS, 62 der Wirtschaftlichen Vereinigung und der Deutschen Reformpartei, 33 der Reichspartei, 15 Polen, 9 Weisen, 2 ElsSsser und 1 Däne. In 48 Kreisen ist noch kein Kandidat, in 36 Kreisen sind mehr ali 3 Kandidaten ausgestellt worden.
Ein Glanzjahr der preußischen Eisenbahn v e r w a l t u n g ist daS verflossene Jahr gewesen. Nach Mitteilungen, die der Minister der öffentlichen Arbeiten von Breitenbach in der Budgetkommission deS preußischen Abgeordnetenhauses gemacht hat, darf man annehmen, daß daS Jahr 1910 eine bisher noch nicht erreichte Höhe bei ReinüberfchusseS verzeichnen wird; denn e- ist anzunehmen, daß daS Ergebnis noch glänzender sein wird,, als in der ersten Lesung des Etats bereits angegeben wurde. Bisher hat daS Jahr 1905 den höchsten Remüberfchuß gebracht, nämlich 257 Millionen Mark. Und dieser Betrag wird mit
„Ausgezeichnet. Beide sind frisch und munter, nur sorgen sie sich, wenn längere Zeit kein Bries von Bruno kommt. Es geht eben in Afrika böse her. Die Herero kämpfen gegen unsere Soldaten; ei sind schon einige Offiziere gefallen oder schwer verwundet worden. Bruno schreibt voll Mut und Zuversicht, daß die deutschen Waffen bald siegen werden."
Emmy wußte da- alle- auch, sie sagte aber nicht, daß sie mit Bruno von Schorn im Brieswechsel stand. Ihrer Mutter hatte sie es mitgeteilt; sie dankte - ihr im stillen, daß sie jetzt keine Silbe davon gegen Elsriede erwähnte. ---
„Um halb acht muß ich fort“, sagte die Baronesse, nach der Uhr sehend.
Da wurde zum zweiten Male die Schneppertür geöffnet. Ernst kam aus dem Bureau zurück.
Mit leichter Befangenheit reichte Elsriede ihm die Hand, die er mit ruhiger Höflichkeit drückte, sich tief dabei verneigend.
Ruhig nur äußerlich, sein Herz pochte zum Zerspringen. Ueber ein halbes Jahr war vergangen. Er hatte gehofft, sie nie wieder zu sehen! WaS in jenen Sommertagen über ihn gekommen, es mußte überwunden werden. Die strenge Selbstzucht, die er sein ganzes Leben geübt, sie durfte ihn nicht im Stiche lassen. Aber als er sie so unerwartet vor sich sah in ihrer holden Jugendblüte, als er den schüchternen bangen Ausdruck in dem unvergessenen Antlitze sah, da wußte er, daß er vergeblich mit sich gerungen, hart und schwer, da beugte er sich dem zwingenden Muß, dem Kismet, dem wir alle unterworfen sind.
„Ich wußte nicht, daß Sie schon jetzt in Berlin sind, Baronesse", sagte Ernst ruhig.
„Wir sind erst vorgestern gekommen, Herr Ludolff."
Die Unterhaltung stockte. Nach einer Weile erhob Elsriede sich.
„Ich muß jetzt gehen", sagte sie. „Leben Sie wohl, Frau Majorin."
„Gestatten Sie, daß ich Sie begleite?" fragte Ernst.
„Ja, ich bitte. Emmy, kommst du mit?"