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hersMer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Snschlutz Nr. 8
Nr. 33. Sonnabend, den 18. März 1811.
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Amtlicher teil.
HerSseld, den 15. März 1911.
Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher der Kreise-, welche mit derEinreichung der Zu- und Abgangslisten noch im Rückstände sind, — Setfügung vom 6. März d. I. I. Nr. 670 — werden mit Frist bis spätestens zum 20. d. M t s. hieran erinnert.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission:
I. Nr. 670. von Grunelius.
Bekanntmachung.
Die Zustellung der KriegSbeorderungen und Paßnotizen erfolgt in diesem Jahre in der Zeit vom 24. 3. 1911 ab in den Ortschasten, welche nicht zum Landbestellbezirk HerSseld gehören, durch die Post, in den zum Landbestellbezirk gehörigen Ortschasten durch die Ortsbehörden, in der Stadt HerSseld durch Ordonnanzen. ;
Die noch nicht zur dienstlichen Kenntnis gebrachten Woh- nungs-Veränderungen (Aenderungen der Hausnummern) sind sofort zu melden.
Die Mannschaften deS Beurlaubtenstandes haben den An- Weisungen aus der den KriegSbeorderungen beigesügten Postkarte strengstens Folge zu leisten. Vor allem ist die Postkarte, welche als Quittung dient, am 1. April abzusenden. Bei Ab- serdung der Postkarte nach Unterschrift ist die alte Kriegs- beorderung oder Paßnotiz sofort zu vernichten.
Hersseld, den 15. März 1911.
Königliche- Bezirk-kommando.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Während der BerichtSwoche hat der Nestor der deutschen BundeSsürsten, Prinzregent Luitpold von Bayern, seinen 90. Geburtstag gefeiert. Ganz Deutschland hat an diesem Ereignisse freudigen Anteil genommen, jodaß die Feier nicht nur einen häuSlich-dynastischen, sondern zugleich auch allgemein nationalen Charakter trug, und das mit vollem Rechte. Denn Prinz Luitpold hat seine reich-treue Gesinnung jederzeit betä- tigt und sich seit den großen Tagen von 1870 stets als Förderer deS ReichsgedankenS bewährt. Und nicht bloß ReichS- treue, sondern Treue überhaupt, deutsche Treue, Treue gegen Gott, Treue gegen sein bayerische- Volk und Treue gegen sein königliches HauS, ist daS auszeichnende Merkmal in dem langen, gesegneten Leben der Prinzen Luitpold gewesen. Neben der Treue aber verklärt edelste HerzenSgüte sein Wesen und Wirken. Diese Herzensgüte läßt ihn mit einer fast möchte man sagen, hellseherischen Genialität die stillen Nöte derer finden und lin- dern, die es nicht über sich vermögen, die Oeffentlichkeit um Hilfe anzurufen. So ist sein Erdenwallen zu einer SegenS- fpur für ungezählte Arme und Leidende geworden. Eine seltene Gnade Gottes hat den greisen Fürsten fast drei Menschenalter schon in beispielloser Rüstigkeit und Frische durchleben lassen, möge ihm diese Gnade auch weiterhin erhalten bleiben! Jeder Tag, jedes Jahr, das Gott seinem Leben noch gewährt, ist Freude und Gewinn für daS deutsche Volk.
Im englischen Unterhaus- hat sich sowohl der Staatssekretär deS Auswärtigen Sir Edward Grey, wie auch der erste Lord der Admiralität Mc. Kenna in stark deutschfreundlichem Sinne geäußert. Wir freuen uns dessen und sind überzeugt, daß derartige Aeußerungen in den weitesten Kreisen Deutschlands einen durchaus sympathischen Widerhall finden werden. Die optimistische Auffassung aber, die Sir Edward Grey inbezug aus das Schiedsgericht-wesen und die „heilsame Bewegung, teilt, „die das Uebel an der Wurzel faßt und die öffentliche Meinung aller Länder so beeinflußt, daß sie der Flut der Ausgaben der Welt (militärischer und maritimer Art) zum Stillstand bringt", vermögen wir nicht ganz zu teilen. Ueber das Maß der Ausgaben für Rüstung-zwecke entscheiden am letzten Ende doch immer die realpolitischen und nationalen Interessen der einzelnen Völker, und wenn die Interessen eine Verstärkung der Wehrkraft erfordern, so dürste sich hieran kein Land durch fremde Instanzen hindern lassen.
Der A u s st a n d i n Mexiko hat dadurch ein hoher Interesse gewonnen, daß die Vereinigten Staaten sich zu einer Mobilisierung von 20000 Mann amerikanischer Truppen an der mexikanischen Grenze entschlossen haben. Da- gibt natürlich für die professionellen Konjekturpolitiker Anlaß zu Mutmaßungen weitreichender Art, die darin gipseln, daß da- Ziel der Union kein geringeres sein soll als die Eroberung von Mexiko, obwohl die einfache Erwägung, daß Mexiko mit einer so geringen Truppenzahl niemals unterworsen werden könnte, schon für sich allein genügen würde, um die Unterstellung solcher Absichten von vornherein auSzuschließen. Deutschland-Stellungnahme zu der mexikanischen Angelegenheit ist klar und deutlich vorgezeichnet. Wenn wir schon in Europa nicht den Drang empfinden, den HanS Dampf in allen Gassen zu spielen, so trifft da- noch mehr zu. Sollten in mexikanischen Hasenstädten
Unruhen vorkommen, bei denen die fremden Behörden deutsche Bürger nicht ausreichend schützen könnten, so würde Deutschland zu erwägen haben, ob eS von einem klaren und auch von den Vereinigten Staaten stets rückhaltSlos anerkannten Rechte Gebrauch machen und Kriegsschiffe dorthin senden soll. In die innern Verhältnisse Mexikos aber wollen und werden wir uns niemals einmischen.
Der Gesetzentwurf über die Pflichtfortbildungsschulen.
Dem preußischen Abgeordnetenhause ist der Entwurf eines GesetzeS betreffend die Errichtung und den Besuch von Pflicht- fortbildungsschulen zugegangen. DaS Gesetz bezweckt die Errichtung von Fortbildungsschulen und die Verpflichtung zu ihrem Besuche, die beide bisher von der Entschließung einzelner Gemeinden abhängig waren, auf eine neue Grundlage zu stellen. Alle Gemeinden mit 10 000 und mehr Einwohnern sollen verpflichtet werden, Fortbildungsschulen zu errichten. Dieselbe Verpflichtung soll unter bestimmten Voraussetzungen auch kleineren Gemeinden durch Beschluß des Bezirksausschusses auserlegt werden können, während im allgemeinen eS bei diesen dabei verbleiben soll, daß die Errichtung einer Fortbildungsschule von ihrem freien Ermessen abhängt.
Zum Besuch der aus Grund deS GesetzeS zu errichtenden Fortbildungsschulen will daS Gesetz alle in den betreffenden Gemeinden in öffentlichen oder privaten Diensten beschäftigten männlichen Personen unter 18 Jahren drei Jahre lang verpflichten. DaS Gesetz e veitert somit die FortbildungS- jchulpflicht über den Bereich der gewerblichen Arbeiter im Sinne der Gewerbeordnung, die bisher allein zum Fortbil- dungSschulbesuche herangezogen werden konnten. Nach der dem Gesetz beigegebenen Begründung werden 42 Gemeinden genötigt werden, Fortbildungsschulen neu zu errichten; die Zahl der zum Schulbesuch neu heranzuziehenden jungen Leute wird auf 93 600 veranschlagt. Ausgenommen von der gesetzlichen Schulpflicht sind die weiblichen Arbeiter. Dagegen ist für die Gemeinden die Möglichkeit vorgesehen, auch diese im Wege deS Ortsstatuts zum Besuche der Fortbildungsschule zu verpflichten.
Der Unterricht in der Fortbildungsschule soll für jeden Schüler jährlich 240 Stunden umfassen, die in der Regel auf 40 Wochen zu verteilen sind. Durch statutarische Bestimmung kann die Stundenzahl erhöht oder mit Genehmigung der AussichtSbehörden bis aus jährlich 160 ermäßigt werden. Ueber die Unterrichtsstunden bestimmt daS Gesetz, daß sie auf die Werktage und in die Tagesstunden zwischen
7 Uhr morgens und 8 Uhr abends zu legen, und daß Ausnahmen von diesem Grundsätze nur aus besonderen Gründen mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde zulässig sind. In den Strasbestimmungen folgt daS Gesetz den Vorschriften der Gewerbeordnung, ergänzt und mildert sie indes durch die Bestimmung, daß eine polizeiliche oder gerichtliche Bestrafung von Fortbildungsschülern nur erfolgen kann, soweit nicht Bestrafung im Wege der Schulzucht erfolgt ist. Als Tag deS Inkrafttretens deS GesetzeS ist der 1. April 1912 in Aussicht genommen. Die Aufsicht über die Fortbildungsschulen ist den Regierungspräsidenten, die Ausführung deS Gesetzes dem Minister für Handel und Gewerbe zugewiesen.
Reichstag.
Der Reichstag führte am Mittwoch die mehrtägige allgemeine sozialpolitische Debatte zum Etat deS ReichSamteS deS Innern zu Ende und genehmigte dann den Ausgabeposten „Gehalt deS Staatssekretärs". In der MittwochSdiSkufsion sprachen die Abgeordneten Graf v. Carmer (kons.), GiesbertS (Zentr.), Sachse (soz.), Schwabach (nat.-lib.), Gotheim (Fortschr. Vp.) und Seyda (Pole), sowie regierungsseitig Staatssekretär Dr. Delbrück, wobei wiederum die verschiedensten sozialpolitischen Themata aus- Tapet kamen. Nach Genehmigung deS genannten AuSgabepostens sanden noch eine Anzahl der zum Etat deS ReichSamteS deS Jnnnern beantragten Resolutionen und außerdem eine Reihe weiterer Ausgabepositionen Genehmigung.
Der Reichstag setzte am Donnerstag die zweite Beratung des ReichSamteS deS Innern fort. Der ZentrumSabgeordnete Dr. Pseiffer führte Beschwerde über die ZentralisationS- bestrebungen des Generaldirektors v. Tschudi in München, der alle Kostbarkeiten nach Berlin in das Kaiser-Friedrich-Museum bringen wolle. Der Abg. Gras-Weimar (Wirtsch. Vereinig.) begründete eine Resolution, in der die Einstellung von 10,000 Mark zur Unterstützung der Rationalsestspiele für die deutsche Jugend in Weimar befürwortet wird. Die Abgeordneten Dr. Pfeiffer (Zentrum) und Dr. Heckscher (Vp.) schließen sich ihm an unter der Voraussetzung, daß die Politik dabei auS dem Spiele bleibt. Der Abg. Bassermann (natl.) fragt an, wie eS mit der Reichsanstalt für Luftschiffahrt am Bodensee stehe. Der Abg. Frhr. v. Richthosen (kons.) meint, der Reichstag habe einen dahingehenden Beschluß im vorigen Jahre unter dem Eindrücke des tragischen TodeS eine» Kollegen gefaßt. Seine Freunde hielten eine solche Reich-anstalt nicht mehr
für notwendig, seien aber bereit, eine Privatanstalt zu subventionieren. Staatssekretär Dr. Delbrück sührt aus, daß die Frage noch nicht völlig geklärt sei. Eine Zentralstelle zur Förderung der Aviatik sei nötig. Daß aber eine Reich-anstalt erforderlich sei, halte er für unwahrscheinlich.
Ab geordnetenh aus.
Das Abgeordnetenhaus vereinbarte am Donnerstag aus eine Anregung deS Abg. Frhrn. von Zedlitz, der für die Mehrheit sprach, folgendes: Die Etatsberatung soll möglichst biS zum 24. März beendet sein. In dieser Zeit soll von Gesetzesvorlagen nur daS Ausführungsgesetz zur Reich-wert- zuwachSsteuer in erster Lesung beraten werden. In der Zeit kurz vor den Osterserien bis zum 6. April sollen dann die anderen Gesetzentwürfe besprochen werden. Die Kommissionen werden vom 25. April bis 2. Mai arbeiten, während das Plenum erst am 2. Mai wieder zusammentritt. Präsident von Kröcher teilte zwar den Optimismus, daß der Etat biS zum 24. März fertiggestellt werden könne, nicht, erklärte aber, nach dem Beschluß des Hauses Verfahren zu wollen. Hieraus wurde die Beratung deS KultuSetats fortgesetzt. Im Vordergrund der Debatte stand die Frage der Begründung einer städtischen Universität in Frankfurt. Man kann nicht sagen, daß die Aussichten dafür günstig sind; denn außer dem Vertreter Frankfurts standen doch die meisten Redner dem Gedanken recht skeptisch gegenüber. Ja, eS lag auch ein Antrag vor, der verlangt, daß die Begründung dieser Universität nur aus Grund eines GesetzeS geschehen soll. Der Kultusminister hatte zwar gegen diesen Antrag nicht- ein« zurrenden aber er hielt die Bestimmungen deS allgemeinen Landrechts für genügend, um die Begründung einer Universität von der Genehmigung des StaateS abhängig zu machen. Im übrigen ist an ihn offiziell die Frage noch gar nicht herangetreten. Eine eifrige Fürsprache widmete der Minister nachher der Kaiser-Wilhelms-Gesellschast; er zerstreute die von einem Redner geäußerten Bedenken, daß durch die beabsichtigte Errichtung besonderer Forschungsinstitute daS Ansehen unserer Universitäten leiden könne. An dem Grundsatz unserer Hochschulen, die Lehre und Forschung verbinden, soll nichts geändert werden. Die Rechte der Regierung den Universitäten gegenüber zu erweitern, hielt der Minister nicht für notwendig. An diese Ausführungen schloß sich eine lange Rede des Bell (Zentr), der eS sich noch nicht versagen konnte, freilich ohne Namensnennung den Profefforenstreit zu streifen. Er bedauerte daS Cliquenwesen und daS AuSfechten eine- literarischen Streites mit der Pistole.
Aus ]n- «na Ausland.
Ihre Kaiserlich en Majestäten und die Prinzessin Viktoria Luise wohnten gestern der Vorstellung von Richard Wagners Lohengrin im Opernhause bei. Die Majestäten und die Prinzessin verblieben biS zum Schluß der Vorstellung und beteiligten Sich lebhaft am Beifall.
Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin besuchten gestern in Kairo den Sportklub. Am Abend fand ein Galadiner beim Khedive statt. Ein offizieller Empfang der deutschen Kolonie ist bisher nicht erfolgt. DaS Kronprinzenpaar lebt vollkommen privat. Eine in Kairo erscheinende illustrierte Zeitung brächte daS Bild des Kronprinzen in Kürajsieruniform.
Die PetitionSkommission des Reichstages beantragte zu der Petition beir. Festlegung deS Osterfestes folgende Resolution: Den Reichskanzler zu ersuchen, durch geeignete Maßnahmen dahin zu wirken, daß entsprechend den Beschlüssen des Handwerker- und GewerbetageS und der deutschen Handelslager die großen zeitlichen Schwankungen deS Osterfestes beseitigt und das Osterfest auf einen bestimmten Sonntag sestgelegt wird.
Die Zahl der Einäscherungen in den d e u t s ch e n K r em a - torien wächst beständig. Wenn sie sich im Monat Februar nicht ganz so hoch stellt wie im Monat Januar, so ist sie doch um 43 Prozent höher als in demselben Monat deS vergangenen Jahres. Unter den 24 Krematorien mit 615 Verbrennungen steht Chemnitz mit 70 an der Spitze, es folgen dann Leipzig und Gotha mit je 55 Leichenbestattungen.
Die intimen Beziehungen zwischen den Höfen von Berlin und Wien werden durch die bevorstehende neueste Begegnung Kaiser Wilhelm- mit Kaiser Franz Joses und den bald darauf erfolgenden offiziellen Besuch des deutschen kronprinzlichen Paares in der österreichischen Hauptstadt zweifellos eine weitere Vertiefung erfahren. Kaiser Wilhelm trifft, laut einer offiziösen Berliner Mitteilung, auf der Reise nach Korfu begriffen, am 24. März vormittags in Schloß Schönbrunn zum Besuche deS Kaisers Franz Josef ein und reist dann abends nach Venedig weiter. Der signalisierten jüngsten Begegnung der beiden Kaiser ist allerdings schwerlich eine besondere politische Bedeutung zuzu- sprechen, da sie mehr einen familiären Charakter aufweist. Immerhin beleuchtet daS Ereignis erneut daS innige Verhältnis zwischen den zwei befreundeten und verbündeten mächtigen Herrschern, wie auch zugleich den langjährigen festen