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Herchlder Kreisblatt
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 34. Dienstag, den A. März 1911.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 14. März 1911.
Aus der Nachprüfung der dem Königlichen Preußischen Statistischen LandeSamt gemäß Ziffer III und IV der Anweisung zur Ausführung der BundeSratS-Bestimmung über die Fleischbeschau- und Schlachtviehstatistik vom 31. Oktober 1908 zugehenden VierteljahreS-Nachweise hat sich ergeben, daß verschiedentlich nur die lediglich vom Trichinenschauzwange betroffenen Schweine in die Trichinenschaunachweise, die der Fleischbeschau und der Trichinenschau unterworfenen Schweine dagegen nur in die Nachweise über die Allgemeine Fleischbeschau eingetragen worden sind. Diese Auffassung ist unrichtig. Ich mache darauf ausmerksam, daß in die vierteljährlichen Nachweisungen über die Trichinenschau alle auf Trichinen (einschl. Finnen) untersuchten Schweine auszunehmen sind, also auch die der Fleischbeschau und der Trichinenschau unterworfenen Schweine unbeschadet dessen, daß sie auch in der Jahresstatistik über die Fleischbeschau nachzuweisen sind.
Die OrtSpolizeibehörden ersuche ich, die Fleischbeschau« hieran unter Vorlage dieser KreiSblatt-Nummer in Kenntnis zu setzen.
I. 3147. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, Kreissekretär.
HerSfeld, den 15. März 1911.
Ich bringe meine Verfügung vom 17. Februar d. Jr. I. A. Nr. 1032 Kreisblatt Nr. 21 betreffend Aufstellung deS Voranschlags für das Rechnungsjahr 1911 in Erinnerung und sehe ihrer Erledigung bestimmt bis zum 28. d. MtS. entgegen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
A. 1032. von GruneliuS.
„Die Maurerlehrlinge deS Kreises HerSfeld, welche ihre Gesellenprüfung machen müssen, werden ausgesordert, sich bei dem Unterzeichneten zu melden und nachstehende Schriftstücke einzusenden.
1. Gesuch um Zulassung zur Gesellenprüfung. 2. den eigenhändig geschriebenen LebenSlauf. 3. DaS Zeugnis deS Lehrmeisters. 4. Zeugnis der Volksschule. 5. daS Zeugnis der Fortbildungsschule, sofern dieselben eine solche besucht haben. 6. den Lehrvertrag.
Der PrüfungStermin wird den Lehrlingen schriftlich mitgeteilt werden.
Hersfeld, den 14. März 1911.
H. Schulz, Maurermeister.
Wird veröffentlicht. HerSfeld, den*16. März 1911.
I. 3301. Der Landrat.
I. A.: Wessel, KreiSfekretär.
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Roman von Freifrau Gabriele, von Schlipp« ab ach
(Herbert Rivulet.)
(Fortsetzung.)
Sie laS die Zeitungen in zitternder Angst. Die Kämpfe mit den Herero forderten Opfer; wie würde das enden? Immer neue Soldaten schifften sich nach Asrika ein, immer neue Verlustlisten brachten Trauer über die Familien.
Und da stand eine- Tage-, wovor die in Schornstätten gebangt hatten: „Leutnant Bruno v. Echorn schwer verwundet." Auch Emmy laS eS, und ihr Herz trauerte.
Elsriede schrieb jetzt oft. Sie teilte der Freundin mit, daß ihr Bruder im Lazarett lag. Sobald er reisen durste, sollte er nach Schornstätten transportiert werden.
„Gottlob, er bleibt am Leben," dachte Emmy ausatmend, ich werde dich wiedersehen."
Sie war, als die Ferien angingen in Schornstätten wo sie in alter, herzlicher Art begrüßt wurde; FrauLudolffS und Willi begleiteten West- nach Deep.
Von LörsbachS kamen Briefe an die treuen Freunde; sie waren inmitten der Alpen, im Berner Oberland. Der Hauptmann erholte sich täglich mehr und fühlte sich imstande, feinen Dienst im Herbste wieder antreten zu können.
„Mutting, die beginnen ein neue- Leben," jagte West, „sie haben sich wiedergesunden. Die schwere Prüfung-zeit hat Jrmgard geholfen, ein besserer Mensch zu werden. Gott schreitet ein, wenn e- not tut. E- mußte etwa- geschehen, um Frau von LörSbach die Augen zu öffnen'"
Elsriede holte Emmy in der Ponyequipage von der Bahn ab. Die in tiefe Trauer geneidete Freundin sah so angegriffen auS, das Elsriede erschrak und sich vornahm, sie recht zu Pflegen.
„Er fehlt. Vorige- Jahr war Ernst noch hier".
Ost dachte Baronesse von Schorn eS still und traurig.
Bekanntmachung.
Die Zustellung der KriegSbeorderungen und Paßnotizen erfolgt in diesem Jahre in der Zeit vom 24. 3. 1911 ab in den Ortschaften, welche nicht zum Landbestellbezirk Hersseld gehören, durch die Post, in den zum Landbestellbezirk gehörigen Ortschaften durch die OrtSbehörden, in der Stadt HerSfeld durch Ordonnanzen.
Die noch nicht zur dienstlichen Kenntnis gebrachten Woh- nungS-Veränderungen (Aenderungen der Hausnummern) sind sofort zu melden.
Die Mannschaften deS Beurlaubtenstandes haben den Anweisungen auf der den KriegSbeorderungen beigefügten Postkarte strengstens Folge zu leisten. Vor allem ist die Postkarte, welche alS Quittung dient, am 1. April abzufenden. Bei Ab- sendung der Postkarte nach Unterschrift ist die alte Kriegs- beorderung oder Paßnotiz sofort zu vernichten.
HerSseld, den 15. März 1911.
Königliche- Bezirkskommando.
nichtamtlicher teil.
Sie Eröffnung des »WMtMiWB
21. März 1871.
Unter Krieg-unwettern war der Grundstein deS neuen Deutschen Reiches gelegt worden; eS galt nun, im Frieden dessen Ausbau zu fördern. Am 21. März 1871 wurde der erste deutsche Reichstag von dem soeben auS dem Felde zurückgekehrten Kaiser Wilhelm I. eröffnet. Vor den durch direkte allgemeine Wahlen erkorenen Volksvertretern Nord- und SüddeutschlandS gab der siegreiche Kaiser zunächst seinem „demütigen Danke gegen Gott Ausdruck für die weltgeschichtlichen Ersolge, mit denen seine Gnade die treue Eintracht der deutschen Bundesgenossen, den Heldenmut und die Manneszucht unserer Heere und die opsersreudige Hingebung deS deutschen Volke- gesegnet hat." Der Geist, der in dem deutschen Volke lebe und seine Bildung und Gesittung durch- dringe, nicht minder die Verfassung deS Reiches und seine HeereSverfassungen würden Deutschland inmitten feiner Erfolge vor jeder Versuchung zum Mißbrauch seiner durch seine Einigung gewonnenen Kraft bewahren. Dann schloß Kaiser Wilhelm seine Thronrede mit den Worten: „Möge die Wiederherstellung deS Deutschen Reiche- für die deutsche Nation auch nach innen daS Wahrzeichen neuer Größe sein! Möge dem deutschen ReichSkriege ein nicht minder glorreicher Reich-sriede folgen, und möge die Aufgabe deS deutschen Volkes fortan darin beschlossen fein, sich in dem Wettkompse um die Güter der Frieden- al- Sieger zu erweisen! DaS walte Gott!" — Jubelnd stimmte die Versammlung in den Hochruf aus den Kaiser ein, die erste Huldigung, welche ihm daS deutsche Volk im FriedenSkleide in seiner Gesamtheit zollte.
Der erste deutsche Reichstag war am 3. März gewählt
Ein Ausdruck nachdenklichen Ernstes lag jetzt auf den Zügen deS jungen Mädchen-, und sie lachte nicht mehr so oft wie früher. —
Frau Marie bereitete alle- zum Empfange deS Sohnes vor, der erst gegen Mitte Juli eintreffen konnte. Seine Verwundung hatte ihm den linken Fuß gekostet, und das Fieber der Tropen hatte ihn gepackt. Trotzdem schrieb er heitere Briese nach Hause. Ein kleiner Zettel lag einmal in einem Brief an Elfriede; er war für Emmy bestimmt und lautete:
„Mein treuer, kleiner Kamerad, ich kehre al- ein anderer Mensch nach Deutschland zurück, al- Krüppel, aber innerlich gesundet, frei von dem, waS mir früher anhastete. Ich habe die Schule de- Leben- durchgemacht und nicht umsonst!
Daß ich Sie in Schornstätten finde, ist mir eine große Freude!
In herzlicher Freundschaft Ihr Kamerad
Bruno von Schorn."
„Freundschaft!" dachte Emmy. „Ist es Freundschaft, was mein Herz so schnell pochen macht beim Gedanken an da- Wiedersehen? Er ist mir durch unseren Briefwechsel mehr geworden, viel mehr. Und doch, ich muß eS mir auf dem Sinne schlagen, e- dars ja nimmer sein. Ich die kleine, graue Motte, die Schattenblume, und er Aristokrat, der Sohn reicher Eltern!"
So befreundet Elsriede und Emmy waren, sie sprachen nie über da-, war sie inbezug aus ihre Brüder bewegte. Wohl hatte Emmy die still verschwiegene Liebe Ernst- geahnt, und in letzter Zeit war auch der Baronesse manche- ausgefallen: der schnelle Wechsel der Farbe auf dem Gesicht EmmyS, wenn von Bruno die Rede war, dir sehnsüchtige Traurigkeit, wenn sie fein Bild anschaute. Sollte auch sie lieben? Es konnte ja nie etwa- daraus werden, die Eltern würden e- nicht zu. geben. —
Graf Leopold Rombeck war noch auf der Reife, niemand wußte, wann er heimkehrte.--- —
Baron Schorn holte den Sohn au- Kiel ab; Mutter und Schwester hatten alles zu feinem Empfange vorbereitet und erwarteten ihn voll banger Sehnsucht.
woben. In der Hochflut der Begeisterung wurde die Vater- landSlose Sozialdemokratie bis auf die Abgeordneten Bebel und SchrapS hinweggesegt. Vor der ReichstagSerössnung war Bismarck zum Vortrage beim Kaiser erschienen, und da gab dieser dem treuen Berater den höchsten Beweis seiner dankbaren Huld, indem er ihn in den erblichen Fürstenstand erhob.
Der erste deutsche Reich-tag wurde mit der Ausgabe betraut, die Wunden nach Möglichkeit zu heilen, welche der Krieg geschlagen hatte, und den Dank deS Vaterlandes denen zu betätigen, die den Sieg mit ihrem Blut und Leben erkauft hatten, sodann aber auch die Verfassung des Deutschen ReicheS sestzusetzen. Der Reichstag genehmigte dementsprechend bald die Bildung eines ReichSinvalidensonds von 240 Millionen Mark, bewilligte 12 Millionen Mark zur Unterstützung der Landwehrund Reservemänner und ebensoviel zu Ehrengaben an die verdienten Generale und Staatsmänner. Die Hauptarbeit bei ersten deutschen Reichstages war aber die Genehmigung der ReichSversaffung, die am 14. April mit allen gegen 7 Stimmen angenommen und nach Zustimmung deS Bundesrates am 20. April als Gesetz verkündet wurde. Hiernach bildet baf Deutsche Reich einen Bund zum Schutze deS Bundesgebiete- und des innerhalb derselben gültigen Rechtes sowie zur Pflege der Wohlsahrt deS deutschen Volkes. Gegen den alten deutschen Bund hatte dieses Bundesgebiet den großen Vorzug, daß Oesterreich mit seiner weitaus größern Mehrheit von nicht- deutschen Bewohnern sowie Luxemburg ausgeschlossen wurden. Seine Bevölkerung war von vornherein gleichartig, eS barg nur wenige Millionen sremder Bestandteile an seinen Grenzen und in seinem Innern. Das Präsidium deS Deutschen Reiche- steht dem Könige von Preußen alS Deutschen Kaiser zu, der daS Reich völkerrechtlich bei Friedensschlüssen, Bündnissen und Verträgen vertritt; zur Kriegserklärung bedarf er, außer bei einem Angriffe auf das BundeSgebiet und dessen Küsten, der Zustimmung deS BundeSrate-. Dieser besteht auf den Vertretern der Mitglieder des Bunde- und ist recht eigentlich eine Körperschaft, in welcher die einzelnen Staaten zur Vertretung gelangen. Der Reichstag, dessen Mitglieder durch allgemeine und direkte Wahlen mit geheimer Stimmabgabe gewählt werden, bildet die Vertretung des gesamten deutschen Volkes.
So war der Bau de- neuen Deutschen Reiches unter Dach und Fach gebracht. Wie doch ganz anders stand et da, als einst daS heilige römische Reich deutscher Nation! DaS Sehnen eine- ganzen Volke- war unter GotteS Führung allein durch seine eigene Tatkrast erfüllt worden; keine fremde Macht hatte eS gewagt, wie früher so oft, den Ausbau durch ihren Einspruch zu stören; aus der SiegeSstätte deutscher Tapferkeit hatte Kaiser Wilhelm die Krone aus dem freien Entschluß der Fürsten und Völker Deutschlands empsangen! Ein rein nationale- deutsches Kaisertum war aus den Siegesgefilden in Frankreich entstanden. Möchte nun, unter dem zielbewußten Walten unseres tatkräftigen Kaiser- Wilhelm II. daS Wort deS Dichter- zur Wahrheit werden: „Und es wird am deutschen Wesen einmal noch die Welt genesen."
Emmy hatte sich zurückgezogen, al- die Stunde der An* kunft nahte; ihr seines Taktgefühl verbot es ihr, beim ersten Wiedersehen der Familie zugegen zu sein.
Sich schwer auf den Arm seines Vaters lehnend, verließ der junge Offizier den Wagen. In der Hand hielt er eine Krücke, auf die er sich stützte! daS rechte Hosenbein hing schlaff herunter, der Fuß fehlte ja. Und wie mager und gelb war das blühende, lebensfrohe Gesicht geworden! DaS Fieber leuchtete auf den tief eingesunkenen Augen, daS Haar lag feucht und gelichtet an den Schläfen, die straffe Gestalt war zusammengefallen.
„Bruno, mein armer Junge!"
Frau Marie ist weinend bis an den Fuß der Treppe geeilt, sie schlingt die Arme um den Sohn und preßt ihn an sich. Elfriede steht daneben und unterdrückt ihr Schluchzen.
„Na, na," poltert Baron Schorn in seiner rauhen Art, die jedesmal eine Rührung verbirgt, „um alle- in der Welt, Mutting, Friedel, seid froh, daß wir ihn überhaupt wieder haben! Alles andere findet sich! Wir werden dich schon hoch bringen, mein Junge!"
Bruno sieht seine Lieben an, dann daS alte Schloß; ein Seufzer der Befriedigung hebt seine Brust.
„Der verlorene Sohn kommt heim," sagt er, „wie wohl das tut."
Nun liegt er auf der schattigen Veranda, alle sind bemüht, ihm etwa- Liebe- zu erweisen. Die Kinder Jrmgard- find zuerst scheu, dann werden sie zutraulicher, als Gustav ihnen zuredet. Sie reichen dem Onkel die weichen Händchen und plauderten mit ihm.
Baronin Marie ist ins Haus gegangen, den Kaffee zu bestellen ; ihr Mann folgt ihr, er umsaßt sie liebevoll.
„Mariechen," sagt er zärtlich, „er ist als ein anderer, besserer Mensch heimgekehrt; wir wollen ihm ein heitere- Gesicht zeigen."
Sie umarmen sich die beiden, die ein Leben hindurch nebeneinander gestanden in ehelicher Treue und Gemeinschaft.
Bruno hält die Augen geschlossen. Es ist ihm wie ein Traum, daß er wieder in Schornstätten weilt, mitten unter feinen Lieben. Elsriede sitzt an seiner Seite. Die Kinder sind