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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 39.

Sonnabend, den 1. April

1911.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 31. März 1911.

Die KörungSkommission hat in Oberhessen am 29. März d. Js. 4 reinrassige Simmentaler Zuchtbullen angekaust. Diese Zuchtbullen werden entsprechend meinem Ausschreiben vom 9. Mai 1907 I. I. Nr. 4156 abgedruckt im KreiSblatt Nr. 55 und unter den dort besonders auf» geführten Bedingungen

am Mittwoch, den 5. April d. Js. um 10 Uhr aus dem Hose deS HolzhändlerS Heil zu HerSfeld, Neustadt, gegen sofortige Bezahlung öffentlich meistbietend versteigert werden. Die Tiere können am Morgen des Versteigerungs- tageS dort besichtigt werden.

Der Vorsitzende des kreisausschuffes:

A. 2053. von GruneliuS.

Caffel, den 23. März 1911.

Die Herren Minister für Handel und Gewerbe sowie für Landwirtschaft, Domänen und Forsten haben durch Erlaß vom 6. d. MtS. die bisherige UebergangS-Bestimmung, wo­nach die Dauer der Lehrkurse an den Hufbeschlaglehrschmieden bei dem Nachweise einer vorher erlangten besonders guten praktischen Ausbildung bis aus einen Monat verkürzt werden konnte, aufgehoben und die Dauer der Kurse vom 1. April d. Js. ab allgemein auf drei Monate festgesetzt.

Ich ersuche, dies durch Bekanntmachung in den Kreis- blättern zur Kenntnis der Beteiligten zu bringen. (A. II. 2683.)

Der Regierungs'Präsident. J. V.: (Unterschrift.)

An die Herren Landräte des Bezirks.

HerSfeld, den 27. März 1911.

Wird veröffentlicht.

I. 3751. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Aus dxm Felde der inneren Politik ist aus der Berichtswoche nichts von Bedeutung zu melden. Das preu­ßische Abgeordnetenhaus hat den Eta t in dritter Lesung erledigt, für die Verhandlungen des Reichstage- über die wichtigen gesetzgeberischen Ausgaben, die ihrer Lösung harren, ist jedoch ein Ende noch immer nicht abzusehen. In der politischen TageSpresse aber dauern die Auseinandersetzungen über das Endergebnis der Reichstag-ersatzwahl in Gießen -Nidda fort. Wohl nicht mit Unrecht wird viel- sach der symptomatische Charakter, der diesem Ergebnisse zu-

in der Zerstreutheit.

Humoreske von Adols Thiele.

Der Professor der Botanik Knöterich war soeben damit beschäftigt, einige mehrbändige Werke in einen Reisekoffer zu packen, alS seine Frau inS Zimmer trat.

Aber Hugo", rief sie,was machst du denn da? Du brauchst doch den Koffer für die Anzüge und die Wäsche; was packst du denn da ein?"

Liebe Johanna," entgegnete der Professor und blickte zer­streut vor sich hin,ich wollte diese unentbehrlichen Werke mitnehmen, um vergleichen zu können."

Aber, Hugo, du wirst doch in den botanischen Gärten, die du besuchen willst, diese Werke ebenfalls vorfinden."

Der Professor stutzte.

In der Tat, Johanna, du hast recht. Nun, so gib mir denn Dinge, die ich mitnehmen soll 1"

Ich packe sie lieber selbst ein," entgegnete die Gattin, und nahm den Koffer mit.Und nun komm zum Essen Hugo!" rief sie noch zurück.

Gleich!" erwiderte der Prosessor,ich räume nur die Bände wieder ein.

Zusällig schlug er eine Seite aus und vertiefte sich dann für die nächste Viertelstunde in daS Buch.

Endlich holte ihn die Gattin und vermochte ihn, einen Teller Suppe zu genießen.Und eS ist doch eine Orchidee!" rief er daraus plötzlich auS und verschwand mit umgebundener Serviette wieder in sein Studierzimmer.

Als ihm die Gattin nach einiger Zeit folgte, fand sie ihn in seine Bücher vergraben.

Du bist wohl so gütig," tief er ihr entgegen,mir hereinzuschicken, waS ich essen soll?"

DaS Dienstmädchen brächte gleich darauf ein gebratenes Huhn herein. Der Professor ließ eS in den Ofen stellen, in welchem, trotz des Frühling-wetterS, noch ein Feuer brannte.

Gin Glas Wein und einen Teller Kompott verzehrte er dann, während er weiterlaS.

Bald daraus erschien das Dienstmädchen wieder und mel-

kommt, betont. Der Ausgang der Gießener Wahl ist ein Zeichen dasür, daß sich doch auch unter den fortschrittlich- liberalen Parteiangehörigen das bürgerliche und nationale Ge­wissen zu regen beginnt. Man gewinnt anscheinend auch in diesen Kreisen ein Gefühl für die unüberbrückbare Kluft, die das sozialdemokratische Parteiprogramm von allen bürgerlichen Parteiprogrammen trennt, und lernt den grundsätzlichen Unter­schied begreifen zwischen der Unterstützung, welche die Sozial- demokratie einem bürgerlichen Kandidaten deswegen gewährt, weil sie ihn als das kleinere Uebel betrachtet, und der Wahl­hilfe, die der Sozialdemokratie von einer bürgerlichen Partei geleistet wird.

Im Gegensatze zu dem Tatsachenmaterial der inneren Poli­tik ist der Stoff, der sich der Berichterstattung aus dem Aus­lande darbietet, diesmal ein um so reichhaltigerer. Vor allem wenden sich unsere Blicke gegenwärtig dem sonnig» heiteren Lande südlich der Alpen, daS solange das Ziel roman­tischer Sehnsucht unserer Nation gewesen ist, dem unS be- srenndeten und verbündeten Königreiche Italien zu. Dort haben die Jubiläum-feierlichkeiten zum fünszig- jährigen Bestehen des Königreiches nunmehr ihren Anfang genommen und einer der ersten Gratulanten war der deut- s ch e K a i j e r, der seiner inneren Teilnahme an der Natio- nalfeier und Nationalfreude Italien- in einem sehr warm und herzlich gehaltenen Telegramme an König Viktor Ema- nuel Ausdruck gab. Die osfiziellen deutschen Glückwünsche aber überbringt später unser Kronprinz, der in Begleitung seiner hohen Gemahlin den Kaiser bei den Jubiläum-feierlich- keiten vertreten wird. Ihren Glanz- und Höhepunkt hat die italienische Nationalfeier in der Rede König Viktor EmanuelS gefunden. Die äußerst wirkungsvolle Rede, die von den Zu­hörern mit lebhaftestem Enthusiasmus ausgenommen wurde, schloß mit der Versicherung, Italien werde feine Unabhängig­keit zu wahren wissen und durch Werke deS Frieden- zu dem allgemeinen Fortschritte beitragen. Wir wünschen von Herzen, daß es dem italienischen Volke vergönnt sein möge, diesem Versprechen seines Monarchen ungestört durch äußere und innere Krisen allezeit die Erfüllung zu sichern.

Recht trübe sieht eS zurzeit wieder bei unserm andern Dreibundgenossen auS. In dem Streben, die Macht des SlaventumS durch Erringung neuer MinisterportefeuilleS zu verstärken, haben die Tschechen Oesterreichs in eine neue schwere Krisis gestürzt. Sie suchten durch eine obstruktionistische Taktik die rechtzeitige Erledignng deS provisorischen Budget- zu verhindern, um so die Bildung einer neuen Kabinett- zu erzwingen und altdann von dem neuen KabinettSchef gegen daS Versprechen parlamentarischer Unterstützung eine größere Anzahl Portefeuilles zu erlangen. Der Ministerpräsident Freiherr von Bienerth aber hat der Portefeuillegier der Tschechen keine Zugeständnisse gemacht, sondern der Krone vorgeschlagen, daS Parlament aufzulösen, und er wird ba$ Budgetprovisorium mit Hilfe des berühmten § 14 in Wirk­samkeit setzen. Aus reich-deutscher Seite dürste man diesem

bete den Besuch eines entfernten Vetters, der von Zeit zu Zeit einmal mit verschiedenen Anliegen kam und die Besuch-zeit nicht genau einhielt.

Heute bat ihn der mit liebenswürdigem Lächeln eintretende Vetter, ihm sein Fernglas zu leihen.

Der Professor ging hinaus, um eS zu holen und wurde hier von einem Bauern angeredet, der ihm eine eigenartig ge­bildete Pflanze brächte. Sogleich verließ er erfreut seine Woh­nung, die im botanischen Garten lag, um sich in einen ent» fernteren Teil deS letzteren zu begeben, wo jene Pflanzen wuchsen.

Indessen stieg dem wartenden Vetter der Duft deS HuhnS in die Nase. Der Vetter gehörte zu den glücklichen Leuten, die immer Appetir besitzen. Er öffnete daher die Ofentür und sah sich daS appetitliche Huhn an.

Endlich versuchte er eine Keule und, als niemand kam, die zweite.

Der seine Braten schmeckte ausgezeichnet; die logische Folge davon war, daß der sreundliche Vetter allmählich dak ganze Huhn bis aus die Knochen verzehrte, die seine angeborene Be­scheidenheit auf dem Teller zurückließ.

Gleich daraus aber befiel ihn eine Herzensangst und er war schon dabei, sich möglichst geräuschlos zu entfernen, als der Professor eintrat und ihn erstaunt ansah.

In bescheidenen Worten erinnerte nun der entfernte Vetter der jetzt am liebsten auch örtlich entfernt gewesen wäre, an den Zweck seine- Kommens. Der Prosessor holte hieraus das Fernglas herbei und plauderte in guter Laune mit ihm.

Plötzlich öffnete der Prosessor die Ofentür, schüttelte den Kops und sah sich dann im Zimmer um. Bald entdeckte er denn auch die Gebeine deS HuhnS.

Schon wollte der zusammenknickende Vetter demütig um Verzeihung bitten, alS der Proseffor sagte:Nein, wie zer­streut wir Gelehrten doch zuweilen sind! Da will ich soeben ein gebratenes Huhn auS dem Ofen nehmen, da- mir hinein­gestellt wurde, und denke gar nicht daran, daß ich er schon gegessen habe, wie vorliegende Knochen beweisen."

Unbeschreiblich war die Miene des Vetter-, doch faßte er

Vorgehen de- österreichischen Ministerpräsidenten uneinge­schränkten Beisall zollen.

Auch in Rußland wird gegenwärtig mit Hilfe einer Notparagraphen regiert. Stolypin bleibt, und seine Semstwovorlage, deren Ablehnung durch den Reich-rat den Anlaß der Ministerkrise bildete, ist auf Grund deS Artikel- 87 der Grundgesetze durch Befehl des Zaren Gesetz geworden und in den sechs westlichen Gouvernements zur Einführung ge­langt. Im weiteren Verlaufe dieser Angelegenheit wird man wohl auch mit der Auslösung der Duma rechnen müssen, falls die Oktobristen sich nicht rechtzeitig besinnen. Die Art ober, wie der Zar seinen verdienten Ministerpräsidenten gestützt hat und für ihn eingetreten ist, erfcheint sicherlich geeignet, die Sympathien, die sich der Kaiser von Rußland durch feine wahrhaft kaiserlichen Charaktereigenschaften schon längst überall erworben hat, noch wesentlich zu verstärken.

Vismarck.

Der 1. April und der vorletzte Julitag sind zu nationalen Gedenktagen geworden, an denen wir die Gedanken zur Ver­gangenheit zurückkehren lassen und unS vergegenwärtigen, was unser Volk dem Fürsten BiSmarck, dem Einiger und ersten Kanzler des Deutschen Reiches, verdankt, der aus die sehn­suchtsvoll stets wiederholte Frage:WaS ist des Deutschen Vaterland?" im Trümmersturz einer sterbenden Zeit und im Schlachtenwetter einer neuen Werden- mit vollem Nachdruck die Antwort gab:DaS ganze Deutschland soll eS fein!"

Sechundneunzig Jahre find heute verflossen, da dem mär­kischen Edelmann Ferdinand von BiSmarck in Schönhausen der Sohn geboren wurde, der nachmals berufen war, dem Jammer der deutschen Zetüffenheit mit kraftvoller Hand ein Ende zu machen. Damals gerade jagte die Kunde, daß der korsische Eroberer Napoleon, den man auf der Insel Elba gut verwahrt glaubte, abermals die Welt in die Schranken fordere, die Diplomaten am Wiener Kongreß von ihrer Ar­beit, die Länder Europa- von neuem zu teilen, auf. DaS Kind aber, das damals in Schönhausen geboren wurde, sollte einst dazu berufen sein, den Thron der Napoleoniden für immer zu stürzen und aus seinen Trümmern da- neue Deutsche Reich zu errichten.

Nicht mit Unrecht hat man BiSmarck den eisernen Kanzler genannt; denn er trug alle Eigenschaften deS Eisen- an sich. Er war schlicht, treu und kampfeSmutig. Nicht Feste und Gepränge waren eS, waS ihn anzog, er liebte eS vielmehr, in der Stille für große Ziele zu arbeiten, er schonte feine Kräfte, um sie für höhere Zwecke nach Möglichkeit zu erhalten. Und er war treu. Er hat zu seinem königlichen und kaiserlichen Herrn gestanden nicht nur in guten, sondern auch in bitter­bösen Tagen. Er blieb treu der Ausgabe, die er sich von vornherein gestellt hatte und diese Treue und Ausdauer hat für uns dann die glücklichsten Erfolge gehabt. Er war kampsesmutig. Nicht daß er den Streit gesucht hätte, nicht

sich und versicherte mit einem holden Lächeln, daß gerade die größten Gelehrten am zerstreutesten wären.

Hierauf empfahl er sich höflichst; der Professor aber wun­derte sich im Laufe des Nachmittags mehrmals über das Knurren feines Magen-, da er doch, wie er glaubte, ein Huhn gegessen hatte.

Gegen Abend rief ihn die Frau Professor in daS Wohn­zimmer.

Sieh, hier habe ich die Sachen, die du mitnimmst, zu- rechtgelegt," sagte sie.Damit du nun nichts vergißt oder verlierst, habe ich dir alles aus diesen Zettel notiert. Hier liegen zwei Anzüge, er macht also mit dem, den du trägst drei; hier sind fünf Hemden, im ganzen also sechs; ferner zehn Kragen" So las sie ihm die ganze Liste vor und packte zugleich alles in den Kosfer ein, in den sie auch den Zettel legte.

Der Professor sah aUebem sehr respektvoll zu, saß mit seinen Gedanken indessen schon längst wieder unter seinen ge­liebten Pflanzen.

Am nächsten Morgen reiste der geschätzte Gelehrte ab. Nachdem er zunächst auS Versehen das Dienstmädchen statt seiner Gattin umarmt und beinahe einen auf dem Flur stehenden Besen statt seines Schirm- ergriffen hatte, wurde er glücklich nebst seinem Koffer in die Droschke gebracht.

Der Zweck der Reise war der, eine Anzahl botanischer Gärten zu besuchen, um einige Pflanzengattungen zu beobachten.

Zahllos waren natürlich die Abenteuer, die dem ganz in seine Arbeiten versunkenen Manne zustießen. Bald blieb er in einem Eisenbahnwagen sitzen, der hinten am Zug stand und nicht angekettet war, bald fuhr er über sein Ziel hinaus, bald vergaß er da- Rundreisebillet aus dem Koffer zu nehmen, und in den Hotels verwechselte er immerzu Türen, Schlüssel, Per­sonen, so daß er schließlich immer verwirrter wurde.

In seinem Koffer herrschte ein furchtbarer Wirrwarr. Schon zu Beginn der Reise hatte er alle- durcheinander gewürfelt; da- Zahnpulver hatte sich über die Kleider ergossen, und ähn­liches Unheil hatte die Seife angerichtet, sodaß der Professor endlich wie ein halber Strauchdieb anzusehen war. Im Grunde kümmerte er sich jedoch wenig darum: brächte er doch