Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe' 0er Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. wa

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein« gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.nsnsnsvL

Henselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 43.

Dienstag, den 11. April

1911.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 8. April 1911.

In Asbach unter den Schweinen der Witwe Fey ist die Maul- und Klauenseuche amtlich sestgestellt worden.

Die Gehöftssperre ist angeordnet. Auch ist der Gemeinde- bezirk als Sperrbezirk erklärt worden.

I. 4350. Der Landrat

von Grunelius.

Hersseld. den 6. April 1911.

In Rimbach, Kreis Lauterbach, in Wahl-hausen, Ober­aula und Friedigerode, Kreis Ziegenhain, ist unter den Schweinen die Maul- und Klauenseuche amtlich sestgestellt worden.

I. 4271. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, Kreissekretär.

Her-feld, den 31. März 1911.

Betrifft Feststellung und Prüfung der Militärverhältnisse bei polizeilichen Anmeldungen.

Nach der Bestimmung im § 106 Ziffer 3 der Deutschen Wehrordnung vom 22. November 1888 (abgedruckt in der Sonder-Beilage zum Amtsblatt Nr. 35 vom Jahre 1901) sind die mit der Führung des Meldewesens betrauten Be­hörden und Beamten (Ortspolizeibehörden) verpflichtet, von allen neu anziehenden männlichen Personen im Alter vom vollendeten 20. bis zum vollendeten 45. Lebensjahre einen AuSweis über ihre Militärverhältnisse zu verlangen und, falls diese Personen sich hierüber nicht ausweisen können, dem Zivilvorsitzenden der Ersatzkommission sofort Anzeige zu machen.

Dieser Bestimmung ist in wiederholten Fällen nicht ent­sprochen worden. Ihre genaueste Beachtung ist aber außer­ordentlich wichtig, weil hierdurch eine nicht zu entbehrende Handhabe geboten wird, durch welche es bei entsprechender Beachtung vorzugsweise möglich ist, diejenigen Personen als­bald zu ermitteln, welche sich vor den Ersatzbehörden nicht gestellt haben.

Ich mache daher die Ort-polizeibehörden auf diese Ihnen obliegende Verpflichtung erneut aufmerksam und erwarte auf das Bestimmteste, daß die Bestimmung künftig in allen Fällen genau beachtet wird,

J. M. Nr. 704. Der Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 3. April 1911.

Die diesjährigen Impf- und Nachschautermine für den Kreis Hersfeld sind wie folgt anberaumt:

1. Station Hersfeld.

a. Stadt Hersfeld Impfung.

Impfung: Mittwoch, den 3. Mai 1911, Vormittags 10 Uhr.

Zwei Kirschen an einem Stengel.

Roman von A. von Liliencron.

(Fortsetzung.)

Wozu hast de grot Strut pflückt?" fragte er, mit vollen Backen kauend.

Da drohte die Geschichte schon wieder in ein gefährliches Fahrwasser Hinüberzugleiten. Kathi erfaßte daS aber zu rechter Zeit und antwortete, einer eifersüchtigen Regung vorbeugend, die Mutter hat michs geheiße, ich süllt de Blümle us de Tisch stelle, wenn de . . . ."

de Großstädter fümme," schnitt er ihr das Wort ab. Er sagte eS nicht ärgerlich, sondern nur neckend, aber daS Mäd­chen war doch besorgt, es könne wieder zu einem Wortwechsel kommen wie gestern. Sie zog das schönste Büschel des Heide­krauts aus ihrem Strauße, griff nach seinem Hute, den er neben sich ins Gras geworfen hatte und steckte die Blumen daran.

Gelt, so is fein?" lachte sie ihn an und hielt ihm den Hut hin.

Sein srisches Gesicht strahlte.Mädel, kumm, rück mal heran! Ich häb dir was zu vertelle, ich wull dir waS gebe."

Er suchte in seiner Westentasche und holte einen kleinen in rotes Seidenpapier gewickelten Gegenstand heraus.

Gestern schon wüllt ich di das Ding hier gebe, aber hernach war mir die Lust vergange du weßt schon," sagte er.Nun ist sie mir aber wieder summe, die unbändige Lust, dir a Frud zu mache, und da süllst du es auch glix us den Fleck habe. 'S is a silberne- Kruzel, tätst di ja mal so in« wünsche, und nu mußt dus auch morge zur Kirmeß trage und allemal, wenn du so recht vergnügt bist." Er drückte ihr daS Päckchen in die Hand.

Sie war ganz rot geworden und ganz benommen vor Freude. Langsam, fast feierlich wickelte sie eS aus, und als sie nun das kleine silberne Kreuz herauSnahm, strahlte sie über und über.Wie guat du bist, Hans, lieber HanS. Wat soll ich di nur dasür gebe!"

Er hatte schon die Antwort bereit, aber die grelle Pfeife am Bruche, die zur Arbeit rief, und die Kameraden, die seit­

Nachschau: Mittwoch, den 10. Mai 1911, Vormittags 10 Uhr.

b. Stadt HerSfeldWiederimpfung und Land.

Impfung: Freitag, den 5. Mai 1911, Vormittags 10 Uhr.

Nachschau: Freitag, den 12. Mai 1911, Vormittags 10 Uhr.

.Jmpflokal: bei a. und b. Saal des Gastwirts Constantin Otto.

2. Station Sorga.

Impfung und Wiederimpfung: Montag, den 15. Mai 1911, Nachmittags 3 Uhr.

Nachschau: Montag, den 22. Mai 1911, Nachmittags 3 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Daube.

3. Station Friedlos.

Impfung und Wiederimpfung: Mittwoch, den 17. Mai 1911, Nachmittags 4 Uhr.

Nachschau: Mittwoch, den 24. Mai 1911, Nachmittags 4 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Grebe.

4. Station R o h rba ch.

Impfung und Wiederimpfung: Mittwoch, den 17. Mai 1911, Nachmittags 6 Uhr.

Nachschau: Mittwoch, den 24. Mai 1911, Nachmittags 6 Uhr. Jmpflokal: Saal de? Gastwirts Schilling.

5. Station Oberg eis.

Impfung und Wiederimpfung: Freitag, den 26. Mai 1911, Nachmittags 4 Uhr.

Nachschau: Donnerstag, den 1. Juni 1911, Nachmittags 4 Uhr. Jmpflokal: Saal de? Gastwirts Ernst.

6. Station Fried ewald.

Impfung und Wiederimpfung: SamStag, den 27. Mai 1911, Nachmittag? 3 Uhr.

Nachschau: Freitag, den 2 Juni 1911, Nachmittags 3 Uhr.

Jmpflokal: Saal des Gastwirts Träger.

7. Station Asbach.

Impfung und Wiederimpfung: Montag, den 12. Juni 1911, Nachmittags 2V? Uhr.

Nachschau: Montag, den 19. Juni 1911, Nachmittags 2Va Uhr.

Jmpflokal -. Saal des Gastwirt? Fink.

8. Station Niederaula.

Impfung und Wiederimpfung: Mttwoch, den 14. Juni 1911, Nachmittags 2V2 Uhr-*

Nachschau: Mittwoch, den 21. Juni 1911, Nachmittags 2V2 Uhr.

Jmpflokal: Saal des Gastwirts Stein.

9. Station Frielingen.

Impfung und Wiederimpfung: Freitag, den 16. Juni 1911, Nachmittag? 3 Uhr.

Nachschau: Freitag, den 23. Juni 1911, Nachmittags 3 Uhr.

Jmpflokal: Saal des Gastwirt? Schmidt.

10. Station K irch h eim.

Impfung und Wiederimpfung: Freitag, den 16. Juni 1911, Nachmittags 5 Uhr.

Nachschau: Freitag den 23. Juni 1911, Nachmittags 3 Uhr.

Jmpflokal: Saal des Gastwirts Eydt.

11. Station Unterhaun.

Impfung und Wiederimpfung: Montag, den 26. Juni 1911, Nachmittags 4 Uhr.

Nachschau: Montag, den 3. Juli 1911, Nachmittags 4 Uhr.

Jmpflokal: Saal des Gastwirts Großkurt.

12. Station H 0 lzheim.

Impfung und Wiederimpfung: Mittwoch, den 28. Juni 1911, Nachmittags IV2 Uhr.

Nachschau: Mittwoch, den 5. Juli 1911, Nachmittags P/2 Uhr. Jmpflokal: Schule.

13. Station Widdershausen.

Impfung und Wiederimpfung: Freitag, den 30. Juni 1911, Mittags 12 Uhr.

Nachschau: Freitag, den 7. Juli 1911, Mittag? 12 Uhr.

Jmpflokal: Saal des Gastwirts Schneider.

wärts gelagert hatten und jetzt vorbeikamm, daS alles zu- jammengenommen hinderte ihn an der Aussprache. Es war ja etwas recht Zärtliches, gewesen, das er hatte sagen wollen, und dazu erschien ihm jetzt der Augenblick nicht geeignet. Er griff nach seinem Hute, schwang sich auf und rief ihr nur noch zu:Us an ander Mal, Kathi, uf an an ander Mal!"

Sie nickte ihm flüchtig zu, aber eS war doch gar so herzig gewesen, dachte er bei sich und ging frohgemut an die Arbeit.

Sein blondeS Schätzchen wanderte mit leerem Körbchen denn das hatte er auSgesuttert doch mit einem Herzen voll Jubel, leichten Schrittes heim. Sie sang dabei sröhlich wie eine Lerche, nur hin und wieder unterbrach sie sich und drückte ihr kostbarer Geschenk an die Lippen.

Unter allerhand eifrigen Vorbereitungen für den Besuch kam der Nachmittag schnell heran. Der Kaffee brodelte auf dem Herd, auf dem sauber gedeckten Tisch prangten Striezel und Napfkuchen und in der Mitte der Heideblumenstrauß, der so hatte Kathi eS sich auSgedacht, die braune Kanne verdecken sollte, die ihr nun doch einmal ein Dorn im Auge war.

DaS Mädchen stand vor der Türe, sie konnte von dort au- die Dorsstraße übersetzen und spähte eifrig nach ihren Gästen auS.

Mutter, se kumme!" rief sie jetzt freudig erregt in daS offene Fenster hinein.

Frau Amrum fuhr noch einmal glättend mit der Hand über daS blaugewürfelte Tuch, da- sie zur Feier des Tages über den Kaffeetisch gebreitet hatte, und blickte sich prüfend im Stäbchen um, ob auch alles in Ordnung sei. Obgleich sie diese Inspizierung heute schon wiederholt vorgenommen hatte, so fand sie es durchaus nötig, daS in diesem Augen­blicke noch einmal zu tun.

Se kumme in a richtige GlaSkutsch," telegraphierte Kathi hinein,JochenS Albert und Karline lopen hinterdrin. Ja, so wat sehe se ok nit alle Tag!"

Wirklich, in einer Glatkutsche war noch keiner der Kirmeß- gäste nach Hennigbach gekommen, und daß dies von der Dorfjugend bewunderte und umjubelte Gefährt feine Insassen in ihr kleine- Häuschen bringen sollte.

14. Station Hering e n.

Impfung und Wiederimpfung: Freitag, den 30. Juni 191t,

Nachmittags 2 Uhr.

Nachschau: Freitag, den 7. Juli 1911, Nachmittags 2 Uhr.

Jmpflokal: Gemeindehaus.

15. Station S ch e nk l eng? f e ld.

Impfung und Wiederimpfung: Montag, den 10. Juli 1911, Mittags 12V2 Uhr.

Nachschau: Montag, den 17. Juli 1911, Mittags 12V2 Uhr.

Jmflokal: Saal des Gastwirts Steinhauer.

16. S ta tion Ransbach.

Impfung und Wiederimpfung: Montag, den 10. Juli 1911.

Nachmittags 2V2 Uhr.

Nachschau: Montag, den 17. Juli 1911, Nachmittag? 2V2 Uhr, Jmpflokal: Schule.

17. Station Heimbold s h ausen.

Impfung und Wiederimpfung: Montag, den 10. Juli 1911, Nachmittags 4 Uhr.

Nachschau: Montag, den 17. Juli 1911, Nachmittags 4 Uhr.

Jmpflokal: Saal des Gastwirts Bock.

18. Station Philippsthal.

Impfung und Wiederimpfung: Montag, den 10. Juli 1911, Nachmittags 5^/2 Uhr.

Nachschau:. Montag, den 17. Juli 1911, Nachmittags öVa Uhr.

Jmpflokal: Saal des Gastwirts Zinn.

Dabei gehören zur:

Station Hersfeld-Land folgende Gemeinden: Bingartes, Meisebach, Kalkobes, Heenes, Allmershausen mit HählganS.

Zur Station Sorga, Petersberg, KathuS, Oberrode, Wilhelms- Hof, Hermannshof. ' *

Zur Station Friedios: Mecklar, Meckbach.

Zur Station Rohrbach: Biedebach, Reilos, Tann.

Zur Station Oberg eis: Neuenstein, Aua, Untergeis, Gittersdorf.

Zur Station Friedewald: Motzfeld, Lautenhausen, Herfa, Hillartshausen.

Zur Station Asbach: Beiershausen, KerSpenhausen, Roßbach, Kohlhausen, O. F. Niederaula, F. H. Falkenbach, Hilperhausen.

Zur Station Niederaula: Mengshausen, SolmS, Nieder- jossa, Engelbach, Hattenbach.

Zur Station Frie lingen: Willingshain, GerSdorf, Hedders dorf, Allendors.

Zur Station K irch he im: Kleba, Gershausen, ReimboldS- Hausen, Kemmerode, Goßmannsrode, Reckerode, Rotterterode.

Zur Station Unterhaun: Rotensee, Oberhaun, SiegloS, Eitra, WipperShain.

Zur Station Holz heim: KruSpis, StärkloS.

Zur Station Widdershausen: Leimbach, Kleinensee.

Zur Station Heringen: Bengendorf, WölferShausen, Lengers.

Zur Station Schenkte n gsfeld: Oberlengsfeld, Unter- weisenborn, Landershausen, Conrode, Wüstfeld, LampertSfeld, Schenksolz, Dünkelrode, HilmeS, MalkomeS.

Zur Station R a n S b a ch : Wehrshausen, AuSbach, F. H. Stöckig.

Zur Station Heimboldshausen: Unterneurode, Gethsemane, Harnrode, RöhrigShöfe.

Die Impfung ist unentgeltlich.

Außer denjenigen, welche sich aus freier Entschließung impfen lassen wollen, unterliegen der Impfung im Jahre 1911:

1. jedes im Jahre 1910 geborene Kind, sofern es nicht nach ärztlichem Zeugnis die natürlichen Blattern überstanden hat,

2. die Kinder, die im Jahre 1910 ohne Erfolg oder garnicht geimpft worden sind, sofern sie nicht nach ärztlichem Zeugnis die natürlichen Blattern überstanden haben,

3. jeder Schüler einer öffentlichen oder Privatschule, welcher

a. in diesem Jahre das 12. Lebensjahr zurückgelegt, oder

Auch sie trat vor die Tür, als die beiden lebensmüden Braunen unter Peitschenknall und und Hott die kleine Anhöhe zu dem Hause der Witwe heraustrabten.

Röschen! Liebe Schwester! Frau Amrum rief eS ganz bewegt.

Es dauerte aber eine kleine Weile, ehe ihre au-gestreckte Hand die der Schwester ergreifen konnte. DaS zarte Röschen hatte sich in eine recht umsangreiche Klatschrose verwandelt, die die Fülle ihrer Reize nicht so schnell auS der etwa- schmalen Wagentür entwickeln konnte. Zum Ueberflusse schwankte aus Frau RosaS wohlsrisiertem Haupt ein mächtiger runder Hut, der, trotz alle- recht und links Biegens ihre- Kopse- durchaus keine Lust zu verspüren schien, sich dem erstaunten Publikum draußen näher zu zeigen, denn er schob sich beharrlich in den Wagen zurück bei den Versuchen seiner Trägerin, auszusteigen. DaS ist ja ein netter Affenkasten, in dem wir von der Bahn hierhergerötert sind," schalt diese und vergaß darüber die Be­grüßung. Aber endlich war eS ihr mit einem energischen Rucke gelungen, sich samt ihrer Kopfbedeckung auS der un­freiwilligen Gefangenschaft zu befreien, nur der Vogel aus ihrem Kopfe hatte dabei eine bedenkliche Stellung genommen.

Kiek mol, de hätt a Piepmatz up de Kopp," rief Jochen- Albert, und seine Schwester Karline jubelte,he wüll all weg- fliege! Jk sperr em in min Käfig, wann ik det Piepmatz fange duh!" Sie machte dabei vor Vergnügen einen Luft- sprung und die Kinderschar, die dem Wagen gefolgt war und ihn neugierig umstand, wieherte vor Lachen.

Frau Rosa Grützner, die stolze Gastwirtin, warf ihnen einen empörten Blick zu und einige nicht gerade schmeichel­hafte Worte, die aber untergingen in dem allgemeinen Stim- mengewirre.

Kathi wußte nicht recht, war sie auS der Sache machen sollte, teil- kam ihr da- Lachen an, teil- ärgerte sie sich. Dem schwarzhaarigen Jüngling, der leichtfüßig au- dem Wagen gesprungen war, hatte sie keine Beachtung geschenkt. Die Tante, oder richtiger gesagt, deren statiöser Anzug interessierte sie mehr. . DaS glänzende Seidenkleid, die breiten Spitzen an dem Umhang und der bebänderte Sonnenschirm, da- alle- dünkte ihr doch sehrgroßartig", und selbst der verlachte Hut