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Sernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 46.

Donnerstag, den 20. April

1911.

Amtlicher teil.

Hertfeld, den 8. April 1911.

Im Hinblick auf die bevorstehende Unterverteilung bei LooSholzeS und zur Vermeidung der in den letzten Jahren seitens der Loosholzberechtigten hiergegen wiederholt erhobenen Beschwerden nehme ich Veranlassung, die Herren Bürgermeister der Kreises aus meine diesbezüglichen Verfügungen vom 12. März 1880 J. No. 2077 im KreiSblatt No. 21 und vom 9. Februar 1881 J. No. 14879 im KreiSblatt No. 14 Hinzuweisen.

Ich hebe besonder- hervor, daß nach § 7 des GesetzeS vom 27. Juni 1873 über die Verwertung der Forstnutzungen aus dem StaatSwald der Gemeinderat die Unterverteilung deS Loosholzes vorzunehmen hat. Hierin ist nach den Bestim­mungen der Landgemeindeordnung vom 4. August 1897 insofern eine Aenderung eingetreten, als an die Stelle deS GemeinderatS der Gemeindevorstand getreten ist. Der Ge­meindevorstand besteht in Gemeinden mit kollegialischem Ge- meindevorstande (Gemeinden über 500 Einwohner) aus dem Bürgermeister, dem Beigeordneten und den Schöffen; in den übrigen Gemeinden bildet der Bürgermeister allein den Ge- meindevorstand.

Ich ordne jedoch an, daß auch in denjenigen Gemeinden, in welchen der Bürgermeister allein den Gemeindevorstand bildet, die Schöffen sich an der Unterverteilung der Loo-Holze- zu beteiligen haben und daß sie vom Bürgermeister zuzu- ziehen sind.

Ich erwarte bestimmt, daß die genannten beiden Ver­fügungen genaue Beachtung finden, wobei ich nochmals aus­drücklich darauf aufmerksam mache, daß bei der Verteilung vorzugsweise die ärmeren Gemeindeangehörigen zu berücksich­tigen sind.

Jeder Zuwiderhandlung gegen meine Anordnungen muß ich mit Strenge entgegentreten.

Zum Schluß weise ich noch besonders daraus hin, daß weder der Bürgermeister noch die Schöffen irgend welchen An­spruch auf Vergütung für die Abnahme-Verteilung des LooS- holzeS usw. haben, eS sei denn, daß eine Vergütung von der Gemeinde besonders bewilligt worden ist. Eine etwaige Ver­gütung durch Zuschreibung eines größeren Quantums Loos­holzes darf jedoch unter keinen Umständen stattfinden.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

A. 2347. von Gruneliut.

Hess.-Nass. landw.

Berufsgenossenschast

Sektion Hersseld.

I. 8. Nr. 394 II.

HerSfeld, den 18. April 1911.

Ich bringe meine Verfügung vom 20. v. MtS. I. 8.

Zwei Kirschen an einem Stengel.

Roman von A. von Liliencron.

(Fortsetzung.)

Er war ernst geworden.Nein," sagte er,wen'- eigne Herz und Wille nit hält, den möcht keiner festbinde wulle, auch wenn erS könnt."

Sie schwieg, und auch er sagte kein Wort mehr.Tra tia tiati," quiekten die Violinen und bet Brummbaß warf seine Grundtöne dazwischen. Die Paare drehten sich und stampften an ihnen vorbei. Dem Mädchen erschien mit einem Mal alles so wunderlich und närrisch, sie war doch eben noch so vergnügt gewesen, und nun hätte sie am liebsten geheult.

Jetzt bemerkte sie den Vetter, wie der sich durchdrängte. Das also war das feine Kleidungsstück, der Frack. Wie zwei Schwalbenschwänze sahen die Dinger auS, die umten daran hingen. Es zuckte um ihren Mund, aber zum Lachen kam's nicht, ihr war so gar nicht lustig zu Sinn. Die wun­derlichen Schwalbenschwänze, die sie sonst zur größten Heiter­keit gereizt hätten, ließen sie jetzt gleichgültig. .

Die Musik verstummte, der Tanz war zu Ende. Der ferne Stadtherr, den die dörfliche Jugend einigermaßen befremdet betrachtete, hatte sich bis zu Kathi durchgearbeitet und rief ihr winkend zu:Jetzt komme ich an die Reihe und hole mir mein versprochenes halbes Dutzend Tänze!"

Ruland reckte sich sehr gerade.Aha! De Better mit de Glaikutsch! Er dät sich ja a gut versorge!" Ohne ein weiteres Wort von den beiden abzuwarten, drehte er sich um und verschwand in dem Nebenraume.

Der seine JuliuS hatte sreilich zuerst mit einer gewissen Befremdung Kathi in ihrem Bauernanzug angesehen, aber die biS zum Knie herabhängenden dicken Zöpfe, daS frische tse- sicht, von den krausen Söckchen umrahmt, daS paßte >o harmonisch zusammen, wirkte so anziehend, daß er bei nw lest» stellte, so, genau so müsse da- Cousinchen ihre- AmteS in Friedenau in der noblen Restauration von I. Grützner walten; aus der Straße aber, oder wenn sie sich wo ander-sehen ließe als in jenen vier Wänden, dürfe sie nicht ander- gekleidet er­scheinen, als richtig städtisch und ganz modern.

Nr. 394 KreiSblatt Nr. 36 in Erinnerung und er­suche die Herren Bürgermeister derjenigen Gemeinden, die mit der Einzahlung der Umlagebeiträge für die Hessen- Nassauische landwirtschaftliche BerufSgenossenschaft noch im Rückstände sind, dafür Sorge zu tragen, daß die Beiträge nunmehr bestimmt bis spätestens zum 24. d. MtS. zur Sektion-kasse hier eingezahlt werden.

von GruneliuS.

HerSfeld, den 29. März 1911.

Die diesjährige Stutenschau mit Prämienverteilung sowie Eintragung in daS Stutbuch findet am Donners­tag, den 4. Mai d. Js. vormittags 9 Uhr in Hersfeld aus dem Marktplatz statt.

ES werden nur bedeckte Stuten prämiiert. Die Prämien bestehen darin, daß den Besitzern der auSgewählten Stuten da- in diesem Jahre von ihnen für die Bedeckung dieser Stuten gezahlte Deckgeld zurückerstattet wird, und daß für die von diesen Stuten 1912 eventuelle geborenen Füllen ein Füllengeld nicht zu entrichten ist.

Der Nachweis für die Bedeckung der auSgewählten Stuten ist durch Vorzeigen de- DeckscheineS zu führen. Wer den letzteren nicht vorzeigen kann, ist von der Prämüerung ausgeschlossen. Die Deckscheine der prämiierten Stuten werden abgenommen und der Gestütverwaltung in Dillenburg zugestellt, von welcher die Deckscheine an die Pserdrbesitzer zurückgesandt werden.

Nur Stuten, welche in daS Stutbuch eingetragen sind, werden prämiiert; diejenigen werden bevorzugt, deren unter Vorwei- de- Füllenscheine- vorzuführende Nachzucht ihren Zuchtwert bestätigt. Stuten, welch« 2 Jahre lang nicht trächtig geworden sind und solche, welche nachweislich schlechte Fohlen gebracht haben, erhalten seine Frelvechcheme. Die Zahl der an den einzelnen Schauorten zu prämiierenden i Stuten bestimmt die Schaukommission.,

Für jede Stute, welche neu in da- Stutbuch ausgenommen wird, erhält der Besitzer 5 Mark.

Außerdem müssen die seit der letzten Stutenschau mit Unterstützung der Landwirtschast-kammer gekauften Stutsohlen vorgesührt werden.

Die OrtSpolizeibehörden ersuche ich. die Pserdezüchter hieraus besonder- aufmerksam zu machen.

l. 3819. Der Landrat.

I. A.:

W r s s e l, Krei-sekretär.

-----------------y----------

Her-feld, den 13. April 1911.

Die OrtSpolizeibehörden mache ich ganz besonder- auf die im Amtsblatt Nr. 14 Seite 105 abgedruckte lande-polizeiliche Anordnung, betreffend Desinfektion bei Maul- und Klauen- seuche, aufmerksam und ersuche, ihre strenge Durchführung genau zu überwachen.

Auch die Königliche Gendarmerie beauftrage ich aus Be­

In aller Eile hatte er in Gedanken diesen Ueberschlag ge­macht und sich noch einmal vorgenommen, alle Liebenswürdig­keit, über die er gebot, inS Treffen zu sühren, um daS Mäd­chen für einen Besuch in allernächster Zeit zu gewinnen. An diesen ersten Blick in da- Treiben der Großstadt, den sie ihr so verführerisch wie möglich gestalten wollten, sollte sich dann ihre Zustimmung schließen, die Stelle am Büfett anzunehmen. Am besten wäre eS, so stellte er fest, da- hübsche Kind gleich mitzunehmen.

Seinen vorgenommenen Bestrebungen gemäß sprudelte er über von lustigen Geschichten und von Aufmerksamkeiten für daS Cousinchen. Diese Rolle ihr gegenüber wurde ihm auch nicht schwer, denn ct lag in seiner Natur, mit hübschen Mäd­chen gern Scherz zu treiben. Dazwischen flog er mit ihr durch den Saal und sührte sie sicher durch alle die einander stoßenden und drängenden Paare hindurch.

Kathi, wie ihrem Tänzer, entgingen nicht die Bemerkungen, die über sie gewechselt wurden.

Jemersch, wie die zwei sortsauseDa- i- so a Feiner au-'de Stadt, der versteht- Walzen!"Ich hätt- nimmer glaubt, daß die Kathi e- so fertig kriegen tät! ES sieht rein aus, als ob sie mit dem Städt'schen davon fliege wullt!"

DaS Paar war just wieder an feinem Platze angelangt, als eS die Worte hörte. Unwillkürlich sahen sie einander an, und Kathi- lustige- Kichern riß sofort den Vetter mit, der sich schütteln wollte vor Lachen.

Tanz auf Tanz folgte, Julius wich nicht von ihrer Seite, und Ruland ließ sich nicht blicken. Nicht bei ihr, aber im Saale war er doch, dat hatte ihr rascher Blick festgestellt. In der anderen Ecke stand er mit der Rosemarie und schien sich angelegentlich mit ihr zu unterhalten. Viel, sehr viel tanzte er auch mit diesem schwarzbraunen Mädchen, da- stellte die Blonde genau fest, und mit heimlichem Aergrr begründete sie dar mit dem:sie hupft ja wie a Bachstelze und ist wie a Feder."

Wohlan, machte eS der HanS heute so, dann wollte sie sich auch keinen Zwang antun und hübsch lustig fein mit dem lustigen Better. Teils auf Trotz gegen HanS, teils inWohl- gefaBen an dem Plaudern und Tanzen bei angestaunten

folgung dieser Anordnung ein ganz besondere- Augenmerk zu haben.

I. 4152. Der Landrat.

3. «.:

Wessel, Krei-sekretär.

HerSseld, den 12. April 1911.

Nach einer Mitteilung der Vorstandes der LandeSver« sicherungSanstalt Hessen-Nassau in Cassel stehen ihm für daS lausende Jahr noch Geldmittel zu Darlehn für kommunale Körperschaften zur Verfügung.

Der Zinsfuß beträgt 4% und der Kapitalabtrag min­destens 1%.

Die Herren Ort-vorstände deS Kreise- mache ich hieraus ausmerksam.

Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:

I. A. Nr. 2334. von GruneliuS.

Die Zimmerlehrlinge der Streife HerSfeld und Hünseld, welche ihre Gesellenprüsung ablegen müssen, werden ersucht, sich unter Einsendung der erforderlichen Papiere bei dem Unterzeichneten schriftlich zu melden.

Die Prüfung findet am 28. d. MtS. auf meinem Ge- schäftSplatz morgens 8 Uhr statt.

HerSfeld, den 10. April 1911.

Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses.

gez.: Georg Lämmerzahl, Zimmermeister.

*

Her-feld, den 11. April 1911.

Wird veröffentlicht.

I. 4440. Der Landrat.

3. A.:

Wessel, Krei-sekretär.

- 12 apijf 1911

Der Viehmarkt in Hünseld am 25. April b. Jr. ist mit Rücksicht auf die Gefahr der Weiterverbreitung der Maul- und Klauenseuche veterinärpolizeilich untersagt worden. I. 4498. Der Landrat.

3 A

Wessel, Krei-sekretär.

Hersa, den 18. April 1911.

Der in der Gemarkung Herfa gelegene

Wer sowie PevässemMattll

a. Kartenblatt 8. Parzelle Nr. 20 Graben, 1,80 ar groß, b. 9. Parzelle Nr. 15 Weg, 41,58 ar c. 9. Parzelle Nr. 16 Graben, 1,39 ar ,

d. , 9. Parzelle Nr. 17 Graben, 5,18 ar an der Teichwiese und Roh. sollen

eingezogen

und an die Gewerkschaften Hersa und Neurode verkaust werden.

Etadtherrn ließ sie sich mehr und mehr von diesem umgarnen und als er Mutter und Tochter nach Schluß deS Festes nach Hause geleitete, hatte er beiden mit Nachhülse von Frau Rosa die Zusage abgeschmeichelt, daß Kathi auf vierzehn Tage zu Besuch nach der Stadt kommen solle, und daß sie daS Mäd­chen gleich mitnehmen wollten.

IV.

Die GlaSkutsche war bestellt und Kathi konnte sich dem ungewöhnlichen Vergnügen hingeben, in diesem stolzen ®e- sährte nicht nur durch Hennigbach zu fahren, sondern auch durch zwei Nachbardörser bis zu ihrem Bestimmung-orte Reichenbach. Nicht so Harmlot froh wie daS erste Mal saß sie heute in der GlaSkutsche, sie war waS sie sonst nie kannte müde vom gestrigen Feste, wenigsten- bildete sie sich ein, eS zu sein. Im Grunde genommen war eS nur der Stachel, der ihr im Herzen saß, weil sie sich mit ihrem HanS verknurrt hatte.

In Reichenbach war Konzert, nachher im Saal auf der kleinen Bühne allerhand komische Vorträge. Der Vetter ließ etwas drausgehen und bestellte ein nobles Abendbrot, auch Wein ließ er bringen, man mußte doch anstoßen auf Kathi- ersten Besuch in der Stadt.

Ihr schwirrte der Kopf von allem Feiern und allem Neuen, waS sie gesehen und gehört hatte. Der Mutter ging eS nicht anders, sie sehnte sich nach ihrem stillen Häuschen, und da auch Frau Rosa die dörfliche Freude zur Genüge gekostet hatte, so wurde die GlaSkutsche beizeiten bestellt.

Wi wulln heimwärts über Spreewitz sahre, da künnt ihr halt wieder waS Neues sehe," schlug Kathi vor.

Die Tante gähnte,Er ist ein Dors wie daS andere! Außerdem ist ja bald nachtschlafende Zeit."

Aberst der Mond geiht glix us, und weiter it ok nit," beharrte daS Mädchen.

So fahren wir über Spreewitz," stimmte der Vetter ihr bei, und so geschah- auch. Er ahnte sreilich nicht, warum sie den Weg vorzog.

HanS Ruland wohnte in Spreewitz, und Kathi- Gtdanken waren doch so manche- Mal zurückgeflogen zu dem lieben, verkanten Jugrndgesährten. War er zur Kinn«-seier in Hen-