Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, w
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein« gespaltenen Zeile lOPfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewä^rt.navayawB
herrWer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 47
Sonnabend, den 22. April
1911
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 20. April 1911.
Unter dem Rindviehbestand der Heinrich Eyd in Nieder- jossa ist die Maul- und Klauenseuche amtlich frstgestellt worden.
Der Gemeindebezirk Niederjossa ist als Sperrbezirk erklärt worden.
I. 4695. Der Landrat
von GruneliuS.
Landespolizeiliche Anordnung, betreffend Bekämpsung der Maul- und Klauenseuche.
Mit Rücksicht auf die zur Zeit bestehende größere Gesahr der Verbreitung der Maul- und Klauenseuche im Kreise Hersfeld wird in Ergänzung der landespolizeilichen Anordnung vom 8. April 1911 — KreiSblatt Nr. 43 — folgende- an- geordnet.
I. Sperrbezirk.
Die Gemeinde Niederjossa bildet einen Sperrbezirk.
Aus diesen Sperrbezirk finden die Bestimmungen der Ziffer I 88 1—9 meiner vorbezeichneten Anordnung Anwendung.
Die unter Ziffer I im § 1 der Anordnung vom 8. April 1911 bezeichneten Sperrbezirke der einzelnen Stadtteile in Hersfeld, der Gemeindebezirke ASbach, Niederaula undHatten- bach bleiben unverändert.
II. Beobachtung-gebiet.
Im § 10 scheidet auS dem Beobachtung-gebiet Niederjossa aus.
8 14 Absatz 1 wird außer Kraft gefetzt. Er bekommt folgende Fassung:
Der Handel mit Klauenvieh im Kreis« Her-feld wird auf die Dauer von zwei Monaten verboten.
III.
Alle übrigen Vorschriften der vorbezeichneten Anordnung vom 8. April d. Js. bleiben unverändert in Kraft.
IV. Strasbestimmungen.
Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Anordnungen werden nach 88 65—67 des ReichSviehseuchen-GesetzeS und § 328 des Straf-Gesetz-Buche- bestraft.
Die Anordnung tritt sofort in «rast. Ihre Aufhebung erfolgt, sobald die eingangs bezeichnete Seuchengefahr beseitigt ist.
Cassel, am 20. April 191L
Der Regierungs-Präsident. gez. B e r n st o r f s.
* * Herrfeld, den 20. April 1911.
Wird veröffentlicht.
I. 4695. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 20. April 1911.
Unter den Rindviehbeständen deS Johannes Wegfahrt, Valentin Eichmann und Adam Willhardt in Niederaula ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt
worden.
I. 4694.
Der Landrat.
A.:
Wesfel, KreiSfekretär.
HerSfeld, den 20. April 1911.
Nachdem durch den Königlichen KreiStierarzt die Abheilung der Maul- und Klauenseuche unter den Schweinen des Schneidermeisters Post hier, Untere Frauenstraße festgestellt worden ist, auch die Unterfuchung der ansteckungSverdächtlgen Schweine des Arbeiters Luckhardt hier, Eisfeld, völlige Unverdächtigkeit ergeben haben, wird aus Grund deS § 2 der landerpolizel. lichen Anordnung vom 8. April d. JS. (KreiSblatt No. 43) die Genehmigung zur Verwendung von Klauenvieh aus dem Sperrbezirk in Hersfeld zur Feldarbeit innerhalb der Feldmark "^Ferner wird die Ausfuhr von schlachtreifen Vieh in das Schlachthaus nach Hersfeld an- folgenden Or en desi Be- obachtungSaebiets ohne zuvorige kleistierärztliche Unterfuchung des Bestandes gestattet, jedoch mit der Beschränkung, daß die Tiere mittels Wagens transportiert werden:
Reilos, Friedlos, Wehneberg, KalkobeS, HeeneS, AllmerS- Hausen, Gittersdorf, HählganS, Meisebach, Oberhaun, ItMer. Haun, Rotensee, VollmerSburg, Kühnbach, PeterSberg, Wilhelmshof, Oberrode, Sorga, Sölzerhöft, BmsarteS.
Die Ort-polizeibehörden der tn Betracht kommenden Ge meinden erfuche ich vorstehende- aus ortsübliche Weise bekannt zu geben. - „ .
Die übrigen Vorschriften der bisher getroffenen Anord- nunaen bleiben unverändert in Kraft. „ . t 4797 Der Landrat
von GruneliuS.
Hersfeld, den 20. April 1911.
Ich lasse den Herren Ort-vorstehern an den kommenden
Tagen die Gemeindesteuerlisten zugehen, damit danach die Heberollen ausgestellt werden können. Da diese Listen hier noch notwendig gebraucht werden, sind sie bestimmt binnen 3 Tagen an mich zurückzureichen.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission:
Nr. 1127. von GruneliuS.
Hersfeld, den 20. April 1911.
Mehrere Herren Bürgermeister und GutSvorsteher der hiesigen KreiseS sind noch mit Erledigung meiner Verfügung vom 4. d. MtS. A. 2093 im KreiSblatt Nr. 44, Einreichung der Kreis-Hundesteuer-Zugang-listen pp. für die Monate Januar, Februar und März d. JS. betr., im Rückstände.
Ich ersuche daher um Erledigung dieser Verfügung b i S spätestens zum 25. d. MtS.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. Nr. A. 2093II. von GruneliuS.
nichtamtlicher teil.
PolitischttWochenbericht.
Die Stille der O st e r t a g e ist vorüber, und bald wird unS wieder daS volle Getöse bei politischen Leben- umbrausen. Ostern ist so recht eigentlich da- Fest der Hoffnungen und tröstlichen Verheißungen, da- Fest, an dem ein allgemeiner Zug zum Neuen und Bessern durch Natur und Geisterwelt geht. Da wird sich sicherlich während der hinter unS liegenden Festtage in tausenden deutschen Herzen auch die Sehnsucht nach einer Besserung unserer innerpolitischen Zustände machtvoll geregt haben. Noch immer nagt und zehrt der giftige Wurm der ParteihaderS am Marke deutschen Volk-leben-, und wie dieser Hader einst vor Zeiten die Kräfte Deutschland- nach außen hin lähmte und unser Vaterland zum Spielhölle der Fremden machte, so hemmt und hindert er heute die einmütige Bekämpfung deS inneren Feinde- und die geschlossene Abwehr revolutionärer Umsturzbestrebungen, worin zweifelsohne die dringendste und bedeutsamste Ausgabe der Gegenwart liegt. Möchten doch die jüngstverflossenen Festtage gerade auch in dieser Hinsicht einen Wandel zum Bessern angebahnt haben! Kein heilsamere- Geschick könnte unserm Volke widerfahren.
Wie unS, so tut auch unseren deutschen Stammesbrüdern im benachbarten Oesterreich Einigkeit bitter not. Bei den ersten österreichischen Parlamentswahlen auf der Grundlage deS allgemeinen und gleichen WahlrechteS im Jahre 1907 fielen der Sozialdemokratie deutscher Zunge etwa 25 Mandate nur deswegen zu, weil die deutschen bürgerlichen Parteien sich nicht rechtzeitig zu verständigen und einigen vermochten. ES wäre daher für die im Juni bevorstehenden Neuwahlen zum österrei ch is ch e n A b g e o r dn et« n- Hause ein allgemeiner Wahlkompromiß zwischen den im Deutschen Nationalverbande zusammengeschlossenen Gruppen und der Christlich-sozialen Vereinigung sehr erwünscht gewesen. Leider ist aber ein solche- nicht zustande gekommen. Doch gibt sich wenigsten-, wie die jüngsten Besprechungen der Parteiführer bargetan haben, erfreulicher Weise auf beiden Seiten daS Bestreben kund, bei den Stichwahlen einmütig zusammenzugehen dort, wo bei der Hauptwahl der Kampf zwischen den deutschen Parteien unvermeidlich ist, diesen Kampf in einer so versöhnlichen Art zu führen, daß daraus im künftigen Parlamente keine Beeinträchtigung oder Störung des gemeinsamen Ein- stehenr für die Sache des Deutschtum- resultiert. Wir wünschen diesen Einigung-bestrebungen unserer deutschen Volk-genossen in Oesterreich von Herzen Glück.
Mit Bedauern sieht Deutschland den amerikanischen Botschafter Hill von seinem Berliner Posten scheiden. Dr. Hill hat er durchaus verstanden, gute Beziehungen zur Regierung zu unterhalten, und war am Berliner Hofe während der ganzen Zeit seines Berliner Aufenthaltes persona grata und ist es heute noch. Alle gegenteiligen Gerüchte der AuS- landSpresse sind nicht» alS müßiger und bösartiger Klatsch. Daß das Scheiden Hill- von feinem deutschen Botschasterposten mit persönlichen Verstimmungen und sachlichen Differenzen nicht da- mindeste zu tun hat, beweist wohl am besten die Tatsache, daß die amerikanische Regierung in diesem Frühling ein Geschwader nach der O st j ee entsenden wird, um dem deutschen Volke einen Freundschaftsbeweis zu geben. DaS amerikanische Geschwader wird, wie verlautet, drei Tage lang im Hafen von Kiel vor Anker gehen, und die staatlichen und städtischen Behörden werden sicherlich weder Mühe noch Kosten scheuen, um den willkommenen Gästen einen glänzenden Empfang und eine herzliche Aufnahme zu bereiten.
JeuWM s iini seine Amen.
Die Deckung bei deutschen Bedarfes an Rohstoffen ist eine der wichtigsten wirtschaftlichen Ausgaben und wird mit dem Anwachsen der deutschen Bevölkerung-zahl immer wichtiger, da der Bevölkerung-zuschuß t"m größtenteil in den Städten zu-
fammenftrümt und in der Industrie sein Brot verdient. Die Industrie bedarf aber der Rohstoffe; von ihrer Lieferung in guter Beschaffenheit und zu angemessenen Preisen hängt da» wirtschaftliche Gedeihen einiger Millionen deutscher Arbeiter mit ihren Familien ab. Mit dem Bezüge dieser Rohstoffe ist Deutschland, daS nur einen geringen Teil davon selbst her- vorbringt, ursprünglich fast vollständig vom AuSlande abhängig gewesen, daS diese Abhängigkeit durch Preistreibereien zu seinen Gunsten auSgebeutet hat. Eine Aenderung in dieser Hinsicht schien möglich, alS Deutschland durch den Erwerb eigener Kolonien in die Reihe der Kolonialmächte trat. Aber ein Jahrzehnt nach dem anderen verging, ohne daß diese Hoffnungen sich verwirklichten. Eine Besserung trat erst ein, nachdem man in Deutschland an eine wirkliche kolonisatorische Arbeit in großem Umfange und unter Bereitstellung bedeutender Mittel herangegangen ist. In erster Linie ist hier der Ausbau unseres kolonialen Eisenbahnnetzes zu nennen, daS gegenwärtig rund 4000 km umfaßt und die notwendig« Grundlage für einen ertragreichen Plantagenbau darstellt.
Diese hauptsächlich aus daS letzte Jahrzehnt entfallenden Erschließung-arbeiten haben bereit- ihre Früchte getragen. So werden von Deutschland- Kakaobedars in der Höhe von rund 440 000 Zentner bereits 30 000 Zentner, also etwa 7 v. H. in den deutschen Kolonien selbst erzeugt, von denen allerdings nur etwa 12 000 Zentner, also etwa 2Va v. H., ihren Weg nach Deutschland gefunden haben. Wesentlich bedeutender ist schon der Anteil der deutschen Kolonien an unserem Kautschukbedarf. Von der Gesamteinfuhr von Kautschuk im Jahre 1910 in der Höhe von über 185 000 Doppelzentner entstammten unseren Kolonien bereit- über 30 000 Doppelzentner, also fast ein Sechstel, während im Vorjahre der Anteil unserer Kolonien mit 16 500 Doppelzentnern nur etwas mehr all ein Zehntel bei rund 155 000 , Doppelzentner betragenden Bedarfes auS- machte. An der wichtigen Erzeugung von Gifalhanf sind die deutschen Kolonien sogar bereit- mit rund einem Viertel beteiligt. Der Gesamtbedarf Deutschland- daran betrug im letzten Jahre 75 000 Doppelzentner, von den auS den Kolonien 19 000, im Vorjahre 17 000 Doppelzentner bezogen wurden. Sehr beträchtlich ist auch bereit- die Produktion unserer Kolonien an Kopra (getrockneten Kokosnußkernen), Palmöl und Palmkernen, von denen das deutsche Reich im Jahre 1909 rund 4 Millionen Doppelzentner einführte. Bereit- im Jahre 1909 wurden aus unseren westasrikanischen Kolonien rund 55 000 Doppelzentner Palmöl auSgesührt, waS mehr als ein Drittel des deutschen jährlichen DurchschnittS- bedarseS ausmacht. Ferner führten in demselben Jahre unsere gesamten Schutzgebiete etwa eine Viertel Million Doppel- zentner gedörrte KokoSnußschnitzel auS, rund ein Sechstel bei deutschen BedarseS, und 215 000 Doppelzentner Palmkerne, weit über ein Zehntel unseres BedarseS.
Bedeutungsvoll für unseren heimischen Bedarf ist auch die Produktion an edeln Hölzern, wofür besonder- Kamerun in Betracht kommt, daS von 36 000 Doppelzentner der deutschen Einfuhr rund 8000, also fast ein Viertel, geliefert hat, während Ostafrika in demselben Jahre 14 000 Doppelzentner Gerb- Rinde lieferte, die allerdings nur etwa 3 v. H. unseres über 400 000 Doppelzentner betragenden Jahresbedarss auSmachen. Außerdem führte Ostafrika noch etwa 1700 Doppelzentner Wachs auS und trug dadurch nicht unerheblich zur Deckung unseres sich auf rund 20 000 Doppelzentner belaufenden JahreSbedarfS bei.
Dagegen läßt sich leider nicht leugnen, daß der Anteil der deutschen Kolonien an der Erzeugung unserer wichtigsten Rohstoffe, nämlich der Baumwolle und der Wolle, noch sehr un- befriedigend ist. Allerdings ist die Baumwollproduktion in Togo von 1909 aus 1910 von 3000 Doppelzentner aus 5400 Doppelzentner und die Baumwollproduktion von Deutsch- ostafrika von 2600 auf 3000 Doppelzentner gestiegen. Doch kommen diese 5—8000 Doppelzentner so gut wie gar nicht in Betracht gegenüber unserem JahreSbedarfe von mindestens 4 Millionen Doppelzentner. Diese Frage ist aber um so ernsthafter, als der Baumwollbedarf in der ganzen Welt außerordentlich steigt und die für den Anbau der Baumwolle geeignete Fläche beschränkt ist. Noch geringer ist die Wollpro- duktion unserer Kolonien, die im Jahre 1909 kaum 3000 Doppelzentner betrug, waS für unseren Bedarf kaum in Betracht kommt, trotzdem gerade in Deutschsüdwestafrika weite Gebiete für die Schafhaltung außerordentlich geeignet sind.
Ist die Kavallerie überflüssig ?
Die großen Fortschritte der Luftfahrt haben hier und da zu der Annahme geführt, daß nun die Kavallerie überflüssig werden müßte, und daß ihre Regimenter in demselben Grade verringert werden könnten, wie die Zahl der Flieger steigt. Dieser Auffassung hat auch bei den Verhandlungen über den Militäretat im Reichstage ein Redner aus dem Hause Ausdruck gegeben, aber von dem preußischen Kriegsminister die zwar kurze, aber inhaltsschwere Antwort zu hören bekommen : „In Ewigkeit nicht!" Wer die Ausgaben unserer Kavallerie im Felde kennt, der wird diese Antwort dick unterstreichen ; denn nimmermehr kann der Flieger den Reiter ersetzen. Di« Haupttätigkeit unserer Kavallerie liegt in der Aufklärung und