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hmMer Kreisblatt

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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 48.

Dienstag, den SS. April

1911.

Amtlicher teil.

Hess.-Nass. landw.

Berufsgenossenschaft

Sektion Hersfeld.

I. 8. Nr. 394II.

HerSseld, den 24. April 1911.

Ich bringe meine Verfügung vom 20. März d. I«. I. Nr. 8. 394 KreiSblatt Nr. 36 nochmals in Er­innerung und erwarte bestimmt, daß die noch rückständigen Gemeinden die Umlagebeiträge zur Hessen-Nassauischen land­wirtschaftlichen BerusSgenossenschast nunmehr bis spätesten« zum 28. d. MtS. zur Kreiskommunalkasse hier einzahlen. Weitere Frist sann nicht gewährt werden.

von Grun«liu -.

HerSseld, den 19. April 1911.

Vom 24. April d. Jr. ab wird durch den LandeSsekretär Hasermaas in Cassel im Bereich der diesseitigen Lektion mit der Kontrolle darüber begonnen werden, ob die Unfallver- hÜtungSvorschrijten der Hessen-Nassauischen Landwirtschaftlichen BerusSgenossenschast für landwirtschaftliche Maschinen, landwirt­schaftliche Nebenbetriebe, landwirtschaf liche Geräte und Epreng- mittel, Vieh- und Fuhrwerk-haltung, Bauhaltung, Forstwirtschaft und forstwirtschaftliche Nebenbetriebe in den einzelnen Betrieben auch befolgt werden. Diese Kontrolle soll vorläufig auf verschie­dene Stichproben in jeder einzelnen Gemeinde beschränkt werden.

Ich ersuche die Herren Bürgermeister deS Kreise« dies sofort auf ortsübliche Weise bekannt $u machen und demnächst an den Revisionen im eigenen Interesse teilzunehmen; auch den Kontrollbeamten bei seiner Arbeit nach Möglichkeit zu unterstützen.

In denjenigen Gemeinden, die unter daS Sperr- und Beobachtung-gebiet der Maul- und Klauenseuche fallen, wird die Kontrolle einstweilen zurückgestellt.

8. Nr. 531. Der Landrat

von Gruneliu «.

Bekanntmachung.

B e t r: Maßnahmen gegen die Einschleppung der Maul« und Klauenseuche.

GroßherzoglicheS Ministerium der Innern hat auf Grund deS § 20 Abs. 2 deS Rindviehseuchengesetze« und deS § 1 der dazu erlassenen Ausführung-instruktion zur Verhütung und Einschleppung der Verbreitung der Maul- und Klauenseuche nachstehender angeordnet:

1. DaS den Quarantänevorschriften unterliegende Vieh darf in Gehöfte, in denen andere- Klauenvieh zu Zucht- und Nutz­zwecken gehalten wird, nicht eher eingestellt werden, bis nach Ablauf der Quarantänezeit die Seuchenfreiheit der eingeführten Tiere festgestellt ist.

Zwei Kirschen an einem Stengel.

Roman von A. von Liliencron.

(Fortsetzung.)

Frau Armum antwortete nicht gleich, dann sagte sie langsam:Ganz reputierlich siehst auS, aberst wann ich dich so anschauen tu, siehst gar nit au« wie meine Tochter. In dein Bauerkleid gefällst mir viel besser."

Das war eine Antwort, die dem Mädchen nicht gefiel. Wannst mal nach Berlin kummst, dann wirst ander« spreche", belehrte sie ihre Mutter.In der Stadt, da lrrnt man erst, wie man sich nobel behabe muß, und waS noble «ledage ist." ,

Aus die Freude der Mutter senkte sich ein Schatten. Ich mein, daheim in uns Dors weiß man ok, war sich schicke dut, und daß man sin Kledagr sauber und akkurat halte muß." . m .

Auch für Kathi hatte daS Gespräch eine Wendung genommen, die ihrer Freude einen Dämpfer auiftffte- Kann schon sin, Mutterle, aber allweil geht« m die Stadt doch anders zu als hier, und man muß halt mit- ^,Kind, Kind, daS gefallt mir nit, wie du sprichst I Bist viel länger weg bliewe, al« zuerst wallst! Bist denn gar so gern da West?" ES lag eint gewisse Unruhe tu der $ %or KathiS Augen trat ihr hübsches Stübchm von Friedenau, und da wollte ihr mit einmal die altgeroobiitt Stube in Hennigbach so entsetzlich niedrig und dürftig er- scheinen. Vor ihren Ohren schwirrten die lobenden Worte und schmeichelnden Redensarten, mit denen sie vie ver­wandten und Gäste der Hause« futterten, und da geschah eS, daß ihr der Mutter Worte und Fragen gar nicht pav en. Sie war ander« in den letzten Wochen gewohnt gewesen, und hastig antwortete sie:Ganz erschrecklich gern vm da gewrst, und so gut hat- mir- gesalle, daß ich noch a Weil dableibe will." h

Bis du da« Dörfl« und dein Mutterle vergesse tust ,

2. Der Quarantäne unterliegen bis auf weitere« alle in da- Großherzogtum eingeführten Klauentiere.

Mit der Eisenbahn ankommende ViehtranSporte dürfen nicht auSgeladen werden, bevor sich der Einbringer der Trans­porte bei dem Bahnhof-vorstand durch Vorlage einer Be­scheinigung der Polizeibehörde der Bestimmung-orte- der Tiere darüber au-gewiesen hat, wo diese unter Beobachtung der Vorschrift der Ziffer 1 eingestellt werden sollen.

Wer Klauentiere innerhalb deS Großherzogtum« auf die Eisenbahn verladen will, hat sich bei dem Bahnhof-vorstand durch Vorlage einer Bescheinigung der Polizeibehörde der HerkunftrortS der Tiere darüber auSzuweisen, woher sie stammen. Diese Bescheinigung wird vom BahnhosSvorstand in Empfang genommen und der für den Bahnhof zuständigen Ort-polizei- behörde zur weiteren Kontrolle übermittelt.

3. Der Transport von Schafherden darf innerhalb deS Großherzogtum-, soweit Eisenbahn benutzt werden kann, nur mit dieser erfolgen.

Lauterbach, den 8. April 1911.

Großherzogliche- Krei-amt Lauterbach. v. B e ch t o l d. * * *

Her-feld, den 13. April 1911.

Wird veröffentlicht.

I. 4846. Der Landrat.

I. A.:

Wesfel, Kreiksekretär,

Bekanntmachung.

Frühjahrs-kontrollversammlung 1911.

Wegen der im Kreise HerSsA herrschenden Maul- und Klauenseuche treten beim Abhaltm der diesjährigen Frühjahrs- Kontrollversammlungen folgende Aenderungen ein:

1. Die Mannschaften aus den Ortschaften Solms, Stärklo-, GutSbezirk Engelbach mit Hof Sternberg, KrutpiS und Holzheim nehmen an der Kontrollversammlung in Neukirchen, Kreis Hünfeld, teil.

Diese findet am Donnerstag, den 27 4. d. Js. SV< V. (bei Gastwirt Kümpel) statt.

2. Für die Mannschaften auS den Ortschaften Hattenbach Niederaula und Niederjossa findet die Kontrollversammlung am Freitag, den 28. 4. d. Js. 10 V. in Niederaula (Kirchplatz) statt.

3. Für die Mannschaften auS den Ortschaften ASbach, BeierShausen, K«r«penhause nund MengShausen findet die Kontrollversammlung am Freitag, den 28. 4. d. Js. 12 mittags in Asbach (Platz vor dem Bahn­höfe), statt.

Her-feld, 24. 4. 1911.

Kgl. Bezirhekommando.

murmelte Frau Amrum. Nun war aber auch bei Kathi wieder die weiche Seite ihre- leicht beweglichen HerzenS berührt.Da« glaubst ja selbst nit, daß ich dich vergesse kunnt und da- Dorsel, unser liebe- Häusel unb ..." Sie hatteHanS" sagen wollen, stockte aber, und statt aller weiteren Worte küßte sie ihr Mütterchen herzhaft.

Dann meinte sie vergnügt:Nun wüll ich mal rasch in min Kammer 'nauf hüpfe und den seine Staat runterziehe. Wannst ich mein Alltag-rock anhab, dann helf ich dir schuften und füllst sehe, da wird« wieder federn wie fünften." Und als sie von oben wieder herunterkam, da wars ganz die Kathi von ehedem, die ihrem Mütterlein dir Arbeit ab- nahm, und der eS so flink von der Hand ging, daß eS eine Lust war, ihr zuzufchauen.

Behaglich saßen die beiden dann beim Abendbrote. Die Kathi hatte so viel zu erzählen, da- Mäulchen stand ihr nicht einen Augenblick still, sie ließ sich kaum Zeit zum Essen. Frau Amrum hörte ihr staunend zu, manchmal erfreut, manchmal mit leisem Kopfschütteln.

Weißt, so recht kenne ich mich gar nit auf in alle dem bunten Krim-kram-, den du da schwätze tätst", gestand sie endlich,e« ra-pelt mir ordentlich im Kopse herum."

»Will« schon meine," gab die Kathi zu,'- ist mir alleweil auch so gange die erst« Zeit, aberst nu bin ich gescheit worde." Lebhaft fuhr sie fort,kannst dich besinne, Mutterle, wannst ich noch in die Schule ging, da hast mal vom Jahrmärkte für mich solch kurio- Ding mitbracht, solch' nt lange, runde Klöterbüx. Wenn man neingucke tät, dann i« da solch seine« Bild gereift von lauter bunte Steinche. Und wenn man daS Ding schütteln tät, dann war« weg, und glix kummt ein andres, dat war ebenso bunt und ebenso schin. Man bloß zu schütteln brukt man, und in« selbe Moment i« waS Neue« dagewest, in« bunter und schiner °l« da- andere. Die olle Klöterbüx kunnt ich gar nit auS de Hand gebe, immer wieder mußt ich rinkieken, weilst ich meine helle Früd dran haben tät. Akkurat so geht mir« nu in Berlin, daS kämmt mir auch für, wie dazumalen min Klöterbüx mit die viele bunte Steinche."

nichtamtlicher teil.

Falsche Arisengerüchte.

In mehreren Blättern war von einer AmtSmüdigkeit bei Staatssekretärs deS Innern Delbrück die Rede. Da eS jedoch an und für sich sehr unglaubwürdig erschien, daß der al« außerordentlich tätig und arbeitssroh bekannte Staatssekretär vor den Schwierigkeiten der demnächst im Reichstag« zu ent­scheidenden großen Ausgaben seine- Ressorts, der ReichSver- sicherungSordnung und der elsaß-lothringifchen Berfassung, zurückschrecken sollte, so wurde nach einem besonderen Grunde für die angebliche Arbeit-müdigkeit gesucht und ein Zwiespalt zwischen dem Reichskanzler und dem Staatssekretär konstruiert. Gewisse radikale Gegner der Herrn von Bethmann Hollweg, die auf möglichste Verschärfung der Gegensätze in den bürger­lichen Kreisen hinarbeiten und ihm deshalb bald durch einen ultrareaktionären Kanzler ersetzt zu sehen wünschen, argumen­tierten so: Die Aussichten für daS Gelingen deS elsaß- lothringifchen Verfassung-werk- sind nicht günstig; daS Zentrum wird wahrscheinlich, wenn eS in der Frage der Wahlkreis- einteilung seine egoistischen Wünsche nicht durchsetzen kann, die Vorlage zu Falle bringen und damit zugleich den schwarz- blauen Block aufs neue stärken, dann müßte der Kanzler, der so warm für die Vorlage eingetreten ist, seinen Abschied nehmen, er sei denn, daß er alle Schuld für daS Mißlingen dem Staatssekretär Delbrück auflade und diesen als Sünden- bock opfere.

An diesem Gedankengang ist, mit Ausnahme der tatsächlich bestehenden Unsicherheit deS Schicksals der Vorlage, alles falsch: die angebliche Mißstimmung des Kanzler- gegen den Staatssekretär (die Eintracht beider bei der Behandlung der elsaß-lothringifchen Angelegenheit war keinen Augenblick ge­trübt), die angebliche Notwendigkeit für den Kanzler, zurück- zutreten, wenn die Vorlage scheitert (er hängt nicht von dieser oder jener Parlament-mehrheit ab), endlich gar die böswillige Unterstellung, daß er einen bewährten Mitarbeiter in die Wüste schicken werde (man kann den Charakter des Herrn v. Bethmann Hollweg nicht gröber verkennen).

WaS nun die Aussichten der Vorlage für den am 2. Mai beginnenden Abschnitt der Reichstag-arbeiten betrifft, so verdient bemerkt zu werden, daß der frühere elsaß-lothringische Staatssekretär v. Köller seiner Herrenhausrede, in der er sich kritisch verhalten hat, einen Artikel folgen läßt, in dem er von dem Gelingen der Verfassung gute Folgen für da- Reichsland erwartet. Insbesondere teilt er nicht die Bedenken seiner konservativen Parteifreunde gegen daS allgemeine direkte Wahlrecht für Elsaß-Lothringen; die Verhältnisse lägen hier ganz anders als in Preußen, und seine Einführung für die zweite Kammer sei kein Sprung inS Dunkle, da die Elsaß- Lothringer seit langer Zeit an kein anderes Wahlrecht gewöhnt seien. Für die WahlkreiSeinteilung wünscht Herr v. Köller

Frau Amrum kehrte gedankenvoll mit der Hand die Brotkrumen vom Tische zusammen.Die olle Klöterbüx brach in Scherben, uno dann war der Spaß vorbi!"

Sie schwieg, und auch Kathi verstummte.

Nach einer kurzen Pause aber fragte die Mutter:Hast aber auch nit über alle dem Niejen nnd Schirren in der Stadt vergesse, abend« inS liebe Bibelbuch zu lese?"

Da- Mädchen gab nicht gleich Antwort, dann sagte sie: Ich hab schon lest, nur allmal nit, wenn ich zu müd war."

Daß sie die letzten Wochen fast jeden Abend zu müde ober zu zerstreut gewesen war, fiel ihr dabei ein, darum sah sie auch die Mutter nicht an, säubern machte sich zu schaffen mit dem Abräumen der TischeS.

Nachher saßen Mutter und Tochter auf der Ofenbank. Erstere hatte die Brille aus und laS halblaut voll großer Umständlichkeit den Brics der Schwester mit dem Vorschlag, ihr Kathi auf ein Jahr hinzugeben. Alle von der Tante inS Treffen geführten Beweisgründe für die Nützlichkeit diese- Planes unterstützte daS Mädchen in warmer Lebendigkeit, immer mit dem brennenden Verlangen, die Zustimmung der Mutter zu erreichen.

Nach einigem Hin und Her, nach Bedenken und Seufzen war eS der Tochter denn auch gelungen, Frau Amrum dazu zu bringen, daß sie sich einverstanden mit diesem Dienste bei der Schwester erklärte. Die dreihundert Mark sollten dann auf die Sparkasse gebracht werden als Heiratsgut der Tochter.

Der nächste Tag war ein Sonntag. Frau Amrum hatte der Tochter vorgeschlagen, in ihrem gewöhnlichen bäurischen Sonntag-staate zur Kirche zu gehen, aber diese ließ er sich nicht nehmen, ihre städtische Kleiderpracht bei dieser Gelegen­heit zu zeigen.

Die kleinen EitelkeitSteuselchen waren denn auch ganz ge­schäftig bei dem Kirchgang und beunruhigten sie selbst bei der Predigt, so daß sie nicht wie sonst eine Herzstärkung mit- nehmen konnte.

Den HanS hatte sie oben unter den Männern sitzend ent­deckt und war mit ihm zusammengetrosien auf dem Gange durch den Kirchhof. Hinter ihr her war er gekommen, und da der Weg an den Gräbern vorbei nicht breit war, so mußte