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herrMer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" , Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 51. Dienstag, den 2. Mai 1911.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 25. April 1911.

In der Kreistagssitzung vom 11. April d. Js. ist die Erhebung einer allgemeinen KreiSsteuer in Höhe von 35,5 % der sämtlichen direkten StaatSsteuern für da» Rechnungsjahr 1911 beschlossen worden.

Neben dieser allgemeinen KreiSsteuer sind wie bisher von den Landgemeinden und Gut-bezirken deS Kreises mit Aus­nahme der früher mit Landwegebauaufgaben nicht belasteten Gemeinden HerSfeld, Frielingen, HedderSdorf, KalkobeS und Niederjossa noch 7200 Mk. Vorausleistung zur Unterhaltung der Landwege auszubringen. Dieser Betrag stellt weitere 5,1 % der sämtlichen direkten Steuern dar.

Auf die Stadt HerSfeld und bie vorgenannten 4 Land­gemeinden sowie den Forst- und DomänenfiSkuS entfallen hiernach für daS Etatsjahr 1911 =35,5 % der sämtlichen direkten StaatSsteuern alS KreiSsteuer, während alle übrigen Gemeinden und GutSbezirke 35,5-1-5,1 = 40,6 % zu ent­richten haben.

Das Veranlagungsschreiben wird den Herren OrtSvorständen in Kürze übersandt werden. ES ist darin von einem Teile der im Interessengebiet der Bahn HerSseld-HeimboldShausen gelegenen Gemeinden auch die auf sie entfallende Voraus­leistung zu den Kosten des GrunderwerbS dieser Bahn an» gefordert worden. Ich ersuche alsbald nach Empfang bei Veranlagung-schreiben- die Gemeindekasse mit Zahlungsan­weisung zu versehen.

Die KreiSsteuer ist wie bisher einschließlich der Voraus- leistungen in vierteljährlichen Raten und zwar bis zum 15. Mai, 15. August, 15. November und 15. Februar an die Kreiskommunalkaffe hier einzuzahlen. Bei jeder Zahlung ist das Veranlagungsschreiben zur Erteilung der Quittung hierauf mit vorzulegen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

A. 2579. von Grun«liuS.

HerSfeld, den 29. April 1911.

Unter den Rindviehbeständen bei

1. MolkereiheizerS Karl Stock,

2. Landwirts Johanne- Eydt und

3. Gastwirt- Adam Heil in Niederjossa ist die Maul- und Klauenseuche amtlich fest- gestellt worden.

I. 5169. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 26. April 1911.

Bei Prüfung der Voranschläge der Landgemeinden für daS Rechnungsjahr 1911 habe ich wahrgenommen, daß in mehreren Fällen die Feststellung deS Voranschlag- durch bie Gemeinde-

Zwei Kirschen an einem Stengel.

Roman von A. von Lilien er on.

(Fortsetzung.)

Der alte Herr richtete sich auf, seine zitternden, abgemagerten Hände berührten leicht die Häupter der Knienden.Gott ge­leite und behüte Euch in Ewigkeit. Sein Segen sei mit euch und stärke euch zu eurem Tagewerke," sagte er.

Ein warmer Blick au» KathiS Braunaugen dankte, all sie sich «hob, Onkel Leberecht für feine Worte. Gleich darauf war das junge Paar aus dem Heimwege.

Na, daS wäre überstanden. Er war eine endlose Sal­baderei," murrte der Bräutigam.

DaS Mädchen sah ihn erstaunt, fast erschrocken an, wäh­rend er sortsuhr:Lange macht der eS nicht mehr, in den nächsten Monaten wird er schon inl GraS beißen, da» steht cst!"

Beileibe nicht," warf Kathi da» Wort dazwischen, waS sie immer gebrauchte, wenn sie sich mit aller Macht gegen irgend etwa- auflehnt^

Julius wandte sich zur Seite, damit sie ihm nicht in Die Augen sehen konnte. Irgend etwa- hatte ihn verdrossen, da- merkte sie, denn sonst hatte er sich immer sehr rücksichtsvoll über den alten Herrn geäußert, und sie immer wieder zum Hingehen ausgesordert. The Kathi ihn aber nach dem Grunde seiner Verstimmung fragen konnte, klärte er sie selbst auf.

Ich meinte, wir sollten heut früh hinkommen, um ein großartiges Hochzeit-geschenk in Empfang zu nehmen," knurrte er statt dessen kriegten wir eine ellenlange Predigt aufge- lischt und mit dem Geschenke wart Essig."

WaS war denn daS? So hatte er sich in ihrer Gegen­wart noch nie geäußert. Sie war empört, und ihre Augen blitzten ihn entrüstet an.Wie kannst du es über da- Herz bringe, so zu sprechen so" sie wollte noch mehr sagen, aber sie beherrschte sich. Doch nicht allein der Wille, an die­sem Tage keinen Zank herauszubeschwören, ließ sie schwelgen, sondern es war ein leiser Schreck, der sich gleich einem dumpfen Drucke lähmend aus sie senkt«.

Vertretung oder Gemeindeversammlung bereit- vor der öffent­lichen Au-legung geschehen ist. Dies ist nach § 89 der Landgemeindeordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 unzulässig.

Ich erwarte bestimmt, daß für die Zukunft diese gesetzliche Bestimmung genau gehandhabt wird.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. Nr. 2618. von Gruneliu-.

HerSfeld, den 27. April 1911.

Unter den Rindviehbeständen bei Landwirt- Johanne- Reuber und bei Landwirt- Schäfer zu Hattenbach ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.

I. 5101. Der Landrat.

I. A.:

Nessel, Krei-srkretär.

Her-seld, am 1. Mai 1911.

Der Vichinarkt in Homberg am 3. Mai d. I». ist au- veterinärpolizeilichen Gründen untersagt worden.

Die Abhaltung von Schweinemärkten wird durch diese- Verbot nicht berührt.

I. 5214. Der Landrat.

I. 8.:

Nessel, Krei-sekretär.

nichtamtlicher teil.

3m Wiederbeginn der Rtichsiizs- nerbandsungen.

Der deutsche Reich-tag nimmt an diesem Dienstag seine durch die parlamentarische Osterpause unterbrochenen Arbeiten wiederum auf. Die Geschäft-lage beihohen Hause-" zeigt sich beim Eintritt in den nachösterlichen Abschnitt der laufenden TagungSperiode in einem sehr ungewissen Lichte, denn bal Arbeit-programm bei Reich-tage- ist selbst jetzt noch ein reich­haltige-, er umfaßt vor allem eine ganze Reihe wichtiger ge­setzgeberischer Beratung-stoffe, die in ihrer parlamentarischen Behandlung verhältnismäßig noch immer weit zurück find, während doch dem alternden Parlament« von 1907 gar nicht mehr so viel Zeit zur Verfügung steht. Man bedenk« nur, waS alleS von den schwebenden Vorlagen der jetzigen letzten Session deS Reichstage- noch der Erledigung harrt, r- find die-, um nur bie hervorragenderen Sachen zu nennen, die ReichSversicherungSordnung, die Novellen zum GerichtSver- fassungSgesetz und zur Strafprozeßordnung, die Gesetzentwürfe betr. die Erhebung von Schiffahrt-abgaben, betr. die Verfas­sung sür Elsaß-Lothringen, betr. die Errichtung von ArbeitS- kammern, betr. die Regelung der Bestimmungen über die

Ganz erfüllt von dem Ernst bei läge?, hatte sie den Bräutigam, der ihr zum Onkel erst nachgekommen war, nur mit einem flüchtigen Blick beim Hereintreten gestreift und nach­her nicht weiter auf ihn acht gehabt. Jetzt fiel ihr etwa! Unstäte- in feinem Blick auf und der Gang ja wahrhaftig er war ein schwankender Gang.

DaS Mädchen brächte kein Wort mehr über die Lippen, angstvolle Gedanken durchjagten ihr Gehirn, ein Schreckge­spenst tauchte vor ihr aus, da- sie marterte. Ja, ein Schreck, ein Spukgespenst, weiter war e- nicht-, sucht« sie sich zu beruhigen.

In der Hau-tür stand Frau Röschen. Sie warf dem Sohn einen scharfen Blick zu und sah böse auS.

Juliu-, ich habe in deiner Stube mit dir zu sprechen," redete sie ihn an, und er, gewohnt, sich unter diesen starken Willen zu beugen, ging gehorsam auf sein Zimmer.

Frau RöSchen aber, die Kathi- verstörte- Gesicht sah, mochte ahnen, daß zwischen den beiden etwas vorgesallen fei. Freundlich wandte sie sich an Kathi:Mußt ihm daS nicht übelnehmen, Käthchen, er ist ein bischen überwacht. Gestern, am letzten Junggesellenab«nd hat er wohl etwa- länger, 'al» not tat, mit den alten Bekannten zusammengeseffen, daS merkt man ihm heute srüh noch an. Jetzt soll er sich ein bißchen hinlegen, dann verschläft erl und ist hernach wieder srisch."

Kathi gab kein« Antwort, müde, mit schweren Schritten ging sie hinauf in ihr Stäbchen.

Frau Rosa hatte dafür gesorgt, daß bie Hochzeitstandes­gemäß", wie sie sich au-drückte, auSsiel und nach ihrer Ansicht war denn auch alle- großartig gelungen.

Julius hatte der Schlaf gut getan. Er war wieder der Liebenswürdige, so wie Kathi ihn bisher nur gekannt, und hatte sogar mit einer gewissen Verlegenheit gemurmelt:Der gut« Onkel", alS Kathi ihm, ehe sie zum Standesamte fuhren, einen Brief bei Paten gezeigt, den er ihr geschickt hatte.

Meine Hochzeit-gabe sür mein Patenkind," stand darin, sie soll er sich aushcben für die Zeit, wenn sie es mal brauchen sollte." Fünf Hundertmarkscheine lagen dabei.

Ein wunderlicher Kauz ist «r doch," meinte der angehende Ehemann, al- er nicht nur daS Geld gesehen, sondern auch

Heimarbeit und betr. die Bekämpfung deS Kurpsuscherunwesen», weiter etwa noch die GewerbeordnungSnovelle, der deutsch- schwedische Handelsvertrag, der Gesetzentwurf über die Errich­tung eine- Kolonialgericht-hojeS und dir neue Fernsprech- gebührenordnung. Fast alle diese Vorlagen haben zunächst erst noch die zweite Plenarsitzung zu passieren, und zudem sind manche von ihnen ganz besonder- umfangreich, waS in erster Linie von der ca. 1750 Paragraphen zählenden ReichSver- sichcrungsordnung und von den ebenfalls paragraphenreichen Justizgefetznovellen gilt. Schließlich ist auch noch der Ent­wurf deS Gesetzes über bie Pension-Versicherung der Privat- angefteQten da, der bislang dem Reichstage sogar noch nicht zugegangen war, war aber in diesen Tagen geschehen dürste.

Wie soll nun ber vor seinem Ende stehende Reichstag mit all diesem qualitativ wie quantitativ meist so bedeutsamen Arbeittmaterial fertig werden? DieS ist die große Frage, die sich jetzt, beim Beginne der nachösterlichen Verhandlungen der Volksvertretung erhebt und durch welche eben die höchst un­sichere parlamentarische Geschäftslage so grell beleuchtet wird. Der Seniorenkonvent deS Reichstage- hat nun zwar schon vor Weihnachten eine ArtKontigentierungSplan" ausgestellt, wonach in dem Abschnitt der Session nach den Osterferien vor allem die ReichSversicherungSordnung, die elsaß-lothringische BersassungSvorlage, das SchiffahrtSabgabengesetz und der deutsch-schwedische Handelsvertrag, später aber, nach der aber­maligen Sommerpause deS Hauses, die Justizgesetznovellen und die Vorlage wegen der Pension-Versicherung der Privatbeamten unter Dach und Fach gebracht werden sollen. Bon den anderen noch zu erledigenden Vorlagen, von dem ArbeitS- kammergesetzentwurfe usw., ist in diesemKontingenti«rungr- planc" deS SeniorenkvrwentS gut nicht die Rede, sie werden also höchst wahrscheinlich still unter denT'sch des HauseS" fallen. Jedoch auch dann bleibt ei mit der Durchführung der dergestalt abgekürzten ArbeitSprogrammeS deS Reichstages eine zweifelhaft« Sache, zumal die nachösterlichen Verhand­lungen immer mehr unter dem zunehmenden Lärm für die Vorbreitungen zu den ReichStagSneuwahlen zu leiden haben werden. Außerdem muß in Betracht gezogen werden, daß in verschiedenen der schwebenden gesetzgeberischen Fragen, nament- lich, war bie Reichsversicherung-ordnung, die Schiffahrt-ab­gaben und die elsaß-lothringifche Verfassung-vorlage anbetrifft, noch mehr oder weniger gewichtige Differenzen zwischen Re­gierung und Reich-tag, wie auch zwischen den Parteien be­stehen. Speziell gilt die- von der Reich-versicherupg-ordnung, deren Beratung den Reichstag in dem nachösterlichen Ses­sion-abschnitte vorwiegend beschäftigen soll. Man ist sich ja nicht einmal über die geschäftliche Behandlung dieser Riesen- Vorlage einig, die Sozialdemokraten wollen sogar, wenn el nicht nach ihren Wünschen in dieser Angelegenheit gehen sollte, Obstruktion treiben, die dann freilich wahrscheinlich zur Aus­lösung der Hause- führen würde. So vollzieht sich der Witderzusammentritt der Reichstage- keine-weg- unter sonder, lich freundlichen Aussichten, die daS Schicksal der noch nicht

die Zeilen gelesen hatte, und Kathi beide- zurückgab.Na brauchen wirst du die blauen Lappen schon bald genug."

Aufheben will ich sie mir," gab sie zur Antwort.

Vom Standesamte ging- in die Kirche und von der Kirche zum Festessen in einem fremden Restaurant. Dann fuhr bal junge Paar auf drei Tage nach Dresden. Ja, wer hätte in Hennigbach gedacht, daß Kathi, da- HäuSlerkind, eine richtige Hochzeitsreise machen würde! Ihr selbst kam da- ganz ver­wunderlich vor, und mit offenen Augen und empfänglichem Gemüte nahm sie all daS Schöne und Neue hin, daS hier auf sie wirkte. Sie gab sich den Eindrücken mit ganz beson­derer Rückhaltlosigkeit hin, in dem ängstlichen Gefühle, keine anderen Gedanken in sich auskommen zu lassen.

Nach diesen Tagen setzte daS Alltagsleben wieder ein, und nun war es die Arbeit, die rastlose Arbeit, bie der jungen Frau über die Stunden verzehrenden- Heimwehs forthalf und ihr die Frische bewahrte, die aus die Gäste noch immer er­quickend wie reine» Quellwosfer wirkte.

Acht Wochen waren sie verheiratet, da geschah eS, (daß Frau Rosa schwer erkrankte. Ihr Zustand wurde immer hoff- nungSloser trotz aller aufopfernden Pflege, die Kathi ihr an­gedeihen ließ.

Die Sterbende sühlte, daß e» mit ihr zu Ende ging, und in stiller Nachtstunde, alt die Schwiegertochter bei ihr wachte, griff sie nach deren Hand und zog sie dicht zu sich heran. Kind, ich muß dir etwas sagen," raunte sie ihr zu,der Juliu» ist ein guter Junge, aber schwach schwach ich mußte ihn immer fest am Zügel halten, dann gingt!" Sie machte eine Pause, daS Sprechen wurde ihr schwer, aber sich wieder zusammenraffend fuhr sie fort:Dich hat er ja un- bändig lieb, denn er wollte nur dich, obgleich er sonst hinterin Gelde her ist. Darum habe ich wir gesagt, so brav und flink wie die Kathi ist, wird sie auch ohne Geld dir Rechte für ihn sein; ihren Kops weiß sie auch durchzusetzen, und bal ist gut, da wird sie dem Julius einen Riegel vorschieben, daß er sich nicht auf» Trinken legt mit den guten Freunden."

Sie hätt? gern noch mehr gesagt, der Schwiegertochter allerhand Ratschläge geben mögen, aber sie vermochte jetzt nicht weiter zu reden. Angstvoll sah sie ihr in da» Gesicht.