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hmselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" ,
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8 i
Nr. 53.
Donnerstag, den 4. Mai
1911.
Amtlicher teil.
HerSseld, den 3. Mai 1911.
Unter dem Rindviehbestande der Maurers Justus Koch in Gersdorf ist die Maul- und Klauenseuche amtlich sestge- stellt worden.
Der Gemeindebezirk Ger-dorf ist alS Sperrb«zirk erklärt worden.
I. 5309. Der Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 3. Mai 1911.
Nachdem durch das Gutachten des beamteten Tierarztes in Gersdorf unter dem Rindviehbestande die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden ist, wird auf Grund des § 19—29 des Reichs-Viehseuchen-Ge- setzes vom 1. 5. 94, R. G. Bl. S. 409 und des § 57 ff. der Bundesrats-Jnstruktion vom 27. Juni 1895 R. G. Bl. S. 357 zur Bekämpfung dieser Seuche bis auf Weiteres für Gersdorf folgendes angeordnet.
1. Der Gemeindebezirk Gersdorf bildet einen S p e r r b e z i r k.
2. Sämtliche Wiederkäuer und Schweine unterliegen der Stallsperre.
3. Die Plätze vor den Statttüren und den Gehöftseingängen der verseuchten Gehöfte, sowie die gepflasterten Wege an den Ställen und auf dem Hofe sind mehrmals täglich durch ausgiebiges Uebergießen mit Kalkwasfer zu desinfizieren.
4. Das Geflügel ist so einzusperren, daß es den Hof nicht verlassen kann. Die Hunde sind festzulegen.
5. Das Betreten der verseuchten Ställe ist nur den Besitzern, den mit der Wartung und Pflege der Tiere beauftragten Personen und Tierärzten gestattet.
Händlern,' Schlächtern und Viehkastrierern und andern in Ställen gewerbsmäßig verkehrenden Personen ist das Betreten der verseuchten Gehöfte zu untersagen.
' 6. Die Abgabe roher Milch und von Molkereirückständen aus verseuchten Gehöften ist verboten. Dies Verbot erstreckt sich nicht auf Butter und Käse.
7. Die Einfuhr von Klauenvieh ohne polizeiliche Erlaubnis ist verboten, die Ausfuhr von Klauenvieh und der Durchtrieb von Klauenvieh ist verboten.
Uebertretungen dieser Vorschriften werden, sofern nicht nach § 328 St. G. B. eine höhere Strafe verwirkt ist, auf Grund des § 66 Ziffer 4 des R.-Vieh-Seuchen-Ges. vom 1. Mai 1894 und des § 148 Abs. 1 Ziffer 7 b. R. G. O. mit Geldstrafen bis zu 30 Mk. bestraft.
I. 5309. Der Landrat
von Grunelius.
Der Landwirt Konrad Walper zu ObergeiS ist als Fleisch-
Zwei Kirschen an einem Stengel.
Roman von A. von L i l i e n c r o n. (Fortsetzung.)
VIH.
Es war März geworden, Ende März, und ein Frühlings- ahnen ging durch die Welt. Frau Käthe war durch einen neuen Schmer, gegangen, Anfang des Monats hatte sie ihrem lieben Onkel Leberecht die müden Augen zudrücken müssen.
Jetzt aber strahlte ihr blasse- Gesicht, verklärt von einem stillen Glücke. Die Mutterfreude war bei ihr eingezogen, und mit tiefer Dankbarkeit gegen Gott hielt sie daS kleine, acht Tage alte Geschöpfchen aus ihrem Schoße. Neue Ausgaben, aber auch neues Lieben hatte ihr das Kind gebracht und da- mit in ihr Leben ein Etwa-, daS ihr unendlich reizvoll erschien.
Vor ihr stand ein Krug mit gelben Tazetten. Frau Am- rum hatte sie ihr geschickt, weil sie diese „Märzenbecher", wie sie daheim genannt wurden, besonder- liebte. Gedankenvoll zog die junge Mutter eine Blume au- dem Strauß und fuhr damit leise — leise über da- Köpfchen der kleinen Schläferin. „Ein Gruß vom Großmütterle, sie hat sich so sehr zu dir gefreut und zu deiner Taus will fie kumme," flüsterte sie über das Kind gebeugt, als ob daS kleine Wesen sie verstehen könnte. „Mein klein Mädel, Vater war böS, daß du nit a Jungel wärst, aber ich bin froh, daß du a Mädel bist, mein Mädel, daS sein Mutterle so ganz, so ganz gehöre tut." Völlig verliest in ihr kosende- Plaudern mit dem Kinde hatte sie die raschen Schritte aus der Treppe überhört.
Die Tür wurde heslig ausgerissen, ihr Mann stürmte herein. Heller Zorn stand auf feiner Stirn und flackerte auS seinen Augen. Er stellte sich Mutter und Kind gegenüber.
Ein paarmal atmete er hestrg, stoßweise, während Käthe ihn verständni-lo- anblickte. Dann polterte er lot.
„Nun kommt- an den Tag! Betrogen bin ich, schändlich betrogen! Um alle- gebracht war ich doch schon sich« zu haben meinte! Nanu kannst du dich gefaßt machen, daß du bald mit dem Balg da betteln gehst, «jrst et schon. f«“9 bekommen, bist ja nicht- andere- als eine Bettelprinzcss>n.
und Trichinenbeschauer sür die Gemeinde ObergeiS bestellt und von mir eidlich verpflichtet worden.
Hertseld, den 27. April 1911.
I. 5130. Der Landrat.
I. A.:
Wejsel, Krei-sekretär.
Hertseld, den 28. April 1911.
Unter dem Rindviehbestande bei Landwirt- Jakob Stein- berg zu Niederjossa ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.
I. 5112. Der Landrat.
g y .
Wessel, Kreissekretär.
Hertseld, den 24. April 1911.
Ich mache daraus aufmerksam, daß der Kreis Her-feld jetzt zur Wetterdienststelle Frankfurt a/M. gehört, und daß auch dort auf die Wetterkarte zu abonnieren ist.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
A. 2487. von Grunelius.
Her-feld, am 1. Mai 1911.
Im Monat April d. Js. sind diesseits den nachbe- zeichneten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:
A. Jahresjagdscheine:
1. entgeltliche:
am 5/4. dem Hauptmann a. D. Otto Bötticher in Philipp-thal,
„ 12/4. „ Lehrer Theodor Ackert in Her-feld,
„ 28/4. „ Landwirt Adam Hildebrand in Rohrbach,
„ 28/4. „ Lehrer Karl Hö^demann in Niederjossa,
2. unentgeltliche: Keine!
B. Tagesjagdscheine: Keine! Der Landrat von Grunelius.
HerSfeld, den 1. Mai 1911.
Der Viehmarkt in Fulda am 11. b. Mtt. ist au- veterinärpolizeilichen Gründen untersagt worden. I. 5274. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, Krei-sekretär.
nichtamtlicher teil.
Abgeordnetenhaus.
Da- Abgeordnetenhaus nahm gestern seine Arbeiten wieder auf. Als erster Gegenstand stand die Novelle zur rheinischen Landgemeindeordnung aus der Tagesordnung. Die Vorlage
„Julius!" schrie sie aus. Sie war keines weiteren Wortes fähig. Seine Roheit berührte sie wie ein Peitschenschlag, und unwillkürlich preßte fie da- Kind fest an sich, al- müßte sie eS gegen den eigenen Vater schützen. D«r ließ sich durch ihren Ausschrei nicht Einhalt gebieten, sondern in blindem Zorne sprudelte er Drohungen gegen sie und den verstorbenen Onkel hervor.
Die junge Frau hatte den ersten Schreck überwunden Mit klarer aber doch vor Aufregung bebender Stimme erklärte sie: „Du muß halt deutlich spreche, wennst ich bt verstehe füll."
„Gut, dann werde ich deutlich, ganz deutlich sein," ant- wortete er ihr und warf sich auf den Lehnstuhl, der ihr gegenüber stand. Sein Gesicht, da- der Zorn gerötet hatte, trug einen finsteren verbissenen Ausdruck. „Wie du kurz vor Weihnachten vor einem Jahr in Hennigbach warst, sollte Ich ja dem alten Kerl, dem Leberecht, da- Läppchen hinüber- bringen. Ich tat- auch, denn ich mußte ja doch vorbei. AlS ich aber oben aus seine Stube kam, fand ich ihn aus seinem Lehnstuhlc ganz zusammengesunken sitzen. Ein Schlaganfall war er wohl gewesen, ich sah daS auf den ersten Blick. Aber noch etwa- andere- entdeckte ich: vor ihm aus dem Schreib» pult lagen lose Blätter. ES war sein Testament, und gerade aus der letzten Seite hatte er eben geschrieben — die Hypothek von 25 Tausend Mark, die aus dem Grundstück de- P. Frello in Wilmertborf steht, vermache ich meinem Patenkinde Katharine Amrum."
Er hielt an und sah ihr scharf inS Gesicht. „Natürlich lag mir nicht- daran, daß noch andere davon wüßten," fuhr er fort, „ich klappte daS Blatt zu, und dann holte ich den Arzt."
Sie war bis in die Lippen erbleicht und lehnte haltlos im Lehnstuhle zurück. „Also gewußt häst, daß ich nit so arm war, wie ich selber meint, sondern daß ich mal waS kriegen tät," murmelte sie.
„Meinst, ich hätte mir 'ne Bettelprinzessin ausgehalst, wenn ich gedacht, daß sie eine wäre," brummte er. „Nein, dein hübsches Gesicht hätte mich allein nicht sangen können, wenn nicht bie 25 Tausend Mark dahinter gesteckt hätten. Aber
rief naturgemäß in erster Linie die rheinischen Abgeordneten auf den Plan. Je nach der verschiedenen Parteirichtung ging die Auffassung über die Güte deS GesetzentwursS, da- eine Erweiterung der Selbstverwaltung sür die rheinischen Gemeinden bringen soll, auseinander. Sehr auksührlich behandelte der Abg. Linz (Zcntr.) den Gegenstand. Er verweilte hauptsächlich bei einem der strittigsten Punkte, nämlich der Bestimmung, daß die Landbürgermeister nicht gewählt sondern ernannt werden sollen. Minister v. Dallwitz trat der scharfen Kritik der Zentrum-redner- entgegen und hob hervor, daß die Stellung der rheinischen Landbürgermeister, die oft zahlreichen Gemeinden vorstehen, eine ganz eigenartige ist. Bedauert wurde von mehreren Rednern, daß da- Herrenhau-, dem der Entwurf bereits Vorgelegen Hat, die beschränkte Oeffentlichkeit der Gemeinderatssitzungen wieder beseitigt hat. Im übrigen waren alle Redner mit der beantragten Ucberweisung de- Gesetze- an die Gemeindekommission einverstanden.
Reichstag.
Im Reichstage begrüßte gestern der Präsident Graf Schwe» rin-Löwitz die erschienenen Abgeordneten mit einigen herzlichen Worten und gedachte dann in üblicher Weise de- verstorbenen Fürsten Georg von Schaumburg Lippe. Daraus trat dat Haus in die erste Beratung de- Einsührung-gesetze- zur Reich-« versicherungSordnung. Staatssekretär der Innern Dr. Delbrück begründete den Entwurs und sührte au-, daß er weder hervorragende wirtschaftlich« noch hervorragende politische Bedeutung habe, sondern nur den Zweck verfolge, den Schwierigkeiten deS UebergangS zu einer neuen Rechtslage für die beteiligten Behörden und nicht zuletzt auch für die Versicherten selbst zu begegnen. D-r Zentrum-abgeordnete Trimborn beantragte, die Vorlage der Kommission für die ReichSver« sicherungSordnung zu überweisen, da da- Gesetz doch eine Reihe für längere Jahre tief eingreifender Bestimmungen enthalte.
kiiie neue MM-nfemz?
Die gegenwärtigen abermaligen Wirren in Marokko und in Verbindung hiermit die teilweise bereit- in- Werk gesetzte bewaffnete Intervention lassen eine neue Marokko-Konferenz, wie sie seinerzeit zu Algeciras in Spanien stattsand, als keineswegs unmöglich erscheinen. Der von verschiedenen Punkten auS ins^Werk gesetzte Vormarsch der Franzosen nach Fez, der angeblich nur der Hilseleistung sür den dort von den belagernden Rebellen bedrängten Sultan Mulay Hafid und für die europäische Kolonie in Fez gilt, beginnt schon bei verschiedenen der Mächte, welche an der AlgeciraS-Konferenz beteiligt waren, Mißtrauen zu erwecken, in erster Linie bei Spanien, welche- ja neben Frankreich die am meisten bei den marokkanischen Dingen interessierte Macht ist. Aber auch dentscher- wie eng- lifcherseitt blickt man offenbar mit einem gewissen Bedenken auf die neuen französischen Pläne in Marokko, was offiziöse
nu sind die futsch! Die Testamentseröffnung ist gewesen und da kommt- heraus, daß der alte Heuchler alle- seinem Freund« vermacht hat." Er schlug dabei so heftig aus den Tisch, daß da- Kind auS dem Schlafe fuhr und zu schreien anfing.
Mechanisch wiegte die junge Mutter die Klein« in den Armen um sie zu beruhigen. Bald verstummte da- Schr«ien denn auch, und eS wurde so still im Zimmer, daß man daS Ticken der Uhr hörte.
„Also, du hältst mich nit zur Frau genomme, wenn du da- von der Erbschaft nit gewußt?" fragte sie tonloS, ohne ihn anzusehen.
„Ich hätte mich wohl gehütet, mir mit euch eine Last ant Bein zu binden, die ich nicht durchschleppen kann," gab er ihr voll Bitterkeit zur Antwort.
DaS war mehr alS sie ertragen konnte. Mit wankenden Knien stand sie aus, daS Kind fest im Arme. „Dann wärS gaut, daS Kindel und ich täten dir nit mehr als Last anS Sein hange," brächte sie mühsam hervor.
„DaS kannst du halten, wie du willst," höhnte er.
Si« machte ein paar taumelnde Schritte vorwärts, sank aber gleich daraus mit einem leisen Schrei zur Erde. Ihr letzter, ehe sie die Bewußtlosigkeit völlig umfing, war noch gewesen, bei dem Falle daS Kind zu schützen, daß eS nicht zu Schaden kam.
Das Zusammenbrechen seiner Frau war auch für den Urheber dieser Szene ein peinlicher Augenblick. Er sprang zu, hob sie aus und legte sie samt dem kleinen Flickenbündel, dat sie nicht au- den Armen gelassen, auf ihr Bett, dann holte er die Nachbarin, eine verständige Matrone, die sich der jungen Frau in ihrem Wochenbett angenommen hatte. Nun aber, alS er Käthe versorgt wußte, hielt er den Anblick ihre- Gesichts, der etwa- Versteinertes an sich trug, nicht länger auf. Er hatte sich so in die Wut hineingeredet über die Enttäuschung wegen deS Geldes, daß er da- dringende Bedürft nit empfand, feinen Gedanken im Kreise der Freunde Ablenkung zu verschaffen.
In dem kleinen Privatzimmer der Restauration wurde heut« tüchtig gezecht, und der Gastwirt übertras sie alle. Er