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herM-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 03. ~ "" Dienstag, Tat 30. Mai 1911.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 24. Mai 1911.
Bei der Errichtung von Nottestamenten durch Gemeinde- Vorsteher haben sich wiederholt Mängel gezeigt.
Ich mache die Herrn Bürgermeister und GutSvorsteher deS Kreises deshalb auf die genaueste Beachtung der maßgebenden Bestimmungen und Vorschriften aufmerksam; in-be- sondere verweise ich auf meine Verfügung vom 15. November 1900 I. I. Nr. 6376 — Kreisblatt Nr. 135, 4. Dezember 1902 I. I, Nr. 7670 Kreisblatt Nr. 145 und 30. September 1909 I. A. Nr. 6290 — Kreisblatt Nr. 117.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. Nr. 3271. von GruneliuS.
Hersfeld, den 17. Mai 1911.
Infolge andcrweiter Regelung der Materie durch die AuS- führungS-Anweisung zur Gewerbe-Ordnung vom 25. November 1909 Amtsblatt Seite 359 setze ich meine Verfügung vom 16. November 1899 I. 6988, Kreisblatt Nr. 138, betreffend: Die Anzeige über Jnbetriebsctzulig neuer und die Betricbs- einstellung bisheriger gewerblicher Anlagen, außer Kraft.
Die Ortspolizeibehörden haben den Termin-kalender entsprechend zu berichtigen.
I. 5888. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 24. Mai 1911.
Am Donnerstag, den 8. Juni d. JS., findet von 8 Uhr bis etwa 9 Uhr vormittags seitens der hiesigen Kriegsschule Scharsschießen aus dem Exerzierplatz am Obersberg statt. Allgemeine Schußrichtung: östlich.
DaS Geländedreieck HerSfeld—Wilhelm-hof—Oberrode mit sämtlichen darin befindlichen Wegen (ausschließlich der Chaussee HerSseld-WilhelmShos) darf während dieser Zeit nicht betreten werden.
Vorstehendes bringe ich zur öffentlichen Kenntnis mit dem Ansitzen, daß den Anweisungen der militärischen WarnungS- posten, die an den in Betracht kommenden Wegen ausgestellt sind, unbedingt Folge zu leisten ist.
I. 6445. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSfekretär.
nichtamtlicher teil.
Reichstag.
Der Reichstag nahm am vergangenen Freitag zunächst das besondere Diätengesetz, welches den Reichstagsabgeord
Der neue Herr.
Roman von Walter Hogarth.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Die nächsten Tage hatten für Henrys Zustand tatsächlich eine große Besserung gebracht, da der Kranke peinlich streng den Anordnungen de- Arztes Folge geleistet hatte. Der große Schwächezustand war bei dem Patienten verschwunden. Er konnte sich allein von seinem Lager erheben und ankleiden, er konnte sogar kleine Spaziergänge in seinem Garten machen, auch die geistigen Kräfte zurückgekehrt, aber in betrübender Weise blieb doch ein lungen- und herzleidender Zustand bei Henry zurück, sodaß er nach vier Wochen zu Kuno und Elisabeth sagte:
„Ich werde hier in Afrika nicht wieder gesund, ich brauche einen Luftwechsel. Vielleicht bringt mir die Seeluft die genügende Stärkung, oder ein berühmter Luftkurort in Schottland oder in Deutschland. Ich werde heute in einem Briese an die Direktion der Diamantenbergbau-Gesellschast um meine Entlassung bitten, und wir reisen zusammen in drei oder vier Wochen nach Europa zurück. Die Rückkehr in die Heimat war ja schon längst unser Wunsch."
Elisabeth und Kuno erklärten sich natürlich gern bereit, mit Henry nach Europa zurückzureisen und schon in den nächsten Tagen trafen die beiden Freunde Maßregeln zur Ordnung ihrer Verhältnisse in Asrika und zur Sicherung ihres großen Vermögens. Für einen billigen Kaufpreis traten sie auch den Besitz ihrer Häuser und Grundstücke an die Diamantenbergbau- Gesellschast ab. Von ihren Pferden, Möbeln und Gewehren verschenkten sie daS meiste an Freunde und treue Diener und stellten nur einen Rest zum billigen Verkaus. So geschah eS, daß sich diese Angelegenheiten verhältnismäßig rasch abwickelten.
Etwa acht Tage vor der sestgesetzten Abreise befiel den armen Henry aber wieder ein kleiner Blutsturz, und wenn diesem auch nicht die frühere große Schwäche deS Patienten folgte, so brächte dieser neue Ausbruch der Lungenkrankheit bei Henry doch eine vollständige Veränderung seiner Stimmung
neten sür die Nachsession im Herbst 700 Mark Diäten pro Kopf zuspricht, in erster und zweiter Lesung an; in der kurzen Debatte wandten sich die Abgeordneten Bebel (soz.), Basier- wann (nat.-lib.) und Müller—Meiningen (Fortschr. Volksp.) scharf gegen die Motive der Vorlage. Kurzerhand genehmigte dann das HauS die Novelle zum Zündwarensteuergesetz, welche die Kontingentierung dieses Gesetzes bis zum Jahre 1919 ausdehnt, ebensallS in erster und zweiter Lesung. Hieran reihte sich die dritte Lesung der elsaß-lothringischen VerfassungSvorlagen. Namens der Konservativen erklärte Abg. Winckler, daß seine politischen Freunde bei ihrer ablehnenden Stellungnahme gegenüber dieser Vorlage verharren müßten. Ebenso sprach sich der ReichSparteiler Schultz— Bromberg, der zweite Vizepräsident des HauseS, namens eines Teiles seiner Fraktion gegen die Vorlage auS, hierbei die Haltung der verbündeten Regierungen abfällig kritisierend. Auch der Pole Gras Bruzcwo-MielzhnSki trat als Gegner der Vorlage aus, desgleichen die Elsäsier Dr. Ricklin und Preiß. Zugunsten der Vorlage äußerten sich namens ihrer Fraktionen, wenn auch nur unter Bedenken, die Abgeordneten Dr. Zehnter (Zentr.) Dr. Frank (soz.) Müller-Meiningen (Fortschr. Volksp.) und Beck-Heidelberg (nat.-lib.), auch die Elsäsier Dr. Höffel, welcher der Reichspartei angehört, Vander- scheer und Gregoire stimmten der Vorlage zu. In belangloser Spezialdiskussion fanden nun die einzelnen Bestimmungen der Borlage Annahme, worauf der Reichstag in namentlicher Abstimmung die VerfassungSvorlage und zugleich auch das neue Wahlgesetz für Elsaß-Lothringen unverändert nach den Beschlüssen zweiter Lesung mit 211 gegen 93 Stimmen bei sieben Stimmenthaltungen definitiv annahm. Die Opposition' bildeten die Konservativen, die Wirtschaftliche Vereinigung, der kleinere Teil der Reichspartei, die Polen, sowie einige Zentrums- abgeordnete und Elsäsier. Schließlich trat man noch in die dritte Lesung der Reichsversicherungsordnung ein, die durch eine Generaldebatte eingeleitet wurde. Doch sprachen in ihr am Freitag nur die Abgeordneten Trimborn (Zentr.), Schickert (kons.) und Dr. Mugdan (Fortschr. VolkSp.).
Im Reichstag kündigte am Sonnabend der Präsident Gras Schwerin-Löwitz an, er beabsichtige, falls heute die Tagesordnung, die dritte Lesung der ReichsversicherungSord- nung und zweite Lesung deS AuSsührungSgesetzeS dazu erledigt werde, am Montag zwei Sitzungen abzuhalten, um noch vor der Vertagung die Gesetze fertigzustellen, die noch die zweite und dritte Lesung zu passieren haben. Die Voraussetzung deS Präsidenten scheint aber nicht eintreten zu wollen; denn bei der dritten Beratung des ReichSversicherungs-GesetzeS brauchte der sozialdemokratische Abgeordnete Fischer (Berlin) allein 2V2 Stunden, um unter heftigen Angriffen aus daS Zentrum nochmals die Gründe darzulegen die gegen das Gesetz sprechen. Abgeordneter Horn legte erneut die Gründe dar, auS denen die Nationalliberalen dem Gesetz zustimmen. Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück erblickte in den bisherigen Reden auch eine Art Abrechnung der Parteiführer,
hervor. Er fühlte offenbar sein Ende herannahen, er wurde still und in sich gekehrt, und die Hoffnung, durch die Seereise und den Ausenthalt in einem europäischen Kurorte gesund zu werden, war trotz alles Zuredens Kuno- und Elisabeths bei Henry gänzlich geschwunden.
An einem der nächsten Tage ließ Henry den Notar und den Ort-richter kommen und machte in Gegenwart seiner Schwester und deren Gatten sein Testament.
Elisabeth und Kuno, obwohl sie sich dagegen sträubten und lieber ein Testament gewünscht hätten, das Henry- Mutter und Geschwister gleichmäßig bedachte, wurden auf ausdrücklichen Wunsch Henrys zu Universalerben seiner großen Vermögens eingesetzt, denn Henry sagte bei der Aussetzung seiner Testaments: „Ich bin gewiß, mein lieber Kuno und meine liebe Elisabeth, daß da- Vermögen in Euren Händen Segen stiften wird und vor Mißbrauch sicher ist, waS ich aber nicht voraussetzen kann, wenn meine Mutter, Brüder und Schwestern alle aus einmal daS Vermögen nach meinem Tode erhalten. Dann bleibt doch auch der größte Teil meines Vermögens jedenfalls noch längere Zeit in den Aktien der Dia- manten-Bergbau-Geselljchast stehen, wo du, Kuno, Bescheid weißt und später richtige Dispositionen treffen kannst. Im übrigen soll in meinem Testamente stehen, daß die Universalerben an meine gute Mutter jährlich zweihundert Pfund Sterling JahreSrente und an jedes meiner übrigen Geschwister hundert Pfund JahreSrente bis zu ihrem Tode zahlen sollen, auch mein mißratener und verschollener Bruder George soll diese JahreSrente erhalten, wenn sein Ausenthalt ermittelt werden kann, oder falls er in die Heimat zurückkehren sollte. Ich wünsche auch ausdrücklich, daß in dem Testamente ausdrücklich die Gründe angegeben werden, warum ich Euch, Kuno und Elisabeth, zu meinen Universalerben einsetze und daß dies mein wohlüberlegter, klarer und fester letzter Wille ist. Ich wünsche ausdrücklich, daß mein Vermögen in Euren guten Händen bleibt und nach Eurem Ermessen Segen stiften soll. Aus keinen Fall darf eS zerstückelt, zerstreut und vergeudet werden, und daS geschieht so leicht, wenn e- eine Anzahl Erben, die bisher kein Vermögen besaßen und deren persönliche Eigenschaften und Verhältnisse ich von Afrika auS
an der sich auch die Verbündeten Regierungen beteiligen dürsten. Diese hätten keine Ursache, ein Loblied anznstimmen; denn ihre Vorlage sei in wichtigen Punkten geändert worden. Aber es sei doch aus Grund eines Kompromisses, daS, wie er hoffe, auch dem letzten Angriff standhalten werde, ein dem Vaterlande nützliches Werk zustande gekommen. Er danke denen, die dabei mitgearbeitet haben, er danke aber auch den Gegnern dasür, daß sie daS Gesetz bekämpft, aber mit ritterlichen Waffen bekämpft hätten.
Abgeordnetenhaus.
Das Abgeordnetenhaus nahm am Sonnabend die Vorlage über die Beschulung blinder und taubstummer Kinder in zweiter und dritter Lesung nach den Beschlüssen der Kommission an, ebenso den Gesetzentwurs über den Erwerb von Fischerei- berechtigungen durch den Staat mit einer geringfügigen Aenderung. Die Auseinandersetzung bot keine interessanten Momente. Weit lebhafter ging er zu bei der Erörterung einer Petition des Preußischen LandeSvereins um Tinsührung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrecht- für beide Geschlechter. Die Kommission, für die der Abg. Gronow-k« (Zentr.) Bericht erstattete, hatte Uebergang zur Tagesordnung beantragt, die Volk-partei Ueberweisung alS Material, die Sozialdemokraten Berücksichtigung. In der Debatte geriet Herr Gronowsli hart mit Herrn Leinert aneinander, der die Gelegenheit benutzte, eine Wahlrede zu halten und sich dabei einige Entgleisungen zuschulden kommen ließ, die ihm die entsprechenden Vermahnungen durch den zweiten Vizepräsidenten eintrugen. Allmählich nahm der Redekampf zwischen den beiden Abgeordneten einen rein persönlichen Charakter an. Die anderen Parteien hielten sich ziemlich in der Reserve. Nur veranlaßte die Bemerkung des Frhrn. v. Erffa (kons.), daß der Freisinn hier mit seinem Freunden, den Sozialdemokraten. zusammenhalte, eine kurze Entgegnung des Abg. Gyßling (Vp.), in der er die äußerste Linke von seiner Partei abzuschütteln versuchte. Schließlich wurde über die umstrittene Petition gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten zur Tagesordnung übergegangen. Einige weitere Petitionen wurden ohne wesentliche Debatte erledigt.
Das Abgeordnetenhaus widmete gestern den größten Teil seiner Sitzung der Beratung von Petitionen. Fast bei allen wurde, ohne wesentliche Erörterung nach den Vorschlägen der Kommission verfahren. Nachher kam ein Antrag v. Wenden betr. die Bekämpfung der Animierkneipen zur Beratung. Der Antragsteller forderte von der Regierung schärfere polizeiliche Maßnahmen, unter Anführung von Beispielen. Dr. Liebknecht war anderer Ansicht. Er fand das Zettelwesen nicht so schlimm, sprach von Einzelerscheinungen und sah in der sozialen Fürsorge für die Kellnerinnen den Au-weg; dabei ließ er er an der üblichen Kritik unserer Erziehung und Gesellschaftsordnung nicht fehlen. Der Auffassung des Herrn v. Wenden, der auch aus gewisse Zustände im Freibad Wannsee hinge»
nicht mehr beurteilen kann, verteilt wird. Sollte jemand von meinen Brüdern und Schwestern zu einem wichtigen Zwecke in vertrauenswürdiger Weise eine größere Summe gebrauchen, so darf ich von Euch, den Universalerben, erwarten, daß Ihr in diesem Falle helft. Und nun wünsche ich, daß in meinem Testamente schließlich noch festgesetzt wird, daß die Universalerben in meinem Auftrage eine Stiftung von zehntausend Pfund zum Besten der Hinterbliebenen verunglückter oder früh verstorbener Bergleute der Diamant-Bergbau-Gesellschast machen. Ich wünsche auch auf dem Friedhose unserer Gesellschaft begraben zu werden, in afrikanischer Erde, wo ich als Bergingenieur mein Glück gemacht habe." —
Die Aussetzung deS Testaments .war eine rührende Szene für Kuno und Elisabeth und oft schien es, als wollten sie den Mund öffnen und Bedenken über diese oder jene Testament-bestimmung äußern, aber Henry brächte seinen letzten Willen so fest und feierlich zum Ausdrucke, daß sie schließlich alle Bedenken fallen ließen. Bevor das Testament unterzeichnet und beglaubigt wurde, sagte dann Henry noch:
„Ich wünsche auch, daß meine Universalerben als in meinem Auftrage unserer Kirche in Asrika eine Schenkung von tausend Pfund Sterling machen."
Nachdem auch diese Bestimmung noch in das Testament ausgenommen worden war, wurde es nochmals verlesen, unterschrieben und beglaubigt, und der Ortsrichter erhielt es zur Ausbewahrung.
„Ich bin mit dieser Welt nun inS Reine gekommen," sagte Henry und auf seinem bleichen Antlitze zeigte sich ein zufriedener Ausdruck. „Wenn ich auch srüh sterben muß," fuhr er fort, „so glaube ich doch, einiges Gute auf dieser Welt vollbracht und nicht vergeblich gelebt zu haben. Wir Menschen sind alle nur kleine Glieder in der uncndlicheu Kette der Schöpfung GotteS und kein Mensch darf sich aus da-, was er Gutes getan zu haben glaubt, etwas einbilden, am allerwenigsten einer, der bald sterben muß und der Gnade Gottes teilhaftig werden will. Ich wünsche in meinen letzten Lebenslagen öfters unsern würdigen Pfarrer bei mir zu sehen- Kuno, du wirst meine Bitte dem Herrn Pfarrer unterbreiten.
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