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hersMer Kreisblatt

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 65. Sonnabend, den 3. Juni 1911,

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Amtlicher teil.

Herrfeld, den 30. Mai 1911.

Der Herr Direktor der Hessischen Brand-Bersicherungs- Anstalt hat den Straßenmeister-Anwärter Verlach in RöhrigS- Hof widerruflich zum VersicherungSschätzer für den Bezirk V deS Kreises Hersfeld bestellt.

Dieser Bezirk besteht aus folgenden Ortschaften: Ausbach, Bengendorf, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Herfa, Heringen, Leimbach, LengerS, PhilippSthal mit Hof Thal- hausen, Ransbach, Röhrigshof mit Nippe, Unterneurode, Widdershausen und WölserShausen. I. 6652. Der Landrat,

von C o s s e l.

HerSfeld, den 31. Mai 1911.

Diejenige» Schulvorstände des Kreise-, welche meine Ver- fügung vom 16. d. Mts., I. 5331, betreffend die Be­stellung der Wetterkarte der Wetterdienststelle in Frankfurt a. M. für die Schule noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist bis zum 10. Juni d. Js. erinnert. I. 5331. Der Landrat.

I. A.:

W e s j e l, KreiSfekretär.

Hersfeld, den 2. Juni 1911.

Die Herren Orts- und Gut-vorsteher des Kreise-, welche meine Verfügung vom 19. Mai d. I-., I. I. Nr. 6139, Kreisblatt Nr. 61, betreffend AnbauermittelungSkarten, noch nicht erledigt haben, werden mit Frist bis zum 8. d. MtS. hieran erinnert.

Ich erwarte aus daS Bestimmteste, daß dieser Termin genau eingehallen wird.

I. 613911. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, KreiSfekretär.

Gefundene Gegenstände.

Ein Regenschirm. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand in Gittersdorf.

nichtamtlicher teil.

Kfingstgedanken.

Nun stellt die lichten Maien vor jede- Hause- Tor, Schmückt festlich jedes Zimmer mit buntem Blumenflor;

E- darf kein Hüttlein geben, und sei er noch so klein, Ser'S noch eng und düster der Frühling muß herein!

E- darf kein Herze geben, mag- noch so traurig sein, Und noch so kalt und düster der Frühling muß herein! Denn wie mit tausend Zungen verkündet laut ringsum Die Welt im Lenze-prangen da- Evangelium!

Die srohe Lenzeskunde wird jedem offenbar DaS hohe Pfingstenwunder erneut sich jedet Jahr Au- jede- Vogels Kehle, der seinen Schöpfer preist, In jeder Blume Blühen spricht dir der Heil'ge Geist!

Herbert Berthold.

Pfingsten, da- liebliche Fest, ist gekommen, und jubelnd klingen die Glocken von Turm zu Turm. Linde, balsamische Düste, leuchtende- Blau, Fluten von belebendem Licht, in denen sich die neu erwachte Erde wonnig badet, um in ver­jüngter Pracht daraus hervorzugehen: da- ist Pfingsten! Der Höhepunkt der Natur, da- Fest, in dem Ströme von Leben über unsere Erde ausgegossen zu werden scheinen. Die Erde ist jetzt ein großer Tempel, in dem alle-, war da atmet, dem Geiste der Schöpferkraft, der Lebensfreude lobsingt, und die Weihrauchdüste, die den Altar umwallen, sind die Wolken von Wohlgerüchen, die den Tausenden von Blüten entsteigen und Wald und Flur in eine Art von Festatmosphäre einhüllen.

Denn morgen soll die heil'ge Feier Der au-gegoss'nen Geiste- sein!

Und dazu weiht der hehre Weiher

Die Welt mit seinen Flammen ein.

Wie jener Wetter salbe Kerzen

Am Horizonte lodernd sprüh»,

So soll in allen Christenherjen

Ein heilig Geiste-feuer glühn.

Darum will auch da- Menschenherz sich loSringen von den Sorgen und Nöten des Alltage-, sich ewporschwingen über seinen Staub, seine bedrückenden Dünste in reinere Regionen, in die der irdischen Zwiespaltes ewige Dissonanz nicht hinausreicht. Und speziell wir Deutschen, die wir be­wußt oder unbewußt da- Pfingstsest al- ben Rest eines alt- germanischen Frühlingsfestes anerkennen, indem wir, gleich unsern heidnischen Vorfahren, HauS und Stube mit grünen Maien schmücken, halten eS auch als Fest der neu er- wachten und nunmehr köstlich geschmückten Lenzennatur be­sonders hoch.

Aber Pfingsten ist nicht nur daS Fest der Natur, da- Fest der Freude, sondern vor allem daS Fest deS Geistes. Jede Blume, jeder Baum, jeder Halm weist nach oben hin. DaS geistige Leben findet feinen Ursprung und feinen Ab­schluß, seine Ziel und seine Wahrheit in Gott. Wer da- Wirken deS Geistes anerkennt, aber sich gegen da- Dasein Gotte- sträubt, der ist ein Narr, der leugnet, obwohl er den Fluß sieht, die Quelle, der tappt im Dunkeln, obwohl die Sonne leuchtet, weil er die Augen sich verbindet. Pfingsten

ist da- Siege-sest des Geiste-, aber nicht de- Zeitgeister sondern deS Ewigkeit-geister, nicht de- Weltgeister, sondern deS GotteSgeiste-. Der Zeitgeist ist schwankend und wechselnd, dem Truge unterworfen der Ewigkeit-geist ist stark und stetig, er trügt nie. An den Wcltgeist heften sich die schweren Klumpen irdischen Wahn-, der Gottesgeist schwebt frei und leicht hoch über dem niederen Staube.

Wer aber beim Klang« der Pfingstglocken vom Pfingst- geiste den stärkenden,' erhebenden, beseligenden Hauch verspürt, der lacht ob deS Spotte- derer, die im Banne de- Zeitgeister am Niedern kleben und sich nicht erheben können über den an die Sohlen sich heftenden Schmutz der Gewöhnlichkeit. O, daß die Menge derer, die um den Ewigkeit-geist sich scharen, immer größer werde! So erweckt jede- Pfingstsest, an dem wir die äußere Natur sich wiederum erneuern fthen, in un- Hoffnungen aus eine innere Wiedergeburt der Mensch­heit. Darum

Laß nur zu deines Herzen- Toren Der Pfingsten vollen Segen ein; Getrost, und du wirst neu geboren Au- Geist und Feuerflammen sein!

Politischer Wochenbericht.

Der Reichstag ist in die Sommerserien gegangen und wird erst im Herbste wieder seine Tätigkeit aufnehmen, um alsdann nach einigen Monaten den Platz seinem Nachfolger zu räumen. Wer gerecht urteilen will, der muß eingestehen, daß unsere Volk-vertreter während der letzten Session große und erfolgreiche Arbeit geleistet haben. Zwei hochwichtige gesetzgeberische Vorlagen, derelsaß-lothringischeVer- s a s s u n g - e n t w u r f und die ReichSversicherungSordnung, sind nach langen, mühevollen Kämpfen und Verhandlungen unter Dach und Fach gebracht worden. DaS Vertrauen unseres Reichskanzler- in denZwang zum Schaffen" hat ihn also nicht getäuscht. Die Parteien, deren grimme Besehdung bei Beginn der Session im Herbste 1909 positive Ergebnisse kaum erwarten ließ, haben sich dennoch allmählich wieder, wenn auch in wechselnder Kombination, zu gemein­samer fruchtbringender Arbeit zusammengesunden. Das Hauptverdienst hieran gebührt unstreitig dem Kanzler und seinem ersten Mitarbeiter, dem Staatssekretär bei Innern D r. D e l b r ü ck, die in ruhiger, kluger und un­ermüdlicher Art ihre Ziele festhielten und von den beiden ge­schichtlich erprobten Grundsätzen, wonach die Politik die Kunst der Erreichbaren ist und politische Erfolge sich zumeist nur auf dem Wege deS KompromiffeS erzielen lassen, weitgehendsten praktischen Gebrauch machten. Der Wert des erreichten aber liegt nicht nur in der Fertigstellung der genannten Gesetze an sich, sondern auch in den Wirkungen, die sich daraus für die künftige Stellung der Parteien zueinander und die bevor­stehenden Wahlkämpse erhoffen lassen. Der Sozialdemokratie, die gar zu gern mit dem Vorwurfe der Unfruchtbarkeit gegen­über dem gegenwärtigen Reich-tage Wahlgeschäste gemacht hätte, ist diese- Agitation-mittel nunmehr durch die vollbrachten

Der neue Herr.

Roman von Walter H o g a r t h.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Kuno nahm sein Portejeuille aui einer inneren Rocktasche, legte es aus einen kleinen Ecktisch, zog eine goldene Füllseder heraus, blätterte einige Augenblicke in dem Portefeuille und schrieb dann aus ein Blatt, da- er loStrennte und den beiden Wucherer mit den Worten zeigte:

Hier ist ein Scheck auf die deutsche Reichsbank über fünsundneunzigtausend Mark, meine Herren. Bekomme ich dafür jetzt den Wechsel!"

Die beiden Wucherer rissen die Augen weit auf und blickten hastig aus den Scheck.

Wahrhaftig, er ist echt, ganz echt!" riefen sie dann und reckten gierig die Hände danach auS.

Erst will ich den Wechsel haben," erwiderte Kuno sest, dann erhalten Sie den Scheck."

Er nahm dann den ihm hingereichten Wechsel und be­zahlte ihn mit dem Scheck.

Großer Gott im Himmel! Wer in der Not noch solche Freunde hat, dem ist immer geholfen. Mit wem haben wir denn nur die Ehre, gnädiger Herr? Wollen Sie un- nicht die Ehre geben, zu nennen Ihren werten Namen!" riefen die Wucherer schmunzelnd und blickten Kuno mit gesteigertem Jn- tensse an.

ES tut mir leid, ich werde ihnen nicht die Ehre geben," antwortete Kuno lächelnd und wandle den Männern den Rücken.

Das klingt ja beinahe beleidigend," rief der eine Wu­cherer,er will uns nicht die Ehre geben." ,

Er ist zu stolz und will nicht kommen inS Gerede," bemerkte der andere Wucherer,aber wir haben unser Geld. WaS sollen wir unS nun noch ärgern. Wir wollen jetzt rasch das Schloß verlassen, sonst müssen wir vielleicht noch schlimm« Worte hören."

Unter diesen Reden verließen die beiden Männer da- Empfang-zimmer, und Kuno war wieder allein.

Nach einiger Zeit erschien der alte Schloßverwalter Rudolf, blickte sich erstaunt in dem Zimmer um und sagte fragend:

Die beiden anderen Herren sind wohl wieder sortge- gangen? Sie wollen wohl später wieder kommen und jetzt die Unterredung de- Herrn mit Herrn von Bevern nicht stören."

Ich glaube, dir Herren werden heute nicht wieder kommen," sagte Kuno ruhig.

So gehören Sie wohl zu ihnen und haben den Wechsel," bemerkte Rudorf und seine Lippen zitterten leise.

Kuno blickte unverwandt den Schloßverwalter schaff an und erwiderte kein Wort.

Aber so reden Sie doch, mein Herr," bat der greife Schloßverwalter,c- ist heut« eine Wechsel fällig, den die Herren Wulfen und Strakow haben, und da sie wieder fortgegangen sind, und Sie, mein Herr, gesagt haben, die Herren kämen nicht wieder, so muß man annehmen, daß Sie . . .

Ach reden Sie doch jetzt nicht von dem Wechsel," er­widerte Kuno,da- wird sich schon noch ausklären. Ich wünsche jetzt dringend, Herrn von Bevern zu sprechen, ich warte hier schon eine halbe Stunde. Haben Sie ihm mein Billett gebracht?"

Ja, da- ist geschehen," berichtete der Schloßverwalter, aber der gnädige Herr ist heute so aufgeregt, er ist schon seit längerer Zeit leidend und heute früh sprach er zu mir von dem Wechsel, der noch einmal auf drei Monate prolongiert werden soll, wenn eS auch viele Zinsen kostet. Und seitdem der gnädige Herr Ihr Billett empfangen hat, da ist er »och viel aufgeregter. Ich besürchte, daß eine Verschlimmerung seiner Krankheit eintritt, wenn Sie die Wechselangelegenheit mit ihm selbst erledigen wollen. Vielleicht kann ich die Sache vermitteln."

Ich sann zwischen Herrn Ulrich von Bevern und mir keine Vermittlrr brauchen," entgegnct« Kuno mit eiserner

Festigkeit.Oder hat er vielleicht gesagt, daß er mich nicht empfangen will."

O nein, da- nicht, er will Sie empfangen," sagte der Schloßverwalter mit ängstlicher Stimme,aber der gnädige Herr ist so erregt und so seltsam heute geworden. Er wollte jedenfalls die Wechselangelegenheit vorher erledigt sehen."

Schweigen wir jetzt davon und führen Sie mich zu Ihrem Herrn, wenn ei sein Zustand nicht gestattet, mich hier zu empfangen."

Der Schloßverwalter verschwand auf einige Minuten und kam dann mit der Meldung zurück, daß der gnädige Herr bereit sei, den Herrn zu empfangen.

Kuno erhob sich und folgte, seine innere Erregung be­herrschend, dem Schloßverwalter in bai Zimmer bei Schloß­herrn.

Ulrich von Bevern, ein kränklicher, früh ergrauter Herr, richtete sich mühsam auS eincm großen Lehnstuhle auf, als Kuno eintrat, und einige Augenblicke standen sich die Brüder stumm und sich musternd gegenüber.

Ich erfuhr erst heute durch bai Billett, daß Du aui Afrika zurückgekehrt bist, Kuno. Sei uni willkommen auf deutscher Erde und im Schlosse unserer Väter!"

Mit diesen, Worte streckte der Schloßherr dem Bruder die leicht zitternde Rechte entgegen.

Kuno schlug aber nicht gleich seine Hand in die darge­botene Bruderhand, sondern erwiderte kühl:

Ich freue mich, daß Du wir einen Willkommengruß geboten hast, Ulrich, und daß ich Dir noch nicht ganz gleich- giltig in Deinen Augen geworden bin. Aber ei schwebt zwischen uni noch etwa- Unaufgeklärtes, bai erst aufgeklärt werden muß, ehe ich mich unter diesem Dache wieder heimisch sühlen kann. Ulrich, warum hast Du meine beiden letzten aui Afrika an Dich gerichteten Briefe nicht beantwortet -

Ulrich richtete sich jetzt trotz seines leidenden Z"stanoeS hoch auf und seine von langer Krankheit gebeugte Walt