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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 67. Sonnabend, den 10. Juni 1911.

Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten.

Erstes Blatt

flutlicber teil

Herrfeld, den 2. Juni 1911.

An die sämtlichen Schulvorstände. der Kreises.

Wie mir bekannt geworden, fehlt in vielen Schulen des Kreises noch ein S ch l e u d e r b a l l. Dieser Ball ist zur Erteilung des Turnunterrichts und zur AuSsührung der im Interesse der Jugendpflege vorgeschriebenen Spiele notwendig.

Ich ersuche deshalb einen Schleuderball sür die Schule alsbald zu beschaffen.

Die Bestellung ist an den Turnlehrer Heinemann hier zu richten, der die Bälle, gesammelt sür den Kreis, beziehen will, um dadurch eine Preis-Ermäßigung zu erlangen.

Ein Ball wird etwa 10 Mk. kosten.

I. Nr. 6955. Der Landrat.

J. V.: von C o s s e l.

HerSseld, den 2. Juni 1911.

Unter dem Rindviehbestande deS Bürgermeisters Hotmann in Hattenbach ist die Maul- und Klauenseuche amtlich seflge- stellt worden.

I. 6904. Der Landrat.

J. A.:

Messet, KreiSsekrctür.

HerSfeld, den 2. Juni 1911.

Im deutschen Reiche sind zur Zeit solgende RegierungS- Bezirke und BundeSstaaten, welche nicht in Regierungsbezirke geteilt sind, mit Maul- und Klauenseuche verseucht: 1. Königs­berg, 2. Gumbinnen, 3. Allenstein, 4. Danzig, 5. Marien- werder, 6. Berlin, 7. PotSdam, 8. Frankfurt, 9. Stettin, 10. KöSlin, 11. Gtralsund, 12. Posen, 13. Bromberg, 14. Breslau, 15. Liegnitz, 16. Oppeln, 17. Magdeburg, 18. Merseburg, 19. Erfurt, 20. EchleSwig, 21. Hannover, 22. Hildesheim, 23. Lüneburg, 24. Stade, 25. Osnabrück, 26. Aurich, 27. Münster, 28. Minden, 29. ArnSberg, 30. Caffel, 31. Wiesbaden, 32. Koblenz, 33. Düsseldorf, 34. Cöln, 35. Trier, 36. Aachen, 37. Sigmaringen, 38. Oberbayern, 39. Niederbayern, 40. Psalz,41.Oberpsalz, 42. Obersranken, 43. Mittel­franken, 44. Untersranken,45. Schwaben, 46. Bautzen,47. DreSden, 48. Leipzig, 49. Chemnitz, 50. Zwickau, 51. Neckarkreis, 52. SchwarzwaldkreiS, 53. JagstkreiS, 54. DonaukreiS, 55. Konstanz, 56. Freiburg, 57. Karlsruhe, 58. Mannheim, 59. Starkenburg, 60. Oberhessen, 61. Rheinhessen, 62. Mecklenburg-

Der Radlerfeind.

Humoreske von Heinz S i l v a n u S.

Herr Lardin war der pünktlichste Bureau-Chef im ganzen Ministerium und wegen feiner musterhaften Pünktlichkeit geradezu berühmt. Mit dem Glockenschlage 9 Uhr betrat er sein Bureau, daS er ebenso mit dem Glockenschlage 3 Uhr wieder verließ. Den Weg dahin machte er gewissermaßen mechanisch, instinktiv, wie ein Blinder, stets sich auf dem Trottoir der rechten Seite haltend, in die Lektüre seiner Zeitung vertieft. Und doch war ihm bisher nie etwas zu- gestoßen.

Man kann sich daher seinen Schreck vorstellen, als er eines Tages gegen einen Gegenstand ftieß, der daS Trottoir ver­sperrte. Und der Zusammenstoß war so heftig, daß Herr Lardin in seiner ganzen Länge auf daS Straßenpflaster fiel, sein Hut auf der einen, die Zeitung auf der andern Seite, zum großen Gaudium der Vorübergehenden. Er stand auf, nahm seinen Hut und Zeitung und forschte, während er sich den Schmutz von den Kleidern klopste, nach der Ursache des verhängnisvollen Falles. Diese war eine Fahrradkiste. Ein Fahrradhändler zog in einen Laden ein, den früher ein Schneider innegehabt hatte, und dar Trottoir stand voll Fahrrädern und anderen zum Geschäft gehörigen Dingen. Seit jenem Tage erfüllte Herr»» Lardin, der bisher nur mit­leidig über die Radier und Radlerinnen gelächelt hatte, ein unauslöschlicher, tödlicher Haß gegen alle Fahrräder. Er empfand die reinste Freude, wenn er in der Zeitung las, daß ein Radfahrer von der Straßenbahn oder einem Omnibus überfahren worden sei; der bloße Anblick eines ZweiradeS versetzte ihn in Wut; begegnete er einem Tandem, so bekam er Zuckungen, sah er aber gar einen Viersitzer, so wurde er acht Tage lang bettlägerig.

Es war Juli geworden und zu dieser Zeit pflegte Lardin einen Monat Urlaub zu nehmen, welchen er auf dem Land­gute seiner Schwester verbrachte.

Frau uon Galen, Lardins Schwester, war eine Dame, die m die Welt paßt. Obgleich Mutter von vier Kindern im Alter von zehn bis vierzehn Jahren, hatte sie ihre jugendliche

Schwerin, 63. Sachsen-Weimar, 64. Mecklenburg-Strelitz, 65. Oldenburg, 66. Lübeck, 67. Birkenfeld, 68. Braunschweig, 69. Gachsen-Meiningen, 70. Sachsen-Altenburg, 71. Coburg, 72. Gotha, 73. Anhalt, 74. Schwarzburg-Sondershausen, 75. Schwarzburg-Rudolstadt. 76. Waldeck, 77. Reuß ältere Linie, 78. Reuß jüngere Linie, 79. Schaumburg-Lippe, 80. Lippe, 81. Lübeck, 82. Bremen, 83. Hamburg, 84. Unter- Elsaß, 85. Ober-Elsaß, 86. Lothringen.

I. 6860. Der Landrat.

I. «.:

W e s s e l, Kreissekretär.

Landespolizeiliche Anordnung, betreffend die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche im Kreise HerSseld.

Mit Rücksicht auf den Ausbruch der Maul- und Klauen­seuche in der Gemeinde WillingShain, Kreis HerSseld, bestimme ich in Erweiterung meiner landeSpolizeilichen Anordnung vom 8. V. MtS. A. III. 1636 Amtsblatt Nr. 15, 6.114/5 folgendes:

Zu dem Sperrgebiet im § 1 tritt die Gemeinde WillingS­hain, die damit aus dem Beobachtung-gebiet im § 10 auS- fchcidet. (A. III. 2626.)

Caffel, am 30. Mai 1911.

Der Regierungspräsident. Gras von Bernstorff. * * Her-feld, den 6. Juni 1911. Wird veröffentlicht.

I. 6946. Der Landrat.

I. V.: von C o s s e l.

HerSfeld, den 6. Juni 1911.

Unter dem Rindviehbestande deS GutSpächterS Graf zu Engelbach ist die Moul« und Klauenseuche erlösche»«. I. 7062. Der Landrat.

I. V.:

von C o s s c l.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Pfingsten, daS GeburtSfest der christlichen Kirche, liegt hinter unS. Da schweift der Blick zurück in die Anfänge deS Christentum- und wird von neuem mit Staunen der gewal­tigen Entwicklung gewahr, die aus dem Senfkorn einen so machtvollen, alle- überschattenden Baum werden ließ. Die geistig-sittlichen Bedingungen hierfür waren die Einmütigkeit und Zuversicht der Bekennrr der Christentums. Unwillkürlich

Frische bewahrt. In der Hauptstadt besuchte sie die Gesell­schaften, Theater, Konzerte, und keine neue Erscheinung im Reiche war ihr fremd. Auf dem Lande widmete sie sich jeder Art von Sport.

Lardin wußte daS, aber er war nicht wenig betroffen, als er auf dem Bahnhöfe neben der Equipage, die ihn abholen sollte, fünf elegante Fahrräder bemerkte, die offenbar für Frau von Galen und ihre Kinder, zwei Knaben und zwei Mädchen, bestimmt waren.

WaS? Auch Ihr?" . . .

Weiter brächte er nichts heraus, die Worte erstürben ihm im Munde, und berstend vor Zorn, gleichsam unbewußt, ließ er sich von dem Wagen nach dem Landgute bringen, während seine Schwester, Neffen und Nichten ihn auf dem Fahrrade eskortierten. Einen Monat lang sollte er also umgeben von Fahrrädern zubringen!Mein Gott, waS werden das sür Ferien werden!" seufzte er.Wer hat mir geheißen, dieses Höllennest aufzusuchen?"

Er nahm auch kein Blatt vor den Mund und sagte seiner Schwester offen seine Meinung. Unverantwortlich nannte er ihr Benehmen.

Wie?" rief er, während die ganze Familie am Tische saß,wie, Lucie, so vergissest du ganz und gar deine Würde als Weib, Gattin und Mutter, daß du dieses blödsinnige Instrument, diese unanständige Maschine besteigst? Und nicht genug, daß du allein eS tust, nein, auch deine Kinder hättest du dazu an? O, Lucie, du machst mir Kummer, viel Kummer; das hätte ich niemals von dir geglaubt!"

grau von Galen brach in ein schallendes Gelächter aus, und so entrüstet ihr Bruder sich auch zeigte, antwortete sie lachend:Du kommst auch noch an die Reihe, mein lieber Kerl; in acht Tagen wirst du auch radfahren!"

Ich! - Ich!"

Der gute Lardin war so erschrocken über die Zumutung, daß ihm ein Stück Kapaun fast im Halse stecken geblieben wäre. Er radfahren! Entsetzlich!

Acht Tage nach seiner Ankunft wurde ihm zu Ehren eine

legt diese Betrachtung einen Analogieschluß nahe. Wir sehen unsereinnerpolitischenVerhältnisse noch immer in Verwirrung und Zerfahrenheit. Auch sie können gebessert werden, und eine erfreuliche, segensvolle Gestaltung annehmen, wenn Zuversicht und Einmütigkeit in den Reihen derer, die sich zur Monarchie und Vaterland bekennen, ihren Einzug halten. Ein Wahljahr steht bevor. Da hört man nun von allen Ecken und Enden gewaltige Erfolge der Sozialdemokratie prophezeien. Wozu dieser verhängnisvolle Pessimismus? Wenn nur jeder seine Pflicht tut und den großen Gedanken der Sammlung des Bürgertums in sich machtvoll werden und seinem Wirken voranleuchten läßt, dann wird die Sozialdemo­kratie nicht nur keine Erfolge davontragen, sondern sie vermag sogar noch in ihrem bisherigen Bestände geschwächt zu werden. Aber freilich eins tut not: Einmütigkeit, Einigkeit. Wir erachten er für unsere Hauptaufgabe, immer wieder und wieder den SammlungSruf erschallen zu lassen.

WaS die Umschau im AuSlande betrifft, so ist der Ge­sundheitszustand deS greisen österreichischen Herrschers, deS auch in Deutschland aufs höchste verehrten Kaisers Franz Joses, nicht völlig zufriedenstellend, obwohl ein Grund zu ernsten Besorgnissen durchaus nicht vorliegt. Mit großer Befriedigung ist allseitig die von einem der sührenden öfter« reichischen Blätter gebrachte Nachricht ausgenommen worden, wonach sich gerade in der gegenwärtigen Zeit das Verhältnis zwischen dem Kaiser und dem Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, ganz besonders intim und herzlich gestaltet hat. Die Persönlichkeit deS österreichischen ThronsolgerS bietet ja auch in sich die denkbar besten Garantien für die sorgfältige und erfolgreiche Erfüllung aller Pflichten und Ausgaben einer künftigen Regenten. Zuvörderst aber hoffen und wünschen wir von Herzen, daß es Kaiser Franz Joses selber noch mög­lichst lange vergönnt fein möge, im erneuten Besitze körperlicher Gesundheit und Frische seines ruhmvollen und segensreichen Amtes zu walten. Inzwischen ist der österreichische W a h l k a m p s in sein letzter, entscheidendes Stadium getreten. DaS Zentralblatt der deutschen Sozialdemokratie derVorwärts", glaubt, als die Signatur dieser Kampfe-, wenigstens soweit die Deutschen in Frage kommen, einen unverkennbaren Zug nach rechts" feststellen zu dürfen und will diesen Zug aus der vielsach vollgezogenen Bildung einer allgemeinen deutsch-bürgerlichen Blocks gegenüber der Sozial­demokratie herauslesen. UnS gehen die EinigungSbestrebungen aus bürgerlicher Seite im österreichischen Wahlkampfe noch lange nicht weit genug, und wir hoffen sehnlichst, daß in dieser Hinsicht während der kurzen Zeitspanne bis zum Wahl­tage noch mancher Fehler korrigiert werden möchte.

In Italien hat am Tage deS Verfassung-festes in Rom die seierliche Enthüllung deS Denkmals Viktor Ema - nuelS II. in Gegenwart der ganzen königlichen Familie, aller Behörden und einer begeisterten Volksmenge stattgefunden. Ministerpräsident Giolitti hielt die Festrede und hob dabei hervor, daß Italien mit Befriedigung aus die seit

Landpartie unternommen. Es sollten die etwa vierzig Kilo­meter entfernten alten Burgruinen besucht werden, und die Nachbarn hatten versprochen, sich der Familie Galen anzu- schließen. Natürlich wurde der Ausflug aus dem Rad ge= macht, Lardin sollte die Radler zu Pferde begleiten.

Aber ach, welches Pferd kann mit diesen flüchtigen Stahl­rossen Schritt halten, die einen Kilometer nach dem andern verschlingen! Lardin blieb daher bald zurück, und um seinem Pech die Krone auszusetzen, war er wohl das Muster eines BureauchesS, aber nichts weniger als ein Reiter. Sein Pserd wollte nicht zurückbleiben, und so entspann sich zwischen den dahinsausenden Radiern dem willenlos seinem Pferde über­lassenen Reiter ein Wettlauf, welcher damit endete, daß dieser in ben Graben geworsen wurde. Endlich, zwei Stunden später, kam Lardin, nachdem er ben Ausreißer wieder ein» geholt, am Bestimmungsorte an; die Radier hatten schon längst das Frühstück eingenommen und rüsteten sich bereits zum Ausbruch. Der unglückselige ReiterSmann mußte sein Rößlein in einem Bauernhöfe einstellen und zur Heimkehr die Eisenbahn benutzen. Hatte er den Schaden gehabt, so brauchte er natürlich nun für den Spott nicht mehr zu sorgen.

Endlich sagte Herr von Galen zu seinem Schwager:Daß du einen solche»« Haß gegen das Fahrrad hast, liegt wohl nur daran, daß du nicht fahren kannst!"

O ich kann eS ebenso gut wie du!" wagte Lardin in der Hitze des GesechtS dreist'zu erwidern.

Du? ... Na, das möcht ich sehen!"

Jawohl, ich! Jetzt ist es schon zu spät, aber morgen werde ich dir zeigen, daß ich eS kann. Und bann wirst du hoffentlich überzeugt fein, mein Haß gegen daS Radfahren nur seine durchaus philosophischen und menschensreundlichen Gründe hat!"

Nun gut! Also morgen!

Mari ging zu Bett. Aber Lardin empfand eine un­beschreibliche Unruhe und konnte, nachdem er daS Licht auS- gelöscht, infolge der Aufregungen deS TageS keinen Schlaf finden. Er war reingefaUen! Morgen sollte er dar Rad be­steigen ? Wie er da- mache»« sollte, war ihm unklar. Und