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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich

1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Na

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein« gespaltenen Zeile 10Pfg.,im amtlichen Teile 20Pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.nsnsvsn»

herzselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 69. Donnerstag, den 15* Juni 1911,

Amtlicher teil.

Hersseld, den 10. Juni 1911.

In Ausführung der landeSpolizeilichen Anordnungen vom 5. Februar 1911 2. Juni 1911 Amtsblatt Nr. 6 Amtsblatt Nr. 22 a habe ich in Erweiterung der An­ordnung vom 21. Februar d. Js. I. 2253 KreiSblatt Nr. 24 für das auf dem Landwege in den hiesigen Kreis eingesührte Klauenvieh eine Untersuchungsstelle weiter in Niederjossa errichtet.

Ich weise ausdrücklich daraus hin, daß Klauenvieh aus den in den landeSpolizeilichen Anordnungen bezeichneten Be­zirken, falls es in den hiesigen Kreis mit der Eisenbahn ein« geführt wird, bei der Entladung und falls eS aus dem Land­wege eingeführt wird, bei der Einfuhr an den von mir bestimmten Untersuchungsstellen in Widdershaufen, Philipps­thal und Niederjossa amtsticrärztlich zu untersuchen ist.

Ferner unterliegt daS eingesührte Vieh der achttägigen polizeilichen Beobachtung in gesonderten Stallräumen am Bestimmungsort.

I. 7117. Der Landrat.

I. V.: von C o ss el.

HerSfeld, den 13. Juni 1911.

Nach § 6 der Königlichen Verordnung vom 25. Mai 1887 bezw. 21. Juli 1892, betreffend die Einrichtung einer ärztlichen Standesvertretung, findet im Monat November d. JS. eine Neuwahl der Mitglieder der Aerztekammer für die Provinz Hessen-Nassau statt.

Die Liste der wahlberechtigten Aerzte deS Wahlbezirks liegt in der Zeit vom 16. bis einschließlich 30. d. MtS. in meinem Geschäftszimmer während der Dienststunden zur Ein­sicht auS.

I. 7213. Der Landrat.

I. B.: von C o s s e l.

Hersfeld, den 13. Juni 1911.

Nach dem Gutachten deS Königlichen KreiStierarzteS ist die Maul- und Klauenseuche in GerSdors erloschen. I. 7286. Der Landrat.

I. A.:

Weisel, Kreisfekretär.

Hersseld, den 9. Juni 1911.

In Verfolg meiner Versügung vom 20. März d. Js. I. 3420 Kreisblatt Nr. 36 bestimme ich, daß die Beiträge zur Landwirtschaftskammer für 1911 an die König­liche KreiSkasse hier bis zum 1. Juli d. Js. einzuzahlen sind.

Der neue Bert

Roman von Walter HogartH.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

In den Dorfgasthos dürst Ihr aber heute abend nicht wieder gehen," rief dann Hanni dem Onkel und der Tante mit kindlicher Treuherzigkeit zu, Hanni fuhr fort,denn drüben aus dem rechten Schloßflügel sind schon drei Zimmer für Euch zurecht gemacht."

Alle lachten über Hannis Worte, aber Kuno sagte dann: Ich muß doch wohl noch einmal in den Gasthof, um unsere Rechnung zu bezahlen."

Der Wirt kann die Rechnung heraus aufS Schloß schicken, wenn der Kutscher eure Sachen abholt," erklärte da die Schloß- Herrin,denn nun, wo nicht nur der Wirt, sondern das ganze Dors eS weiß, daß Kuno von Bevern nebst Gemahlin nach langer, langer Abwesenheit glücklich in die Heimat zurückgekehrt ist, könnt Ihr nur noch im Schlosse wohnen. Ich bitte darum fühlt euch hier bei uns wie zu Hause!"

So geschah es denn, daß Kuno mit feiner Gemahlin im Schlosse seiner Väter Wohnung nahm, und daß herrlich Tage der Freude und Freundschaft sich an den ersten Besuch und daS Diner im Schlosse für die Gäste wie für die Schloßbe­wohner anschlossen, denn freundliches Zutrauen hatte wieder Zutrauen und Liebe hatte Gegenliebe bei ihnen allen erweckt, und daS Zusammenleben auf eine edcle Höhe gehoben, von der aus daS Gewöhnliche deS Alltagslebens in ein Nichts versank.

* *

Die ersten Tage deS Aufenthaltes auf Schloß Bevern be­nutzten Kuno und seine Frau dazu, um daS sehr große alte Schloß, das wiederholt umgebaut worden war, und dessen Umgebung zu besichtigen. Dann dachte aber Kuno auch an andere wichtige Dinge. Ihm lag sehr viel daran, einen klaren Ueberblick über die VermögenSverhältnisse seines Vetter-, des lygendlichen BaronS Heribert von Bevern zu bekommen, um für diesen zu retten, waS zu retten war. DeS BaronS Ver-

Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher des Kreises haben für rechtzeitige Einzahlung der Beiträge zu sorgen. I. 7114. Der Landrat.

3. A. : Wessel, Kreissekretär.

nichtamtlicher teil.

Her sMisch-fmzWt Konflikt über Marokko.

Spanien und Frankreich sind nun nach der spanischen Be­setzung von Laroche und Elkassar hart aneinander geraten. Sie streiten sich um den Satz, ob es dasselbe sei, wenn zwei das­selbe tun. Die Spanier sagen, sie hätten das Beispiel nur nachgeahmt, daS Frankreich mit seinem ungerechtfertigten Zug nach Fez gegeben habe. Nein, erwidern die Franzosen, unS hat der rechtmäßige Sultan zu Hülfe gerufen, gegen euer Vor­gehen protestiert er; wir sind immer rücksichtsvoll gegen euch gewesen, haben früher bei euerm Feldzug im Rifgebiet bei Melitta ein Auge zugedrückt und jetzt, statt die ausgezeichnete festgeschlossene Division des Generals Toutäe über die Muluya aus Taza und Fez vorrücken zu lassen, mit einer zusammen­gewürfelten Truppe den viel beschwerlicheren Marsch Casa» blancaRabatFez unternommen. Man kann daS gelten lassen, aber nur alS Entschuldigungen. Gewiß wären doch die bei Laroche auSgeschifften spanischen Truppen zu Hause geblieben, wenn die Franzosen nicht den Demonstrationsseldzug Toulves an der Muloya und den Krieg MoinierS gegen die aufständischen Stämme um Fez und Mekinez unternommen hätten.

Geschickter im Argumentieren und Beschönigen sind im all­gemeinen die Franzosen. Das Wort vom raffinement de loyaute, das derTemps" kürzlich als Kennzeichen der fran­zösischen Marokkopolitik erfunden hat, paßt vortrefflich zu der Rolle, die jetzt die Pariser Presse als erbitterte Verteidigerin der AlgesiraSakte gegen die bösen Spanier spielt. Nur einige nationalistische Blätter stören daS Spiel mit der Besprechung, daß die Kühnheit der Spanier gar nicht anders zu erklären sei, als durch geheime Ausstachelung von deutscher Seite. Die deutsche Politik ist so wenig mit dem spanischen als mit dem zranzösischen Vorgehen im Einverständnis, sie hat weder diesem sugestimmt noch jenes ermuntert, vielmehr lag eS in der natürlichen Entwickelung der Dinge, daß das durch den Ge­heimvertrag mit Frankreich von 1904 in seinen marokkanischen Ansprüchen gestärkte Spanien nicht ruhig zusehen würde, wie Frankreich gewaltsam den vorherrschenden Einfluß in ganz Marokko zu erlangen sucht.

Tatsächlich ist die gegenwärtige Lage in Marokko mit dem AlgefiraSvertrag nicht mehr vereinbar, und eS fragt sich, ob nicht bald die Zeit kommen wird, mit den Zweideutigkeiten

mögen steckte in alten und neuen Bergwerksunternehmungen, und Kuno wußte aus Erfahrung, wie leicht in Bergwerks- unternehmungen auch große Summen verloren gehen können, und für mit ungenügendem Betriebskapitale begonnene Berg, werke war daS Risiko besonders groß. Augenblicklich schien ja keine Gefahr zu drohen, da durch den Verkauf eines Gutes die Bevernfchen Bergwerke wieder mit neuem Kapitale versehen worden waren. Wenn aber das Unternehmen mit dem neuen Gelde und den neuen Anlagen wieder aus keinen grünen Zweig kommen sollte, dann wurde das RettungSwerk schwierig und kostspielig, und deshalb hatte Kuno den täglich dringender werdenden Wunsch, so bald als möglich die Bevernfchen Berg­werke zu besichtigen und mit dem Bergwerksdirektor und dann zuletzt auch mit Baron Heribert eine Aussprache über die Sachlage zu haben. Der Vetter Heribert war aber jetzt nicht so leicht für eine Unterredung zu haben, denn er war Offizier mit Leib und Seele und stand bei einem Dragonerregiment in einer fernen Garnison in den Reichslanden. Eine Be­sprechung mit Heribert dort in der Garnison hatte in der An­gelegenheit auch gar keinen rechten Zweck, denn wenn Kuno deformen und neue Anlagen für die Bevernfchen Bergwerke für nötig halten sollte, dann mußte mit sicheren Unterlagen gearbeitet werden und der Vetter mußte auch einen Einblick in die Sache gewinnen, um mit Ueberzeugung einen Entschluß fassen zu können. Kuno vereinbarte daher mit seinem Bruder Ulrich, daß sie beide gemeinsam einen auf die Bergwerks­unternehmungen bezüglichen Bries an den Vetter Heribert schreiben und ihn bitten wollten, sich zu einer Reise in die Heimat acht Tage Urlaub geben zu lassen. Vor der Absen- dung dieser gemeinsamen Schreiben- schrieb aber Kuno erst an den Vetter Heribert einen Bries, in welchem er ihm seine Rückkehr in die Heimat anzeigte und ihm zugleich eine kleine Schilderung davon gab, wie er in Südafrika mit BergwerkS- unternehmungen nach manchen Mißerfolgen sein Glück gemacht hatte und dann in wenigen Jahren ein reicher Mann ge­worden war. Auch hatte Kuno seine Verheiratung mit der Schwester seines Freundes Henry Owen dem Vetter Heribert, der davon noch nicht- wußte, mitgeteilt, um diesem einen Bericht über seine neuen LebenSverhältnisfe zu geben.

ein Ende zu machen. Mit Recht heißt es in einem Artikel des früheren französischen Botschafter- Millet:Wir klammern unS an den Algesira-Vertrag, der nicht- von dem vorgesehen hat, war wirklich geschehen ist. Unser Bemühen, unS an einen Wortlaut zu halten, dessen Begrenzung schon überschritten ist, scheint vergeblich." Auch in der englischen Presse, die bei Be­urteilung des französisch-spanischen Konflikt- mehr nach der französischen Seite hinneigt, wird die Ansicht vertreten, daß Europa einer Austeilung Marokko- unter den beiden meist- interessierten Grenzstaaten nicht ruhig zusehen könne. Eine Abrechnung mit den AlgesiraSmächten, insbesondere auch mit Deutschland wird kommen, dafür sorgen die von Frankreich und Spanien geschaffenen Ereignisse, ohne daß wir mit be­sonderem Eifer darauf hinzudrängen brauchen.

Deutscher Rundflug VHt

Magdeburg, 13. Juni. Heute morgen 5 Uhr 10 Minuten stürzte bei der Landung auf dem hiesigen Flugplatz Müller, der heute früh bei Genthin aufgestiegen war, auf einer Höhe von 20 Meter ab. Der Motor fetzte auS, der Apparat neigte sich zur Seite und begrub den Flieger unter sich. Müller wurde nach dem Altstädtischen Krankenhause gebracht. Dort wurde festgestellt, daß er eine Gehirnerschütterung erlitten hat. Der Verletzte befindet sich bei Bewußtsein.

Magdeburg, 13. Juni. Ueber den Unfall deS Flieger- Müller wird noch gemeldet: Müller, der über dem Magde­burger Flugfelde angekommen und über daS Ziel hinaus- geflogen war, wollte in einer Kurve zum Zielband zurückkehren, als plötzlich fein Motor versagte, und er etwa dreihundert Meter vor dem Ziel mit feinem Flugrrug abstürzte. ES war sofort ärztliche Hilfe zur Stelle. Nach einem Bericht deS städtischen Krankenhause-, in daS der Verunglückte eingeliefert wurde, scheint kein Schädelbruch vorzuliegen.

Magdeburg, 13. Juni. Hier starteten heute früh WinczierS 4 Uhr 11 Minuten, Büchner mit Paffagier 4 Uhr 18 Minuten, Lindpaintner mit Passagier 4 Uhr 24 Minuten, König mit Passagier 4 Uhr 27 Minuten, Laitsch mit Passagier 4 Uhr 42 Minuten. Um 5 Uhr 15 Minuten, kurz nach dem Unfall von Müller, landete Schauenburg aus dem hiesigen Flugplatz. Büchner ist um 5 Uhr 15 Minuten in­folge Bruche- seines BenzinrohreS bei Grävenitz niedergegangen.

Magdeburg, 13. Juni. Wenige Minuten nach 7 Uhr traf hier die Meldung von der Landung KönigS in Schwerin ein. Gleich darauf stieg Dr. Wittenstein mit feinem Passagier, einem Offizier vom 4. Pionierbataillon auf.

Schwerin, 13. Juni. Als Erster traf um 6 Uhr 5 Minuten Wincziers auf seinem Eindecker ein und wurde vom Großherzog begrüßt. ES folgte um 6 Uhr 23 Minuten Büchner auf Zweidecker mit Paffagier und um 7 Uhr 15 Minuten Benno König auf Zweidecker mit Begleitoffizier. Sämtliche Landungen erfolgten glatt. Es herrscht völlige Windstille bei warmem Sonnenschein.

Natürlich wartete Kuno erst die Antwort von Heribert auf seinen Briej ab, ehe er gemeinsam mit Ulrich in den berg­männischen Angelegenheiten an den Vetter schrieb, denn sie wollten in dieser Sache nicht- übereilen und nicht mit der Tür inS Haus fallen.

Nach fünf Tagen erhielt Kuno von dem Vetter Heribert auch eine sehr freundliche Antwort und herzliche Glückwünsche zur Heimkehr.

Nun war das Terrain soweit geebnet, daß Kuno und Ulrich ihren Brief in Heriberts bergmännischen Angelegenheiten schreiben konnten und in der folgenden Woche wurde dieser Brief auch abgesandt.

Wie zu erwarten war, nahm der junge Baron die gut­gemeinten Ratschläge seiner viel älteren und erfahrenen An­verwandten Ulrich und Kuno von Bevern gut auf und er versprach, sobald er Urlaub erhalten konnte, auf acht Tage in die Heimat zu kommen, um mit Ulrich und dem Bergwerks- direktor die ganze Angelegenheit zu beraten.

Vorher hatte sich Kuno aber von Heribert noch die Er­mächtigung erbeten, mit Hilfe eine- sachverständigen Berg­ingenieurs die Bevcrnschen Werke einer gründlichen Besichtigung zu unterziehen, damit er ein gute- Urteil über die Sachlage noch vor der Beratung mit Heribert gewinnen konnte. Zu diesem Zwecke stattete aber Kuno den Bevernfchen Werken erst einen Besuch ab und ließ sich von dem Direktor derselben, NamenS Ernst Hempel, überall herumsühren.

Die Bevcrnschen Besitzungen waren Kalibergwerke, die schon seit zweiundzwanzig Jahren bestanden. Sie gehörten ursprüng- sich den beiden Linien der Herren von Bevern gemeinsam, sie waren aber dann ganz in den Besitz deS VaterS deS BaronS Heribert, de- Baron- Balduin von Bevern, allein übergc- gangen, weil sich herau-gestellt hatte, daß auf dessen Besitz die größeren Kalilager waren und weil die immer mehr wach­sende Ausdehnung der Kaliwerke und große Anschaffungen von neuen Maschinen und Pumpwerken die Umwandlung deS Besitze- in eine Kommanditgesellschaft ratsam erscheinen ließen.

Kommandisten wurden der Baron Balduin v. Bevern, daS Bankhaus Leopold u. Körner und die Großkaufleute Erich Silke, Karl Schlicke und Rudolf Händel, doch war die Teil-