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herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 70. Sonnabend, den 17, Juni 1911.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 14. Juni 1911.
Mit Genehmigung des Herrn Minister- für Landwirtschaft, Domänen und Forsten ist auf dem städtischen Schlachthose in Hannover ein besondere- Veterinärpolizeibüro errichtet worden. Die Tätigkeit deS Büros umfaßt die Beantwortung von Anfragen über die Zufuhr beziehungsweise den Transport von Sperrvieh nach dem Schlachthof in Hannover. I. 7305. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, Kreissekretär.
Hersfeld, den 15. Juni 1911.
Diejenigen Schulvorstände des Kreises, welche meine Verfügung vom 16. V. Mt-., I. 5331, im KreiSblatt Nr. 59, betreffend die Bestellung der Wetterkarte der Wetterdienststelle in Frankfurt a/M. für die Schule, noch nicht erledigt haben, werden hieran nochmals mit Frist bi- zum 24. d. MtS. erinnert.
I. 5331. Der Landrat. 3. A.:
Wessel, Kreissekretär.
HerSfeld, den 15. Juni 1911.
x In Niederaula ist die Maul- und Klauenseuche erloschen. I. 7375. Der Landrat.
I. V.: von C o s s e l.
Hersfeld, den 12. Juni 1911.
Unter dem Rindviehbestande b^ Wilhelm Schneider in WillingShain ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festge» stellt worden.
I. 7169. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, Kreissekretär.
Hersfeld, den 14. Juni 1911.
Unter dem Rindviehbestande deS Gastwirts Eydt in Niederjosia ist die Maul» und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.
I. 7237. Der Landrat.
I, V.: von C o s s e l.
HerSfeld, den 12. Juni 1911.
Nachdem inzwischen die landeSpolizeiliche Anordnung vom 8. April d. JS. Kreisblatt Nr. 43 aus den Sperrbezirk WillingShain ausgedehnt worden ist, (Kreisblatt Nr. 67) setze ich meine vorläufigen Anordnungen vom 30. Mai d. Js. I. Nr. 6688 KreiSblatt Nr. 64 wieder außer Kraft.
I. 7353. Der Landrat.
I. V.:
von C o s s e l.
Der Saatenstand Anfang Juni 1911.
Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 sehr gut, 2 gut,
3 = Mittel, 4 = gering, 5 — sehr gering.
Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B c 9476 M. s. L. — I b 3646 M. d. J. —)
Fru ch tarten usw.
Durä noten
Staat
)schnitts- für den
Reg.-Bez.
Cassel
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten
Ho
Tb
co
lO
ist
Winterweizen Sommerweizen . Winterspelz (Dinkel) . Winterroggen . Sommerroggen . Sommergerste .
Hafer .... Erbsen Ackerbohnen Wicken Kartoffeln . Zuckerrüben Winterraps u. -Rübsen Flachs (Lein) Klee..... Luzerne
Wiesen mit künstlicher Be- (Ent-) Wässerung
Andere Wiesen .
2,6 2,7
2,6 2,7
2,9 2,6 2,7
2,8 2,6 2,7 2,7
2,8 2,6
2,8 3,0
2,9
2,5 2,9
2,5 2,6
3,1
2,5
2,4
2,4
2,4
2,5
2,6
2,5
2,7
2,5
2,3
3,5 3,0
2,5
2,7
2 :
i
2
3
3
4
2
2
2
2
1
1
2
2
2
2
1
3
3
3
3
3
2
1
1
3
3
2
1 3
1
2
1
3
1
Kgl. Preuß. Statistisches Landesamt. Evert, Präsident.
Der in der Gemarkung Lengers gelegene
Nr. 271, 15 ar 85 qm groß, soll
eingezoge«
werden.
Nach Vorschrist des § 57 deS ZuständigkeitSgesetzeS vom
1. April 1883 wird dies mit der Aufforderung bekannt gegeben, daß Einsprüche hiergegen binnen 4 Wochen bei Meidung des Ausschlusses bei der unterzeichneten Behörde geltend zu machen sind.
Lengers, den 14. Juni 1911.
Die Wegepolizeibehörde.
Lotz.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Die marokkanischeFrage ist durch das tätige Eingreifen der Spanier und den darüber entbrannten spanisch- französischen Konflikt in ein neues Stadium getreten. Spanien hat von der französischen Diplomatie gelernt und verwendet die eigenen Argumente derselben zur Rechtser- tigung seines Vorgehens in Marokko. So schreibt daS spanische Blatt „Jmparcial", eS sei lächerlich, wenn sich Frankreich dem spanischen Vorgehen gegenüber aus die Algecirasakte berufe. Frankreich halte den Sultan gefangen und diktiere ihm, was er zu sagen habe. Dagegen erfülle Spanien die Algecirasakte, indem es einfach innerhalb der ihm zugewiesenen Zone Ordnung zu schaffen suche, ohne wie Frankreich zu morden und zu sengen und sich irgendeines Gebiete- zu bemächtigen. ES sei amüsant, daß jetzt Frankreich für die AlgecimSakte, die es hundertmal durchbrochen habe, eintreten wolle. Der ganze Zorn Frankreichs komme daher, weil Spanien- Vorgehen Frankreich daran gehindert habe, ganz Marvkko mit Ausschluß aller andern Mächte einzustecken. Tatsächlich ist die gegenwärtige Lage in Marokko mit dem AlgeciraSvertrag nicht mehr vereinbar und die Notwendigkeit einer anderweitigen Regelung der Verhältnisse dürfte sich demnächst gebieterisch fühlbar machen.
Die Signatur der stattgehabten österreichischen Hauptwahlen ist die Niederlage der Christlich-Sozialen und die starke Zurückdrängung der Sozialdemokratie. Fast alle christlich-sozialen Führer, Dr. Geßmann, Dr. Weißkirchner, Fürst Alois von Liechtenstein, Dr. Pattai, Dr. Neumeyer, Dr. Wittek müssen um ihr Mandat in wenig aussichtSvoller Stichwahl ringen. Die Sozialdemokraten haben bisher ein Dutzend Mandate verloren. Ihre Niederlage könnte sich in den Stichwahlen zu einer wahrhaft vernichtenden gestalten, wenn das Bürgertum mit geeinter Stoßkraft gegen die Revolutionspartei vorginge. Aber leider steht zu erwarten, daß die von der Regierung eingeleiteten Einigungsverhandlungen unter den bürgerlichen Parteien keinen rechten Erfolg haben werden. Vielmehr dürften die sogenannten Deutschsreiheitlichen sich nach Art unserer Fortschrittler in vielen Fällen bei der Stichwahl als getreue Schildknappen der Sozialdemokraten erweisen und diesen zum Siege verhelfen. Im übrigen ist eS nach dem bisherigen Wahlresultate sehr fraglich, ob das neue österreichische Abgeordnetenhaus eine Mehrheit ergeben wird, aus die sich die Regierung zur Durchdringung ihrer wichtigen Ge- setzeSvorlagen, insbesondere der Wehrresorm zu stützen vermag, und eine Neuauslösung, von der bereits gesprochen wird, erscheint daher nicht gerade unwahrscheinlich.
In Belgien hat ein Widerstreit der Meinungen im klerikalen Lager zu einer freilich schnell beendeten Ministerkrisis geführt. Dem Führer deS konservativen Flügels der Klerikalen Woeste und seinem Anhänge ging daS Schulgesetz deS gleichfalls klerikalen Kabinetts S ch o l l a e r t zu weit in seinen Zugeständnissen an den modernen Zeitgeist, und er trennte sich daher in dieser Frage von seinen Parteigenossen, waS den Fall des Schulgesetzes und die Demissionierung deS Kabinett- zur Folge hatte.
Im europäischen Orient endlich scheinen die österreichischen Kundgebungen tatsächlich dahin geführt zu haben, einen Ausgleich der Türkei mit Albanien anzubahnen, von dem sich hoffen läßt, daß er in eine wirkliche Versöhnung auSmündet.
Jer Kinzus in Berlin.
16. Juni 1871.
Die Waffen ruhten; heim zogen, mit Lorbeer geschmückt, die deutschen Krieger in die jubelnde Heimat. FesteSrauschen, flatternde schwarz-weiß-rote Fahnen, mit Waldesgrün und Blumen geschmückte Feststraßen, jauchzende Volksmengen überall im jungen Reiche. Aber am glänzendsten gestaltete sich doch vor nun 40 Jahren der Einzug der preußischen Garde und der Abordnungen der gesamten deutschen HeereS durch das Brandenburger Tor in die neue Reich-Hauptstadt Berlin. An der Spitze der 42 000 Mann der oberste Kriegsherr, Kaiser Wilhelm! Auf dem Tempelhofer Felde hatte er die EinzugS- truppen besichtigt, dann setzte sich der Zug in Bewegung durch die Belle-Alliancestraße nach dem Brandenburger Tore. Aus dem ASkanischen Platze tönte dem Kaiser aus .10 000 Schülerkehlen von einer Riesenbühne herunter der begeisterte Gesang der „Wacht am Rhein" entgegen.
Und dann ging es durch daS herrlich geschmückte Brandenburger Tor. Dicht vor dem Kaiser ritten die drei Paladine: BiSmarck, Moltkc, Roon. Gras Moltke, der Schlachtendenker,
zu gelte sein mutiger Roß, welches vor den wehenden Fahnen scheute, mit der Kraft eines JünglingS, während Fürst BiSmarck, der Staatsmann, seinen Braunen gelassen gängelte und die jubelnden Zurufe mit freudestrahlendem Antlitz erwiderte. Selbst Roons schwermütige Züge heiterten sich auf: der Gedanke an die glänzende Probe, die die von ihm ausgestaltete Wehrordnung bestanden hatte, überwog den Schmerz der Vaters, der auf dem Felde der Ehre einen hoffnungsvollen Sohn verloren hatte. Dem Kaiser folgte unmittelbar der Kronprinz. „Unser Fritz" hieß er in den KriegSzeiten und seit jener Zeit im Norden und Süden deS Reiches, und alle die vielen kleinen Züge, die seine- Sinnes Güte und Herzlichkeit in den ersten Monaten der Krieges ganz besonder- offenbarten, waren in aller Munde. Da folgte ferner Prinz Friedrich Karl, der „rote Prinz", der durch seine Kriegskunst, seine eiserne Tatkraft und die Unerschrockenheit, mit der er die Kriegsgefahren und Unbilden ertrug, sich mit die erste Stelle unter den Heerführern erobert hatte. Dann kamen die anderen Prinzen und deutschen Fürsten, nun die Truppen, an ihrer Spitze die eroberten Feldzeichen: 81 Fahnen und Adler.
Die Musik tönte, die Glocken läuteten, daS Volk begleitete den Zug mit immer wieder schallendem tausendstimmigen Hurra- und Jubelgeschrei. Am Brandenburger Tore' wurde dem Kaiser von einer Ehrenjungsrau ein Lorbeerkranz überreicht. Aber kaum hatte er ihn in Empfang genommen, da fiel sein Blick auf eine Tribüne, die mit verwundeten Offizieren besetzt war. Da wandte er sein Roß dorthin und übergab den Braven, die für ihn und daS Vaterland ihr Blut vergoffen hatten, mit huldvollen königlichen Worten Lorbeerkränze. Und weiter ging der Zug die feenhast auSgestatteten Linden entlang. Zwischen den Bäumen hatte man in unabsehbarer Reihe die mit Eichenlaub bekränzten Kanonen und Mitrail- leusen Napoleon- aufge,,«Lt, voran gewaltige Festung-geschütze der Fort- von Pari-; Riesengeschütze waren auch an der Friedrichstraße aufgepflanzt. Dann folgten 82 erbeutete Mitrailleusen. Die Gesamtzahl der hier ausgefahrenen Geschütze und Mitrailleusen betrug 543. Dazwischen erhoben sich Kandelaber mit Feuerbecken und an den Uebergängen 40 Fuß hohe Siegessäulen und die Heldenzeit verherrlichende Riesengemälde. ' Am Blücherstandbilde aus dem Opernplatz machte Kaiser Wilhelm Halt und ließ die Truppen an sich vorbeimarschieren; an ihm zogen auch vorüber, weithin im Winde flatternd und rauschend, die eroberten französischen Fahnen, mit stürmischem Hurra von der Menge begrüßt. Dann ordnete sich alle- in weitem Kreise um daS noch verhüllte Denkmal König Friedrich Wilhelm- III. im Lustgarten. Die französischen Feldzeichen wurden am Fuße deS Denkmal- niedergelegt. Die Hülle fiel, Kaiser Wilhelm salutierte, da- edle Gesicht tiesergriffen zu dem Standbilde seine- VaterS hinaufwendend, mit gezogenem Degen; die prinzlichen Feld- marschälle grüßten mit ihren Marschallstäben daS Bild des Großvater-. Die Truppen präsentierten, die preußischen Fahnen senkten sich, die Trommeln wirbelten, Musikchöre spielten „Heil Dir im Siegerkranz", alle Glocken läuteten, und 101 Kanonenschüsse erschütterten die Lust. Dann erscholl der Choral „Nun danket alle Gott," in den die Anwesenden tiefbewegt einstimmten. Manche treffende Inschrift gab dar wieder, waS aller Herzen an diesem Tage bewegte, aber treffender konnte dieS nicht geschehen, alS am Hause BismarckS. Dort wehte eine mächtige Fahne mit den Versen Schillers:
Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,
In keiner Not uns trennen und Gefahr!
Am Abend ging eS in Berlin natürlich hoch her; Alles wetteiferte, die siegreichen Truppen zu feiern und zu bewirten. Die Reich-hauptstadt erstrahlte im hellsten Lichterglanze, und auf den großen Plätzen waren Tanzböden, ErfrischungShallen und dergleichen für die heimgekehrten Sieger hergerichtet. Bit in die späte Nacht hinein wurde hier der SiegeSeinzug gefeiert, und kein Mißton störte da- unvergeßliche Fest deS Wiedersehens.
Deutscher Rundflug (9U.
Die 125 Kilometer lange dritte TageSstrecke Schwerin- Hamburg, über die Prinz Heinrich das Protektorat übernommen hat, bot für die Orientierung große Schwierigkeiten, teilweise wegen großer Waldflächen, dann aber besonders wegen deS starken Nebel-, in dem sich ein Flieger, Büchner, verirren sollte. Er kam aber doch, allerdings mit einer kleinen Verspätung, in Hamburg an, wo vorher WienczierS und Lindpaintner, die fast zugleich mit ihm abgeflogen waren, eingetroffen waren. Dr. Wittenstein und König wollten noch im Laufe deS Lager resp. Abends starten. Der Start in Schwerin war ebenso wie in Magdeburg auf 4 Uhr morgen- angesetzt. Es war bitterkalt am Morgen und eS wehte ziemlich frischer Nordwestwind.
Hamburg, 15. Juni. Lindpaintner ist um 10,12 Uhr in Hamburg eingetroffen. Er überflog in strömendem Regen das Zielband und landete in glänzendem Gleitflug au- 300 Meter Höhe. Lindpaintner sagte über die Zwischenlandung : Ich hätte nicht nötig gehabt, herunterzugehen, sah aber, daß am Apparat der Dorn gebrochen war und hielt es für besser, den Schaden zu reparieren.