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herchlder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" und «Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Snschlutz Nr. 8

Nr. 74.

Dienstag, den 27. Juni

1911.

Amtlicher teil.

Nachtrag

zum Chausseegeldtarif vom 29. Februar 1840 (Gesetzsammlung

6. 94 ff.) und zum.Ergänzung-tarif vom 6. Juni 1904 (Gesetzsammlung 6. 139/40).

Zu den abgabenpflichtigen Sitzplätzen im Sinne des Er- gänzung-tarifS vom 6. Juni 1904 (Gesetzsammlung S. 139/40) gehören nur die dauernd eingebauten festen Sitzge­legenheiten. Als Sitzplätze im Sinne dieser Tarisr gelten auch die zum vorübergehenden Gebrauch eingerichteten Klapp­sitze sowie diejenigen Sitzgelegenheiten, zu deren Anbringung oder Ausstellung besondere Einrichtungen in den Kraftfahr­zeugen selbst getroffen sind. Sitzgelegenheiten, die mit dem Fahrzeuge in keiner Verbindung stehen und in dasselbe nur, wie Feldstühle und dergleichen, hineingestellt werden, gelten nicht als abgabenpflichtig. (III. B. 13. 197 D.)

Berlin, am 13. Mai 1911.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten, gez.: von Breitenbach. * *

HerSseld, den 22. Juni 1911.

Wird veröffentlicht.

I. 6945. II. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

HerSseld, den 22. Juni 1911.

Die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindviehbestande der Rittergut-Pächter- Hoßbach in Weilar ist erloschen. I. 7722. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

HerSseld, den 21. Juni 1911.

Der Handelsmann Jacob Jacob in Niederaula 977 beabsichtigt in dem Hause Kartenblatt Nr. 8 Parzelle Nr.

in Niederaula eine

Schlachthauranlag«

einzurichten.

Ich bringe daS geplante Unternehmen zur öffentlichen Kenntnis. Einwendungen können innerhalb 14 Tagen bei mir schriftlich in zweifacher Ausfertigung oder zu Protokoll angebracht werden. Nach Ablauf dieser Zeit können Ein­wendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Rechtzeitig erhobene Einwendungen werden im mündlichen Verhandlungstermin am

Freitag, den 14. Juli 19U#

vormittags 11 Uhr,

Der neue Bert

Roman von Walter Ho garth.

(Fortsetzung.)

(Nachdruck verboten.)

Aus die Tage der Trauer um den Schloßherrn Ulrich von Bevern folgte für alle Angehörigen der Bevernschen Ge" schlechte- auch noch eine ernste Zeit der Sorgen, denn so sehr sich auch Kuno bemühte, für die verwitwete Frau von Bevern und deren Heranwachsende Tochter Hanni die Rege­lung der Hinterlassenschaft Ulrich- günstig zu gestalten, so zeigte es sich doch, daß in Folge des großen Unglücke- in den Kaliwerken Ulrich- Vermögen ganz bedeutend zusammen- geschmolzen war. Aber Kuno hielt als Testamentsvollstrecker und Vormund Hanni- alle Werte der Hinterlassenschaft fest, von denen er unter günstigeren Umständen einen VermögenS- zuwachS erwarten zu können glaubte. Und als er dann bald daraus mit dem Vetter Heribert als dessen Bevollmächtigter über die betrübenden Folgen der Bergwerk-unglückes ver­handeln mußte und sich die Verhältnisse soweit geklärt hatten, daß der Schaden für alle an den Bevernschen Kaliwerken be­teiligten Aktionäre nur vierhunderttausend Mark betrug, und man diesen Schaden durch eine Anleihe von dreihundert- tausend Mark und den zweijährigen Verzicht aus eine Divi­dende auSzugleichen entschlossen war, da trat Kuno auch für Heribert ein und gewährte ihm als einstweiligen Vorschuß den AuSsall an den Dividendeneinnahmen.

Um diese Zeit war auch viel von KunoS Testament die Rede und Kuno hielt daher die Gelegenheit für günstig, in einet vertrauten Stunde Heribert aus den testamentarischen Wunsch Ulrichs, daß Heribert Hannis Gemahl werden und die letzten Zweige deS Bevernschen Geschlechtes zu neuer Blüte vereinigt werden sollten, aufmerksam zu machen.

Baron Heribert war ganz betroffen von der Mitteilung, « zupste verlegen an seinem stattlichen blonden Schnurrbart und sagte dann hüstelnd:

Aber, lieber Vetter Kuno, die Hanni ist ja noch ein Kind und ihre- Vater- H t wenig erfreulicher

in meinem Geschäftszimmer auch im Falle des Ausbleibens der Unternehmerin oder der Widersprechenden erörtert werden.

Zeichnungen und Beschreibungen liegen in meinem Ge­schäftszimmer während der Dienststunden zu Jedermanns Einsicht aus.

I. 7597. Der Landrat.

I. V.: von C o s s e I.

nichtamtlicher Cell.

lieber Den litfm 6« Srie-sschisse.

Vor wenigen Tagen ging durch die Presse die Nachricht, daß daS französische LinienschiffMirabeau" als ein Fehlbau anzusehen sei, weil sich nach der Fertigstellung herausgestellt habe, daß daS Schiff viel zu tief gehe. Die Nachricht klang für den Fachmann von vornherein unglaubwürdig, sie macht aber auf einen sehr bemerkenswerten Umstand im neueren Krieg-schiffbau aufmerksam. Es herrscht nämlich bei allen Nationen daS Bestreben vor, mit dem Tiefgang der Kriegsschiffe nicht über ein bestimmtes Maß hinauSzugehen. Die Gründe hierfür liegen zum Teil in den Fahrwasserverhältnissen der Häfen, in den Abmessungen der vorhandenen Docks, vor allem aber auch aus militärischem Gebiet. Denn je kleiner der Tief- gang, desto größer der Bereich, auf dem daS Schiff noch fahren und kämpsen kann, ohne seine eigene Sicherheit zu ge­fährden. So sieht man denn, wie sich in allen Kriegsmarinen der Tiefgang der schwersten Schiffsgattung, der Linienschiffe, innerhalb der Grenzen von 8 bis 9 m bewegt. Die Handels­marinen haben sich eine derartige Einschränkung nicht auser­legt; sie find vielmehr mit ihren Schiffsriesen bis auf erheb­lich größere Tiefgänge für das beladene Schiff gegangen. Die großen Schnelldampfer der Cunard-Linie gehen z. B. 10,5 m tief, und die neuen Riesendampser der Hamburg-Amcrika- Linie werden wohl über 11 m Tiefgang haben. Im Gegen­satz hierzu ist in den Kriegsmarinen größere Wasserverdrängung lediglich durch Steigerung der Echiffslänge und -Breite erzielt worden. Der Tiesgang ist nicht nur nicht gewachsen, sondern teilweise älteren Konstruktionen gegenüber sogar zurückgegangen. So hatte z. B. der im Jahre 1868 vom Stapel gelaufene König Wilhelm" (9750 t) einen Tiefgang von 8,5 m, die Brandenburg" (1891; 10 000 t) einen solchen von 7,9 m während die Schiffe derDeutschland"-Klasse (13 200 t) und derNassau "-Klasse (18 900 t) 8,1 m tief gehen. Auch die englischeDreadnought" hat nur 8,1 m Tiefgang, also etwas weniger als ihre unmittelbaren Vorgänger: erst bei den neuesten englischen Schiffen ist infolge der Größensteigerung ein etwas größerer Tiefgang (8,4 m) gewählt. Dasselbe gilt von den Vereinigten Staaten, wo der Tiefgang von 8,2 aus 8,7 m gestiegen ist. In Japan und Oesterreich-Ungarn beträgt der Tiefgang für die neuesten großen Schiffe 8,2, in Italien und

Natur. Ich verstehe schon waS der Vetter Ulrich mit dieiem testamentarischen Wunsche bezwecken will, er will dem Ge­schlechte da- alte Erbschloß und die umliegenden Güter er­halten und wir sollen nicht vom heimatlichen Boden, wo die Vorfahren seit Jahrhunderten saßen, verdrängt werden. Aber wird die- unter den Verhältnissen, unter denen wir nun einmal leben, überhaupt möglich sein?"

Ulrich- Wunsch ist in diesem Punkte auch mein Wunsch und die Erneurer unsere- Geschlechte- werden sich meines und meiner Frau besondern Wohlwollens erfreuen," entgegnete Kuno mit festen Worten und blickte Heribert freundlich an. Mehr mochte Kuno jetzt nicht sagen, denn er wollte Heriberts Zustimmung nicht mit Gold erkausen.

Ich erkenne in deiner Haltung die liebevolle Fürsorge für unser Geschlecht, verehrter Vetter," sagte Heribert gerührt und ich weiß auch, daß die letzten Sprößlinge edler Ge­schlechter verpflichtet sind, für die Erhaltung derselben in der Tradition zu sorgen wie sie einst gegründet wurden. Deshalb werde ich, so viel an mir ist, deinen und Ulrichs Wunsch erfüllen und dereinst um Hanni- Hand werben. Sie ist ja jetzt noch ein Kind, aber sie wird ohne Zweifel zum liebens­würdigen Fräulein heranblühen und dann ja dann, Onkel, mußt du mein Brautwerber werden."

Ich danke Dir, mein lieber Heribert, für da- Vertrauen, dar du auch in dieser Sache in mich setzt und ich freue mich vor allen Dingen darüber, daß du für meinen und Ulrichs Plan soviel Verständnis entgegenbringst, denn du hättest denselben auch kurz ablehnen können mit der Erklärung, daß du bereits die Dame deines Herzens gewählt hättest."

DaS ist nicht der Fall, ich bin noch frei, ganz frei," erklärte Heribert,der Dienst hat mich immer stark in An­spruch genommen, und ich bin ein leidenschaftlicher Verehrer der Länderkunde und mache meine Forschungen in Geographie- büchern, topographischen Werken und Atlanten. Da denkt man nicht an baS Heiraten."

DaS höre ich gern, Heribert, daß du noch ganz frei bist," erwiderte Kuno,denn e- sei ferne von mir, aus dich einen Druck in dieser Angelegenheit auSüben und dich zu einer Ver­lobung mit Hanni zwingen zu wollen. Du wie Hanni sollt

Rußland 8,3 m. Eine Sonderstellung nimmt Frankreich injosern ein, als auch seine ältesten Linienschiffe einen Tief­gang von 8,4 m haben; bei den neuesten Schiffen (Jean- Bart"-Klasse 23 500 t) beträgt der Tiefgang sogar 9 m.

Wenn man berücksichtigt, daß schon die vor einem halben Jahrhundert gebauten ersten Panzerschiffe 8,2 m tief gingen, so ergibt sich, daß der Tiefgang in diesem Zeitraum so gut wie gar nicht gewachsen ist, obgleich die Deplacements um daS drei bis vierfache zugenommen haben. UebrigenS hatten auch schon die Kriegsschiffe der SegelschiffSzeit einen im Ver­hältnis zu ihrer Größe recht beträchtlichen Tiefgang. Bei dem alten SchulschiffNiobe", dem letzten Segelschiff unserer Marine, betrug er z. B. 5,4 m, und dabei war das Schiff nur 43 m lang, also etwa halb so lang wie ein modernes großer Torpedoboot.

Abgeordnetenhaus.

Am Freitag stand zunächst die Interpellation der Abgg. AhrenS-Klein-Flöthe (k.) u. Gen.:WaS gedenkt die Königliche StaatSregierung zu tun, um die Gefahr der Weiterverbreitung der Maul- und Klauenseuche durch die Abhaltung von Ma­növern zu bekämpfen," auf der Tagesordnung. Aus die Frage deS Präsidenten erklärte sich Landwirtschastsminister Frhrn. v. Schorlemer zur Beantwortung der Interpellation bereit. Die Ausführungen der Ministers befriedigten daS HauS der­artig, daß eine Besprechung der Interpellation nicht verlangt wurde. Der Gegenstand war damit also erledigt. ES folgte die dritte Beratung der Novelle zur Gemeindeordnung für die Rheinprovinz. Bei dieser Gelegenheit wurden wieder, nament­lich von sozialdemokratischer Seite, zahlreiche und lange Reden zum Fenster hinaus gehalten. AlS es über einen der einge­brachten Anträge zur namentlichen Abstimmung kommen sollte, ergab sich die Beschlußunfähigkeit deS Hauses. Die Verhand­lung mußte daher abgebrochen werden.

Aus ]« and Ausland.

S e. Majestät der Kaiser hörte heute vormittag in Kiel den Vortrag deS Staatssekretärs der ReichmarineamtS; später nahm Allerhöchstderselbe einige Besichtigungen vor. Um 1 Uhr begab Sich der Kaiser an Bord der Louifiana, um einer Einladung des Admiral- Badger zur Frühstück-tasel zu folgen. Nach dem Frühstück besichtigte der Kaiser unter Führung deS Admirals daS Schiff mit größtem Interesse und verweilte danach noch längere Zeit in der Admiralität-- kajüte. Die Amerikaner haben beschlossen, heute Abend auS Anlaß beS Besuches des Kaisers auf ihrem Flaggschiffe ihre Schiffe zu illuminieren. Nachmittags nahm der Kaiser den Thee an Bord deS Dampfer- der Hamburg-Amerika Linie Kronprinzessin Cecilie, wo er vom Generaldirektor Ballin und dem Bürgermeister von Hamburg Dr. Predöhr empfangen

dabei noch euren freien Willen haben und gezwungen sollt ihr zu der Heirat nicht werden."

Der Altersunterschied zwischen Hanni und mir ist das einzige Bedenken, daS ich jetzt schon habe," meinte dann Heribert lächelnd.

Aber wo denkst du denn hin, mein guter Heribert," rief Kuno lachend,Du bist doch noch kein alter Herr, sondern ein junger Mann und Hanni wird jeden Tag älter."

Wenn sie es nur später nicht empfindet, daß der Alters­unterschied zwischen ihr und mir zu groß war, sie ist doch wohl fünfzehn oder gar sechzehn Jahre jünger als ich," be­merkte Heribert.

Nun, da hätte ich meine Frau auch nicht heiraten dürfen," erklärte Kuno,denn sie ist auch viel jünger als ich. Du scheinst eS noch zu wenig zu missen, daß der Ehemann viel älter sein kann als die Ehefrau, ja naturnotwendig älter sein muß, denn daS Leben und die Familie verlangen vom Manne die größere Erfahrung, und schon bei den alten Deutschen war eS eine gute Sitte, daß die Männer erst im Alter von dreißig Jahren und die Mädchen schon im Alter von 20 Jahren heirateten."

Ich bin aber bald dreißig Jahre alt und da darf ich Hanni nicht heiraten, denn in zwei Jahren ist sie noch nicht heiratssähig," gab Heribert lächelnd zurück.

Dann wartet ihr eben noch vier oder fünf Jahre und dann wird die ganze Situation reif für euch zur Heirat," sagte Kuno,und wenn du, mein lieber Heribert, noch frei bist, so ist dies ja auch eine liebe und süße Wartezeit für dich. Du wirst den Onkel Kuno und die Tante Julie künftig etwas öfter besuchen müssen und dann auch Hanni sehen. Allerdings kommt sie nun bald aus zwei Jahre in die Pension."

Nun dann ist sie ja für meine Augen so gut wie ver­loren," neckte Heribert,ich glaube, Hanni soll ein Jahr in* Rheinland in ein adelige- Institut kommen und dort im schönen Rheinlande auch ihre Gesundheit kräftigen und dann soll sie ein Jahr in die französische Schweiz und wenn sie dann wieder kommt, erkennen wir sie nicht wieder und sie erkennt mich auch nicht mehr."