..........R.RMüMg H । III ''^^^^^^SS^g^^ Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Rezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, w
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herrfel-er Kreisblatt
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Zernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 75.
Amtlicher Teil
HerSseld, den 26. Juni 1911.
Den Ort-vorständen sind die Gemeindesteuerlisten zugegangen.
Ich ersuche, sie sogleich öffentlich au-zulegen und nach § 80 deS Einkommensteuer-Gesetzes zu verfahren.
Es ist besonders daraus zu achten, daß den Pflichtigen nur die eigenen Besteuerung-merkmale gezeigt werden.
Die Listen find mir f p ä t e st e n S bis zum 22. Juli d. I S. wieder einzureichen.
Die Bescheinigungen über die erfolgten Offenlegungen aus den Titelseiten sind nicht zu vergessen.
Der Vorsitzende der EinKommensteuer- Veranlagungs-Kommission.
I. V.:
Nr. 1794. von Cossel.
Her-feld, den 24. Juni 1911.
Die Herren OrtSvorstände erhalten in den nächsten Tagen die Rekrutierung-stammrollen der Jahrgänge 1889, 1890 und 1891 zurück. Dieselben sind gemäß § 46 12 der Wehrordnung in der Gemeinderepositur sorgfältig aufzubewahren. I. M. Nr. 1188. Der Landrat.
I. «.:
Wessel, KreiSfekretär.
nichtamtlicher Teil.
An) Stiege zu »tmikn?
Mit Vorliebe betonen die sogenannten Friedensfreunde, daß die Völker selbst durchaus friedlich gesinnt seien, und daß die KriegSlust lediglich bei den Fürsten und Regierungen zu finden sei, die von jeher auS Händelsucht, Ehrgeiz, Ländergier oder andern unedeln Beweggründen Kriege begonnen hätten. Nun ist eS ja richtig, daß viele Kriege, nicht bloß im Morgenlanhe und in frühern Zeiten, sondern auch in Europa und auch in den letzten Jahrhunderten durch den Ehrgeiz und die Ländergier einzelner Herrscher veranlaßt worden sind. Man braucht in dieser Beziehung nur auf die meisten Kriege von Ludwig XIV. und Napoleon I. hinzuweisen. In der Regel waren und sind aber die Völker ebenso kriegerisch gesinnt wie die Regierungen, waS, um nur Beispiele auS der jüngsten Vergangenheit anzuführen, die Stimmung des französischen Volke- während deS KriegeS von 1870/71, die Haltung deS englischen Volkes während deS südafrikanischen Krieges und die Begeisterung deS japanischen Volkes während deS russisch-japanischen KriegeS deutlich genug zeigen. ES ist dies auch ganz begreiflich.
Der neue Derr.
Roman von Walter Ho garth.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
AlS der Frühling wieder nahte, war auch die Zeit gekommen, wo Hanni das elterliche Schloß verlassen und in die Pension am Rhein kommen sollte. Vor ihrer Abreise sand aber noch ein kleine- Fest auf Schloß Bevern statt, zu welchem der Onkel Kuno, die Tante Elisabeth, der Vetter Heribert und noch einige befreundete Damen und Herren geladen worden waren. Dieser Fest verlies in der heitersten Weise, denn da Hanni von der Mutter in da- adelige Institut am Rhein gebracht werden sollte, empfand niemand einen Trennung-schmerz, und man wußte ja auch, daß Hanni in den großen Ferien aus da- Schloß zurückkehren würde.
Vier Tage später erfolgte dann Hanni- Abreise in die Pension in Begleitung ihrer Mutter und der Zofe. Onkel Kuno- Tante Elisabeth und der Vetter Heribert begleiteten die abreisenden Herrschaften noch bis an den Bahnhof und hatten für Hanni noch allerlei Geschenke mitgebracht. Heribert überreichte ihr einen schönen, großen Veilchenstrauß und drückte ihr noch ein Buch in die Hand, welche- eine herrliche illustrierte Reisebeschreibung nach Italien enthielt und eine Widmung von ihm hinter der Titelseite aus dem weißen Blatte trug. Heribert ahnte, daß er möglicherweise erst in zwei Jahren Hanni Wiedersehen würde, und da wollte er ihr eine kleine Erinnerung spenden, damit sie in der strengen Pension nicht ganz seiner vergessen sollte. Nach vielen guten Wünschen sür die Reise und die Pension-zeit nahte dann auch die herzliche Abschied-szene, bei der allen Beteiligten die Augen seucht wurden. Und dann setzte sich der Schnellzug in Bewegung und die Reisenden entschwanden den Blicken der nachwinkenden Verwandten.
* * *
Jahre waren verflossen und Hanni wieder auf Schloß «evern eingetroffen.
Der Sommer verfloß ohne bemerkenswerte Zwischenfälle
Donnerstag, den ÄS. Juni
Die wirklichen Beweggründe zu kriegerischen Zusammenstößen liegen, wie Freiherr v. Stengel in seinem vortrefflichen Buche über Weltstaat und Frieden-problem schlagend nachgewiesen hat, in der Regel nicht in dem mehr oder minder willkürlichen Ermesfen der Regierungen, sondern in dem Widerstreite von Lebensfragen der betreffenden Staaten. Wo ein Volk seine Ehre und sein Dasein durch ein anderes Volk ernstlich gefährdet erachtet, greift es trotz aller FriedenS- konferenzen und Friedenskongresse zu den Waffen. Zu den Lebensfragen eines Volkes gehören aber seine wirtschaftlichen, die in letzter Linie die Grundlage der Dasein- und der Entwicklung eines Volkes bilden, we-halb wirtschaftliche Gegensätze häufig Anlaß zu Kriegen gegeben haben und auch in Zukunft geben werden.
Ist es richtig, daß die Kriege nicht oder doch nicht regelmäßig in der Willkür und Laune der Regierungen und Fürsten ihren Grund hatten, so können auch die Kriege nicht durch weitere Verbreitung der republikanischen Staat-form beseitigt werden, wie beispielsweise die Sozialdemokraten meinen. Die Unrichtigkeit dieser Behauptung zeigt nicht bloß das Beispiel Roms, das unter der republikanischen Staat-form fortwährend Kriege geführt hat, fondern läßt sich auch au- der neuern und neuesten Zeit an vielen Beispielen nachweisen. Selbst wenn die Sozialdemokratie in allen Staaten zur Herrschaft gelangen würde, so würden die Kriege nicht verschwinden. Wären die Staaten al- einheitliche Produktion-gebiete nach sozialdemokratischem Rezepte eingerichtet, dann würde unter ihnen der wirtschaftliche Wettbewerb erst recht entbrennen, der mit Notwendigkeit zu kriegerischen Zusammenstößen führen müßte. Nur nebenbei mag bemerkt werden, daß die sozial- demokratische Partei in einzelnen Staaten wohl kaum ohne Revolutionen zum Siege gelangen könnte, und daß diese Revolutionen, wie der Komuneaufstand in Paris im Jahre 1871 gezeigt hat, nicht weniger blutig verlaufen würden, als irgend ein Krieg.
Unhaltbar ist ferner die Behauptung, daß in Zukunft Kriege sich von selbst verbieten werden, weil die Lasten der kriegerischen Rüstungen schon im Frieden schließlich so groß werden, daß kein Volk sie mehr ertragen könne. Daß die Behauptung, daß die Völker durch die kriegerischen Rüstungen wirtschaftlich erdrückt werden, unbegründet ist, zeigt ein Blick auf Deutschland. Statt wirtschaftlichen Niedergangs sehen wir seit etwa 30 Jahren einen geradezu überraschenden wirtschaftlichen Ausschwung, der, wie wohl kaum zu bestreiten, der im deutsch-französischen Kriege gezeigten Ueberlegenheit Deutschlands gegenüber Frankreich und der durch den Krieg herbei» gesührten politischen und wirtschaftlichen Einigung von Deutschland zu danken ist.
Schließlich ist auch die Behauptung, daß die Kriege infolge der vervollkommneten Waffen und KriegSmittel immer blutiger geworden seien, und daß die Verheerungen, die die vervollkommneten Waffen und KriegSmittel unter den Kämpsenden anrichten, schließlich daS Kriegführen unmöglich machen, voll-
im Kreise der Bevernschen Verwandten und als der Herbst nahte, kündigte Heribert sowohl bei dem Onkel Kuno, alS auch aus dem Schlosse Bevern feinen Besuch an. ES herrschte über seine Ankunft allgemeine Freude, denn alle hatten den alS tadellosen Kavalier bekannten Baron Heribert gern. Auch schien in den letzten Monaten bei Hanni die Beurteilung der ganzen Lage so gereist zu sein, daß ihr der Gedanke einer heimlichen Verlobung mit dem Vetter Heribert nicht mehr unsympathisch erschien. Und alS dann Heribert angekommen war und ihm zu Ehren sowohl vom Onkel Kuno als auch von der Tante Julie auf Schloß Bevern ein Fest nach dem andern gegeben wurde, benutzten der Onkel Kuno und Frau von Bevern die Gelegenheit zu einer Aussprache sowohl mit Heribert als auch mit Hanni und das Ergebnis derselben bestand darin, daß sich Hanni und Heribert als heimlich verlobt betrachteten, aber erst zu einem viel späteren Termin sollte die Verlobung im Verwandtschasts« und Freundeskreise bekannt gegeben werden, denn Hanni erklärte immer und immer wieder, sie sei alS Braut eigentlich noch viel zu jung. Heribert gab sich lächelnd mit dieser Erklärung zusrieden, und küßte an dem Abende der heimlichen Verlobung bei dem Abschied« Hanni zärtlich aus die Wange. Und alS er zwei Tage darauf seinen Abschiedsbesuch auf dem Schlosse machte, überreichte er seiner heimlich Verlobten einen prachtvollen Rosenstrauß und Frau von Bevern und Hanni begleiteten ihn dieses Mal zur Abreise bis an den Bahnhof.
Einige Monate später kam auch die Kunde an die Damen auf Schloß Bevern und zugleich auch an den Onkel Kuno, daß Heribert sein Schlußexamen aus der Kriegsakademie gut bestanden habe.
„Nun wird es unter Umständen nichts daraus, daß Heribert bald als neuer Herr hier auf dem Schlosse einzieht," meinte aber bei dieser Kunde leicht seufzend Frau von Bevern, „denn Heribert wird nun nach diesem Erfolge wohl noch lange Zeit im aktiven Dienste bleiben."
„DaS kommt noch ganz aus die Umstände an," entgegnete der ebenfalls im Schlosse anwesende Onkel Kuno, „denn es wird sich alles danach entscheiden, wie Heribert nun avanciert. Leutnant und Oberleutnant ist er lange genug gewesen. Er
1911.
ständig auS der Lust gegriffen. Die Statistik beweist, daß die Kriege oder die Schlachten mit der Vervollkommnung der Waffentechnik, welche an die Stelle der Nahkampse- den Fernkamps setzte, verhältnismäßig weniger verlustreich geworden sind. ES liegt auch in der Natur der Sache, daß der Nah- kamps, namentlich mit der blanken Waffe, der blutigste ist, weil in der Regel der Kampf erst endet, wenn der Gegner vollständig vernichtet ist, während beim Fernkampf sich der schwächere Teil viel leichter der Vernichtung entziehen kann. Der russisch-japanische Krieg, in welchem doch die modernsten Waffen und ZerstörungSmittel angewandt worden sind, hat außerdem gezeigt, daß eS auch noch Soldaten gibt, die trotz dieser Waffen und Kriegsmittel mutig in den Kamps und in den sichern Tod gehen. So läßt sich auch auS der weitem Entwicklung der Waffentechnik keineswegs der Schluß ziehen, daß in Zukunft Kriege unmöglich werden. Wenn auch die Kriege im Laufe der Zeit immer seltener werden, so wird doch der Krieg die ultima ratio, daS letzte Wort, der Staaten bleiben.
Deritschor Rnndflng (9U-
Minden, 27. Juni. Um 3 Uhr 30 Min. morgen- kam König mit feinem Paffagier Leutnant Koch auS Stadthagen, wo er gestern niedergegangen war, hier an. Lind- paintner und Schauenburg, die schon gestern in Minden eingetroffen waren, machten sich um diese Zeit gerade zum Start bereit. Um 3 Uhr 48 Min. stieg Lindpaintner aus und verschwand sofort in der Richtung nach dem Wiehen- gebirge. Um 3 Uhr 57 Min. folgte ihm König, um 3 Uhr 58 Min. Schauenburg. König kehrte aber schon nach 20 Minuten wieder zurück, da sein Motor nicht gut arbeitete. Inzwischen kam auch die Nachricht an, daß Schauenburg bei Rothenuffeld am Fuße des WiehengebirgeS niedergegangen sei. In bedeutender Höhe hatte der Motor auSgesetzt, weshalb er glaubte, niedergehen zu müssen. Die Landung gestaltete sich sehr ungünstig. Der Apparat setzte hart auf und wurde schwer beschädigt. Schauenburg ist infolgedessen gezwungen, an der weiteren Beteiligung an dieser Etappe zu verzichten. Theken kam um 4 Uhr 34 Min. aus dem Min- dener Flugplätze an und flog um 5 Uhr weiter. König versuchte nach einstündigen Reparaturarbeiten an seinem Apparat wieder auszusteigen, mußte aber auch jetzt bald wieder nieder- gehen, da der Apparat infolge deS eingetretenen Regens ganz durchnäßt ist und nicht die nötige Höhe erreichen konnte.
Münster i. W., 27. Juni. Trotz deS strömenden Regens hatte sich auf dem hiesigen Flugfelde eine riesige Menschenmenge eingefunben, die aber aus eine harte Geduldsprobe gestellt wurde. Erst um 5 Uhr 23 Min. traf Voll- möller aus dem Flugfelde ein und wurde vom Publikum mit beispiellosem Enthusiasmus begrüßt.
Münster i. W., 27. Juni. Lindpaintner, der heute
muß nun bald Rittmeister werden und dann auch rasch höher aus der militärischen Stufenleiter cmporsteigen, denn er verdient eS nach seinen Leistungen. Sind aber sehr viele Mitbewerber da, dann muß er vielleicht auch noch einige Jahre aus daS Avancement warten, wird daher leicht verdrießlich und nimmt vielleicht doch noch viel früher seinen Abschied, alS man jetzt denkt. So kann es doch noch kommen, daß Heribert viel eher der neue Herr aus Schloß Bevern wird, alS man jetzt nach Lage der Verhältnisse annimmt."
„Für die bessere Aussicht in der Bewirtschastung der Güter wäre daS letztere zu wünschen," meinte Frau von Bevern seufzend, „denn die ausgedehnten Wirtschaften nur mit einem Oberinspektor und zwei Inspektoren zu führen ist nicht von Segen für uns gewesen."
„Nun, es werden auch wieder bessere Zeiten kommen, liebe Schwägerin," entgegnete Kuno, „ich konnte mich, da mir die Wahrnehmung der wichtigen Interessen der Bergwerke für uns alle oblag, zu wenig um die GutSwirtschaft kümmern und ich bin ja auch in meinem Leben niemals Landwirt gewesen. Von Heribert können wir aber hoffen, daß wenn er einmal hier der neue Herr wird, er auch eine neue Wirtschaft einsühren wird. Er ist jung und energisch genug dazu. Jetzt müssen wir unS allerdings in Geduld fassen und abwarten, wie eS mit seiner militärischen Laufbahn wird."
Damit war die Stellung gekennzeichnet, die man im Kreise der Verwandten gegenüber Heriberts Offizier-laufbahn einnahm. In derselben ereignete sich aber in den nächsten Monaten etwas ganz Neues. Heribert wurde als Militär- attachee zu einer Gesandtschaft in das ferne AuSland versetzt und zugleich hatte er eine Mission alS Führer und Begleiter eines fremden Prinzen zu erfüllen. Dadurch geschah eS, daß Heribert über Jahr und Tag keinen Besuch auf Schloß Bevern machen konnte.
Der Tante Julie und dem Onkel Kuno war diese lange Trennung zwischen den heimlich Verlobten fatal, aber der Braut schien dieses lange Fernsein Heribert nicht unangenehm zu sein, denn dadurch wurde ja der Termin der offiziellen Verlobung immer weiter hinau-geschoben. Dann wurde auch erwartet, daß Heribert wohl zu einer Lausbahn in der höheren