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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage ;

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 83.

Dienstag, den 18. Juli

1911.

Amtlicher teil.

HerSseld, den 11. Juli 1911.

Um eine bessere Behandlung deS Stalldüngers auf der Düngerstätte und die Anlage rationeller Düngerstätten anzu» regen, werden vom Staate, vom BezirkSverbande und vom Kreise Beihilfen als Prämien jür musterhaft angelegte Düngerstätten gewährt, nach Maßgabe der von der Land- wirtschastSkammer aufgestellten vom Herrn LandwirtschastS- minister genehmigten hierunter abgedruckten Grundsätzen:

1. Beihülsen werden nur für noch auSzuführende oder im letzten Jahre hergestellte Anlagen bewilligt.

2. Die Vorbedingung für die Gewährung von Beihülfen aus Staats- und anderen öffentlichen Mitteln (BezirkSverband und LandwirtschaftSkammer) ist die Bewilligung eines Be­trages in mindestens gleicher Höhe wie die EtaatSbeihülse durch den Kreis, in welchem der Antragsteller wohnt.

3. In der Regel sind nur solche kleinere Landwirte zu berücksichtigen, deren Rindviehbestand 10 Stück nicht übersteigt.

4. Die Höhe der Gesamtbeihülsen auS:

a) StaatS- und anderen öffentlichen Mitteln und

b) auS KreiSmitteln

darf 50% der für die Anlage aufgewendeten Kosten und eine Höchfisumme von 100 Mk. nicht übersteigen.

Die aufgewendeten Kosten find durch Rechnungen nach- zuweisen. Dabei bleiben außer Ansatz die Ansuhrkosten etwaiger Baumaterialien, der Wert der auS der eigenen Wirtschaft entnommenen Materialien (Steine, Sand, Ton rc.) sowie alle sonstigen eigenen Leistungen des Antragstellers (Handarbeit rc.).

5. Die Bewilligung von Beihülsen erfolgt aus Vor­schlag der KreiSauSschusseS durch den Vorstand der Land­wirtschaftSkammer, soweit dabei über die Staatszuschüsse verfügt wird.

Dem Vorstände der LandwirtschajtSkammer bleibt eine Prüfung der Düngerstätten durch besondere Sachverständige (Viehzuchtinjpektor, landwirtschaftliche Wanderlehrer) vorbehalten. Die Berücksichtigung der einzelnen Kreise bei der Verteilung deS StaatSzuschusseS erfolgt nach Verhältnis der Aufwendungen der einzelnen Kreise.

6. Die Auszahlung der Beihülfen erfolgt stets erst nach Fertigstellung der Anlagen bezw. nach der Beseitigung der etwa gerügten Mängel.

7. Besondere durch Reisen der Sachverständigen der LandwirtschaftSkammer entstehende Kosten sind von der Land­wirtschaftSkammer, für die Sachverständigen deS Kreises vom Kreise zu tragen, dürsen aber nicht auS dem Beihülsesonds genommen werden.

8. Ueber die mit Unterstützung auS öffentlichen Mitteln angelegten Düngerstätten ist ein Verzeichnis zu führen, welches den landwirtschaftlichen Wanderlehrern und dem Viehzucht- inspektor zugänglich zu machen ist, damit diese die Instand­haltung der Düngerstätten und eine rationelle Düngerbehand­lung aus demselben kontrollieren können.

9. Gesuche um Gewährung von Beihülsen sind seitens

Hktterwolktn.

Roman von M. v. Buch.

(Nachdruck verboten.)

1. Kapitel.

Hui hui sausten die Stürme über daS Land. Frühlingsstürme waren eS, denn der Tag Mariä Lichtmeß, nach dem bekanntlich kein Fuchs dem Eise traut, war längst vorüber. Zwar lag die Landschaft noch im Schnee begraben, aber daS war ja nicht mehr der Schnee, aus dem jeder Sonnenstrahl tausend schimmernde Funken weckte. Dieser breitete sich als eine zähe Masse über Wiese und Feld. König Winter lag im Sterben; aber ehe der alte Gebieter nicht tot ist, durfte der junge seine Herrschaft nicht antreten. DaS ist uralt heiliges Gesetz, daS befolgt werden mußte. Aber König Lenz war ungeduldig, darum schickte er seine Boten, die Stürme, aus, zu erkunden, ob seine Zeit nicht bald ge­kommen sei.

Blauschwarz breitete sich der Himmel über der Stadt Wien. In den Straßen lag ein sahleS Licht, eS war fast, als sei eS noch nicht Tag geworden, obgleich die Uhr am EtephanS- turme die zehnte Stunde angab. In der kaiferlichen Hofburg in ihrem Ankleidezimmer befand sich die Kaiserin Maria Theresia, eine reife und üppige Frauengestalt, die soeben den Händen ihrer geschickten Kammersrau entschlüpft war. Sie trug ein dunkles, mit weißem Schwan verbrämtes Samtkleid, das den schönen weißen Hals und einen Teil der Büste frei ließ. Das leichtgewellte Haar war zu einer kunstvollen Frisur ausgebaut und der Sitte der Zeit entsprechend gepudert.

Die Fürstin schien mit ihrem Aussehen zufrieden. Sie betrachtete sich in dem großen venezianischen Spiegel, der über ihrem reichvergoldeten Toilettentische hing, mit sreund-

der Kreise spätestens bis zum 1. Januar einer jeden JahreS an die LandwirtschaftSkammer einzureichen.

10. Dungstätten, zu deren Anlage Beihülfen nach­gesucht werden, müssen den nachstehenden Forderungen ent­sprechen.

a) Lage der Dungstätte.

Die Dungstätte wird am besten in der Nähe derjenigen Stallungen angelegt, welche den meisten Mist liesern, zweck­mäßig mit der einen Längsseite parallel der Stallwand.

Zum Schutz gegen die Sonne ist möglichst die Nordseite deS Stalles zu benutzen, sonst ist auS demselben Grunde auf das Vorhandensein von Bäumen ober Gebäuden Rücksicht zu nehmen. Für die Anlage ist nicht die tiefste und nicht die höchste Stelle zu wählen, sondern eine Stelle in ebener Lage. Quelliger Untergrund ist zu vermeiden oder durch Drainage trocken zu legen.

b) Beschaffenheit der Dungstätte.

Die Sohle und die Seitenwände der Dungstätte müssen völlig undurchlässig sein. Die Undurchlässigkeit wird am besten durch Einstampsen einer 3050 cm starken Tonschicht erreicht oder auch durch Auspflastern und Ausstreichen der Fugen mit Zement; im letzteren Falle sieht man zweckmäßig eine untergelagerte Tonschicht vor. Die Sohle soll nach der Jauchegrube zu sanft absallen; sie dars nicht muldensörmig, sondern muß eben sein.

Auch die Seitenwände sind, soweit sie in der Erde liegen, am besten mit einer Tonschicht und darauf liegendem Mauer­werk undurchlässig herzustellen. DaS über der Erde befind­liche Mauerwerk ist mit Zement auszustreichen. Die Seiten­wände sind etwas abgeschrägt anzulegen.

Zur Abhaltung deS HoswasserS ist die Dungstätte mit einer 0,150,20 m tiefen Rinne zu umziehen. Dachwasser ist durch Anlage von Dachrinnen fernzuhalten.

Die Tiefe der Dungstätte soll 0,601,00 m nicht über- steigen. Ein- und Ausfahrt sollen nicht steil abfallen bezw. aussteigen. Bei der Ein- und Ausfahrt muß durch Böschungen daS AuSfließen der Jauche und daS Einfließen von Hoswaffer verhindert werden.

c) Größe der Dungstätte.

Die Größe der Dungstätte ist je nach der AusbewahrungS- zeit und nach der Größe des Viehbestandes verschieden. Bei 75tägiger Lagerung und obiger Tiefe der Dungstätte bezw. Höhe der Aufschichtung sind für je 1 Stück Rindvieh 24 qm, für 1 Kalb 2 qm, für 1 Pserd 25 qm und für 1 Schwein 0,5 qm zu rechnen.

d) Schutz der Dungstätte gegen Sonne und Regen.

Zum Schutz gegen die direkte Einwirkung der Sonnen­strahlen und der atmosphärischen Niederschläge sind Vorkeh­rungen zu treffen und wird empfohlen, wenn tunlich bei der Anlage der Düngerstätte Gebäudewände zu benutzen, die Düngergrube mit Bäumen zu umpflanzen rc.

a) Einfriedigung der Dungstätte sofern die Größen- Verhältnisse es erlauben mit einer Barriere um den Dung durch Jungvieh fcsttreten zu lassen.

e) Anlage der Jauchegrube.

Mit der Dungstätte soll eine Jauchegrube in Verbindung stehen und zwar soll diese in unmittelbarer Nähe der Stallungen

lichen Augen. Ja, je länger sie schaute, je strahlender wurden ihre Blicke und ein reizendes liebenswürdiges Lächeln um­spielte den vollen Mund, der das Charakteristische der Habs­burger, die stark entwickelte Unterlippe, zeigte.

ES ist gut," sagte sie zu der Kammersrau, die einige Schritte vor ihrer kaiserlichen Herrin stand.Nun das letzte," und damit schleuderte sie die roten Saffianpantöffelchen von den mit weißseidenen Strümpfen umspannten Füßchen.Zieh mir die Schuhe an."

Die Kammerfrau gehorchte schweigend. Die hohen Stöckel­schuhe wurden der Kaiserin angezogen.Endlich, Mirzl," plauderte die lebensfrohe Fürstin,endlich, lang genug hast mich drangsaliert. Wie glücklich könnte doch unsereiner sein, wenn ihm die Mühe der ToilettemachenS erspart bliebe 1 Und du, schlechte Seele, kannst mir in dieser Beziehung nimmer genug tun. Immer schöner willst du mich haben. Schäm dich war! Eine alte Frau wie ich bin!"

DaS letzte kam lächelnd heraus. Die Kaiserin wollte aller andere sein, und war er auch in der Tat, denn eine alte Frau.

Schon gut," meinte sie, als die Dienerin, leicht ver­neinend, den Kopf schüttelte und vorwurfsvoll zu ihrer schönen Herrin aussah,schon gut, ich weiß ja, wie du er meinst."

Die Kammersrau sagte nichts. Sie war ein schweigsames Wesen und diese ihre Eigenschaft machte sie der Kaiserin be­sonders wertvoll. Mirzl wußte, daß sie zwei Ohren und einen Mund besaß, daß sie also mehr hören als sagen sollte, und daS war eine Kenntnis, deren Befolgung für jeden Menschen und besonders für den, der an Fürstenhösen weilt, wertvoll ist.

Mirzl hörte vieler und konnte darüber schweigen. Am Hofe gab es srcilich manch einen, dem die schweigsame Kam- merfrau gefährlich schien; allein niemand wagte, sie aus

und der Dungstätte, an der tiessten Stelle der letzteren, aber möglichst weit entfernt von dem Brunnen liegen. Sie soll in der Sohle und in den Seitenwänden dicht und undurch­lässig fein, welcher durch dieselben Maßnahmen, welche bei der Dungstätte angegeben sind, zu erreichen ist. Schutz gegen Regen und Hoswaffer wie bei Stallmist. Die Jauchegrube darf nicht zu flach sein.

Auf 1 Stück Großvieh ist eine Grube von 0,3 bis 0,5 cbm Inhalt anzulegen.

Die Jauchegrube muß sorgfältig bedeckt sein.

Der Kreis hat für diesen Zweck jährlich 150 Mk. zur Versügung gestellt.

Begründete Anträge sind alljährlich bis zum 1. Oktober bei mir anzubringen. Nähere Auskunft wird in meinem Ge­schäftszimmer erteilt.

Die Herren Bürgermeister deS Kreises ersuche ich, diese Bekanntmachung zur allgemeinen Kenntnis der Ortseinwohner zu bringen.

I. 8259. Der Landrot.

I. B.: von C o s s e l.

Der Saatenstand Anfang Juli 1911.

Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld.

Begutachtungsziffern (Noten,: 1 = sehr gut, 2 gut,

3 = Mittel, 4 = gering, 5 = sehr gering.

Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt- schast rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.

I B c 9476 M. f. L. I b 3646 M. d. J.)

Frucht arten usw.

Durchschnitts-

Anzahl der von den Vertrauensmännern ab­gegebenen Noten

noten

für den

sStaat

j r/teg. Dez.

SQ ^ rO

j Cassel

^ I Cl | M | ^ | .5

1*^ Tf

Winterweizen

2,7

2,8

12 3 11

Sommerweizen .

3,1

3,0

Winterspelz (Dinkel) .

2,5

Winterroggen . ;

2,8

2,9

2 4 1

Sommerroggen .

3,2

2)5

1

Sommergerste .

2,8

2,8

1 4 1

Hafer ....

3,0

3,2

2 3 11

Erbsen

3,0

2,9

1 1 5

Ackerbohnen

3,1

3,1

4 1 1

Wicken

2,8

3,0

5 1

Kartoffeln .

2,6

2,5

5 2

Zuckerrüben

3,1

2,6

1

Winterraps u. -Rübsen

2,7

2,6

1 1

Flachs (Lein)

2,8

2,8

Klee.....

3,3

3,8

113 11

Luzerne

3,2

3,4

1 1 1

Wiesen mit künstlicher

Be- (Ent-) Wässerung

2,7

2,9

1 4

Andere Wiesen .

3,2

3,4

I 1 2 1 1

Kgl. Preuß. Statistisches Landesamt. Evcrt, Präsident.

nichtamtlicher teil

Ansitze, aber auch kluge Politik.

In einzelnen alldeutschen Blättern wird die Erwartung ausgesprochen, daß die deutsche Flagge in Agadir nicht wieder

unsicheren Verdacht hin anzuklagen, denn das Vertrauen, daS sie bei der Kaiserin genoß, schien nicht zu erschüttern.

Während Mirzl die silberne Schnalle am Schuh schloß, blickte die Fürstin aus daS leichtgeneigte Haupt. Etwa- in der Haltung der Frau fiel ihr auf. Diese hatte etwas Matter und Müdes, ja eS schien fast, alS sei sie über Nacht alt geworden. WaS war daS? Mirzl kniete noch immer vor ihrer Herrin. Maria Theresia sah, was sie vorher wahrschein­lich übersehen hatte, deren rotgeweinte Augenlider.

Mirzl, was ist dir, waS ist geschehen, du hast geweint?" fragte sie erschreckt.

Mirzl schüttelte den Kops.

Halten zu Gnaden, Majestät, ein biSchen Kopfweh."

Die Kaiserin lächelte gütig.

Nun, Mirzl, daS Kopsweh ist immer Entschuldigung, auch wenn das Herz weh tut. Ich kenne daS. Hab Ver­trauen, jag mir, waS dich quält. Und vor allem jag, kann ich dir helfen?"

Majestät sind sehr gütig ..."

Die Kaiserin, die leicht ungeduldig werden konnte, stampfte mit dem Fuß.Ob ich dir helfen kann, sollst mir sagen."

Mirzl schüttelte den Kopf.

Nein, Majestät."

Geh, du bist langweilig mit deinemNein, Majestät!" Wenn ich nur wüßt, waS dir fehlt ..."

Endlich kam eS heraus, stockend und zagend.

Mein Sohn macht mir Sorge," gestand Mirzl,ich gräme mich halt um den Franzl."

Nun, nun," tröstete die Fürstin,mit den jungen Leuten muß man Geduld haben. Jugend hat keine Tugend. Ist er in LiebeSaffären verwickelt? Was hat der Schlingel denn BöseS angerichtet?"

BöseS grad nit, er jagt sogar, daß ihm Guter geschehen ist. Er geht nach DreSden, wo er durch Bermittlung seines