I ii ----------7a=r.. ■"in —^.----um», Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Mantag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe, per Bezugspreis beträgt fürherrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, na
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Herrsel-er Kreisblatt
i Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 86.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 22. Juli 1911.
Der KreiSauSschuß hält gemäß § 5 deS Regulativs zur Ordnung deS Geschäftsganges und bei VersahrenS bei den KreiSauSschüssen vom 28. Februar 1884 während der Zeit vom 21. Juli bis zum 1. September d. Jt. Ferien.
Während dieser Zeit dürfen Termine zur mündlichen Verhandlung der Regel nach nur in schleunigen Sachen abge- halten werden.
Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen bleiben die Ferien ohne Einfluß.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
A. 4594. von GruneliuS.
Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 3. Januar d. JS. Amtsblatt Nr. 2 vom 11. Januar 1911, wird hierdurch erneut bekannt gemacht, daß der nächste Termin der durch das Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe deS Hufbe- schlaggcwerbcS hierselbst am Sonnabend, den 9. September, vormittags 9 Uhr, in der Lehrschmiede, Wörthstraße 5, wird abgehalten werden.
Cassel, am 4. Juli 1911.
Der Vorsitzende der staatlichen Prüfungskommission der Regierungsbezirks Caffel: Beterinärrai B u ch.
HerSfeld, den 17. Juli 1911.
Wird veröffentlicht.
I. 8753. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 21. Juli 1911.
ES sind Fälle bekannt geworden, daß OrtSsteuer- e r h e b e r gegenüber dritten Personen Angaben über die StaatS- u. fingierten Steuersätze gemacht haben, zu denen Andere veranlagt worden sind.
Zu den Amtspflichten der Erheber gehört die Pflicht zur Verschwiegenheit über diese Dinge. Unbefugtes Offenbaren bedeutet eine gröbliche Verletzung der Amtspflicht, die Strafe nach sich zieht.
Die Herren OrtSvorsteher ersuche ich, die OrtSsteuererheber ausdrücklich hieraus hinzuweisen und ich mache eS den Herrn Ortsvorstehern zur Pflicht, mir künftig über jeden Fall zu berichten, in denen sie von einer derartigen Pflichtverletzung erfahren.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission:
I. Nr. 2166. von GruneliuS.
Wetterwolken.
Roman von M. v. Buch.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Der König schüttelte den Kopf über diese Beschwendung, dann meinte er: „Lieber Brühl, Sie müssen sehr reich sein, um sich dergleichen leisten zu können."
Brühl verneigte sich. „Ich bin nur Ihr erster Diener, Majestät, und ein loyaler Mann. Ich will nicht, daß die Teller, davon mein König und meine Königin gespeist haben, je wieder von gewöhnlichen Sterblichen in Gebrauch genommen werden. DaS widerstrebt meinem Gefühl und Majestät wissen, man kann nicht wider seine Gefühle."
Die Herrschaften konnten nicht ander-, denn dem loyalen Brühl liebenswürdig zuzulächeln und dieser sühlte sich, wie er sagte, durch dieses Lächeln für alle Mühe und für alle Kosten belohnt. Er brächte ein Hoch auf seine Gäste auS und in dieses Hoch fielen schmetternde Fansaren ein.
Auf den Straßen aber stand eine gaffende Menge, Bettler in Lumpen, armseliger Volk, und schaute sehnsüchtigen AugeS hinauf nach den Fenstern bei Palais, sog die Bratengerüche ein, die auS den Küchen drangen, und horchte auf die Musik. Doch sowie ein Teller aus die Straße geworfen wurde, ent- stand eine Bewegung. Hunderte von Händen streckten sich begehrend auS, um daS kostbare Stück, bevor eS nutzlos auf den Steinen zersprang, in Empfang zu nehmen. Der Glückliche, dem dies Kunststück gelingen und der den Teller verkaufen würde, hätte Monate lang ohne Sorgen leben können. Und manch einer, der hier stand, hatte seit Monaten keinen Riffen Fleisch mehr gekostet.
L Aber eS blieb vergeblicher Bemühen, daS Porzellan zu fchafchen. Teller auf Teller wurden aus die Straße ge» schleudert, die teuren Scherben aus den Pflastersteinen wehrten sich . . .
Die Majestäten saßen an einem besonderen Tische, der aus Eurem erhöhten Podium stand. So überblickten sie den Fest- mal, an dem die Gesandten, die Minister und ein paar «ammerherren saßen.
Dienstag, den SS. Juli
HerSfeld, den 21. Juli 1911.
Mit Genehmigung der Königlichen Regierung in Cassel habe ich aus Grund deS § 103 bei ZuständigkeitS-GesetzeS vom 1. August 1883 an Stelle deS Försters Buchmann in ObergeiS dem Förster Simon daselbst die auShülsSweise Mitwirkung bei Ausübung der Jagdpolizei in den Gemeindebezirken ObergeiS und Aua übertragen.
I. 9090. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
nichtamtlicher teil.
" . / "Wm21W1M.
Am Sonntage waren 15 Jahre verflossen, seit daS deutsche
Kanonenboot JltiS in den ostasiatischen Gewässern im Sturme ruhmvoll unterging. Um eine ErkundungSsahrt nach Riaut- schou zu unternehmen, verließ der JltiS bei schönem Wetter am 23. Juli 1896 Tschisu. Bald wurde eS regnerisch; der Wind wurde abends 10 Uhr so stark, daß die Sturmsegel gesetzt werden mußten. DaS Schiffchen, daS jetzt unter Kapitänleutnant Braun stand, hatte schon Stürme genug durchgemacht und sich stets vortrefflich bewährt. Niemand dachte an Gefahr. Da, etwa 30 Minuten später, erschütterten heftige Stöße daS Kanonenboot. „Alle Mann aus dem Zwischendeck, daS Schiff sitzt fest," erscholl daS Kommando. Wasser stürzte in den Maschinenraum, sodaß die Feuer gelöscht wurden. DaS Maschinenpersonal konnte bei Deck nicht mehr erreichen. Allen anderen Leuten und auch den Kranken gelang el zwar, aber auf dem Deck sah eS hoffnungslos auS. Der Wind orkanmäßig, stockfinstere Nacht! Hagel- und Regenschauer peitschten vom Himmel herab, brüllend tobte die brandende See, unheimlich heulte der Sturm. In nächster Nähe deS Schiffchens erhoben sich schwarze zackige Felswände. Jeder wußte, daß eS hier zum Tode ging, aber mit eiserner Ruhe sahen Offiziere und Mannschaften ihm inS Auge. Da, ein Ruck, und der Iltis brach mitten anSeinander. Durch gewaltige Wogen wurde das Hinterschiff neben daS festsitzende Vorschiff aus die Klippen geschleudert, und in wenigen Minuten war aller vollbracht. Aus der Kommandobrücke hatte bis jetzt der Kommandant, Kapitänleutnant Braun, gestanden, seine Stimme übertönte noch daS Heulen deS OrkanS und daS Wüten der See mit einem dreimaligen Hurra aus den Kaiser, mit jenem Hurra, unter dessen Klänge schon mancher Deutsche sein Leben auSgehaucht hat. Donnernd stimmte die Mannschaft, die fast sämtlich aus daS Hinterdeck geflüchtet war, ein. Aber der Kapitän war nicht mehr aus seiner Kommandobrücke; eine überbrechende See hatte ihn von der Brücke gerissen und mit sich genommen in die dunkle Tiefe deS MeereS. Aber ein anderer der Helden, der Oberscuer- werkSmaat Raehm stimmte jener Lied von der Flagge schwarz-
Der österreichische Gesandte erhob sein GlaS, um dem preußischen Kollegen, einem noch jüngeren Manne, dem Frei- Herrn von Maltzahn, im perlenden Champagner zuzutrinken. „Aus gute Nachbarschaft," meinte er.
Maltzahn verbeugte sich höflichst: „Stets der Ihre."
Und dann trank der Oesterreicher dem französischen Gesandten zu, und Maltzahn sah, wie die beiden sich verständnisinnig anblickten und sich zulächelten. „ES lebe die Freundschaft."
Maltzahn biß sich leicht auf die Lippen, er wußte Bescheid. Man hatte sich von Seiten Frankreichs und Oesterreichs erstaunliche Mühe gegeben, das zwischen beiden Staaten geschlossene Bündnis, daS im Lustschlosse der Marquise Pom- padour am 1. Mai 1756 unterzeichnet worden war, geheimzuhalten. Allein eine gewisse Kenntnis war doch davon in die Kabinette hellhöriger Diplomaten gedrungen.
Es galt nun, Näheres, Genauere», von diesem Abkommen zu erfahren.
MaltzahnS feine Nase hatte bisher nach allen Richtungen umsonst gespürt.
Die Sache war und blieb ein Geheimnis, ein Geheimnis, daS allerdings in der Luft schwebte; aber wie das fassen, das verborgen in den Geheimfächern und Schränken fürstlicher Archive lag. Dreimal glücklich der, der in diese Akten Einblick gewinnen konnte . . .
Der König hörte den Trinkspruch der Gesandten. Er sah auS, als wolle er sein GlaS erheben, allein seine Manschette auS Valenzienne-spitzen, die auS dem Aermel seine- braunen SamtrockeS fiel, war ihm im Wege.
DaS GlaS stürzte um und das rote Rebenblut, daS die heiße Sommersonne aus dem Schieferboden von Burgund gekocht hatte, ergoß sich über den weißen Damast deS TischeS.
Der den König bedienende Leibpage bekam einen leichten Schreck. War sollte er tun? DaS war ein Fall, der in dem Hosdienstreglement eine- königlichen Pagen, daS er am Schnürchen auswendig wußte, doch nicht vorgesehen war. Und der häßliche Fleck wurde größer und größer, er verdarb den ganzen Anblick der Tafel.
In dem Augenblick aber würbe der Page beiseite gedrängt.
1911.
weiß-rot an, in daS alle anderen, die die Flut bis jetzt verschont hatte, einfielen, damit ihre Treue bis zum Tode besiegelnd.
Dir woQ’n wir treu ergeben fein, Getreu bis in den Tod, Dir woll'n wir unser Leben weih'n, Der Flagge schwarz-weiß-rot.
Mit diesem später zum Schlachtrus unserer Marine gewordenen Treuschwur wurden die aus dem Hinterschiff Weilen- den, alS diese- kenterte, unter den Trümmern begraben; nur zwei Mann wurden von den Wogen weit weggerissen und erreichten schwimmend das Land. Neun Mann hatten sich aus dem Vorschiff in die Wanten deS stehen gebliebenen Fockmastes gerettet; da aber das Unwetter auch während des nächsten Tages und der Nacht andauerte, mußten sie noch bis zum zweiten Tage ohne Nahrung und Schlaf auf dem Wrack zubringen, bevor chinesische Boote ihnen Hilfe brachten. Der Obermatrose Kühl und der BootsmannSmaat MoSlehner sind die beiden, die die Wellen bis zum chinesischen Dorse Djü Dao getragen hatten. Die Dorfbewohner — zu ihrem Ruhme muß eS hervorgehoben werden — boten den Fremden menschenfreundlich die nötige Kost und Kleidung und trafen Anstalten, um die noch auf dem Vorschiffe Weilenden in Sicherheit zu bringen. ES war ein schweres Wagnis, denn immer noch stand die hohe Brandung auf den Klippen. Aber den wackeren Chinesen gelang die Rettung der Schiffbrüchigen. Am 25. Juli brachten die Eingeborenen die Nachricht von dem Untergänge des Schiffes nach dem Leuchttürme des Schantung-VorgebirgeS. Sofort begab sich der Wärter derselben, ein Deutscher namenS Schwilp nach der UnglückSstätte und nahm sich der Geretteten hilfreich an. Einer von diesen, der Schreiber Weltbank, meldete an den Ches der Kreuzer- divifion, Konteradmiral Tirpitz, und in die deutsche Heimat: „77 Mann von der Besatzung deS Iltis, unter ihnen der Kapitän und Offiziere, sind ertrunfen, nur 11 Mann gerettet, daS Fahrzeug ist ein vollständiger Wrack."
AlSbald eilten die Schiffe deS deutschen Geschwadert herbei, um für die Bergung der Leichen zu sorgen. Während einer 14t8gigen Aufenthaltes gelang es, 27 Leichen auszufinden, mehr gab die See von ihren Opfern nicht wieder heraus. Die meisten aufgefunbenen Körper befanden sich in einem trostlosen Zustande. Dem einen war ein Arm abgerissen, dem andern klaffte die ganze Seite offen; viele waren ganz nackt. Die Leichen des Kommandanten und der Leutnants von Hol- bach und Prasse konnten festgestellt werden; mehrere Leute mußten alS unbekannt eingesargt und beerdigt werden.
Sie haben eine traurige Berühmtheit erlangt, die Klippen deS „Fiat Rocky Point" in Schantung, an denen unser erster JltiS zugrunde ging. Aber dem Schmerze über das entsetzliche Unglück mangelt es nicht an gewichtigen Trostgründen. Diese Jltisleute, vom Kapitän bis zum jüngsten Matrosen, die bis zum letzten Augenblicke ihre Schuldigkeit getan, die Hingebung an Kaiser und Reich bis zum Tode bewährt und als Helden zu sterben gewußt hoben, geben den
Mit einer wunderbaren Geschicklichkeit wurden Gläser und Teller von dem verdorbenen Gedeck gehoben und geschoben und der Fleck mit einer Serviette bedeckt, die genau zum Muster deS Tischtuches paßte. DaS geschah alles so schnell, so selbstverständlich, so ruhig, daß der Schaden geheilt war, ehe die Tischgesellschaft ihn noch bemerkt hatte.
Einen Augenblick schaute sich die Majestät um. Sie sah einen jungen, intelligent blickenden Menschen, in den Brühl- schen Farben gekleidet, der bescheiden zurücktrat und dem Edelknaben den Platz, von dem dieser verdrängt worden war, zurückgab.
König August flüsterte dem Pagen zu: „Frag er nach dem Namen dieser Menschen, ich will lhn wissen." Dann war der Vorgang vergessen.
Nach Aushebung der Tafel begaben sich die Gäste, um sich von den Anstrengungen der kulinarischen Genüsse zu erholen» in den Garten. Auch die Majestäten geruhten, noch ein wenig srische Lust zu schöpfen, ehe sie ihre Sänfte zum Rückwege besohlen.
Sie promenierten mit den übrigen Gästen de- Brühlschen Hauses in den Wegen der kunstvoll geschnittenen Buchen- und TaxuShecken des Gartens. Dabei plauderte man von Festen und Schäferspielen, man sprach von den Festen, die man mitgemacht, von denen, die in nächster Zeit stattfinden würden und tat, alS ob daS ganze Leben ein einziger Freudentag fei.
In zwanglosen Gruppen oder paarweise wanderten die Herrschaften. Baron Maltzahn sah den österreichischen und den französischen Botschafter Arm in Arm an einer plätschernden Fontäne stehen und beobachtete . . .
Da wurde er plötzlich von der Gräfin Brühl angesprochen. „Mein lieber Baron, Ihren Arm, wenn ich bitten darf. Die lange Sitzung im Speisesaale hat mich ein wenig ermüdet. ®o, danke, verzeihen Sie, wenn ich mich ein wenig stütze."
Und die schöne Frau lehnte ihren vollen Arm auf die bargebotene Stütze de- Barons, der sich nicht versagen konnte, ihn ein wenig, ein ganz klein wenig zu drücken. AuS dem flatternden, mit echten Perlen übelsäten Spitzenärmel schimmerte der Arm so rosig — so schön — so weich . . .