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herrselder Kreisblatt
। Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 87. Donnerstag,^« 37. Juli 1sU
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 21. Juli 1911.
Aus Grund der § 5 Absatz 2 der Verordnung vom 2. April 1911, Gesetzsammlung Seite 61, betreffend die Einrichtung einer EtandeS-Vertretung der Tierärzte, liegt die Liste der im RegierungS-Bezirk Gaffel wohnhaften wählbaren Tierärzte in der Zeit vom 1. bit einschließlich 14. August d. JS. in meinem GeschästSlokale während der Dienststunden auS.
Einwendungen gegen die Liste sind innerhalb 14 Tagen nach beendigter Auslegung beim Herren RegierungS-Präsidenten in Casiel anzubringen.
I. 8015 II. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär,
HerSfeld, den 21. Juli 1911.
Mit Genehmigung der Königlichen Regierung in Cassel habe ich auf Grund deS § 103 deS ZuständigkeitS-GesetzeS vom 1. August 1883 dem Königlichen Förster Prescher in GerShausen die auShülsSweise Mitwirkung bei Ausübung der Jagdpolizei in dem Gemeindebezirke Kemmerode, dem Königlichen Förster Kranz in Kirchheim im Gemeindebezirk Nieder- aula und dem Königlichen Forstausscher Hof in Niederaula in den Gemeindebezirken Niederaula, BeierShausen, Kleba, Hattenbach, MengShausen, KerSpenhausen, Holzheim, StärkloS, KrufpiS, SolmS und Hof Engelbach übertragen. I. 9010. Der Landrat.
I. A.: W e s f e l, KreiSsekretär.
* 1 1 ............. ...... —1'
HerSfeld, den 24. Juli 1911.
In WillingShain ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.
I. 9238. Der Landrat.
Wessel, KreiSsekretär.
nichtamtlicher teil.
Marokko.
Eine in Düsseldorf stattgefundene Versammlung rheinisch, westfälischer Vertrauensmänner deS Alldeutschen Verbandes hat folgende Resolution beschlossen: „Die Versammlung hat mit Besorgnis davon Kenntnis genommen, daß nach Preßberichten bei den Verhandlungen zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich der Gedanke an Kompensationen außerhalb Marokkos aufgeworfen sein solle. Die Versammlung lehnt die Annahme ab, daß eine derartige Politik in der Absicht der ReichSregierung liegt, ist vielmehr überzeugt, daß dort der feste
Roman von M. v. Bu ch.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
„Genug mit einem layormanten Unsinn, Menzel! Ich habe eS gut mit Seiner Tochter gemeint, dadurch, daß ich sie in mein HauS genommen habe. Wenn Er sie wieder haben will, bien! Aber erst muß ich Ersatz gesunden haben, daS sieht er doch hoffentlich ein."
„Und wenn eS dann zu spät ist, Frau Gräfin?" rief der Alte. „Nein, Frau Gräfin, verzeihen Sie, wenn ich widerspreche, aber gleich soll sie zu mir kommen, feine Zeit soll sie verlieren."
„DaS ist unmöglich, Menzel," rief die Gräfin empört.
„Und wenn ich Sie bitte, anflehe . , ."
Und der Alte sank vor der schönen Frau aus den Boden und umfaßte ihre Knie.
„Wenn ich Sie bitte — wenn ich Sie bitte."
„Er ist außer sich," rief Exzellenz empört. „Dergleichen Szenen alterieren mich und dabei verderbe ich meinen Teint. Denn, was Seine Tochter anbetrifft, ja, Menzel, schließlich kann er da auch schon jetzt zu spät sein."
Da sprang der Alte auf seine Füße. Zornbebend knuschte er.
»Frau Gräfin haben mir einst versprochen, über mein zu wachen. Haben Sie Ihr Versprechen so schlecht gehalten?"
»Er ist verrückt," meinte die Gräfin. „Vorwürse macht « mir? War soll daS heißen? Weiß er nicht, wer ich bin." Der Alte hörte nicht, er ballte die Faust.
_ "Wenn er zu spät sein sollte, Frau Gräfin," stieß er ^hneknirjchend hervor, „so — so lassen Sie sich gesagt sein, wr die Schande meiner Tochter mache ich Sie verantwortlich, Ein. Ich räche mich einst so gut ich kann."
• 8/ Drohungen," rief die Gräfin, „auS meinen Augen, bf sch die Dienerschaft rufen, damit sie Ihn aus den Weg
Wille besteht, die mit dem Erscheinen deS „Panther" vor Agadir so wirkungsvoll eingeleitete Politik kraftvoll und entschlossen sortzusetzen. Die begeisterte Zustimmung, die jener erste Schritt im deutschen Volke gesunden hat, beweist, daß nicht nur eine kraftvolle auswärtige Politik die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes hinter sich hat, sondern daß im besonderen auch die gewaltige Bedeutung der Entscheidung über den Besitz MarokkoS in vollem Umfange vom deutschen Volke erkannt worden ist."
PariS, 25. Juli. Die lakonische Fassung der amtlichen Mitteilung über den Wiederbeginn der Berliner Besprechungen läßt mehrere Blätter vermuten, daß die Unterhaltung der beiden Staatsmänner aus einem toten Punkt angelangt sei. In der Regierung nahestehenden Kreisen wird diese Ansicht nicht geteilt. Von der Rückkehr deS Kaisers erwartet man eine beschleunigte Einwirkung aus die nun bereits drei Wochen sich hinziehenden Verhandlungen im Sinne einer entscheidenden Lösung. Aus London wird gemeldet, daS Kabinett stelle sich auf Grund der vom Botschafter Sir FranciS Bertie aus PariS mitgebrachten Informationen aus den Standpunkt, daß eS Frankreich sreistehe, ein Terrain für die endgültige Verständigung mit Deutschland über die marokkanische Frage her« zugeben, daß jedoch die Abtretung deS KongoküstenstrichS von der angeblich bei den deutschen Forderungen die Rede war, nicht in Frage kommen dürfe, mit Rücksicht aus Englands koloniale Interessen. Falls hingegen daS Terrain für die Verständigung sich an der Grenze von Kamerun finden sollte, würde sich England dieser Lösung nicht widersetzen unter der Bedingung, daß die Abtretung sich in vernünstigen Grenzen halte und daß Frankreich ein breiter Küstenstreisen, wenn nicht die ganze Küste, bleibe, sowie daß der belgische Kongo nirgends daS deutsche Kamerungebiet berühre. Man wird diese Meldungen als eine Art Fühler betrachten dürfen.
London, 25. Juli. Der UnterstaatSsekretär des auswärtigen AmtS Mikinnon Wood sagte gestern in Erwiderung einer Anfrage im Unterhause, die Regierung sei sich der Wich« tigkeit einer offenen HafenS in Agadir voll bewußt und werde keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um dieS den VertragS- mächten dringend nahe zu legen.
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Die Rede, die der englische Schatzkanzler Lloyd George am letzten Freitag bei einem Bankett in London gehalten hat, spricht nicht von Marokko, nicht von den Beziehungen zu Frankreich oder zu Deutschland, sondern hebt nur mit Nachdruck hervor, daß England unter allen Umständen seinen Platz und sein Ansehen unter den Großmächten aufrechter« halten müsse. Gleichwohl ist die Rede von der Londoner Presse alS eine Warnung an Deutschland wegen seiner an Frankreich gestellten Forderung aufgesaßt worden.
Nach dem „Dailq NewS" soll die Absicht Lloyd Georges gewesen sein, zu verhindern, daß die konservative Opposition
Aber die Anwendung von Gewaltmitteln erwieS sich alS nicht nötig. Menzel war den Weg zurückgegangen, den er gekommen, er war hinter der Taxuswand verschwunden, Die Stelle, wo er gestanden, war leer.
„Eine unangenehme Szene!" rief die Gräfin, und ihren Arm in den ihres Begleiters legend, fügte sie mit leicht vibrierender Stimme, in der Ausregung der letzten Szene nach- klang, hinzu: „Gehen wir zu unseren Gästen."
ES war auch hohe Zeit. Die Majestäten hotten die Sänften besohlen und standen im Begriff, sich von ihren Wirten zu verabschieden. Bald daraus verließen auch die übrigen Herrschaften den Garten.
Müde und abgespannt gingen die Wirte inS Haus.
Die Gräfin führte den Gatten in ihr Boudoir.
„Nun," fragte der Minister, „irgend etwas erreicht?"
Antonie zuckte die Achseln. „Leider wenig, mein Freund. Dieser Preuße ist ein rechter Stock. Ich habe meine ganze Liebenswürdigkeit an ihn verschwendet, aber er ließ sich nichts merken. Kaum daß er, so en passant, nach unserer Tochter fragte."
Die erlauchte Exzellenz sah vor sich hin.
„Und ich glaube doch, daß er sie liebt," meinte er. „Wenn man nur wüßte, wie man ihn an sie fesseln könnte. Denn ist er gefesselt, schweigt er, und muß er schweigen. Der Preuße hat eine so feine Nase," fuhr er fort. „Hin und wieder hat doch wohl auch einer der Sekretäre von den Akten die in dem Geheimarchiv liegen, Wind bekommen. Das ist-, war mich ein wenig beunruhigt."
„Mein Freund, ich rate Ihnen gut, halten Sie sich die Nervosität vom Leibe," rief die Gräfin. „Sowie Sie nervös sind, ist Ihre Herrschaft zu Ende," und sich in einen Sessel werfend und mit einem Spitzensächer Kühlung zuwehend, fuhr sie fort: „Nehmen Sie sich ein Beispiel an mir. Niemand hat eS mir angesehen oder angemerkt, war für einen unangenehmen Auftritt ich vorher im Garten mit dem Sekretär Menzel hatte. Unglücklicherweise hat die kleine Gartenpsorte von der Fischergasse her offen gestanden," schaltete sie ein. „Doch sprechen wir nicht mehr davon. Ich habe genug von dieser rührseligen Familienkomödie."
den Vorwurf gegen die regierende liberale Partei, der Freund- schast mit Frankreich untreu zu werden, in ihrem Parteiinteresse erheben und auSbeuten könne. Die Gegensätze zwischen den beiden großen Parteien in England treten gerade gegenwärtig im Endkampfe um die sog. Vetobill aufs schärfste hervor. Man hat aber bisher nicht wahrgenommen, daß die konservative Opposition Miene mache, daS Verhalten deS Kabinetts in auswärtigen Fragen für den inneren politischen Streit auSzunutzen. Wenn eS selbst die Absicht Lloyd Georges gewesen wäre, einer solchen Möglichkeit vorzubeugen, so war eS doch unmöglich, die Wirkung dieser Rede mit kriegerischem Unterton aus die innere Lage in England zu beschränken. Sie mußte auch nach außen wirken und hat so gewirkt, als Einmischung in die schwebenden deutsch-französischen Verhandlungen über Marokko zugunsten Frankreichs.
Hat Lloyd George diese Wirkung nicht vorauSgesehen? War die Rede nur eine Entgleisung, wie sie auch bei ministeriellen Bankettreden in England schon öfter vorgekommen ist? Nach den Kommentaren der englischen Blätter ist eS schwer, daran zu glauben. Wenn die Wirkung aber gewollt war, so stellt die Rede nicht bloß eine Unsreundlichkeit gegen Deutschland dar, sondern auch einen Versuch, die französischen Staatsmänner, die eine friedliche Auseinandersetzung mit Deutschland wünschen, zu bevormunden. ES ist zunächst Sache dieser friedlichen Elemente in Frankreich, wie sie sich mit der englischen Kuratel abfinden können.
Wir halten noch an der Hoffnung fest, daß eS trotz der Störung der deutsch-sranzösischen Verhandlungen, die tatsächlich in der Rede des englischen Schatzkanzlers liegt, zu einer Verständigung zwischen unS und Frankreich kommen werde. Daß sich jetzt zeigt, wie wenig in England eine Schlichtung deS marokkanischen Streites beliebt ist, kann für unS kein Grund fein, sie nicht mit ruhiger Festigkeit herbeizuführen.
Aus 3h- und Ausland.
AuS Balestrand, 25. Juli, wird gemeldet: Gestern nachmittag fand vor Sr. Majestät dem Kaiser eine Damen-Regatta durch Töchter deS Landes statt. Die Hohen- zollern geht heute mittag 12 Uhr nach Bergen in See, wo die Ankunft 8 Uhr Abends erfolgt. An Bord ist alles wohl. — Se. Majestät der Kaiser wird programmmäßig am 28. d. M. in Swinemünde eintreffen und dort mehrere Tage verweilen. Während des Aufenthalts in Swinemünde wird der Monarch, wie dies in srüheren Jahren geschehen ist, eine Reihe von Vorträgen entgegennehmen, darunter wahrscheinlich auch den deS Reichskanzlers. Von Swinemünde aus wird sich der Kaiser nach dem Truppenübungsplatz Alten-Grabow begeben und dort Besichtigungen vornehmen.
In Dortmund fand dieser Tage die zahlreich besuchte 34. Tagung deS Deutschen KriegerbundeS unter Leitung deS stellvertretenden Vorsitzenden deS BundeS,
„Apropos!" rief Brühl, „Se. Majestät hat die Aalpastete vortrefflich gemundet, und als ich ihm sagte, daß mir mein österreichischer Lakai nicht nur dieses, sondern auch noch andere Rezepte auS der kaiserlichen Hofküche in Wien geliefert, schien er nicht übel Lust zu haben, den Burschen in seinen Dienst zu nehmen. Ich habe die- natürlich ganz dem Ermessen Seiner Majestät anheimgestellt. Doch, um noch einmal aus die Affäre mit Maltzahn zurückzukommen, meine Liebe, so darf ich Ihnen einen kleinen Vorwurf nicht ersparen. Sie hätten Ihre Tochter zwingen müssen, zur heutigen Tafel zu erscheinen. Dann hätte man den jungen Leuten im Garten zu einem ungezwungenen tete-ä-tete verhelfen müssen, und die Sache hätte sich doch am Ende arrangiert. Ich gebe Ihnen den Rat, sich diesen preußischen Baron als Schwiegersohn einzu- fangen, meine Liebe, eS lohnt sich wahrlich der Mühe."
Die Gräfin seufzte.
„Beate hat mir immer Sorge gemacht. AlS Kind war sie beständig leidend, und jetzt als junge- Mädchen besitzt sie keine Spur von Koketterie. Sie hat wenig Erfolg im Ballsaal und ehrgeizig ist sie auch nicht."
„Um so notwendiger ist eS, daß Sie für das Kind sorgen," meinte der Graf, sich von seiner Gemahlin verabschiedend und ihr die Fingerspitzen küssend. „Au revoir. Sehen Sie sich jetzt nach ihrer Tochter um."
Durch den stillen Park, der vorhin den Austritt gesehen, der die Frau Gräfin in höchst unangenehmer Weise echauffiert, wandelte jetzt ein junger Paar.
Franz Glasau und Annchen Menzel.
Der Mond leuchtete, die Augen der beiden Menschenkinder leuchteten.!
Annchen hatte sich in den Arm deS jungen Mannes geschmiegt, der sie mit heißen Lippen küßte. Sie aber zitterte am ganzen Körper, Ihr Atem kam und ging heftig.
„Franz," flüsterte sie mit angstvoller Stimme, „Franz, waS soll werden?"
Da lachte er frivol auf.
„Kind, wie soll ich daS wissen? Ich liebe dich, waS weiter? In Wien gab eS genug Mädchen, die mich inS Ehejoch spannen wollten. Ihnen bin ich noch glücklich ent«