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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-5lnschlutz Nr. 8
Nr. 88.
Sonnabend, den SS. Juli
1911.
Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten.
Erstes Blatt.
Amtlich« teil
Bestimmung vom 6. Mai 1898, betreffend die Veränderung der Bezeichnung der EtatSjahreS.
Die bisher üblich gewesene Bezeichnung deS EtatSjahreS mit Bruchteilen aus zwei Kalenderjahren hat fich al- unzweckmäßig erwiesen und es ist deshalb bereits für die ReichShauS- haltS-Etat- des laufenden Jahres die Einrichtung getroffen nur eine JahreSziffer, nämlich diejenige zu verwenden, die den größten Teil der EtatSjahreS vom 1. April bis 31. Dezember umfaßt. Es empfiehlt sich, diesem Vorgänge zu folgen, aber die Bezeichnung EtatSjahr hinzuzusetzen, sodaß die Aufschrift für den nächstjährigen Etat lauten würde: „für daS EtatSjahr 1899".
Berlin, den 6. Mai 1898.
Der Finanz-Minister: von M i q u e l.
* * *
Hertfeld, den 21. Juli 1911.
Wird zur Nachachtung veröffentlicht.
Die Borlage der Rechnungen gibt mir besondere Veranlassung auf die obige Bestimmung hinzuweisen.
I. 9169. Der Landrat
von GruneliuS.
Berlin W 8, den 3. Juli 1911.
Aus den Bericht vom 16. Mai 1911 — B. I. 1731 —.
Die Aufbringung der Kosten für den s ch u l p l a n m ä - ßigen Turn- und Spielunterricht der Jugend ist grundsätzlich Ausgabe der Schulunterhaltungtpflichtigen.
Den beteiligten Lehrern stundenweise die Leitung nicht- verbindlicher Leibesübungen der Schuljugend zu vergüten, hat verschiedenenortS zu erheblichen Unzuträglichkeiten geführt. Infolgedessen empfiehlt eS fich, von dieser Art der Vergütung tunlichst abzusehen; ich trage Bedenken, hierfür weiterhin staatliche Mittel zu gewähren.
In erster Linie wird anzustreben sein, daß geeignete Lehrer freiwillig und ohne daß ihnen besondere Vergütungm in Aussicht gestellt werden, diese mit ihrer Berufsarbeit im engsten Zusammenhang« stehende Förderung der ihnen anvertrauten Schuljugend sich angelegen sein lassen. Daneben ist ferner zu erwägen, ob eS sich nicht ermöglichen läßt, Lehrpersonen innerhalb ihrer Pflichtstundenzahl für die vorliegende Zwecke heranzuziehen oder sie zu deren Gunsten anderweit zu entlasten. Endlich kann in Frage kommen, einzelne auch sonst tüchtige Persönlichkeiten, die sich aus dem
Eingegangen.
Humoreske von F. Rieß.
In dem Städtchen Werblingen war großer Viehmarkt, welcher Anlaß die Herren Oekonomen und Viehhändler aus der ganzen Umgebung nach dem Orte geführt hatte. Im Gasthose „Zum roten Ochsen", wo an solchen Tagen von jeher der am meisten bevorzugte Treffpunkt der Besucher deS ViehmarkteS war, herrschte ganz besonders regeS Leben, denn die niedrige, aber geräumige Gaststube war mit Gästen über- füllt und die bedienenden Geister vermochten kaum, den aus sie von allen Seiten niederprasselnden Wünschen nach Speis' und Trank, nachzukommen. Namentlich an dem runden Tische, der die gemütliche Ecke beim Ofen nahezu vollständig auSfüllte, ging eS hoch her, denn der Gutsbesitzer Mayer aus Drehbach, der mit an dem Tisch saß, hatte eine ganze Batterie Weinflaschen für die übrigen daran Sitzenden aus- sahren lassen, auS Freude über die guten Geschäste, welche er heute aus dem Viehmarkt gemacht hatte, da er sein gesamtes zum Verkauf gestellter Vieh zu recht erheblichen Preisen loSgeworden war. Auch erfüllte e- ihn mit nicht geringem Stolze, daß man ihn von allen Seiten mit Anerkennungen über sein Prachtvieh überhäuste, hatte er doch sür seine Leistungen in der Viehzucht schon aus drei landwirtschaftlichen Au-stellungen Preise erhalten, und mit gerechtem Selbstgesühl durste er daher die ihm gespendeten Lobeserhebungen entgegennehmen. Freilich hatte Herr Meyer erst einen harten Kamps mit sich selber au-sechten müssen, ehe er den herrischen Entschluß saßte, den Wein zu spendieren, da er sich durch eine hart an Geiz grenzende übertriebene Sparsamkeit au-zeichnete, welche Eigenschaft deS dicken Oekonomen in der Unzen Umgebung bekannt war. Für seine unerwartete Generosität ließen ihn jedoch auch die von ihm Traktierten tüchtig hochleben, und schmunzelnd mußte er mit ihnen immer wieder aus sein Wohl anstoßen.
An einem schmalen Seitentische hatte ein Handwerk-bursche genommen; er verzehrte sein kärgliche- Mahl auf ^lmdurger Käse und Schwarzbrot bestehend, und trank dazu
I in Frage kommenden Gebiete besonders hervorgetan haben, in geeigneter Weise auSzuzeichnen, zu befördern usw.
In ähnlicher Weise ist bezüglich der Mitarbeit von Lehrern und Lehrerinnen aus dem Gebiete der Jugendpflege zu ver- sahren. ES würde nicht angängig sein, wenn der Lehrerschaft regelmäßig und unter allen Umständen Geldvergütungen zugewendet werden für eine Betätigung, welche von allen dazu ausgerusenen Ständen und Klassen der Bevölkerung im Sinne der Nr. 3 Absatz 2 der „Grundsätze und Ratschläge" meines RunderlasseS vom 18. Januar d. JS. — U. m. B. 6088 — in der Regel ehrenamtlich geschehen soll. (U. III. B. Nr. 7028.) Der Minister der geistlichen und UnterrichtS-Angelegenheiten.
*
Hertseld, den 25. Juli 1911.
Wird zur Kenntnis der Schulvorstände des Kreises gebracht.
I. 9229. Der Landrat.
J. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
Her-seld, den 26. Juli 1911.
Aus Anordnung deS Herrn RegierungS-Präsidenten ist die Abhaltung des zum 10. August d. JS. in der Stadt Fulda angesetzten ViehmarkteS auS veterinärpolizeilichen Gründen untersagt worden.
I. 9225. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
Hersseld, den 25. Juli 1911.
Unter dem Viehbestände deS Landwirts Johannes Schmauch in Hornel, Kreis Rotenburg, ist die Maul- und Klauenseuche sestgestellt worden.
I. 9225. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
Hersseld, den 25. Juli 1911.
Die Maul- und Klauenseuche in der Stadt Sontra, Kreis Rotenburg, ist erloschen. I. 9224. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSseld, den 28. Juli 1911.
Unter den Viehbeständen deS Landwirts Valentin Nuhn und Peter Rüger in Asbach ist die Maul- und Klauenseuche amtlich feflgrstellt worden.
I. 9467. Der Landrat.
I B.:
Wessel, KreiSsekretär.
einen Nordhäuser. Gar sehnsüchtig lugte der Gesell nach den gefüllten Weingläsern aus dem runden Tisch, in denen die edle GotteSgabe so srohlockend funkelte, und er hätte so gern einmal davon gekostet. ES war jedoch Wahnsinn, auch nur daran zu denken, daß man ihm, den von niemand gekannten fahrenden Ritter der Landstraße, etwa ein GlaS Wein anbieten werde, und so griff er endlich nach seinem Bündel, zahlte die kleine Zeche und verließ die Gaststube.
Glühend heiß brannte noch die Julisonne hernieder, alS der Handwerk-bursch, nachdem er daS Städtchen hinter sich hatte, nun auf der staubigen Landstraße dahinzog, eS ärgerte ihn, in dieser wahrhaft afrikanischen Glut noch einige Stunden zurücklegen zu müssen, ehe eS ihm vergönnt war, sein Tagesziel, die „Herberge zur Heimat" in der Stadt Feldheim, zu erreichen. Da vernahm er plötzlich hinter sich Rädergerassel und dat muntere Klatschen einer Peitsche, und heranrollte in einem offenen leichten Gesährt, einem sogenannten Presch- wagen der mit zwei Braunen bespannt war, der Herr Oekonom Mayer auS Drehbach. Wie der Handwerksbursche den Spender deS Wein- im „roten Ochsen" wieder erblickte, dessen breite-, gewöhnliches Gesicht keineswegs den Eindruck besonderer Intelligenz machte, den Preisauszeichnungen zum Trotz, welche dem Oekonomen in seiner Eigenschaft alS Viehzüchter zugesallen waren, da schoß ihm ein eigenartiger Gedanke durch den Kops und er beschloß, unverzüglich an die Au-sührung der Idee zu gehen. Die Landstraße wie- an der Stelle, an welcher Meyer mit seinem Geschirr den Hand- werkSburschen eingeholt hatte, eine kleine Steigung aus, welche den Oekonomen nötigte, jetzt zunächst im Schritt zu fahren, waS der „arme Reisende" dazu benutzte, den Führer und Besitzer de- Geschirres mit den flehenden Worten an- zureden:
„Um GotteSwillen, verehrter Herr, lassen Sie mich doch ein Stück Weges mitfahren, eS geht sich bei der Knallhitze und dem Staub verdammt schlecht auf der Chaussee; ich bin leicht, meine Last werden Ihre Pferde kaum spüren."
„Hm", meinte der andere, indem er die Pferde anhiclt und einen forschenden Blick auf den jungen Mann warf, der in einem mehrfach geflickten alten, aber trotzdem sauber ge
Hersfeld, den 28. Juli 1911.
Nachdem durch das Gutachten des Königlichen Kreistierarztes in A s b a ch unter dem Rindviehbestande die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden ist, wird auf Grund des § 19—29 des Reichs-Viehseuchen-Ge- setzes vom 1. Mai 1894, R. G. Bl. S. 409 und des § 57 ff. der Bundesrats-Jnstruktion vom 27. Juni 1895 R. G. Bl. S. 357 zur Bekämpfung dieser Seuche bis aus Weiteres für Asbach folgendes angeordnet.
1. Der Gemeindebezirk Asbach bildet einen Sperrbezirk.
2. Sämtliche Wiederkäuer und Schweine unterliegen der Stallsperre.
3. Die Plätze vor den Stalltüren und den Gehöftseingängen der verseuchten Gehöfte, sowie die gepflasterten Wege an den Ställen und auf dem Hofe sind mehrmals täglich durch ausgiebiges Uebergießen mit Kalkwasser zu desinfizieren.
4. Das Geflügel ist so einzusperren, daß es den Hof nicht verlassen kann. Die Hunde sind festzulegen.
5. Das Betreten der v e r s e uch t e n Ställe ist nur den Besitzern, den mit der Wartung und Pflege der Tiere beauftragten Personen und Tierärzten gestattet.
Händlern, Schlächtern und Viehkastrierern und andern in Ställen gewerbsmäßig verkehrenden Persänen ist das Betreten der verseuchten Gehöfte zu untersagen.
6. Die Abgabe roher Milch und von Molkereirückständen aus verseuchten Gehöften ist verboten. Dies Verbot erstreckt sich nicht auf Butter und Käse.
7. Die Einfuhr von Klauenvieh ohne polizeiliche Erlaubnis ist verboten, die Ausfuhr von Klauenvieh und der Durchtrieb von Klauenvieh ist verboten.
Uebertretungen dieser Vorschriften werden, sofern nicht nach § 328 St. G. B. eine höhere Strafe verwirkt ist, auf Grund des § 66 Ziffer 4 des R.-Vieh-Seuchen-Ges. vom 1. Mai 1894 und des § 148 Abs. 1 Ziffer 7 b.
R. G. O. mit Geldstrafen bis zu 30 Mk. bestraft.
I. 9467. Der Landrat.
J. A.
Wessel, Kreis-Sekretär.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Die deutsch-französischen Verhandlungen in der Marokkosrage haben auch in der BerichtSwoche noch zu keinem Ergebnis geführt. Leider find diese Verhandlungen durch eine Rede deS englischen SchatzkanzlerS Lloyd George bei einem Bankett in London gestört worden, die von der Londoner Presse fast allgemein als eine Warnung an Deutschland wegen
haltenen Anzug gekleidet war, „mein Wagen ist gerade nicht dazu da, wildfremde Leute durchs Land zu kutschieren! WaS wollen Sie denn dafür anwenden, daß ich Ihnen gestatte, aus meinen Wagen zu steigen?"
„Na", versetzte der HandwerkSbursche, „Sie wissen wohl selber gut genug, daß eS bei einem solchen armen Teufel, wie ich einer bin, recht dürftig im Beutel auSschout! Wenn Sie mich indessen nun einmal ganz umsonst nicht mitnehmen wollen, so will ich Ihnen eine halbe Mark zahlen, daS ist schon eine große Ausgabe für mich; ich habe auf meiner letzten Stelle — ich bin nämlich Schneider — verwünscht wenig verdient."
„Meinetwegen", sagte zustimmend Herr Mayer, „für die fünfzig Pfennige sollen Sie ein hübscher Stück mitfahren; wo wollen Sie denn eigentlich hin?"
„Nach Feldheim, dort will ich in der Herberge übernachten, denn hierzu, sowie zu einem bi-chen Abendbrot und einem GlaS Bier reichen wohl die paar Moneten noch, über die ich verfüge, nachdem ich Ihnen die 50 Pfennig Passagier- gebühr bezahlt haben werde."
„Gut!" erwiderte der Oekonom, alS er von dem Schneider diese Auskunft empfangen hatte, ohne anscheinend aus die in den letzten Worten deS jungen Burschen liegende Ironie zu achten; so steigen Sie jetzt auf. BiS zur Roßdorser Schenke, die einem Vetter von mir gehört, können Sie mit- fahren, dar ist immerhin eine gute Strecke; von dort geht mein Weg seitwärts nach Drehbach."
Flink und gewandt wie eine Katze schwang sich der Schneider auf den Wagen, Mayer schnalzte mit der Zunge, die Pferde zogen wieder an und der Wagen rollte weiter, erst langsam, dann als die Steigung der Landstraße wieder überwunden war, rascher. Während man so dahinsuhr, betrachtete Meyer aufmerksam den westlichen Horizont, an welchem grauschwarze Wetterwolken drohend aufstiegen, während der Donner schon dumpf zu grollen begann; vereinzelt fielen auch schon Regentropfen.
Der Gutsbesitzer gab den rüstigen Pferden die Peitsche, daß sie jetzt mit dem Wagen im raschen Trabe dahinflogen. Halb für sich, halb zu dem Schneider gewendet, äußerte er: