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herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 89.
Dienstag, den 1. August
1911.
Amtlicher teil
Herrfeld, den 24. Juli 1911.
Die Firma Ph. Maysarth u. Co. in Frankfurt a. M. vertreibt sog. Mayfarth'sche Dörrapparate (System Dr. Ryder), bei denen ein hölzerner Dörrschacht auf der geschlossenen Um- mantelung eine- eisernen Ofens ruht. Bei der Verwendung einer solchen Dörrapparate- zum Trocknen von Holzstoff- Proben in den Gebäuden der Firma Eschstruth und Rode zu Allendorf a. W. ist am 9. März d. Jr. und am 24. August v. Jr. ein Brand entstanden.
Ich mache die Ort-polizeibehörden und Königliche Gendarmerie der Kreises besonders daraus ausmerksam, daß die Ausstellung solcher Apparate nur unter der Bedingung zugelassen werden dars, daß die Ausstellungsräume von unver- brennlichen Wänden, Decken und Fußböden umschlossen und nur durch unverbrennliche Türen, die selbstätig in einen un* verbrennlichen Falz einschlagen, zugängig sind.
EintretendensallS ist mir alSbald zu berichten.
I. B. Nr. 3341. Der Landrat.
W c s s e l, KreiSsekretär.
nichtamtlicher teil.
krfilzrei-tr SatroniOenritt in Snbmeü.
Im Sandseld Südafrika- sind, wie der Südwestbote zu melden weiß, der berüchtigte Hererokapitän Kanjemme sestge- nommen und mehrere Hererowersten ausgehoben worden. Aus Anzeige zweier inS Sandseld gezogener Südwester, daß sich dort zahlreiche Hererowersten besänden, hatte daS Gouvernement eine Patrouille in da- Sandseld gesandt, die den ge- sährlichen Kanjemme nebst 70 HereroS jetzt gesesselt in Windhuk eingebracht hat. Ueber den kühnen Patrouillenritt werden jolgende Einzelheiten berichtet:
Die Festnahme Kanjemme- erfolgte nicht ohne Blutvergießen. Die Patrouille war bis zu der Werft vorgedrungen, wo Kanjemme bisher geseffen hatte. Man traf indes nicht ihn, sondern seinen Bruder dort an, den man zwang, den AnsenthaltSort KanjemmeS zu verraten. Dorthin, nach Ombu Omonde, etwa 150 Kilometer südöstlich von Waterberg, begab sich die Patrouille in vielstündigem, fast ununterbrochenem Ritt. Als die Werft in Sicht kam, ritten Hauptmann Holländer, Oberleutnant Frhr. v. Hirschberg, Wachtmeister ScharpS und ein Wachtmeister aus Grootfontein in gestrecktem Galopp darauf loS, während die Polizeisergeanten seitlich auSschwärm» ten. Beim Herannahen der Offiziere an die Werst schoß Kanjemme auS seinem Pontok mit einem 88er Gewehr aus Hauptmann Holländer, glücklicherweise ohne ihn zu treffen. Ehe der Herero daS Schloß deS ziemlich verrosteten Gewehre-
Roman von M. v. B u ch.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
In dem Eckhause, dort, wo die Roßmaringasfe in die Echloßstraße einmündet, brannte Licht. Man sah e-, obgleich die Läden vor dem Ecksenster geschlossen waren. Aber der Helle Schein brach zitternd durch die Spalten und lag aus den Steinen der Straße. Wer war der Einsame, der da noch wachte?
Da traf Maltzahn den Nachtwächter, der wohlbewaffnet mit Pike und Horn, die Runde gemacht hatte und vom Altmarkte kam.
»He, guter Freund," rief er den Mann an, „kann er mir nicht sagen, wer dort wohnt?" Damit wiet er aus da- HauS, aus dessen Fenstern der Lichtschein auf die Straßen fiel.
„Dort —“
Der Nachtwächter sah den Fremden, der noch um Mitternacht die Gassen durchstreiste, säst mißtrauisch an. Erst als sich Maltzahn zu erkennen gab nnd von Geschäften sprach, die ihn bis ties in die Nacht hinein gefesselt, wurde er zugänglicher.
„Wer dort wohnt, gnädiger Herr? Ich weiß nicht recht. Geben Sie mir Zeit, daß ich mich besinne. Halt, ich hab eS rief er nach einer kurzen Pause. „Dort oben wohnt der Kanzleisekretär Wenzel."
„Danke, danke, mein Freund," sagte Maltzahn und steckte dem für daS Wohl der Stadt Wachenden eine kleine Silber- münze in die Hand. Dann schritt er seiner Wohnung zu.
»Also Wenzel," murmelte er. Und plötzlich war ihm, als habe er den Namen schon einmal gehört. Aber wo? Wo doch ? ^ sann und sann, allein er war müde, heute konnte " sich nicht mehr darauf besinnen.
4. Kapitel.
. Heiß brannte die Sommersonne über der Erde. Der frohe war hin, der Flieder verblüht und auch die Rosen im Verwelken.
für den zweiten Schuß öffnen konnte, hatte ihn Wachtmeister ScharpS an der Kehle gepackt, konnte aber Kanjemme — der sich auch unter dem Griff deS Wachtmeister- weiter abmühte, daS Schloß zu öffnen, und dem Wachtmeister naiv genug zuries: Kurama, Kurama (Wart' noch I) — nicht überwältigen. Erst ein Schlag deS HauptmannS auf den Arm KanjemmeS machte diesen wehrlos. Die Polizeisergeanten hatten inzwischen das Feuer auf eine Anzahl sich zur Wehr setzender oder fliehender HereroS eröffnet, wer Hereros fielen, die anderen ergaben sich. Beim Weiterreiten tras die Patrouille noch eine eben verlassene Hererowerst an, der Bewohner konnte sie nicht habhaft werden. Uebrigens onnte die Patrouille auch daS Vorhandensein einer Anzahl Wasserstellen im Sandfelde sest- stellen.
Der gefangene Hererokapitän Kanjemme, der seiner Aburteilung in Windhuk entgegensieht, hatte im Jahre 1904 drei Polizeisergeanten in Otjituo ermordet. Nach dem Orlog war er inS Sandseld geflüchtet und wußte sich dort bei seinen StammeSgenossen eine sührende Rolle zu verschaffen.
Marskko.
Der nationalliberale Abg. Dr. Arning hat seine Studienreise in Marokko beendet und von Tanger auS d. R. W. Z. interessante Auskünfte erteilt:
„Sie haben auch an mich eine Art Rundfrage gerichtet, wie ich über Marokko denke. Eine solche Nachforschung kann ich vielleicht etwas sachgemäßer beantworten alS der eine oder andere sonst Besragte, weil ich gerade am Abschluß einer weiten, anstrengenden Reise in Marokko stehe.
Ich habe nach den Studien und Erkundigungen, die mir möglich waren und die ich eifrig betrieben, bereit- angenommen, daß Marokko ein sehr wertvoller Land sei. Jetzt sage ich, daß nur der den wirtschaftlichen Wert dieser Stückes Erde ermessen kann, der eS selbst gesehen. Die Mineralschätze find sicher ganz gewaltig, sind mindestens so, wie er der froheste Optimismus angenommen hat. Trotzdem sind sie nur ein geringer Teil deS Wertes. Man muß auf langdauerndem Ritt durch daS Land gesehen haben, welche landwirtschaftlichen Aussichten hier für eine wirklich arbeitende Bevölkerung gegeben sind, um glauben zu können, daß so etwa- überhaupt denkbar ist. Man begreift, wieso Afrika die Kornkammer deS kaiserlichen RomS sein konnte.
Klimatisch übertrifft dieser Land nicht allein jedweden Teil der afrikanischen Erdteil-, sondern eS verdient eine Stellung vor den besten Gebieten der südeuropäischen Halbinseln.
Die Vorteile und die Wichtigkeit der geographischen Lage brauche ich nicht zu betonen, sie ist augenfällig sür jeden, der aus eine Weltkarte blickt.
ES ist sür jeden, der halbzivilisierte Länder kennt, ein selbstverständlicher Axom, daß in einem Reiche wie Marokko wirtschaftlicher und politischer Einfluß ein untrennbare- Ganze sind. Hier wird der augenfälligste Beweis erbracht, daß daS
In DreSden war eS mit Beginn der Sommerglut erheblich einsamer und stiller geworden.
Die Herrschaften hatten meist ihre Landhäuser bezogen. Diese lagen außerhalb der Stadt an der Elbe, stromauf nach Loschwitz und Pillnitz zu oder in den freundlichen Weingärten der Lößnitz.
Auch die Majestäten hatten ihr Schloß in DreSden ver- lassen und bewohnten da- dicht an der Elbe gelegene reizende Lustschloß Pillnitz. Dorthin war auch auf Wunsch seines königlichen Herrn Gras Brühl übergesiedelt, dem ein Kavalier- Hau- zur Versügung gestellt wurde.
Da- Brühlsche PalaiS in DreSden stand vereinsamt.
Die Gräfin, die ein Bad in Böhmen gebrauchen und dann eine ihrer verheirateten Töchter besuchen wollte, war mit einem wahren Trosse von Lakaien, Kutschern und Jungfern abgereist. Beate begleitete sie nicht. Die junge Komtesse sühlte sich so matt und elend, daß der Arzt selbst von der langen Reise dringend abgeraten hatte. Aber da man den Ausenthalt in DreSden nicht zuträglich für sie hielt, war sie nach Lößnitz gegangen, wo der Gras ein kleine- Besitztum hatte. ES war ein einfach eingerichtete- kleine- HauS, daS aus einer Anhöhe lag und da- „TeehäuSchen" hieß, weil die Herrschaften bei etwaigen Besuchen in der Lößnitz dort den Tee einzunehmen pflegten. Dorthin hatte man daS junge Mädchen in Begleitung zweier Dienerinnen, die für das körperliche Wohl ihrer Herrin zu sorgen hatten, für einige Wochen einquartiert. In der Stille der Häuschen- fühlte Beate sich wohler als feit langer Zeit. Sie erholte sich sichtlich. Die zarten Wangen gewannen Farbe und Fülle, die Augen Glanz und ihre Gemüt-stimmung wurde durch ihr körperliche- Befinden günstig beeinflußt.
Graf Brühl war ein für daS Wohl der Tochter zärtlich besorgter Vater. Verschiedentlich hatte er Beate besucht. Meisten- hatte er sich dabei einer Lustjacht bedient, mit der er auf der Elbe von Pillnitz nach Kötzschenbroda suhr. Von Kötzschenbroda bi- hinaus zu der Anhhhe, wo das Teehäu-- chen lag, war für den Fußgänger ein Weg von ungefähr einer halben Stunde.
Heute hatte Beate in aller Frühe durch einen Boten die
deutsch-französische Abkommen vom Februar 1909 eine Unmöglichkeit ist, denn man sieht eS, wie der wirtschaftliche Gewinn mit dem politischen Einfluß zusammenfällt. Rücksichtslos nutzten die Franzosen diese Lage der Dinge, und sie würden eS können, selbst wenn sie die bestehenden Verträge achteten: hundert- und tausendsältig aber ist der Bruch der Algecira-akte an Ort und Stelle zu konstatieren.
Verhaßt sind die Franzosen den Eingeborenen, auch denen, die sie mit ihrem, oder besser: mit dem Gelde deS Wachsen für sich erkauften. Mit offenen Armen wird der Deutsche ausgenommen, nicht allein 'deswegen, weil man glaubt, eS fei ein politischer Gegner deS französischen Einflusses, sondern weil man ihn rein persönlich höher schätzt. Trotzdem wendet man die wirtschaftlichen Vorteile denen zu, die die Macht in den Händen haben, oder wird unter fortgesetzter Verletzung der Algecira-akte gezwungen, ei zu tun.
Wie eine Erlösung ging es durch die Reihen der Eingebornen — ich war noch im Innern deS Lande-, da ei geschah —, als die Nachricht von der Anwesenheit deutscher Kriegsschiffe im Sattel der Fama durch die Lande flog. Der Augenblick, der gewählt wurde für dies Eingreifen, war der letzte nur denkbare — einen Monat, sechs Wochen später, und auch daS ganze Süden mit Marakesch wäre dem Drucke der Macht gefolgt gewesen.
Jetzt ist ein Halt geboten für die Wünsche Frankreich-, da- unübersteiglich ist und rückwirken wird weit hinein in daS Land.
Aber Mißtrauen überall — waS nach den gemachten Erfahrungen den Eingeborenen nicht zu verdenken ist. Werdet ihr auch wirklich bleiben, werdet ihr nicht wieder jortgehen, und unS der Rache der Franzosen preiSgeben, nachdem wir euerem Schutz gehuldigt? Da» ist die immer wieder gestellte Frage.
Der „Temps", glaube ich, war eS, der für daS Verlassen von Agadir die zukünftige Präponderanz im ganzen Süden unS in AuSsicht stellte. Die Rechnung ist schlau: Verlassen wir Agadir, so glaubt unS kein Araber, Berber oder Maure je wieder ein Wort. Trotz aller Versprechungen einer etwaigen bevorzugten Stellung im Süden würden wir nie dort festen Fuß wieder fassen können, wenn wir jetzt zurückwichen, wie wir im Laufe der letzten 6 Jahre schon öfter getan haben. Gehen wir wieder zurück, so wäre ei für unS viel besser gewesen, niemals die deutsche Flagge in Agadir gezeigt zu haben.
Bus > und Busland.
AuS Swinemünde, 29. Juli wird gemeldet: Der Reichskanzler von Bethmann-Hollweg und der Staatssekretär von Kiderlen-Waechter sind heute nachmittag 4Va Uhr in Swinemünde eingetroffen. Da der Kaiser um 5 Uhr auSsahren wollte und die drei kaiserlichen Automobile bereit, standen, ließ der Monarch die Herren bitten, doch so schnell
Nachricht erhalten, Se. Exzellenz der Herr Minister werde am frühen Nachmittage mit einem Gast eintreffen und er bäte die Tochter, sür einen leichten Imbiß zu sorgen. Der Bote hatte über dem Sattel seine- RoffeS Körbe hängen, die allerlei gute Sachen enthielten, so daß eS den Dienerinnen leicht war, für den gewünschten Imbiß zu sorgen.
Beate vernahm sreudestrahlend diese Botschaft. Der Besuch deS Vater-, der ein wenig Abwechselung in die Eintönigkeit der Landaufenthaltes brächte, war willkommen. Aber et war wohl nicht allein der angekündigte Besuch, der ihre Augen so hell aufleuchten ließ. Ausdrücklich hatte der Gras bestellen lassen, er würde einen Gast mitbringen. Und diese AuSsicht war ei, die die Rosen aus Beate- Wangen zauberte, denn der Gast, wer anders war eS, denn Baron Maltzahn? Man hatte seinen Namen zwar nie genannt, allein Beate fühlte eS instinktiv, ei war niemand anderes denn Bodo von Maltzahn . .
In dem hübschen, helltapezierten Zimmer — ci war daS größte, da- daS Hau- enthielt, und diente der jungen Gräfin als Salon — stand am srühen Nachmittag ein ausgesuchter Imbiß zierlich geordnet aus dem Tische.
Beate hatte einen großen Strauß selbstgepflückter Blumen in daS Zimmer gestellt, alle- festlich und schön gemacht und daS beste Gewand angelegt, daS sie besaß, alles dem Gaste zu Ehren. Und nun stand sie am Fenster und blickte erwartungsvoll inS Freie. Die Ankunft der Gäste verzögerte sich, wie sie mit Seufzen gestand. Viertelstunde auf Viertelstunde verrann. Dann ging sie schließlich au- der Tür.
Der Fußpfad, der zu der Höhe deS Häuschen- hinauf- führte, lag still und verlassen da. Von welcher Seite würden die Herren erscheinen? Würden sie mit dem Schiffe kommen oder hatten sie einen Wagen benutzt?
Träumerisch schaute Beate den sonnenbeschienenen Fußpfad hinab. In der Ferne klang Bienengesumm. Hin und wieder rührte sich ein Lüftchen, und dann rauschten die Zweige der Buchen. Im Haselnußgesträuch kletterte ein Eichhörnchen, schwang sich dann auf eine Birke und äugte mit blanken Augen hinab. Sie sah ihm zu. AlS sie dann aber eine