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Herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zrrnsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 91.
Sonnabend, den 5. August
1911.
Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten.
Erstes Blatt.
Hetlkber teil.
Jagdordnung
Für den Umfang deS Regierungsbezirk- Casfel wird aus Grund der §§ 39 und 40 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907 die Eröffnung der Jagd aus Rebhühner aus Freitag, den 18. August 1911, die Eröffnung der Jagd aus Fasanen und Birkwild aus Sonnabend, den 30. September 1911 festgesetzt. B. A. 1981 a/11.
Casfel, den 20. Juli 1911.
Der Bezirksausschuß zu Casfel. gez. Piutti.
* *
HerSfeld, den 31. Juli 1911.
Wird veröffentlicht.
I. 9548. Der Landrat
von GruneliuS.
LandespoNzeMche Anordnung, betreffend die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche im Kreise HerSfeld.
Mit Rücksicht auf den AuSbruch der Maul- und Klauenseuche in ASbach bestimme ich in Erweiterung meiner landeS- polizeilichen Anordnung vom 8. April d. JS. — A. in. 1636 — Amtsblatt Nr. 15, Seite 114/5 — folgendes:
1. Zu dem Sperrgebiet im § 1 tritt die Gemeinde ASbach.
2. DaS BeobachtungSgebiet im § 10 wird aus die Gemeinden BeierShausen, KerSpenhausen, Roßbach, Hilper- Hausen, Kohlhaufen, Eichmühle und Eichhof ausgedehnt.
3. DaS Verbot des ViehverladenS im § 7 wird auf die Station ASbach ausgedehnt.
4. Aus dem Sperrgebiet — § 1 — scheidet die Gemeinde Hattenbach aus und tritt zu dem BeobachtungSgebiet — § 10 —. (A. III. 3713.)
Caffel, am 2. August 1911.
Der Regierungspräsident. Graf von Bernstorsf.
HerSfeld, den 31. Juli 1911.
Der BundeSrat hat am 16. Mai d. JS., § 444 der Protokolle, Ergänzungen deS Warenverzeichnisses zum Zolltarif und der Anleitung für die Zollabfertigung betreffend zollfreie Ablassung von Tabaklaugen, die zur Bekämpsung von Pflanzenschädlingen bestimmt sind, seine Zustimmung erteilt.
Wetterwolken.
Roman von M. v. Bu ch.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Bestürzt laS Maltzahn die- Schreiben. Dann, um zu verhindern, daß eS Unberufenen in die Hände fiele, zerriß er eS in taufend kleine Fetzen, die er zum Ueberfluß noch in den Ofen steckte und verbrannte.
„So," sagte er, „nicht umsonst hat der Name Menzel so oft mein Ohr berührt. Die Vorsehung schickt ihn mir! Also heute abend . .
Der Tag verging ihm unruhig und ausgeregt, so daß er sich freute alS die Sonne endlich sank. Um die Dienerschaft zu täuschen und über seinen Fortgang im Unklaren zu lassen, verließ er, nachdem er seine hohe Gestalt in einen dunklen Mantel gehüllt, durch ein Hinterpsörtchen daS HauS. Zu der in dem bewußten Schreiben angegebenen Stunde wanderte er über den Neumarkt. Obgleich er unbefangen tat, spähte er scharf nach allen Seiten. Zu dieser Tageszeit war der Platz nicht sehr belebt. Der Turm der kleinen Frauenkirche hob sich ab von dem blauen Himmel.
Im KüsterhäuSchen schimmerte Licht; man sah wie jemand mit einem Kienspan im Hausflur hantierte. Von der Elbe her zog ein Schwärm Möven mit schrillem Geschrei, die weißen Flügel schimmerten silbern in der blauen Luft.
Doch nun halt, — von der Münzgasse her kam jemand Der wanderte entlang der Mauer, die sich um den Friedhos zog, Maltzahn entgegen, der ruhig seinen Weg fortfetzte und sagte: das ist er. Freilich in dem unsicheren Lichte konnte mön sich auch täuschen.
Maltzahn ging ein wenig langsamer; ihn beschäftigte der Mdanke: waS wirst du zu hören bekommen? Will man dir Aklich etwas anvertrauen, oder läuft die Sache auf einen IHlcchten Scherz, vielleicht gar auf eine Erpressung hinaus?
Noch zwei Schritte, der preußische Gesandte stand vor der ^esiait, die ihm entgegenkam. Maltzahn sah den, den er
Die neuen Bestimmungen können bei den Zollstellen vom Publikum eingesehen werden.
I. 9538. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 4. Mai 1911.
Nach der Bestimmung im § 3 deS GefetzeS betreffend die Unterstützung von Familien der zu Friedensübungen ein- berufenen Mannschaften vom 10. Mai 1892 (R. G. Bl. E. 661) muß die Erstattung der gezahlten Familienunterstützungen vor Ablauf deS EtatSjahreS erfolgen, in welchem die Zahlung stattgefunden hat. Um diesen Termin einhalten zu können, ist eS erforderlich, daß alle derartigen UnterstützungSansprüche als „E i l f a ch e n" behandelt werden. JnSbe,ondere ist dafür zu folgen, daß die von den Ortspolizeibehörden auSzufüllenden Empfangsbescheinigungen A. sofort vorgelegt werden, sobald der UnterstützungSanspruch geltend gemacht worden ist.
Ich nehme hierbei Bezug auf die Ausführungen meiner Verfügung vom 27. Juli 1892 I. H. Nr. 1957 (im Kreis- blatt Nr. 92) und erwarte, daß die getroffenen Anordnungen in Zukunft genau beachtet werden.
Der Landrat von GruneliuS.
HerSfeld, den 4. August 1911.
Nachdem der Herr RegierungS-Präfident die landeS- polizeiliche Anordnung vom 8. April d. JS., KreiSblatt Nr. 43, mit der heute im KreiSblatt veröffentlichten landeSpolizeilichen Anordnung vom 2. August 1911 A. III. 3713 aufASbach ausgedehnt hat, setze ich meine vorläufigen Anordnungen vom 28. Juli d. JS. I. 9467 — KreiSblatt Nr. 88 — wieder außer Kraft.
I. 9756. Der Landrat.
I. A.:
Weffel, KreiSsekretär.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Der Kaiser ist von seiner Nordlandreise zurückgekehrt und hat sofort in Swinemünde Besprechungen mit dem Reichskanzler und dem Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter in der Marokkoangelegenheit gehabt. Zu welchem Ergebnis die Beratungen geführt haben, ist natürlich nicht bekannt, aus verschiedenen Anzeichen aber ergibt sich der Eindruck, daß eS sich nur um einfache Beratung darüber handelte, waS zu geschehen hat, um die Verhandlungen mit Frankreich zu einem beide Teile befriedigenden und den deutschen Interessen entsprechenden Ende zu führen. Für diese Auffassung spricht, daß die Nordlandreise deS Kaisers um keinen Tag ab
erwartet hatte, und dem er bereits im Brühlschen Garten begegnet war.
„Guten Abend, Herr Baron," sagte der Alte mit ein wenig belegter und vor Erregung zitternder Stimme. „Augenblicklich ist der Platz leer, daS ist gut. Man braucht unS nicht zusammen zu sehen. Ich werde in daS nächste Gäßchen einbiegen, und ich bitte Sie, mir zu solgen. Wir werden dann an der Elbe entlang gehen und wenn wir an die Felder gelangen, sind wir ungestört und können gemeinsam schreiten. Dann werden Sie hören."
Maltzahn nickte.
Dann, um ganz sicher zu gehen, fragte er: „Nicht wahr, ich irre mich nicht, Er ist der Kanzleisekretär Menzel?"
„Zu Befehl, Herr Baron, der bin ich. Achtung, eS kommen Leute, und da Sie sowohl wie ich in DreSden bekannt sind, könnte unsere Unterhaltung ausfallen. Ich gehe voraus..."
Maltzahn folgte. Der Alte ging, wie er gesagt hatte, die Elbe entlang. AlS man inS Freie und an die Felder kam und keinen Späher zu befürchten hatte, schritt man gemächlich nebeneinander her.
Der Alte sprach im Flüsterton, Maltzahn lauschte mit gespanntester Ausmerksamkeit. Dabei schritt man auf den schmalen Feldwegen auf und ab. In der Ferne hörte man die Kirchturmuhren schlagen. Neun Uhr! — Zehn Uhr! Die beiden Männer dachten nicht an den Abschied.
Maltzahn sagte: „Ich Möchtegern Einblick in die Papiere haben, denk er ein wenig nach, ob daS nicht zu bewerkstelligen ist. Die Sache wäre für mich von größter Wichtigkeit."
„DaS dürste allerdings unmöglich sein, Herr Baron," entgegnete Menzel. „Die Akten sind verwahrt und wohl verschlossen."
„Und Er hat die Dokumente gesehen? DaS ist sicher?"
„Ganz sicher. Ich habe sie mit meinen eigenen Augen gesehen." erwiderte der Gefragte. „Eines TageS ließ sich der Herr Minister au- dem Archivschrank ein bestimmte- Dokument hervorsuchen. Da ich eS in dem einen Fache nicht finden konnte, suchte ich in verschiedenen anderen. Bei dieser Gelegenheit sind mir die Akten über daS österreichisch-fran
gekürzt worden ist, waS sicher geschehen sein würde, wenn die Marokkofrage sich in friedenbedrohlicher Weise zugespitzt hätte. In gleichem Sinne ist der Umstand zu deuten, daß der Reichskanzler wie der Staatssekretär erst einen vollen Tag nach der Ankunft des Kaisers nach Swinemünde zum Vortrag befohlen worden sind. Alles dar scheint darauf hinzuweisen, daß die dortigen Besprechungen in keiner Weise als Einleitung zu einer mehr oder weniger folgenschweren Aenderung der bisherigen ruhigen und besonnenen Marokkopolitik Deutschlands aufzufafsen sind, und daß die deutsch-sranzöfischen Verhandlungen in Berlin doch zu einem befriedigenden Ergebnis führen werden.
Der Ueberfall auf die Kolonne Frankenberg in Deutsch-Südwestafrika, bei dem zwei weiße Unteroffiziere, vierzehn schwarze Polizisten und etwa zwanzig Träger von Leuten deS OkawongostammeS niedergemacht worden fein sollten, während der Führer der Kolonne aus einem Maultiere entkommen konnte, hat bisher nicht in seinem vollen Umfange aufgeklärt werden können. Die Leitung unserer Schutztruppen in Südwestafrika scheint jedoch dem Ueberfall wegen feiner etwaigen aufreizenden Einwirkungen auf die Eingeborenen im Nordosten deS Schutzgebietes, wodurch zweifellos die Lage der dort gelegenen Polizeistationen und Ansiedlungen ernstlich gefährdet würde, einen weit bedrohlicheren Charakter beizumeffen. Solche Erwägungen mögen den Gouverneur bestimmt haben, eine stärkere Truppenabteilung unter dem Kommando eines Stabsoffiziers aufzubieten, um endlich Licht in die Angelegenheit zu bringen.
In England kann die BerfaffungSkrisiS als beendet gelten, nachdem der lange erwartete Kompromiß abgeschlossen ist. ES wird sein PeerSschub großen Stils stattfinden, und LanSdowne und Balfour werden dafür sorgen, daß die Veto- bill vom Oberhause angenommen wird. Der Widerstand der LordS war in dem Moment gebrochen, da König Georg sich bereit erklärt hat, wenn nötig so viel neue PeerS zu ernennen, als erforderlich sein sollten, um der Betobill die Majorität zu sichern. ES sind also nur noch Formalitäten zu erfüllen, die bestimmt sind, dar bereits feststehende Resultat zu legalisieren. Die gesürchteten Neuwahlen werden nicht stattfinden, und ein Referendum wird nicht mehr für notwendig gehalten. Der Sieg gehört Mr. ASquith und seiner Partei, er ist so vollkommen alS irgend möglich. WaS nachbleibt, ist sreilich ein bitterer Haß der Besiegten, die ihres TageS harren. Kommt einmal ein unionistischeS Kabinett wieder an? Ruder, so wird die Revanche nicht ausbleiben.
Im Albanesenaufstand ist trotz allen Lang- muteS der türkischen Regierung, die in jeder Weise sich geneigt gezeigt hat, den aufständischen Albanern entgegenzukommen und ihnen politische und wirtschastliche Zugeständnisse im Falle ihrer Unterwerfung unter die türkische Oberhoheit zu machen, ein ersichtlicher Ersolg für die Regierung noch nicht sestzustellen. Kaum ein Tag vergeht, ohne daß die Preffe
zösische Bündnis, dem Seine Majestät unser gnädiger Herr beigetreten ist, in die Hände gefallen. Der Wortlaut ist mir ungefähr im Gedächtnisse geblieben, und sehen Sie, den habe ich in stillen Nachtstunden niedergeschrieben, dem Papier anvertraut. Ich meinte, die Sache könnte mir einst von Vorteil sein." Damit griff Menzel in die Brusttasche, in der eine Papierrolle verborgen war.
Er zog sie hervor und sagte: „Diese birgt meine Notizen und steht zu Ihrer Verfügung, Herr Baron."
Maltzahn blickte dem Alten prüfend in die Augen.
„Menzel," sagte er, „Sein Geheimnis ist mir viel, unendlich viel wert. Ueberreich will ich ihn dafür belohnen. Selbstverständlich kann er nicht länger im Dienste bleiben und in Dresden wohnen. Sorg er sich nicht. Ich werde ihn mit Geldmitteln versehen, so daß Er in der Lage ist, ein behagliches Leben zu führen. Aber — aber —"
Der Gesandte suchte vergeblich nach Worten.
Menzel schien auch das Unausgesprochene zu verstehen. Er blickte dem Baron fest in die Augen.
„Sie sind erstaunt, weshalb ich Ihnen dies Geheimnis verrate, oder gerade heraus, weshalb ich zum Verräter werde. DaS ist eine lange Geschichte. Wenn Sie wollen, will ich sie Ihnen erzählen, und dann werden Sie mich vielleicht verstehen."
Er schien eine Antwort von Maltzahn zu erwarten, doch als er schwieg, suhr er fort:
„Man hat mein Kind unglücklich gemacht, hat er in die Schande getrieben und mich des einzigen Schatzes beraubt, den mein Leben befaß. Darum will ich mich rächen . . . mich rächen ..."
DaS sprach er hastig, atemlos, überwältigt von seinen Gefühlen.
Wieder machte er eine Pause, ehe er sich soweit gefaßt hatte, um zähneknirschend hinzuzufügen: „Ich will mich rächen dasür, daß man mir mein Kind genommen hat. Begreifen Sie?"
Da entsann sich Maltzahn jener Sommerabends in der Lößnitz, wo der Gras Brühl feiner Tochter erzählt, ihrer Mutter sei der Aufenthalt in Karlsbad durch eine unange-