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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 101.

Dienstag, den SS. August

1911.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 26. August 1911.

Auf Anordnung deS Herrn Minister- für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hafte ich für die Untersuchung deS aus Beobachtung-gebieten auSWsührenden Viehs durch den Herrn Kreistierarzt einen gebührenfreien UnterfuchungStag in jeder Woche am Donnerstag eingerichtet.

Die Anmeldungen wegen lastenfreier Untersuchung müssen spätestens bis zum Mittwoch, Mittags 12 Uhr, bei dem Herrn Kreistierarzt hier eingehen.

I. 10503. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 23. August 1911.

Die Aktien-Gesellschaft Kaliwerke Hattorf in Philippsthal beabsichtigt die aus ihrem Grundstückauf der Ufflange 275 m" in der Gemarkung Philipp-thal er­richtete

Lhl»rkali«mfabrik für die Verarbeitung von 10 000 D-C Rohsalze zu er- weitern.

Ich bringe daS geplante Unternehmen unter Hinweis auf meine Bekanntmachung vom 27. Oktober 1910 I. 11043 KreiSblatt Nr. 129 zur öffentlichen Kenntnis, mit dem Anfügen, daß Einwendungen hiergegen während der nächsten 14 Tage bei mir schriftlich in zwei Ausfertigungen oder zu Protokoll angebracht werden können.

Nach Ablauf der Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Rechtzeitig erhobene Einwendungen werden im mündlichen Verhandlungstermin am

»edi Den 20. Wmkr K U

vormittags 10 Uhr

(nicht Dienstag den 12. September d. Js. vormittag- 10 Uhr) in meinem Geschäft-lokale auch im Falle deS Ausbleibens deS Unternehmer- oder der Widersprechenden erörtert werden.

Die Abwässer werden in die Werra bezw. Ulster ab­geleitet.

Die Zeichnungen und Beschreibungen zu der Anlage liegen während der AuSlagefrist in meinem Büro während der Dienststunden zu Jedermann- Einsicht auS.

I. 10504. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 24. August 1911.

In Lauterbach (Hessen) ist unter den Schweinen die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.

falsches Glück.

Novelle von Th. Werner.

lNachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

11.

Die Beisetzung war vorüber; daS schwere, eiserne Tor deS Grabgewölbes hatte sich hinter dem jüngst verstorbenen Grasen Artur von Tannhagen geschlossen eS begann ein neues Leben auf Jmmenbrook.

Im Andenken an ihren Vater und um ihrer Halbbruder- willen war Tea entschlossen, den alten Groll zu vergessen und sich Valerie möglichst zu besreunden.

Valerie", hub sie daher einer Tage- in herzlichem, fast bittendem Tone an,können wir nicht bessere Freunde werden? Wir haben doch wohl beide alS Hauptinteresse EgonS Wohl im Auge um wieviel besser können wir für ihn sorgen, wenn wir zwei in Frieden und Eintracht miteinander leben!"

WaS verstehst Du unter Frieden und Eintracht!" gab Valerie schars zurück.

Daß wir un- nicht zanken, nicht streiten, immer einigen."

Ich war nie für Zank und Streit, das warst nur Du. Vom ersten Augenblick an, wo ich hierher kam, konntest Du mich nicht leiden, warst Du eifersüchtig auf mich."

Ich kann nicht leugnen, ich war traurig und gekränkt, daß mein Vater sich wieder verheiratet hatte. Doch laß das lcht mit ihm tot und begraben sein. Ich reiche Dir die Hand iu aufrichtiger treuer Freundschaft. Nimm sie an. Laß uns gemeinsam für Egon- Beste- sorgen."

Aber Valerie- unedle Denkung-art machte sie mißtrauisch. . «Was willst Du von mir? Rede offen. Du hast irgend eme besondere Absicht um war handelt eS sich?"

Einzig und allein darum, Dich bei Egon- Er- w'tz «^ *u ""^stützen, daß er ein recht guter, edler Mensch

Die Bahnhofstraße daselbst bildet den Sperrbezirk und die Stadt und Gemarkung Lauterbach daS BeobachtungSgebiet.

I. 10628. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 24. August 1911.

Die Rotlaufseuche unter den Schweinen deS Lohgerber- Conrad Bätz hier ist erloschen.

I. 10627. Der Landrat

von Gruneliur.

nichtamtlicher teil.

Raiftriag* in Alton«.

Der Kaiser weilt nach Beendiguug seines Aufenthaltes auf Schloß Wilhelmshöhe augenblicklich in Altona, wo er am Vormittag deS 25. August mit der Kaiserin, der Prinzessin Viktoria Luise und dem Prinzen Adalbert im Hofsonderzuge von Station WilhelmShöhe kommend, eintraf. Bei der An­kunft der kaiserlichen Herrschaften wurden sie vom Kronprinzen und seinen Brüdern, den Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm, OSkar und Joachim, ferner von der Prinzessin Eitel Friedrich, vom Großherzog von Oldenburg, vom Prinzen Friedrich Leopold von Preußen, sowie von den Spitzen der Militär- und Zivilbehörde empfangen, auch der Fürst von Fürstenberg und Generalfeldmarschall Gras Haeseler waren anwesend Nach Erledigung der gesamten Empfang-zeremonien erfolgte der jeierliche Einzug der Majestäten in die Stadt bis zum Anlegeplatz derHohenzollern". Die Kaiserin und die Prinzessinen 'Viktoria Luise und Eitel Friedrich fuhren im offenen vierspännigen Wagen, der Kaiser und die übrigen Fürstlichkeiten ritten neben dem Wagen her. Während des Einzuges läuteten die Glocken, die Truppen und die Schul­kinder bildeten Spalier. Vor dem Rathause nahm der Kaiser einen ihm angebotenen Ehrentrunk der Stadt Altona nach einer BewillkommnungSansprache deS Oberbürgermeisters ent- entgegen. Der Kaiser gab in seiner Erwiderung seiner Genug­tuung über die kräftige Entwickelung der Stadt Altona Aus­druck und trank aus daS Wohl der Stadt. Unter dem Jubel der Bevölkerung setzten die Majestäten dann ihren Einzug fort und nahmen schließlich an Bord der Hohenzollern Wohnung. AbendS 7 Uhr war im Beisein deS Kaiserpaares Tasel für die Provinz Schleswig-Holstein im HotelKaiserhof". Im Laufe der Tasel richtete Oberpräsident von Bülow eine kurze Ansprache an die Majestäten, in ihr betonend, daß SchleSwig-Holstein die Heimat der Kaiserin sei. Der Kaiser erwiderte mit einer kernigen Rede, in welcher er der mannig- sachen Bande gedachte, welche fein Haus mit der Provinz SchleSwig-Holstein verknüpfen, und besonders die Kaiserin als echt deutsche Frau und Mutter feierte. Weiter hob er er hervor, daß ihre Söhne, die kaiferlichcn Prinzen, zu ernsten

Halb spöttisch zuckte es um Valeries Mundwinkel.

Nein, meinen Jungen erziehe ich wie ich will, nicht wie Du willst. Er soll kein Duckmäuser, kein Einsiedler werden, er soll sein Leben genießen. So lange Du Herrin hier warst, hattest Du Deinen Willen, jetzt hat alles hier zu ge­schehen, wie ich es wünsche."

Damit waren TeaS beste selbstlose Vorsätze vernichtet; das Leben war ihr fast unerträglich. Fritz Dornberg war der einzige, mit dem sie über ihren Vater sprach, der für ihre be­klagenswert demütigende Lage Verständnis hatte.

Fühlte sie sich in ihrem Kummer einmal ganz unglücklich und vereinsamt, so flüchtete sie sich zu ihm. Sie suchte ihn auf im Bibliothekzimmer und erleichterte sich ihr Herz bei ihm, dem einzigen, der sie verstand, den aber solche Stunden für sie so schmerzlich schon allein um der Beisammenseins mit ihr ganz besonders beglückten.

Er konnte sich nicht satt sehen an ihrem Gesicht, ihre Stimme war ihm die schönste Musik.

Während Tea unbesangen und ahnungslos war mit seinen Gesühlen für sie, steigerte sich seine Liebe zu ihr bis zu einer sinnlosen Leidenschaft, über die er nicht mehr Herr war.

12.

Noch war das Trauerjahr nicht zu Ende, als Valerie eine- Tages Tea die Mitteilung machte, daß sie für ein paar Wochen zu Freunden nach Paris zu gehen beabsichtige.

Tea wunderte sich im Stillen, daß zu ihres Vaters Leb­zeiten nie von diesen Freunden die Rede gewesen war, sagte aber nicht- darüber, da sie auS Erfahrung wußte, daß Worte zwecklos waren. Valerie zeigte sich außerordentlich liebenswürdig.

Ich wäre Dir dankbar", sagte sie,wenn Du dich während meiner Abwesenheit Egon annähmst, Dir, weiß ich, kann ich ihn anvertrauen."

DaS kannst Du", versetzte Tea, wiewohl sie in der Bo ziehung nicht mehr so die feste Zuversicht hatte, wie srüher; eS hatten sich deS Knaben schlechte Eigenschaften, so auS-

tatkräftigen Männern erzogen worden und freudig bereit seien, falls er gelten solle, ihr Leben dem Wohl deS Vaterlandes zu opfern. Im ferneren Verlaufe der Rede bekundete der Kaiser seine Freude über daS Vorwärtsstreben der Provinz SchleSwig- Holstein, namentlich ihrer landwirtschaftlichen Bevölkerung, wobei der Kaiser auf die große Dürre dieser Sommer- zu sprechen kam, sie alS eine Prüsung charakterisierend, die der Himmel über Deutschland verhängt habe. Er bezeichnete dann Schleswig-Holstein alS einen ewig unlösbaren Teil deS deutschen Vaterlandes und trank zuletzt auf da- Wohl dieser Provinz. Nach Beendigung der Tasel hielt das Kaiserpaar Cercle ab und kehrte hieraus an Bord derHohenzollern" zurück.

Hamburg-Großborstel, 27. August. Heute nach­mittag besuchten Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin die Rennbahn in Großborstel, wo der Hamburger Sport-Club unter anderem ein Kaiser-Parade-Jagdrennen angesetzt hatte, für welches Se. Majestät der Kaiser einen Ehrenpreis, bestehend aus einer Garnitur von Manövergebrauchsgegenständen für einen Offizier, gestiftet hatte. Bei dem sehr schönen Wetter war die Rennbahn übervoll besucht. Gegen 4 Uhr kehrten Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin wieder nach der Hohenzollern zurück. AbendS begaben sich die Majestäten im Automobil von Sr. Majestät Jacht Hohenzollern nach Hamburg, um der Einladung der Hamburger SenatS zu einem Festmahl im Rathause zu folgen. An dem Festmahl nahmen ferner teil die sämtlichen anwesenden Fürstlichkeiten, die Bürgermeister von Bremen und Lübeck, die Generalseldmarschälle und die Spitzen der Behörden. Die Majestäten wurden auf ihrem Wege allenthalben stürmisch umjubelt. Vor dem Rathause stand eine Ehrenkompagnie vom Infanterie-Regiment Hamburg (2. Hanseatisches) Nr. 76. Daneben waren zahlreiche ehemalige 76er mit ihrer Fahne auftnarschiert. Bei dem Festmahl brächte der Präsident der SenatS Bürgermeister Dr. Predöhl einen Trinkspruch auf die Majestäten auS, worauf der Kaiser mit einem Toast auf Hamburg erwiderte. Nach der Tafel trug der Hamburger Lehrergesangverein einige Lieder vor. Die Majestäten hielten Cercle.

Frankreichs Memitn ut NW*

PariS, 26. August. Die hierher telegraphierten Meldungen über die deutschen Kompensationsforderungen im Kongogebiet und das Verlangen einet handelspolitischen Einflußsphäre in Südmarokko haben hier insofern angenehm gewirkt, alS damit den tendenziösen Nachrichten von völlig unzulässigen, über­schwenglichen Ansprüchen Deutschlands unzweideutig entgegen­getreten wird. Der TempS meint hierzu, daß die Kompen- sationssrage erst als dritter Punkt der am 3. oder 4. September in Berlin neu anzuknüpfenden Verhandlungen in Aussicht steht. Die zwei ersten Punkte würden zu lauten haben: Die künftige politische Lage in Marokko" undWirtschaft­liche Neuerungen" in Marokko". Diese Anordnung erschiene im französischen Interesse um so dringender geboten, als von

gebildet, daß sie fast die Hoffnung verloren hatte, ihn noch zu bessern.

Ich sehe ihn vielleicht alS Musterkind wieder", lachte Valerie.Ich weiß, er ist gerade da- Gegenteil von dem, wie Du ihn gern hättest; bei alledem ist er ein kleiner, schlauer Patron. Widersprich ihm nur nicht zu viel, daS kann er nicht vertragen."

Mit Valeries Abreise zog für Tea der Geist deS Friedens wieder aus dem Schlosse ein. Sie war wieder allein, war wieder Herrin auf Jmmenbrook; hätte dar Lärmen deS jungen Erben sie nicht beständig an die schreckliche Ver­gangenheit erinnert, sie hätte alles für einen bösen Traum halten können.

Den Knaben hatte sie fast immer um sich; sie hoffte, ihn so am besten beeinflussen und leiten zu können.

Vor allem suchte sie ihm den Unterschied zwischen Wahr­heit und Lüge, zwischen Liebe und Haß klar zu machen keine leichte Arbeit für sie, denn nur allzu bald erkannte Tea, daß er ganz den Charakter seiner Mutter hatte.

Von Lesen, Rechnen, Schreiben hatte er trotz seiner bald sieben Jahre noch keine Ahnung, man hätte fast glauben mögen, daß seine Mutter ihn absichtlich davon zurückhielt, um ihn desto mehr beeinflussen zu können.

Wie bei allen ernsteren Angelegenheiten zog Tea auch be­züglich deS Knaben Dornberg zu Rate.

Ein guter Hauslehrer, der seinen Pflichten mit wirk­lichem, warmem Interesse nachkommt, wäre wohl das beste für ihn", riet dieser.

Daran habe ich auch schon gedacht", entgegnete Tea lächelnd;aber ich wage nicht, einen Hauslehrer zu engagieren, dem würde seine Mutter bei ihrer Rückkehr doch sofort die Tür weisen. Wenn Sie selbst sich aber der Mühe unter­ziehen, sich ihm täglich ein paar Stunden widmen wollten, würden wir sicher etwas erreichen", setzre sie zögernd in halb bittendem Tone hinzu.

Es gibt nichts, das ich Ihnen zu Gefallen nicht täte, Komteß. Wenn Sie es wünschen, bin ich gern bereit dazu."

Aber Ihre übrigen Arbeiten?"