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herrMer Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 103.
Donnerstag, den 31. August
1911.
Amtlicher teil.
HerSseld, den 25. August 1911.
Der von der Gemeinde Heringen vorgestellte Zuchtbulle, Simmentaler Rasse, Gelbschäck, weißer Kops, 16 Monate alt, ist von der Körungskommission am 12. August d. Js. besichtigt und zu Zuchtzwecke für brauchbar befunden worden.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. Nr. 5443. von GruneliuS.
HerSseld, den 25. August 1911.
Der von der Gemeinde Biedebach vorgestellte Zuchtbulle, Simmentaler Rasse, Gelbschäck, weiße Stirn, 14 Monate alt, ist von der Körungskommission am 6. Juli d. JS. besichtigt und zu Zuchtzwecke für noch brauchbar besunden worden.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. Nr. 5446. von GruneliuS.
nichtamtlicher teil.
Sir den neuen Marekkß-Lerhnndlnngen.
Der Staatssekretär deS Auswärtigen v. Kiderlen-Waechter ist von seiner Reise bereits wieder in Berlin eingetroffen und hat seine Amtsgeschäfte übernommen. Der Ankunft des Reichskanzlers wird für morgen entgegengesehen. Der französische Botschafter Cambon dürfte am Freitag nach Berlin zurückkehren. Ueber die in PariS herrschende Auffassung von dem augenblicklichen Stande der Marokkofrage berichtet folgende Meldung:
PariS, 29. August. Botschafter Julius Cambon erhielt gestern in seiner Unterredung mit dem Minister de GelveS die Instruktionen der französischen Regierung zu den Verhandlungen, die in Berlin wieder ausgenommen werden. Diese Instruktionen find entgegen der früheren Meldungen nicht schriftlich. Der Botschafter wird voraussichtlich morgen ab- reijen und zuvor noch eine Besprechung mit dem Minister- Präsidenten Caillaux haben, der heute abend nach PariS zurückkehrt. Der Gesundheitszustand deS französischen Diplomaten ist besser, doch ist Botschafter Cambon noch immer etwas leidend. Daher erscheint die Verlegung der ersten Begegnung aus Freitag wahrscheinlich, damit Cambon sich noch etwas von der Reise auSruhen kann, ehe er die französischen Vorschläge der deutschen. Diplomatie unterbreitet. Es ist wahrscheinlich, daß Staatssekretär v. Kiderlen-Waechter entweder sofort oder innerhalb vierundzwanzig Stunden seine Antwort formulieren wird. Falls diese günstig auSsällt und jede Möglichkeit weiterer Differenzen ausschaltet, bedarf er gleichwohl noch längerer Verhandlungen über Einzelsragen, und einige davon erfordern zweifellos längeres Studium, aber wenigstens
falsches Glück.
Novelle von Th. Werner.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
14.
AlS Tea kurz nach des Hauslehrers Ankunft in bei Wohnzimmer trat, fand sie ihn und Valerie zusammen aus dem Sofa sitzen und in freundschaftlicher Weise lachen und plaudern.
AlS Tea so unerwartet eintrat, sprang Henri de Nogent aus und begrüßte sie mit bewunderndem Blick und ehrerbietiger Verbeugung.
„Mein Vetter!" stellte Valerie «ihn vor. AlS dieser sich aber lachend dagegen verwahrte, meinte sie sich verbessernd: „Nun wenn auch nur Vetter im achten Grade."
In Teas Gegenwart hielt Monsieur de Nogent sich etwas bescheidener zurück. Egon wollte nichts von ihm wissen. Als jener den Knaben einmal an sich zog und ihn aus die Knie nehmen wollte, sträubte er sich dagegen und meinte offen: »Du gefällst mir nicht mit Deinen schwarzen Augen — ich habe Herrn Dornberg viel lieber als Dich!"
Monsieur de Nogent schien eS auch! mit dem Unterricht nicht zu drängen. Am ersten Tage machte er einen weiten Ritt mit Valerie. Am nächsten fuhren sie gleich nach dem zweiten Frühstück zusammen nach Eckstädt; als aber auch für den dritten Tag wieder eine weite Tour geplant wurde, konnte Tea sich der Frage nicht enthalten, wann denn nun der Unterricht beginne.
Da lachte Valerie und meinte:
„Erst muß Monsieur sich doch ein bißchen akklamatisieren; 'ch habe ihm auch versprochen, ihm die Umgegend zu zeigen
'ch werde eS ihm schon sagen, wenn er mit dem Unterricht anfangen soll."
So verstrich ein Tag nach dem andern — man ritt auS, fuhr aus, man streifte stundenlang in dem lauschigen Schloßpark einher oder saß an kühlen Abenden lachend und
wird, sobald daS neue Abkommen im Prinzip einmal scstgelcgt ist, jede Unklarheit über die Grundlage der Debatte verschwinden. Man zeigt heute auch in Paris eine deutliche Tendenz zu optimistischer Auffassung der Lage. Man hofft, daß, wenn Deutschland Frankreich eine Erweiterung seiner Rechte in Marokko zuerkenne, eine Transaktion bezüglich der Regelung der KompensationSfrage zustandekommen werde, die dem Interesse beider Teile und ihrer Würde entspreche. BiS spätestens Sonnabend erwartet man über die Absichten der deutschen Regierung klar unterrichtet zu sein.
London, 29. August. Unter der Spitzmarke „Deutsche Taktik in Marokko" bringt die Daily Mail folgende Depesche aus Tanger: Die Geschäfte in Marokko sind gänzlich zum Stillstand gelangt infolge des unsicheren AusgangeS der deutsch-französischen Verhandlungen. Da die französische Anleihe noch nicht abgeschlossen ist, müssen alle öffentlichen Arbeiten unterbrochen werden, denn eS ist kein Geld für diese Zwecke vorhanden. Man ist hier überzeugt, daß Deutschland die Verhandlungen so lange hinziehen wird, bis die Brüder ManneSmann ihre Forschungen nach Mineralien im Sus- Lande beendet haben. Riesige Summen sind von den Deutschen auSgegeben worden. Mindestens zwei Millionen Mark sind als Bestechungsgelder zur Verteilung gelangt. Der Sultan allein hat 1200 000 Mark für an Deutsche verliehene Konzessionen erhalten. Wenn das SuS-Land sich nicht so reich erweisen sollte, wie manche Leute glauben, so wird sich Deutschland wohl willfähriger erweisen. Wenn aber die Berichte der Brüder ManneSmann günstig lauten, wird Deutschland daraus bestehen, daß das Sus-Land als seine kommerzielle Einflußsphäre anerkannt wird.
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Aus Ja- und Ausland.
Den Kaisertagen von Altona-Hamburg sind die Kaiser- tage von Stettin auf dem Fuße nachgesolgt. Am Montag vormittag um V2II Uhr erfolgte mittels Sonderzuges die Ankunft des Kaiserpaares und der Prinzessin Viktoria Luise in der pommerschen Hauptstadt; am Bahnhof fand großer militärischer Empfang statt, wobei auch der Kronprinz und seine Brüder anwesend waren. Unter dem brausenden Jubel der Bevölkerung erfolgte dann der Einzug der Majestäten in die Stadt. Vor dem Rathause wurden sie von dem Oberbürgermeister Dr. Ackermann mittels Ansprache begrüßt, in welcher der Redner u. a. daraus hinwieS, daß der verewigte Kaiser Friedrich alS Statthalter von Pommern sein Andenken tief in die Herzen der Bürger Stettins eingegraben habe, woran der Oberbürgermeister den Wunsch knüpfte, es möchte den Stettinern wieder einmal ein Statthalter von Pommern aus dem Hohenzollernhause beschieden sein. Der Kaiser nahm nach dieser Ansprache de- Oberbürgermeisters zunächst einen ihm angebotenen Ehrentrunk der Stadt Stettin entgegen und erwiderte dann in gnädigen Worten, die alten Verbindungen
plaudernd im Warmhause — weshalb Monsieur de Nogent eigentlich hier war, davon war überhaupt nicht wieder die Rede.
Nach acht Tagen nahm Fritz Dornberg den Unterricht wieder aus.
15.
In der Nachbarschaft fing man an sich mißliebig über das Leben und Treiben im Schlosse zu äußern. ES kamdaS wohl auch Valerie zu Ohren, aber sie ließ eS sich nicht kümmern. — Bei einer ihrer Abendgesellschaften schien sie ihre Pflichten alS Wirtin vollständig vergessen zu haben — außer Henri de Nogent existierte überhaupt niemand weiter für sie. Sie eröffnete den Ball mit ihm, tanzte fast ausschließlich nur mit ihm; sie kokettierte mit ihm, zog sich mit ihm in den kühlen, stillen Wintergarten, auf die vom Mond beschienenen Veranden zurück. Monsieur de Nogent führte sie zu ihrem Tische, er wich den ganzen Abend kaum von ihrer Seite und nahm sie fast ausschließlich für sich allein in Anspruch.
Daß infolge deS wenig netten ToneS, der feit Monsieur de Nogents Anwesenheit in den Gesellschaften auf dem Schlofft eingerissen war, die vornehme Nachbarschaft sich mehr und mehr zurückzog, kümmerte Valerie wenig; es blieben ja immer noch Leute genug, die eS sich gewissermaßen zur Ehre an- rechneten, zu den Bällen, Soupers und Maskeraden der Gräfin von Tannhagen auf Jmmenbrook erscheinen zu dürfen.
Tea litt schwer unter diesen Verhältnissen, die sie schweigend dulden mußte. Sie sah blaß und angegriffen aus und sehnte sich nach anderen, besseren Eindrücken, so daß sie gern von Frau von SchmettauS Einladung, auf ein paar Wochen zu ihr zu kommen, Gebrauch machte.
Der erste, der ihr in deren HauS entgegentrat, war Herr von Oetting. _
Er war erst vor einigen Tagen von Aegypten heimgekchrt und entzückt, sie hier zu treffen.
„Ich hatte mir fest vorgenommen, Sie wiederzusehen, Komteß, und wenn ich ganz Deutschland hätte nach Ihnen durchforschen müssen. Hauptsächlich die Hoffnung, Sie hier
PommernS und Stettins mit dem Hohenzollernhause hervorhebend. Weiter sprach er die Hoffnung auS, daß die StaatS- regierung den Wünschen der Stadt Stettin nach ihrer Weiter- entwickelung entgegenkommen werde. Hieraus setzten die Majestäten ihren Einzug fort und nahmen schließlich im Königlichen Schlosse Wohnung; bald nach ihrer Ankunft im Schlosse hielten der Kaiser und die Kaiserin großen Zivilempsang ab. Um 2 Uhr nachmittags traf das schwedische KönigSpaar mit dem Panzerschiff „Oskar II." im Stettiner Hafen ein; daS Kaiserpaar war kurz vor der Ankunft deS „Oskar n." an der Landung-stelle erschienen und begab sich dann an Bord deS „OSkar II." zur Begrüßung der schwedischen Majestäten. Bald daraus suhren der Kaiser mit dem König von Schweden und die Kaiserin mit der Königin von Schweden in a la Daumont bespannten Wagen unter militärischer Ehren-ESkorte nach dem Schlosse, wo später Familientasel stattsand. AbendS 6 Uhr war im Schlosse Tasel für die Provinz Pommern. Im Verlause der Tasel brächte der Kaiser einen Trinkspruch auf die Provinz aus, hierin die große Entwickelung Stettin- hervorhebend und im besonderen die vorbildlichen Fortschritte der pommerschen Landwirtschaft rühmend. Im weiteren pries der Kaiser die altbewährte Pommerntreue und erklärte zum Schluß, daß er alS neuen Beweis seiner Zuneigung zu dieser Provinz seinen zweiten Sohn, den Prinzey Eitel Friedrich, zum Statthalter von Pommern ernenne. In der neunten Abendstunde unternahmen der Kaiser und der König von Schweden, begleitet von sämtlichen in Stettin anwesenden Fürsten und Prinzen eine Dampfersahrt auf der Oder bei festlicher Beleuchtung der Ufer.
Gegen die Einschränkung des griechischen Unterrichts an den humanistischen Gymnasien hat sich der Gesamtsenat der Universität Gießen einstimmig erklärt. In der Erklärung, der sich auch die ^Vertreter der Naturwissenschaften angeschlossen haben, wurde ausgeführt, daß eine Preisgabe oder erhebliche Einschränkung deS Griechischen mit der Preisgabe deS humanistischen Gymnasiums überhaupt gleichgesetzt werden müsse. Vermutlich wird dieses Vorgehen der Gießener Universität, so schreibt daS „Berliner Tagebl." auch von anderen Universitäten mitgemacht werden. Vielleicht dars in diesem Zusammenhang daraus hingewiesen werden, daß der Kaiser kürzlich vor den Primanern deS Caffeler Gymnasiums für die griechische Bildung auf den Gymnasien mit großer Wärme eingetreten ist.
In Beantwortung einer Anfrage deS Berliner Korrespondenten der Daily Mail, ob die Hamburger Kaiserrede die baldige Einbringung einer neuen deutschen Flotten- vorlage bedeutet, hat der Präsident deS FlottenvereinS Großadmiral v. Köster folgende telegraphische Antwort gesandt: „Meines Erachten- läßt Kaiserrede zunächst nicht Absicht zu, daß deutsche Flotte über den Stand deS Flotten- gesetzeS erweitert werden soll. Dem Wunsch aller nationalgesinnten deutschen Männer aber würde es entsprechen, daß unsere
zu finden, lockte mich hierher. Ich wäre ja damals schon am liebsten hergekommen und hätte meine Reisepläne nach Italien und Aegypten umgestürzt, wenn ich meinen Freunden nick verpflichtet gewesen wäre. Ach, Sie ahnen nicht, wie Ihr Bild mich überall hin begleitet hat — nach den Ufern deS Nils, an die mächtigen Pyramieden, in den Schatten der Riesenpalmen — immer und überall schwebten Sie mir vor; sobald ich deutschen Boden betrat, kam ich zuerst hierher, Sie wiederzusehen."
Halb erschrocken über feine feurigen Worte hielt der junge Mann plötzlich inne, Tea aber zürnte ihm offenbar nicht.
„Woher wußten Sie denn überhaupt, wer ich bin?" meinte sie lächelnd. „Ich nannte Ihnen doch meinen Namen nicht."
„Nein — Sie waren grausam verschwiegen; aber in dem Hotel, wo sie logierten, sagte man mir, daß Sre die Komteß von Tannhagen, Erbin von Jmmenbrook seien.
Ein Schatten glitt über Tcas Züge.
„Erbin von Jmmenbrook bin ich nicht mehr."
„So hörte ich kürzlich — nun verstehe ich auch den Grund Ihres damaligen Kummer-."
Wie lebhaft erinnerte Tea sich jetzt wieder jener Szene: der blaue, wolkenlose Himmel, das klare Gewässer, die malerischen Ruinen, die hohen, von Efeu umrankten Bogen- senster, das dichte, hohe Gras, in daS sie sich in ihrer Ber- zweiflung hatte sinken lasten.
„Trotz allem, was ich seitdem erlebt habe, steht mir jener Morgen so lebhaft in der Erinnerung, alS wäre eS gestern gewesen", sagte sie.
„Und ich habe trotz all dem Schönen und Wunderbaren, daS ich seitdem gesehen habe, jene Stunde an keinem Tag vergessen", versetzte er ernst. „
„So viel haben sie unseres damaligen Begegnisses gedacht?" fragte sie unbefangen.
„Mehr als Sie ahnen können", gab er zurück, woraus sie beide längere Zeit schwiegen. — —
Trotz des Kummers, der mit Zentnerschwere aus Tea lastete, verbrachten die Zwei doch reizende Tage in dem gastlichen Hause.