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Herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage”
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 103.
Sonnabend, den 2. September
1911.
Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten.
Erstes Blatt.
Amtlicher teil.
HerSseld, den 31. August 1911.
Der Landweg WölferShausen-Herfa wird wegen Ausfüh
Hersfeld, den 17. August 1911.
Die diesjährige Pferdevormusterung im Kreise Hersfeld findet an folgenden Terminen statt:
Am
Anfang Uhr
Bezeichnung der Gemeinden.
20. Sep.
715
730
8
830
Gersdors mit Willingshain Frielingen Heddersdorf Kirchheim mit Goß-
21. Sep.
22. Sep.
913
930
10
1130
81Ö 915 7 so 815
mannsrode, Rotter- terode u. Reckerode Gershausen Reimboldshausen Kemmerode Kleba
Hattenbach Niederjoffa Niederaula Mengshausen mit
915
Engelbach u. Solms
Kerspenhausen mit
10
1030
Hilperhausen und Roßbach Beiershausen Asbach mit Kohl-
23. Sep.
25. Sep.
11'
6 Abd.
730
915
Hausen
Eichhof
Hof Bingartes Stadt Hersfeld mit Gut Meisebach ' Mecklar m. Meckbach
1015
Rerlös
Am
Anfang Uhr
Bezeichnung der Gemeinden.
25. Sep.
26. Sep.
27. Sep.
l045
11
12
8
8so
845
915
945
1015
8
830
Rohrbach
Tann mit Biedebach
Friedlos
Kalkobes
Allmershausen mit
Heenes Gittersdorf Untergeis Obergeis Aua Wilhelmshof mit
Gut Oberrode und
Petersberg
Sorga mit Kathus
845
915
1015
11
1130
1215
1
Hermannshof
(an der Straße bei Friedewald)
Malkomes und
Dünkelrode (an der Straße Hersseld- Friedewald)
Friedewald m.Herfa
Lautenhausen
Hillartshausen mit
Unterneurode Ausbach mit Gethsemane Röhrigshof
Am
Anfang Uhr
Bezeichnung der Gemeinden.
28. Sep.
745 845
9
9 80
Philippsthal Heimboldshausen Harnrode
Lengers mit Bengen-
29. Sep.
1015
11
H30
730
815
915
dorf und Wölfers- hausen
Heringen
Leimbach Widdershausen Ransbach Wehrshausen Hilmes m. Motzfeld
10
Schenklengsfeld mit
6. Okt.
1115
H30
1215
1
2 N.
Oberlengsfeld, Lam- pertsfeld u. Schenk- solz
Conrode
Wüstfeld mit Wippershain Landershausen Unterweisenborn Stärklos m. Kruspis
7. Okt.
1015
1020
1030
1Q45
und Holzheim Eitra Sieglos Oberhaun Unterbaun mit
Rotensee
Da wo mehrere Orte zusammen gemustert werden, ist der Ort, wo die Musterung stattfindet, unterstrichen. Wenn nichts anderes bestimmt ist, sind die früheren Musterungsplätze beizubehalten.
Ich weise die Ortspolizeibehörden an, die bestimmten Termine alsbald auf ortsübliche Weise bekannt zu machen und insbesondere zur Kenntnis derPferdebefitzer zu bringen. "’&te Verzeichnisse her vorhandenen Pferde (Vor- führungslisten), zu welchen Formulare übersandt werden, sind alsbald in zwei Exemplaren anzufertigen.
Hierbei ist folgendes genau zu beachten:
1. Die bei der letzten Musterung als dauernd kriegs- unbrauchbar bezeichneten Pferde werden weder m die Listen ausgenommen, noch vorgeführt; ebenso auch nicht die durch Verkauf pp. in Abgang gekommenen Pferde.
2. In die Listen einzutragen und vorzuführen sind vielmehr:
a.‘ die als kriegsbrauchbar bezeichneten Pferde.
b. die vorübergehend (zeitig) kriegsunbrauchbaren und c. die durch Erreichung des vorgeschriebenen Alters (einjährig) oder durch Kauf hinzugekommenen, sowie selbstverständlich auch die bei der letzten Musterung aus irgend einem Grunde (hochtragend, lahm) nicht vorgeführten.
3. Die in Zugang gekommenen Pferde sind den betreffenden Besitzern zuzuschreiben und nicht erst am Ende der ganzen Liste nachzutragen.
4. Auf die Ausfüllung der Spalte 6 der neuen Vorführungsliste : „Bestimmung der letzten Vormusterung (durch den Gemeindevorsteher vor der Musterung aus- zufüllen)" mache ich besonders aufmerksam. Die Ausfüllung ist folgendermaßen abgekürzt vorzunehmen.
R. I. für Reitpferde I,
R. II. „ „ II.
I- S. „ Zugpferde I. Stangen
I. V. „ „ i. Vorder
II. 8. „ „ II. Stangen
II. V. „ „ ii. Vorder
b. s. „ besonders schwere Zugpferde I. oder II.
Sämtliche Pferde sind durch die ganze Liste durch- Wunnnerieren. Die Stummern müssen deutlich und groß 2^der linken Kopfseite der Pferde befestigt werben^
rung von JnstandjetzungSarbeiten aus der Strecke von der Dampfziegelei bis zu den neuen Schachtanlagen für den gewöhnlichen Fuhrwerksverkehr von heute ab bis e i n - schließlich den 9. September d. Jr. polizeilich gesperrt.
Die Herren OrtSvorstände der im AmtSgerichtSbezirk Friedewald belegenen Gemeinden haben Vorstehendes sofort auf ortsübliche Weise in den Gemeinden bekannt machen zu lassen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. Nr. 5563. von Grunelius.
6. Bei Pferden, welche bei der letzten Musterung als kriegsbrauchbar bezeichnet worden sind, sind außerdem an der linken Seite die nach § 5 der Pferdeaushebungsvorschrift vorgeschriebenen Bestimmungstäfelchen anzu- bringen. Etwa noch fehlende Täfelchen können von hier bezogen werden.
Hinsichtlich der Vormusterung selbst gelten folgende Bestimmungen:
Pferdebesitzer, welche ihre gestellungspflichtigen Pferde nicht rechtzeitig vorführen, haben außer der gesetzlichen Strafe zu gewärtigen, daß die nicht gestellten Pferde zwangsweise auf Kosten des Pferdebesitzers herbeigeschafft werden.
Die Herren Ortsvorstände, und im Behinderungsfalle ihre Stellvertreter, haben sich zu dem Musterungstermin einzufinden, und die angefertigten Vorführungslisten dem Commissar vorzulegen. Die Vorführungslisten vom Jahre 1910 sind gleichfalls mit zur Stelle zu bringen. (Siehe Anmerkung 3 des Titelblatts der Vorführungs- liste). Dem Musterungs-Commissar ist sofort Anzeige zu machen, falls Pserdebesitzer nicht sämtliche Pferde vorführen. Die Ortsvorstände sind ferner verpflichtet, für die Gestellung der zum Ordnen und Vorführen der Pferde erforderlichen Leute sowie insbesondere dafür zu sorgen, daß das Vorführen genau in der Reihenfolge der Vorführungsliste stattfindet. Hierzu ist erforderlich, daß die Pferde pünktlich zur angesetzten Zeit übereinstimmend mit der Liste nebeneinander ohne große Zwischenräume aufgestellt sind. Zur Vermeidung von unliebsamen Verzögerungen ist ferner streng darauf zu achten, daß die an den Pferden befindlichen 9tummern und Bestimmungstäfelchen nicht nach Belieben gewechselt werden, sondern daß sie stets auss genauste übereinstimmend mit der Vorführungsliste belassen werden.
Das in der Gemeinderepositur befindliche Verzeichnis der vorhandenen kriegsbrauchbaren Fahrzeuge ist zu der Vormusterung ebenfalls mitzubringen.
Schließlich ist noch besonders daraus hinzuweisen, daß nur bei pünktlichster Einhaltung der angesetzten Termine und vollständiger Ausfüllung der Listen eine glatte Abwickelung des Musterungsgeschäfts ermöglicht werden kann. Es liegt deshalb die genaueste Beachtung
der getroffenen Bestimmungen im eigenen Interesse der Pferdebesitzer.
I. I. 10256. Der Landrat von Grunelius.
Zugelaufen.
Ein schwarzgrauer Schäserhund. Meldung des Eigentümer- bei dem OrtSvorstand in Wehrshausen.
nichtamtlicher teil.
Stern 2. September.
Der 2. September ist jener unvergeßliche Tag, an dem vor nunmehr 41 Jahren die Glocken von Turm zu Turm durchs Land die Kunde trugen von dem Falle der Festung Sedan und der Gefangennahme des französischen Kaisers. Diesen Tag festlich zu begehen, ist deS deutschen Volke- Recht und Pflicht, und mit besonderer Befriedigung ist e- zu begrüßen, daß auch in diesem Jahre wieder der preußische Kultusminister die Schulen angewiesen hat, den alten guten Brauch der Sedanseier zu wahren. Die Jugend soll sich erbauen und erheben an den Bildern au- den großen, gewaltigen, gesegneten Tagen, von denen namentlich der Tag von Sedan in Wahrheit und in der Wortes eigenster Bedeutung der Grundstein wurde zur Einigung Deutschland- unter dem Banner de- neuerstandenen deutschen Kaisertum-. Er sollte zur Ersüllung bringen, waS der Dichter Oskar von Redwitz beim Au-bruche deS KriegeS dem Kaiser der Franzosen zuge- rusen hatte:
Der Heldengeist der AüheüSkriege,
Er braust durch- Volk mit auferstandener Macht.
Wenn jetzt ein Arndt und Körner niederstiege,
Sie glaubten, ihre Zeit sei neu erwacht.
Wie über deinen Ohm und Namensvetter
Wird Fluch um Fluch auch über dich «gehn!
Und, wie bei Leipzig einst, ein Echlachtenwetter,
DaS dich vernichtet — daS ist unser Flehn!
DaS Wort deS Dichter- ist bei Sedan in Erfüllung gegangen. Jene Stunde der Begeisterung, jene Verbrüderung nicht nur der siegreichen Waffengefährten, sondern aller Deutschen im Süden und im Norden, sie wog die Jahrzehnte und Jahrhunderte bitteren Leides der deutschen Völker aus und schus endlich die Verwirklichung des Traumbildes, welche- den besten deutschen Männern vorgeschwebt hatte. ES war ein gewaltiger Hauch, der Deutschland durchwehte, als die Kunde von dem nahezu unglaublichen Geschehnis die Lande durcheilte. Ein einziger Pulsschlag bewegte Millionen Herzen. Wohl noch niemals war Deutschland von so einmütiger Begeisterung ergriffen. Die überwältigende Größe der Wirklichkeit, die Gewißheit, daß nun daS deutsche Volk einig sei, steigerte sich zu einem andächtigen Gefühle, welche- in dieser Eigenart und Stärke in Jahrhunderten nicht wiederkehrt, und auS dem Volke der Grübler, Denker und Träumer war mit einem Male ein selbstbewußtes, entschlossene- und tatkräftige- Volk geworden.
Darum soll mit Recht die Wiederkehr diese- glorreichen TageS geseiert werden. Der Name Sedan wird heute und immerdar im deutschen Volke ein erhabenes Gesühl bei Stolzer, eine Empfindung der wahren und reinen Vaterlandsliebe erwecken, weil von dem Tage von Sedan an das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit, der Einheit im deutschen Volke eine Krast erlangte, die zur Begründung dieser Einheit, zur Begründung des Deutschen Reiches notwendig führen mußte. Wenn wir uns aber siegeSstolz der Saat jener Tage erinnern, so gedenken wir auch der Kämpser, welche auf den blutgetränkten Gefilden den Heldentod erlitten, sowie aller derer, welche dort mitgefochten haben, vor allem aber deS großen Otto v. BiSmarck, welcher die deutschen Völker mit Blut und Eisen zusammenschweißte. Der Sedantag sei un8 aber zugleich eine Mahnung, allezeit daS Dichterwort zu beherzigen: „AnS Vaterland, anS teure, schließ dich an I*
Zwar hat der Tag von Sedan den erhofften und ersehnten Frieden nicht sogleich mit sich gebracht. Aber der 2. September wird dessen ungeachtet für alle Zeiten der herrlichste, glorreichste Tag der deutschen Geschichte bleiben, wäre eS auch nur deshalb, weil er wie keiner vor ihm und nach ihm die heilige Flamme der Vaterlandsliebe in Millionen deutschen Herzen hat emporlodern lassen. Sein Andenken wird gesegnet bleiben, und immer aufs neue wird bei seiner Wiederkehr GeibelS Mahnruf durch die germanischen Gaue brausen:
Nun laßt die Glocken Von Turm zu Turm DurchS Land frohlocken Im Jubelsturm!
DeS Flammenstoßc- Geleucht facht an!
Der Herr hat Große-
An uns getan I
Ehre sei Gott in der Höhe!