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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernfprech-Lrnfchlutz Nr. 8

Nr. 105.

Donnerstag, den 7. September

1911.

Amtlicher teil.

HerSseld, den 1. September 1911.

Diejenigen Herren Bürgermeister deS Kreises, welche meine Versügung vom 4. Juli d. JS. I. Nr. 8224 KreiSblatt Nr. 80 betreffend die Prüsung der Vchankgesäßen durch den Geißler'schen Apparat noch nicht erledigt haben, werden mit Frist bis zum 10. d. MtS. erinnert.

I. 8224. Der Landrat

von Sruneliu».

HerSfeld, den 1. September 1911.

In AngerSbach, Kreis Lauterbach, ist die Maul- und Klauenseuche amtlich sestgestellt worden.

I. 11044. Der Landrat.

3. «.: -

Wessel, KreiSsekretär.

nichtamtlicher Ceil.

Marokko.

Am Montag find die Besprechungen zwischen dem Staats­sekretär v. Kiderlen-Waechter und dem französischen Botschafter wieder ausgenommen worden. Ihr Ergebnis muß man in Ruhe und Geduld abwarten. Wir nehmen an, daß auch weiterhin noch daS Stillschweigen gewahrt werden muß, daS jo vielen Leuten auf die Nerven fällt. ES ist daher Ge­legenheit, zu zeigen, daß wir nicht nur im Kriege in Deutsch­land die guten Nerven haben, von denen der Kaiser gesprochen hat. Die Tage erwartungsvoller Spannung werden zweiselloS noch kräftig zur Beunruhigung des Publikum» auSgenutzt werden. Denn für trübe Machenschaften ist niemals bessere Zeit, als wenn wichtige Entscheidungen der Auswärtigen Politik schweben. Der Run auf die Stettiner Sparkasse, von dem die Zeitungen melden, hat augenscheinlich in solchen frivolen Ausstreuungen seine Ursache gehabt. ES wäre die größte Torheit, sich von diesem Beispiel anstecken zu lassen und den BaissierS in die Tasche zu arbeiten, die auf die Furcht spekulieren. Also Ruhe und Geduld in dem Bewußt­sein, daß die Leitung unserer Politik in guten Händen ist!

Durch unser Volk geht gegenwärtig ein sehr kräftiger nationaler Impuls. Davon kann man sich überall im Lande überzeugen. Für unsere Staatsmänner bietet diese starke und männliche Haltung der Volkes einen festen Rückhalt.

Am gestrigen Dienstag haben keine Besprechungen über die Marokkoangelegenheiten stattgesunden. Er wird auch als höchst zweifelhaft bezeichnet, ob am heutigen Mittwoch der Staatssekretär und der französische Botschafter eine abermalige Unterredung haben werden. Voraussichtlich werden einige

falsches Glück.

Novelle von Th. Werner.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Bitte, lassen Sie mich vorüber", wandt« Tea sich zu dem ihr noch immer im Wege Stehenden.Ich mag nicht» mit diesem unliebsamen Disput zu tun haben."

Und ich bitte sie dringend, zu bleiben. Valerie, ich frage dich zum letztenmal, willst Du Dein Versprechen halten und mich heiraten? Treibe mich nicht zum äußersten, ich könnte Dich sonst der Komteß verraten.

«Ein Verräter ist stets ein Feigling!"

Gut, dann bin ich ein Feigling! Ich werde ihr alle- sagen, und dann wirst Du bei all Deiner Dreistigkeit doch wohl kaum wagen, hier zu bleiben."

Und ich sage Dir, ich bleibe hier! WaS liegt mir daran, ob Du mich verrätst! Mein Vermögen ist gesichert."

Henri de NogentS Gesicht verzerrte sich förmlich vor Wut.

Ich warne Dich, Valerie. Ueberlege eS Dir reiflich. Du weißt, daß ich Dich liebe und Dich glücklich machen werde. Du sollst ein schöne-, vergnügte», lustige- Leben in Pari- haben."

Die Gräfin zuckte die Achseln.

Reden wir nicht von Liebe. Hier handelt e» sich doch nur um die nötigen Gelder zum Spiel. ES nützt Dir aller nicht»!"

O, ich habe mehr Geduld mit Dir, als ich mir irgend einem lebenden Wesen gegenüber zugetraut hätte!" zischte er Zwischen den blau-weißen Lippen hervor.

Deine UeberrebungSfünfie nützen Dir so wenig wie Deine Drohungen ich heirate Dich doch nicht. Ehe ich Dir mein Geld gebe, verspiele ich eS lieber selbst in Monte Carlo!"

Er zog seine Uhr aus der Tasche und legte sie zwischen aus den Tisch.

Tage vergehen, ehe die deutsche Antwort Herrn Cambon mit­geteilt werden wird.

B e r l i n, 5. September. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Die in den Marokkoverhandlungen eingetretene Unterbrechung hat ihr Ende erreicht. Die Besprechungen zwischen dem Staatssekretär deS Auswärtigen v. Kiderlen-WSchter und dem französischen Botschafter JuleS Cambon sind gestern wieder ausgenommen worden. Den Umständen nach kann mit einem glatteren Fortgang der Unterhandlungen gerechnet werden.

Auf eine schnelle Erledigung deS Marokkohandels ist, einer halbamtlichen Auslassung derTags" zufolge, leider nicht zu rechnen, da die deutsche Regierung Gegenvorschläge zu den von Cambon überreichten Bedingungen Frankreich» auSarbeitet. Diese Gegenvorschläge beziehen fich nicht aus Gebietsabtretungen, mit denen die französische Republik nicht knausert, sondern auf die Wahrung unserer wirtschaftlichen und Handel-interessen im Zukunft-staate Marokko gegenüber den französischen Konzession-jägern. Ferner kommt eS darauf an, daß Frankreich mit den politischen Rechten auch die vollste politische Verantwortlichkett in Marokko über­nimmt. Die bisherigen Schwierigkeiten erwuchsen vornehmlich daraus, daß die französischen Militärbehörden in Marokko zwar alle Rechte deS Eroberer- beanspruchten, kräftigeren Reklamationen gegenüber sich aber hinter die scherifischen Be­hörden verschanzten, die Herren im Lande seien. In Zukunft muß Frankreich, wenn eS politische Rechte auSüben will, direkt und persönlich in ganz Marokko für Leben und Eigen­tum jedes deutschen ReichSangehörigen verantwortlich sein. Gegen die Verwendung marrokkanischer Truppen in Frankreich hat Deutschland nicht- einzuwenden. Eine Besitzergreifung und Besiedelung von GuS sordert Deutschland nicht. Dagegen müssen die Mineralschätze, falls solche vorhanden sind, dem deutschen Handel und überhaupt dem freien Wettbewerb der Nationen offen gehalten werden. Dazu gehört nicht nur, daß jeder Deutsche im Besitze dessen, waS er bisher recht­mäßig erworben hatte, auch vollständig gesichert wird, sondern eS müssen auch dahingehende Abmachungen getroffen werden, daß Erze frei von allen Beschränkungen, Abgaben, oder gar Exportzöllen aus den internationalen Markt kommen können. Ferner, daß der Besitz von Lagerstätten oder Bergwerk-rechten auch an die Verpflichtung zum Abbau gebunden ist, denn ohne solche Bürgschaften würde sicherlich die langarmige Oligarchie gieriger französischer Spekulanten und Kapitalisten, aus deren Gebot Frankreich an die stachelige Ausgabe der Durchdringung MarokkoS gegangen ist, Mittel und Wege finden, diese Erzlager dem freien Wettbewerb zu entziehen und zu ihrem Vorteil zu verwenden.

Die brennende Frage, ob angesichts des Verlaufes der marokkanischen Verhandlungen eS zu kriegerischen Konflikten zwischen Deutschland und Frankreich kommen könne, behandelt dieKöln. Ztg." heute in längeren Ausführungen, wobei sie der Ueberzeugung Ausdruck gibt, daß Frankreich eS nicht zum

Ich gebe Dir noch fünf Minuten Bedenkzeit, Dich zu besinnen. Versprichst Du mich zu heiraten, sollst Du eS nie bereuen, andernsallS gebe ich Dein Vorleben preis."

So bitte; gib mit einen Stuhl, ich bin müde, kann nicht noch fünf Minuten lang stehen", lachte Valerie.

Nogent rührte sich nicht seine Lippen waren bleich, seine Augen funkelten vor Zorn und Erregung. Tea bewahrte ihre tiefernste, stolze Haltung. Die Gräfin, deren Juwelen alles Licht, daS die einzelne Gasflamme im Zimmer verbreitete, an sich zu ziehen schienen, fächelte sich mit spöttisch gekräuselten Lippen, aber trotzsunkelnden Augen mit ihrem kostbaren Fächer Kühlung zu.

Tea pochte daS Herz zum Zerspringen; sie hatte daS Gesühl, als hielte sie die Ehre deS Hauses in Händen. Wie langsam die Minuten verstrichen! WaS würde sie dann zu hören bekommen?

Die Zeit ist vorüber Deine Antwort, Valerie!"

Ich weigere mich ganz entschieden, Dich zu heiraten!"

Er neigte den Kopf.

Tea glaubte nie in ihrem Leben einen so schrecklichen, un° heildrohenden Ausdruck gesehen zu haben, wie sein hübsche-, geisterbleicheS Antlitz in diesem Augenblicke zeigte.

Gut Du weigerst Dich? So werde ich mein Wort halten. Ich bitte mich anzuhören, Komteß."

Ich möchte lieber nicht- hören eS kommt doch zu spät", entgegnete Tea ernst;sie gehört jetzt in unsere Familie, wenn ihr vergangene- Leben Geheimnisse birgt, so mögen dieselben begraben bleiben."

Sehr vernünftig bemerkt, Tea. Aber eS ist mir wirklich gleich eS macht für mich keinen Unterschied; wenn Artur noch lebte, dann wäre eS etwas andere-; aber so ist mit tatsächlich nicht- daran gelegen meiner Stellung kann er ja doch nicht schaden."

Valerie, nimmst Du Dein Wort nicht zurück?" drängte Nogent nochmals.

Sie sah ihn mit flammenden Augen an.

Nachdem Du mir gedroht hast?! Elender Feigling! Jetzt würde ich Dich nicht heiraten, und wenn eS gälte, mein Leben zu retten!"

Aeußersten treiben und daS französische Volk sich schließlich von der Erkenntnis leiten lassen werde, daß der Marsch nach Fez über Berlin eine zu gesährliche Reise sei. Daß Frankreich Marokko nach tunesischen und ägyptischem Bersahren ein­stecken möchte, verdenkt ihm in Deutschland niemand. Ander- find die Empfindungen England gegenüber. Die englischen Versicherungen, da» englische Volk denke nicht an eine Be­nachteiligung Deutschland» zugunsten Frankreich», finden hier wenig Gläubige, da die Absicht der englischen Diplomaten zu offenkundig ist. Die deutscherseits von Frankreich bean­spruchten Bürgschaften für die Wahrung deutscher Interessen bilden jetzt den Gegenstand von Verhandlungen, deren Be­rechtigung Frankreich einleuchtet, da eS sonst sich auf die Verhandlungen nicht eingelassen hätte. Die von Cambon nach Berlin gebrachten Mitteilungen werden gegenwärtig an deutscher amtlicher Stelle geprüft, worauf alsdann der französische Bot­schafter von der deutschen Antwort verständigt wird.

Aus Jn- und Ausland.

Aus Kiel wird gemeldet: Gestern früh kurz nach 9 Uhr ist S. M. Jacht Hohenzollern mit Sr. Majestät dem Kaiser an Bord unter dem Salut der im Hasen liegenden Schiffe und der Beseitigungen zur Flottenparade auSgelausen. An Bord befinden sich außer dem kaiserlichen Gefolge und dem Fürsten zu Fürstenberg Erzherzog Franz Ferdinand, der Großherzog von Oldenburg, Prinz Heinrich von Preußen, Prinz Georg von Bayern und der Reichskanzler. DaS Wetter war schön. Zahlreiche Dampfer hatten schon früh Morgen» den Hasen verlassen. um in der Kieler Bucht der Flottenschau beizuwohnen. Gegen 10 Uhr traf die Hohen- zollern bei der bei Gabel-flach liegenden Manöverflotte ein. Die Schiffe hatten Toppflaggen gesetzt und gaben Salut. Die Flotte passierte in einreihiger Formation die Hohenzollern, wobei die Mannschaften drei HurraS auSbrachten. Um 11 Uhr schiffte Eich Se. Majestät der Kaiser auf S. M. S. Deutschland ein, mit Ihm die Fürstlichkeiten und die Gäste. Ein Teil der Gäste ging an Bord von E. M. S. Hela. ES folgten Vorführungen der Flotte nach besonderem Programm. In den frühesten Morgenstunden schon herrschte in Kiel ein so regeS Leben, wie man eS hier sonst nur bei ganz besonderen Anlässen zu sehen gewohnt ist. Zu den vielen Tausenden von Menschen, die bereits gestern aus den verschiedenen Ver­kehrswegen hier eingetroffen waren, kamen mit den heutigen Frühzügen trotz deS regnerischen Wetters immer weitere Scharen von Schaulustigen, so daß die im Handelshafen liegende stattliche Flotte von über 50 Begleitdampfern mit festlich ge­stimmten Menschen alsbald voll besetzt war. Noch log die Kaiserjacht Hohenzollern an der gewohnten Liegestelle im KriegShafen, als die lange Reihe der im Flaggenschmuck prangenden Begleitdampfer sich in Bewegung setzte. Vorbei ging eS an den neuen Linienschiffen der verbesserten Nassau-

Er wendete sich zu Tea.

Hören Sie mich an, Komteß. Sie, die mich so grausam höhnt, war meine erste Liebe. Nicht Valerie d'Este war ihr Name, wie sie Ihrem Vater gesagt hat, sondern Valerie Reulaux, Tochter eines kleinen Krämer- in Pari-."

Die Gräfin lachte spöttisch auf.

Da» wird die Komteß nicht überraschen. So recht getraut hat sie mir, glaube ich, nie, ist's nicht so, Tea?"

Die stolze Verachtung auf deren schönem Gesicht war die einzige Antwort, und Nogent fuhr dann fort:

3ch, der Sohn eines Notar-, der in der Nachbarschaft wohnte, liebte ihr immer schöne-, lachender Gesicht schon, als wir beide noch Kinder waren. Ich will Sie nicht langweilen mit einer Beschreibung der einfachen, bescheidenen Häuslichkeit, in welcher diese kaltherzige, grausame Frau auswuchr, noch mit ihrer Eitelkeit, die ihre Schönheit noch übertraf. Sie hielt eS nicht lange au- in dem ruhigen, stillen Heim; ent­gegen den Wünschen und Bitten ihrer Eltern verließ sie daS Haus und war mit kaum vierzehn Jahren bekannt als die verwegenste Reiterin von einem der größten Zirkusse in Paris. Sie durchreiste mit demselben halb Europa, und als sie nach Paris zückkehrte, versprach sie mir Tor, die ich ihren Worten glaubte! mich zu heiraten. Ihre Eltern waren inzwischen gestorben; sie, nicht ohne Mittel und von jeher anspruchsvoll und verschwenderisch angelegt, mietete sich in einem der ersten Hotels ein dort lernte sie Ihren Vater kennen, und al» sie von seiner hohen Stellung, seinem Reichtum ersuhr, stand ihr Entschluß sofort fest. Sie näherte sich ihm als Mademoiselle d'Este, Tochter einer der jüngeren Linien der berühmten d'Este-. Sie erzählte ihm eine kleine, traurige Geschichte von beschränkten Mitteln und der bedauernswerten Lage einer elternlosen Waise. Verzeihung, Komteß, aber der Graf, Ihr Herr Vater, war nicht sehr scharfsichtig. Sie dagegen ging sehr schlau zu Werke. Und sie war so reizend, so versührerisch schön! Diese- engelgleiche Gesicht und dazu die lockende Sirenenstimme! Er war etwa- lässig, ließ sich gern unterhalten und amüsieren und sie unterhielt und amüsierte ihn. Er nahm sich gar nicht die Mühe, weiter nach ihren Vorsahren ,u fragen; alle-, waS sie ihm sagte, nahm er