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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 109. Sonnabend, den 16. September 1911.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 14. September 1911.

Der Beginn der personenstandsaufnabme für die bevorstehende Staatssteuer-Veranlagung ist von der König­lichen Regierung aus Grund de- Artikel- 40 Abs. 2 der Ausführung-anweisung vom 25. Juli 1906 aus den 17. Oktober 1911 festgesetzt worden. Die Personenstand-auf­nahme ist am gleichen Tage zu Ende zu führen.

I. Sofort nach Beendigung haben die Herrn Bürgermeister und Gut-vorsteher das perfonenverzetchnts verbunden mit der Gemeindesteuerliste aufzustellen. Dabei find in allen Fällen, wo Hrbeiter, Eingestellte und Beamte in Frage kommen, zuvor Besuchen um Mitteilung der Cohn- oder Gebaltsbezüge an die Arbeitgeber oder die Behörden zu richten. Die Anordnung erstreckt sich auch aus die sich außerhalb aushaltenden Arbeiter (in Westfalen oder sonst wo), die ihre Familie am Orte wohnen, und ihren steuerlichen Wohnsitz am Orte haben.

Ich verweise aus die Verfügung vom 23. 9. 08 Nr. 2265 Krsbl. Nr. 114/08.

Bis zum 20. Oktober d. Is. müssen die Hnfragen abgesandt sein. Soweit tunlich, können fie auch schon vor dem 17. k. MtS. und zwar schon am 30. d. MtS. erfolgen. Dies empfehle ich den Gemeinden, in denen die Zahl der Personen, über die Auskünfte einzuholen find, 25 nicht übersteigt.

In den Auskünften enthaltene Unrichtigkeiten und ZweiselS» Punkte sind sofort nach Eingang der Auskünfte klarzustellen und zu beseitigen.

II. Dann ist das Verzeichnis der physischen Personen an- zulegen, die am Orte Einkommen auS Grundvermögen oder Gewerbebetrieb haben, welche aber in einem anderen preußischen Orte zur Einkommensteuer zu veranlagen sind, und da- Ver­zeichnis der nichtphysischen Personen.

III. Anschließend hieran ist die Staatssteuerliste und Staatssteuerrolle aufzustellen.

IV. Die Schuldennachweisungen sind zu vervoll­ständigen.

Zu diesem Zwecke ist bis zum io. k. Ms. ortsüblich bekannt machen zu lassen, daß sämtliche Schulden, Schulden- zinsen, Tilgung-beiträge, dauernde Lasten und Versicherungs­prämien (§ 8'n d. E. G.), binnen 8 Tagen bei ihnen anzumelden sind.

An Formularen kommen zur Verwendung:

1. Personenverzeichnis in Verbindung mit Gemeinde­steuerliste,

2. Staatssteuerliste,

3. Staatssteuerrolle,

4. Schuldennachweisung,

5. Verzeichnis der auswärts wohnenden physischen Per­

Brüsseler Diamanten. Kriminalerzählung nach Gericht-akten von Carl Cassan.

(Nachdruck verboten.)

Mein lieber Herr Bratl", sagte Herr LoiSl Bockenheim, Ches der großen Juwelenhandlung Gebrüder Bockenheim in Wien,Sie find ein gewiegter Diamantenkenner und ge­wandter, schlauer Geschäftsmann; reisen Sie mit Gott nach Brüssel und kaufen Sie in der Diamanten-Auktion im Hotel Ville de Bruxelles" die nötigen Steine; wir geben Ihnen einen Check von 300 000 FrancS an die Bank mit und sürchten nicht, daß Sie irgend einen fatalen Irrtum begehen. Hier der Check und hier da- Verzeichnis der ge­stohlenen Steine aus Antwerpen! Daß wir bei Leibe nicht- vom gestohlenen Gut erwerben! Auch schenken Sie ja niemand, ohne Ausnahme, Ihr Vertrauen, in welcher Tracht er Ihnen auch unter die Augen trete! ES ist mehr als wahrscheinlich, daß sich dort Diamantendiebe einfinden werden, welche Gelegenheit zu einem einträglichen Raube erspähen wollen!"

Herr Joseph Bratl, ein etwa dreißigjähriger, hübsch auS- sehender Mann, lächelte und erwiderte,Kerne Sorge, Herr Bockenheim, ich werde sehr umsichtig handeln!"

Nehmen Sie die Kassette mit dem Buchstabenschloß AtlaS"; sie ist nach dem kunstvollsten System eingerichtet

Und bei der Rücksahrt benützen Sie den Blitzzug Köln- Wien!"

ES soll geschehen!"

Dann mögen die Heiligen Sie behüten! _ .

Eine Verbeugung noch und Herr Bratl war zum Kontor hinaus und auf dem Wege zu seiner Pnvatwohnung.

Zwei Tage später hatte er Wohnung im HotelViuo as Bruxelles" genommen und sich die Brillanten angesehen, lndcm er sich bei den Beamten legitimierte. Dabel^beov- °chtete ihn ein Lord Huntington, der zu gleichem Zwecke bar Hotel aufgesucht zu haben schien. Er befreundete sich so­gleich mit Joseph Bratl, behielt aber in seinem Auftreten stets etwa- Reservierte-.

sonen, die in der Gemeinde Grundbesitz haben oder Gewerbe betreiben,

6. Verzeichnis der nichtphysischen Personen,

7. Ersuchen an die Arbeitgeber um Mitteilungen von Lohnbezügen,

8. Ersuchen an au-wärtige OrtSbehörden um deSgl.,

9. Mitteilungen über Lohnbezüge an auswärtige Ge­meinden.

Die nötigen Formulare mit Ausnahme der zu 5 bezeich­neten gehen den OrtSvorständen rechtzeitig von hier auS zu.

Die Formulare zu 5, die in geringem Maße gebraucht werden, und deren Bedars sich nicht übersehen läßt, sind in der L. Funk'schen Buchdruckerei hier vorrätig und können von dort bezogen werden.

Bei Umzügen von Steuerpflichtigen in der Zeit zwischen der Personenstand-ausnahme und der Voreinschätzung sind die Ueberweisungen und Mitteilungen über die steuerlichen Ver« Hältnisse der Betreffenden mit größter Beschleunigung zu be­treiben, damit die Veränderungen noch zeitig berücksichtigt werden können. (Art. 83 d. A. A.).

Ich mache den OrtSvorständen bei der Aufstellung der Listen, Verzeichniffe und Nachweisungen größte Genauigkeit zur Pflicht.

Die StaatS- und Gemeindesteuerlisten müssen in sämtlichen Spalten auSgefüllt sein, soweit die AuSsüllung nicht später hier zu geschehen hat. (Art. 42. d. A. A.).

BiS spätestens zum 10. November sind die fertigen StaatS- und Gemeindesteuerlisten nebst den Unterlagen an mich einzureichen.

Der Vorsitzende der EinKommensteuer- Veranlagungs-Kommission:

I. Nr. 2735 St. von GruneliuS.

HerSfeld, den 15. September 1911.

Der Landweg von WehrShaufen nach RanSbach wird bis auf Weitere- infolge deS BahnbaueS HerSfeldHeimbolds- Haufen für den Verkehr gesperrt.

Zur Ausrechterhaltung deS Verkehrs werden für die Zeit der Straßensperrung die SeparationSwege von WehrShaufen benutzt, die durch Tafeln besonder- kenntlich gemacht worden find. I. I. Nr. 11 628. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

HerSseld, den 11. September 1911.

Im Verlage von August Hirschwald zu Berlin N. W. 7, Unter den Linden 68, ist die zweite Auflage deSNothelser- buchS", Leitfaden für erste Hülfe bei plötzlichen Erkrankungen und UnglückSsällen erschienen.

DaS Buch ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Der Preis beträgt für da- in Ganzleinen gebundene Exem­plar ausschließlich Porto 1 Mk. 50 Pfg.

Dieses war noch vor Beginn der Auktion.

Am Abend desselben TageS finden mir den Lord mit einem kleinem wohlbeleibten Herrn und einer jungen schönen Dame in einem kleinen Zimmer deS Hotel francais beim Wein zusammensitzen.

E- ist ein junger Mann, wie eS scheint, wenig ersahren, gutmütig und von angenehmen Manieren. Ich besitze bereits sein volles Vertrauen und kenne seine Absichten!" sagte derLord."

Deine Lordschast hat ihm imponiert!" lachte der Dicke.

Und unsere- William Foxley Schlauheit hat ihn bereit- umgarnt!" schmeichelte die Dame, die ein ganzes GlaS Wein auStrank.

Wenn ihn Clara Veil- Schönheit erst berauscht hat, ist er ganz besiegt, der arme Junge!" spottete Foxley.

So machst Du das Geschäft allein?" fragte der Dicke. Seit der Antwerpener Geschichte ist mir der Boden hier eigentlich ein wenig heiß!"

William Foxley lachte:Ja, wenn die Polizei wüßte! Nein, mein lieber John Smart, Du sollst eine Hauptrolle dabei spielen!"

Dann heraus damit!" lachte jener.

Foxley langte in die Rocktasche und sagte:Hier ist eine Depesche, die ich der Vermittlung eine- guten Freunde- ver­danke. Er ist Deine Legitimation; mußt aber samt Clara in- Royal-Hotel übersiedeln, wo ich bereit- Nro. 25 für Dich bestellt habe!"

Smart nahm die Depesche und !a-:Herrn Georg Körner, Royal-Hotel, Brüffel."

Er entsaltete da- Blatt und suhr fort:Recherchieren Sie nach einem Lord Huntington; e- ist der Bewußte." DaS ist samo- und darunter der Name deS Ches- der Berliner Kriminalpolizei? William, da- hast du sein ge­macht! Ich bin also der Detektive Georg Körner au- Berlin!"

Ja", lachte derLord" vornehm,und Clara ist Deine Tochter!"

Ich mache insbesondere die kommunalen Polizeiverwaltungen aus die neue Ausgabe deS Buche- aufmerksam.

I. 11300. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

Hcr-seld, den 12. September 1911.

Die Herren Bürgermeister, welche mit der Einreichung der Zu- und Abgangslisten für daS I. Halbjahr 1911 noch im Rückstände sind Bersg. v. 1. d. MtS. I. Nr. 2570, KrSbl. Nr. 104 werden mit Frist bis spätestens zum 18. d. MtS. hieran erinnert.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer« Deranlagungs-kommiffion

I. Nr. 2744. von GruneliuS.

HerSfeld, den 11. September 1911.

In der Gemeinde Sondheim (Exklave Ostheim) ist die Maul- und Klauenseuche amtlich sestgestellt worden.

L 11412. Der Landrat.

3. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

In Jena, der allen Musenstadt, spielt fich gegenwärtig der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie ab. Die persönlichen Streitigkeiten, von denen sozialdemokratische Parteitage begleitet zu sein pflegen, haben diesmal eine be­sonder- schaffe Form angenommen. Unter der Führung von Rosa Luxemburg alias Lübeck auf der einen und Bebel auf der andern Seite rückten die feindlichen Kämpferfcharen wut­entbrannt gegeneinander loS.Verdrehung",Unwahrheit", Niedertracht" und ähnliche schöne Worte schleuderte Bebel derblutigen Rosa" entgegen. Aber da- ist unter Kameraden ganz egal. Nach genügenden Beschimpfungen beiderjeit- reicht man fich versöhnt und vergnügt wieder die Hand, um ge­meinsam gegen die staatliche und gesellschaftliche Ordnung Sturm zu laufen.

In O e ster rei ch-U n g ar n ist die Frage der Arbeits­fähigkeit deS böhmischen Landtags immer noch nicht in zu­friedenstellendem Sinne beantwortet. Da in dieser Woche die Vollversammlungen der deutschen und der tschechischen Land- tog-abgeordneten behusS Stellungnahme zu den Darlegungen und Ratschlägen deS Fürsten Thun stattfinden, so wird man wohl in Kürze Ausschlüsse über die AuSfichten deS Statt- Halter- von Böhmen gewinnen. Hoffen und wünschen wir, daß diese Ausschlüsse unS frohen Mute- in die Zukunft der Donaumonarchie schauen lassen mögen.

Smart lachte, daß ihm die Tränen in die Augen traten.

Und wat soll ich?" fragte die junge Dame.

Ihn für unt eingenommen machen. Sagt er Dir nicht Dein eingeborener Spürsinn?" Sie warf den Kopf zurück.

Nun ist Deine Aufgabe die", fuhr Foxley zu Smart gewandt fort,Du machst Dich nach und nach an ihn, verrätst mich schändlich und verabredest einen Plan, daß ich in den Besitz seiner Diamanten komme; da- muß bis Aachen geschehen sein, wo ihr angeblich einsteigen wollt. Von hier aber nehmen wir Hasenpanier; wenn aller gut geht, zusammen, wenn ein Zwischensall eintritt, einzeln. Sammelplatz erster Schnellzughalteplatz hinter Aachen!"

Gut", versetzte Smart,ich verstehe. Wie ist er mit Dir, Clara Veil?"

Ich habe es begriffen, Mylord!" Dabei stand sie auf und knixte fo ehrfurchtsvoll, daß die beiden Spießgesellen laut lachten.

Noch denselben Abend zog Smart alS Geheimdetektive Georg Körner nebst Tochter inS Royal-Hotel, während der Lord" inS HotelVille de Bruxelles" zurückkehrte.

* *

*

ES war am dritten Tage der Auktion. Joseph Bratl hatte für 62 000 FrancS Diamanten gekauft und schien von weiteren Erwerbungen absehen zu wollen. Die Abnahme und Zahlung sollte erst abend- erfolgen.

Joseph Bratl saß mit Lord Huntington bei einem Glase Wein in dem großen Gesellschaftszimmer de- Hotel-Ville de Bruxelles".

Da trat John Smart mit Clara Veil ein. Beide beach­teten weder Bratl noch den Lord, bestellten sich Wein und sprachen Deutsch miteinander. Man hörte öfter daS Wort Berlin. Plötzlich blickte der angebliche Detektive den Lord schaff an und flüsterte dann mit feiner Begleiterin.

Unangenehmer Mensch daS!" Da stand der Lord auf und verschwand.

Bratl blickte erstaunt aus, aber schon war der Detektive bei ihm und sagte leift:Ich bitte um Entschuldigung,