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h ersfetoer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 112. Sonnabend, den 23. September 1911.

Amtlicher Ceil.

LandespolizeiNche Anordnung, betreffend Maßregeln gegen die Einschleppung der Maul- und Klauenseuche in den Regierungsbezirk Cassel.

Meine landeSpolizeiliche Anordnung vom 2. und 7. Juni d. JS. A. III. 2725/2725 a Amtsblatt Nr. 22a/23, S. 174/184 Maßregeln gegen die Einschleppung der Maul- und Klauenseuche in den Regierungsbezirk Cassel wird hierdurch aus die freie Reichs- und Hansastadt Hamburg ausgedehnt. (A. ITT. 4328.)

Cassel, am 11. September 1911.

Der RegierungS-Präfident. I. V.: v. Wussow.

HerSseld, den 19. September 1911.

Wird veröffentlicht.

I. 11730. Der Landrat

von Grunelius.

HerSfeld, den 19. September 1911.

DaS Proviantamt in Fulda kaust noch fortgesetzt Hafer, Heu und Roggenstroh zu den jeweiligen Tagespreisen. Aus­kunft über Ankaufsbedingungen und Prei-gewährung werden jederzeit gern erteilt. I. 11701. Der Landrat.

3. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

Statut

Heu die Verunstaltung von Orts- m der Gemeinde Friedewald.

Aus Grund deS § 2 des GesetzeS vom 15. Juli 1907 (G. S. S. 260) gegen die Verunstaltung von Ortschaften und landschaftlich hervorragenden Gegenden und der § 6 der Landgemeindcordnung für die Provinz Heffen-Naffau vom 4. August 1897 sowie aus Grund des Beschlusses der Gemeinde­vertretung von Friedewald vom 17. März 1911 wird für die Gemeinde Friedcwald nachstehende- Statut erlassen:

§ 1.

Die baupolizeiliche Genehmigung zur AuSsührung von Bauten und baulichen Aenderungen an der neuen Her-felder Straße von Klm. 12,4 bis 12,7, an der Straße von Friede­wald nach Schenklengsseld von Klm. 0,2 bis 0,4 und an der Südwestsei e des Schloßplatzes ist zu versagen, wenn dadurch die Eigenart der Straßen- und Platzbilde- beeinträchtigt wird.

§ 2.

Die Anbringung von Schaukästen, Reklameschildern, Aus- schristen und Abbildungen bedarf der Genehmigung durch den Gemeindevorstand, sie ist zu versagen, wenn dadurch daS Ort-- bild verunstaltet wird.

Brüsseler Diamanten. Kriminalerzählung nach Gericht-akten von Carl C a s s a u.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Sie schritten beide zu Clara Beil, die sich wie eine Fürstin bei der Vorstellung benahm und ihre Rolle so gut spielte, daß der leicht entzündbare Lebemann Bratl bald ganz Feuer und Flamme war.

Man sprach nun von dem Antwerpener Diamantenraub, wobei Körner bemerkte:Bewiesen ist eS nicht, aber eS wird stark vermutet, daß jener Herr, Lord Huntington nennt er sich, dabei war. Wenn man ihn übet führen könnte, wäre der Rechtspflege ein großer Dienst erwiesen!"

Aber Papa!" wars Clara ein und blickte Joses Bratl kokett an.

Laß mich", suhr Körner sort,Sie haben doch gewiß eine Kassette?"

Ja, mit Buchstabenschloß!"

Bah, daS ist sicher!"

Denke ich auch! Kellner, einen Sekt in- Eis!"

Clara meinte zwar, sie trinke keinen Sekt, aber sie trank doch ein Glas.

Bratl blinzelte sie an; daS Mädchen war untadelhaft schön.Wissen Sie, Herr Körner", meinte er dann,wenn so ein Vogel gesangen würde, freute ich mich sehr. Kann man doch nicht einmal sicher reisen!"

Wieso nicht?" . , ,

Lord Huntington hat schon verabredet, mit mir fahren zu wollen."

Teufel!"

Aber Papa, Du fluchst ja!" erinnerte Fräulein Clara.

Körner machte eine unwillige Bewegung, Joseph Bratl aber dachte:Dieses Geschöpf ist ein Engel!"

Mit ihm zusammen? Fürchten Sie sich nicht?"

O nein!" lachte Bratl.Ich bin bewaffnet!"

Körner schüttelte den Kopf.Unsinn! Er wird Sre überlisten!"

»Ich denke nicht!"

§ 3.

Zum Verputzen oder Verblenden, Beschiefern, Beschindeln von Fachwerkbauten in den unter 1 angeführten Orttteilen ist gleichfalls die Genehmigung des GemeindevorstandeS einzu- holen. Sie ist unter den gleichen Voraussetzungen wie bei 1 und 2 zu versagen.

§ 4.

Bei der Beurteilung, ob da- OrtSbild durch die vorge­nannten Ausführungen verunstaltet werden würde, steht dem Gemeindevorstand der Vorstand deS Hochbauamtrs zu HerSseld zur Seite, dessen Gutachten einzuholen ist.

Dieses Gutachten gilt in der Beratung deS Gemeinde- vorstände- über die zu erteilende Genehmigung als Stimme, und gibt bei Stimmengleichheit den Au-schlag.

§ 5.

Dieses Statut tritt sosort nach erfolgtet Genehmigung und Veröffentlichung im KreiSblatt in Kraft.

Friedewald, den 26. Mai 1911.

Der Gemeindevorstand:

Bude- heim, Bürgermeister.

*

Daß vorstehende- Statut nach vorheriger ortsüblicher Be­kanntmachung und vor dem endgültigen Beschlusse der Ge- memdevertretung, welcher am heutigen Tage gefaßt worden ist, während zweier Wochen und zwar vom 27. Mai bis zum 12. Juni 1911 zu Jedermann- Einsicht in der Wohnung des Unterzeichneten öffentlich auSgelegen hat, und daß Einwend­ungen dagegen nicht erhoben worden sind, wird hiermit be­scheinigt.

Friedewald, den 30. Juni 1911.

Der Bürgermeister: Bude-Heim.

Vorstehende- Statut wird auf Grund der § 6 der Land­gemeindeordnung für die Provinz Heffen-Naffau vom 4. August 1897 genehmigt.

Hersfeld, den 7. September 1911.

Der Kreisausschutz des Kreises Hersseld von Grunelius, Vorsitzender.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Ein wichtiger Schritt ist während der Berichtswoche in der Ostmarkensrage mit der Ernennung eines neuen Ober­präsidenten von Posen in der Person deS bisherigen Unterstaatssekretärs im Kultusministerium Exzellenz Philipp S ch w a r z k o p s s getan worden. Eine glücklichere Wahl hätte

Desto besser! Aber vielleicht können Sie ihn in der eigenen Schlinge fangen!"

Bitte, erklären Sie", bat jener.Kellner, noch eine Flasche!"

Körner bog sich vor und flüsterte:Sie müßten ihm entgegenkommen, aber erst vor Aachen, wo ich dann einstiege und den Herrn festnähme!"

Und hätten keine Beweise?"

Teusel, ja!"

Aber Papa!" schaltete Clara wieder ein.

Wie wär'-", meinte Körner, wenn Sie Nein, daS geht nicht!"

Bratl, der mit Clara feurige Blicke getauscht, meinte: WaS geht nicht?"

Daß Sie sich die Kassette zum Schein Nein, da- ist nicht-!"

Bitte, machen Sie nur einen Plan!" entgegnete Bratl.

Doch, so müßte e- gehen!" meinte Körner.Sie er­weisen ihm unauffällig Vertrauen! stecken den Schlüssel zur Kassette in die Billetasche, sagen ihm den Namen deS System- 1"

Atlas!" entsuhr eS Bratl wider Willen.

Der Detektive lächelte:Ich brauche eS nicht zu wissen! Vielleicht schlafen Sie kurz vor Aachen ein, halten aber die Augen offen, entwischen kann er mit der Kassette erst in Aachen selbst, wo Sie erwachen und zur Waffe greifen. Haben Sie einen Revolver?"

Natürlich!"

In diesem Augenblicke bin ich am Coups. Sie fahren doch erster Klaffe?"

Ja!"

Damit ich da- Coups gleich finde, ziehen Sie den Vor­hang vor das Fenster!"

Jawohl! Der Plan ist gut. Wenn Seine Herrlichkeit nicht in die Falle gehen, so find Mylord unschuldig wie ein Wickelkind!"

Gehen Sie nicht inS Theater?" sorschte Fräulein Clara.

Warum nicht!" gab Bratl zurück.

Wollen wir in die Combdie francaise ?"

in der Tat nicht getroffen werden können. EchwartzkopffS staatSmännische Begabung ist bei der erfolgreichen Erledigung so ungemein schwieriger Gesetzetvorlagen, wie eS beispiels­weise daS VolkSschulunterhaltungSgesetz und daS Lehrer- besoldungSgesetz waren, aus- glänzendste zu Tage getreten. Seine Fähigkeit, auch unter den schwierigsten Verhältnissen zwischen einander Widerstreitenden Jntereffen und Ansprüchen einen gerechten und billigen AuSgleich zu schaffen, sowie sein überaus konziliantes und liebenswürdiges Wesen machen ihn für daS Amt eines Posener Oberpräsidenten wie geschaffen. Dazu kommt seine genaue Kenntnis der Verhältnisse der Ost­mark, in der er selbst angesessen ist und mit der ihn zahlreiche Fäden verknüpfen, sowie sein stets bewiesener Verständnis für die kirchlichen Bedürsnisse und Jntereffen der beiden christlichen Konseffionen. Wenn von irgend einem, so ist von ihm zu hoffen, daß ihm die ersehnte Wiederherstellung der Einigkeit unter den Deutschen der Ostmark gelingen werde, womit zu­gleich die wichtigste Grundlage für eine gedeihliche Weiter­entwicklung der dortigen Verhältnisse gewonnen wäre.

Im Auslande sieht eS zumeist trübe, sehr trübe auS. In R u ß l a n d ist der Ministerpräsident E t o l y p i n nun doch seiner Verwundung durch den jüdischen Meuchelmörder Bagrow erlegen. Mit ihm hat Rußland zweiselloS einen seiner besten Söhne und größten Staatsmänner verloren. Sein un­sterbliche- Verdienst bleibt die Niederwersung der russischen Revolution. Etolypin war aber nicht bloß ein Mann der Repreffion, sondern zugleich ein poffitiv schaffender Staatsmann, der durch innere Reformen dauernde Wälle und Dämme gegen eine Wiederkehr der revolutionären Flut aufzurichten suchte. So hat er besonder- für die russische Landwirtschaft die Be­dingungen eine- ersprießlichen Fortschritte- zu schaffen gewußt. Sein Andenken wird nicht bloß in Rußland, sondern in der gesamten zivilisierten Welt ei? gesegnetes bleiben, und insbe­sondere nimmt auch Deutschland an dem schweren Verluste, der unser befreundete- Nachbarland getroffen hat, herzlichsten Anteil.

In Wien hat im Anschluß an sogenannte TeuerungS- demonstrationen eine regelrechte Revolte stattgefunden. Die gesamte bürgerliche Treffe Oesterreichs ist sich darüber einig, daß die Wiener Unruhen nichts als eine planmäßig vorbe­reitete Veranstaltung der Sozialdemokratie waren. Die Sozialdemokratie hat bei dieser Gelegenheit wieder einmal ihr wahre-, abschreckende- Antlitz in selten deutlicher Weise enthüllt.

Endlich ist eS der Sozialdemokratie gelungen, durch ihr sort- gesetzte- Putschen und Hetzen auch in zahlreichen Orten SpanienS wieder eine revolutionäre Gärung hervorzurusen. Der Versuch, da- Mittel deS Generalstreik- in An­wendung zu bringen, scheint aber auch in diesem wie in früheren Fällen mißglückt zu sein. Und um die Zahl der revolutionären Bewegungen voll zu machen, ist auch in Großbritannien wieder ein E i s e n b a h n e r st r e i k im Gange. So durchgellt und durchklirrt der Aufruhr an allen Ecken und Enden der Welt, und doch sollte die Mensch-

Mir ist'- recht!" meinte Clara.

Aber ihr Papa?"

Körner stützte den Kopf und schien nachzudenken.

WaS meinen Sie, Herr Körner?" fragte Joseph Bratl.

Der Detektive erwachte aus seinem Nachsinnen.

Sie belieben?"

Ob wir in die Comödie francaise gehen."

Haben Sie Billet-? E- wird ein neues Stück gegeben. Wie war eS doch, Clara?"

Ich habe den Titel vergessen, Papa!"

Körner murmelte leise etwas und sagte dann:Wir müssen aufbrechen. Wann reifen Sie, Herr Herr?"

Joseph Bratl!"

Ach ja! Herr Bratl!"

Morgen zwöls Uhr!"

Da müßten wir ja schon um neun Uhr fahren, um in Aachen zu sein! Wird eS sehr spät werden?"

O, ich glaube nicht! Angenommen?"

Bitte, Papa!" schmeichelte Clara.

Nun ja!"

Gut, so will ich mich jetzt empsehlen", stand Bratl auf, ..darf ich Sie nach Erledigung meiner Geschäfte um sechs Uhr aus dem Hotel Royal abholen?"

Ja, bitte, Zimmer 25!"

Leben Sie wohl!"

Er küßte Clara die Hand, drückte ihrem Papa die Rechte und ging fort.

Gleich daraus verschwand auch der Detektive mit seiner Tochter. Auf der Straße aber sagte John Smart zu Clara Beil:Wenn ich nicht bereit- wüßte, welch' ein Edelstein Du bist, ich könnte Dich aus offener Straße küssen!"

Bah", lachte sie,wie romantisch! Fahren wir denn von Aachen mit?"

Willst Du mich foppen? Nach Brüffel geht'- zurück und direkt nach Paris!"

Ach so! Und wo erhält William Nachricht?"

Heute nacht im Cafs Lepellier!"

Gut!"

So schlenderten sie dem Hotel Royal zu.