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h errfelder Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 125. Dienstag, den 24. Oktober 1911.
Amtlicher teil.
HerSseld, den 12. Oktober 1911.
Die BeitragSerstattungen im HeiratSsall kommen mit dem Inkrafttreten der ReichS-VersicherungS-Ord- nung in Fortfall.
Der Artikel 76 deS EinsührungSgesetzeS zur ReichSver- sicherungSordnung bestimmt, daß Invalidenversicherung-beiträge an weibliche Versicherte, die sich verheiraten, nach dem 1. Januar 19 12 nicht mehr erstattet werden dürfen.
Alle weiblichen Versicherte, die sich bis zum 31. Dezember 1911 verheiraten werden und Anspruch auf Erstattung ihrer Versicherungsbeiträge erheben wollen, müssen also bei Vermeidung deS Ausschlusses den Antrag spätestens bis zum 31. Dezember 1911 bei den zuständigen AmtSstellen (Bürgermeisteramt, Magistrat) einbringen. ES empfiehlt sich daher, möglichst alsbald nach der Eheschließung den Antrag zu stellen.
Da jedoch mit der Erstattung der Beiträge jedwede Anwartschaft aus die durch die Versicherung erworbenen Rechte erlischt, so kann den Beteiligten nur dringend geraten werden, von der Zurückforderung der Hälfte ihrer Beiträge abzusehen und die Anwartschaft durch freiwillige Weiterversicherung aufrecht zu erhalten. ES genügt hierzu die Verwendung von 10 Marken der I. Lohnklasse alljährlich. Damit wird künftig nicht nur, wie schon bisher, die Anwartschaft aus Invalidenrente im Invalidität-fall erhalten, sondern auch daS Recht auf einmaligen Bezug von Witwengeld und WaisenauSsteuer im TodeSsalle deS Ehemannes erworben, sofern dieser ebenfalls zu den Versicherten gehört und bis zum Sterbetage die Anwartschaft auf Invalidenrente erfüllt hat.
Die OrtSpolizeibehörden der Kreise- ersuche ich, diese- in der Gemeinde aus ortsübliche Weise wiederholt bekannt machen zu lassen.
Alle bis zum 31. Dezember 1911 gestellten ErstattungS- anträge sind umgehend an mich weiterzugeben.
I. 12810. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, Kreissekretär.
HerSseld, den 19. Oktober 1911.
Der LandeSauSschuß hat beschlossen, für daS Jahr 1912 von der Erhebung einer Viehseuchen-Abgabe sür Pserde u. s. w. mit Rücksicht aus die Höhe deS Reservefonds abzusehen, dagegen eine vierfache Abgabe für Rindvieh — 20 Pfg. für jedes Stück — zu erheben. Der Herr Oberpräfident hat hierzu die Genehmigung erteilt.
Den Herrn OrtS- und Gutsvorständen deS Kreise- werden in den nächsten Tagen die nötigen Formulare für die Ver- zeichnisie zugehen.
Ich ersuche, am 2. November d. JS. dieZählung aller
Klara.
Eine Geschichte au- der Biedermeierzeit von H. von Krause.
(Fortsetzung.)
Frau Henriette war sehr einverstanden, sie fand ei paffender, daß Klara ohne ihren Bräutigam den Vergnügungen fern bliebe. Da aber kam die Tante in eigener Person und bat sehr eindringlich. Man habe sich darauf gefreut, die neue Cousine näher kennen zu lernen, eine Verwandte au- Hamburg sei hauptsächlich de-halb gekommen. Da- schmeichelte Augusts Mutter, Klärchen mußte sich am bestimmten Tage schmücken, und Heinz bekam den Befehl, sie zu geleiten. Er trug den vorsorglich mitgegebenen großen Regenschirm und ein warme- Tuch für seine Schutzbefohlene, und beide machten sich bei schönstem Wetter aus den Weg.
E- war das erste Mal, daß die beiden allein zusammen, waren, ja eigentlich da- erste Mal, daß sie wirklich miteinander sprechen konnten.
Klärchen verstand sich selbst nicht. Ihr war ganz sonderbar besangen und doch sehr froh zu Sinn, als sie so neben ihm durch die Straßen dem Mühlentore zuwanderte. Sie mochte nicht aufsehen und wußte doch, daß er darauf wartete, von ihr angeredet zu werden. Endlich fand sie daS Schweigen albern und peinlich, und so sagte sie etwa-, waS sie eigent» sich nicht sagen wollte, nämlich: „Schade, daß Sie Ihr Stücksaß nun fertig haben."
Da lachte er: „Ja, er ist auch schade, nun kann ich nicht wehr singen, nun muß ich in den Keller hinunter, Wein ab- pehen und umstechen und noch vieler andere lernen; dann werde ich ein Kellerwurm und die singen nicht. Aber woher wissen Sie, daß ich fertig bin?"
.. Klärchen wurde rot. „O," sagte sie, „dar große Faß siegt doch gerade unter meinem Fenster."
- »Ja so. Und ist er nicht ein stolze- Gebinde? Sogar S Lüder- hat gesagt, eS sei ein Meisterstück von einem Faß,
”0 Sie wissen doch, Papa Lüder» lobt nicht so leicht."
in den übersandten Listen erwähnten Viehbestände auch die, für welche eine Abgabe nicht erhoben wird, vorzunehmen und sie genau in die Liste einzutragen. Die Zählung der Viehbestände, für welche keine Abgaben erhoben werden, erfolgt nur zu statistischen Zwecken. Die Spalte für den Abgaben- Betrag bleibt hier unauSgefüllt.
Bis zum 27. November d. I». sind mir die auSgefüllten Verzeichnisse wieder einzureichen.
I. 13028. Der Landrat.
I. A.:
Wefsel, Kreissekretär.
HerSseld, den 13. Oktober 1911.
Vom 1. Januar 1912 ab wird die bisherige Bestimmung deS § 48 Absatz 2 deS Invalidenversicherung-gesetze- vom 13. Juli 1899 in Fortfall kommen. Sämtliche Invaliden- und Altersrenten, welche Beamten, Lehrern, Erziehern und sonstigen Angestellten, zwar der Form noch zugesprochen worden sind, aber hinsichtlich der Auszahlung ganz oder teilweise bisher ruhen, weil sie unter Hinzurechnung der den Rentenberechtigten gleichzeitig zustehenden Pensionen, Wartegelder oder ähnlichen Bezüge den 7Vsfachen Grundbetrag der Invalidenrente übersteigen, werden daher vom genannten Tage ab voll zur Auszahlung gelangen. Die Zahlungsanweisungen an die Post wird die LandeSversicherungS-Anstalt in Caffel von AmtSwegen, ohne daß eS besonderer Antragstellung bedarf, erlassen. Auch wird sie die Zahlungsempfänger hiervon rechtzeitig in Kenntnis setzen.
Anders ist eS in den Fällen, in welchen die in Frage kommenden erwerbsunfähig oder 70 Jahre alt gewordenen Personen mit Rücksicht daraus daß bei ihnen wegen der Höhe ihrer PensionSbezüge völliges Ruhen der Rente eingetreten wäre, der Einfachheit halber auf die ziffernmäßige Feststellung ihrer doch nicht zur Auszahlung kommenden Rente bis lang verzichtet haben. Diese Rentenberechtigten find der LandeSversicherungS-Anstalt nicht bekannt, und wenn sie Anspruch aus Rente erheben wollen, müssen sie ei bei den zuständigen AmtSstellen (Bürgermeisteramt — Magistrat) beantragen.
Die Ort-polizeibehörden deS KreiseS ersuche ich, diese- in der Gemeinde aus ortsübliche Weise wiederholt bekannt machen zu lassen, um den Beteiligten Gelegenheit zu geben, ihre Recht« bald geltend zu machen.
I. 12809. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 18. Oktober 1911.
In HillartShausen ist unter der Schasherde die Räude amtlich festgestellt worden.
I. 13052. Der Landrat.
3. S.:
Wessel, KreiSsekretär.
„Da- glaube ich," sagte sie, „und ich finde daS Faß auch sehr schön."
„Sieht ei nicht ganz au-, alt ob ei zum Hause F. A. Lüder- gehörte?" fuhr er lebhaft fort, „fo gewiß würdevoll und stattlich, so solid, und dabei so etwa- steif liegt ei da."
Klärchen lachte. „Ja," sagte sie, ei paßt zu uni."
„Zu un-? Nein, zu Ihnen und zu mir nicht, aber zur Firma F. A. LüderS."
„Woher haben Sie nur alle die hübschen Lieder?" fragte sie, um etwa- andere- zu sagen.
„O, ich weiß nicht, das sammelt man so aus."
„Ich kenne sie auch fast alle, und sie erinnern mich so — an — zu Hause." Sie sprach leise, und ei zitterte etwa- in ihrer Stimme.
„Wo ist denn Ihr zu Hause?"
„Meine Mutter wohnte in Ratzeburg."
„In Ratzeburg? O, da bin ich einmal gewesen, da ist ei wunderhübsch."
Wie ei sie freute, daß er ihre Heimat kannte! Nun riß da- Gespräch nicht mehr ab.
Nur zur Großmutter hatte sie bi-weilen von der Mutter und von dem kleinen Hause unter dem hohen Dach am weiten See reden können, aber daS war eine alte, blinde Frau. Heinz begleitete alles mitfeinen Bemerkungen. Er hatte ei auch g«. sehen, oder er dachte es sich doch, und dann erzählte er selbst von seiner Heimat, er war in Wikmar geboren, er kannte daS Meer, und er erzählte, daß er eigentlich habe Seemann werden wollen.
So plauderten sie und waren am Mühlentor, ehe sie ei merkten.
„WaS ist da- für ein komische- Ding?" fragte Klär- chen, auf ein kistenartige- Hüttchen dicht innerhalb bei Tore- deutend.
„Da- ist ja die Kuchenbude, kommen Sie, wir wollen ein
Und ^er lauste ein Psefferkuchenherz, mit rotem Zucker über, zogen, und schenkte ei ihr.
nichtamtlicher teil.
Reichstag.
Der Reichstag hat die erste Lesung deS Gesetzentwürfe- über die Versicherung der Privatbeamten sehr rasch erledigt. Nachdem gegen Schluß der Sitzung vom vergangenen Donnerstag die Generaldebatte hierüber vom Staatssekretär Dr. Delbrück mit einer längeren Rede eingeleitet worden war, nahmen am Freitag die einzelnen Parteien durch die vorgeschickten Redner ihre Stellung zu der Vorlage. E- sprachen die Abgeordneten Trimborn (Zentr.), v. Richthofen (kons.), Schmidt (Soz.), Dr. Stresemann (nat. lib.), Dr. Mugtan (VolkSp.), LinS (ReichSp.), Korfanty (Pole) und Abg. Raab (Wirtschaft!. Beinig.). Sie erklärten sich alle im Namen der Parteien im allgemeinen mit den Zwecken und Zielen der Vorlage einverstanden, wobei speziell der Zentrum-abgeordnete Trimborn erklärte, seine Partei werde dem Privatbeamtenver- sicherungSgesetz im großen und ganzen in der vorliegenden Form zustimmen. Im sonstigen gaben fast alle Redner der Hoffnung Ausdruck, daß in der Kommission über die wichtigeren Einzelheiten der Vorlage eine Verständigung erzielt werden würde. Erheblichere Einwendungen gegen mehrere Punkte der geplanten Versicherung der Privatbeamten wurden von den Abgeordneten Schmidt (Soz.) und Stresemann (nat. lib.) erhoben. Schließlich wurde die Vorlage an die Kommission gewiesen, welche seinerzeit die ReichSversicherungSordnung beraten hat. Am Sonnabend standen außer der zweiten Lesung deS Gesetzentwurfes, betreffend die Errichtung einer Konsular- gericht-hofe-, noch mehrere kleinere Vorlagen aus der Tagesordnung der Hauses.
Wie ei heißt, beabsichtigt der Reichstag, in seinen Plenar- verhandlungen eine vom 26. Oktober bir 7. November dauernde Pause eintreten zu lassen, um hierdurch der Kommission sür daS Privatbeamtenverficherungsgcsetz Gelegenheit zu geben, ihre Arbeiten nach Möglichkeit zu fördern. Nach dieser Pause soll dann die zweite Lesung deS SchiffahrtSab- gabengesetzeS erfolgen.
Der Krieg in Tripolis.
War bei der Uebermacht deS italienischen LandungS- korpS über die nur schwache Besatzung bei tripolitanischen HasenorteS Benghafi und bei der Wirkung der die Stadt beherrschenden schweren SchiffSgeschütze zu erwarten war, ist eingetroffen; der tapfere Widerstand der Türken in dem mehrfach bombardierten Benghafi ist gebrochen und die Italiener haben sich der Stadt bemächtigt.
Die Agenzia Stesani veröffentlicht folgende Meldung bei Vizeadmirals Aubry: Die Truppen haben die Stadt Benghafi
„Lesen Sie einmal," sagte er, „ei stehen immer so schöne Verse darauf."
Inmitten deS Zuckergusses war ein buntes Bildchen geklebt, darunter laS Klärchen:
„Rosen und Vergißmeinnicht
Wind ich dir zum Kranze,
Holde- Mädchen, komm mit mir, Komm zum frohen Tanze."
Ueber die Verse sah man, eingerahmt von einem dicken Kranz auS Rosen und Vergißmeinnicht, die Brustbilder einet Herrn und einer Dame.
»Sehr schön," sagte Heinz, „und sehen Sie nur, der Herr sieht wirklich dem Vetter August etwa- ähnlich, er hat dieselbe Tolle."
„Ach bewahre," meinte Klärchen, „dieser Herr hat doch schwarze- Haar."
Seine Worte berührten sie peinlich.
„Finden Sie vielleicht auch, daß die Dame mir gleicht?" fügte sie hinzu, um den Eindruck abzuschütteln.
„Wie ein Ei dem anderen," sagte er sehr ernsthaft und daS bunte Bild mit dem gezierten Puppengesicht aufmerksam betrachtend, „besonders im Ausdruck."
Nun lachten sie beide. Sie waren durch bai Tor gegangen, am WachthauS stand der Stadtsoldat mit der scharlachroten Lübecker Uniform.
„Wissen Sie," sagte Klärchen, „wir wollen daS Herz ausessen, ich kann eS doch nicht den ganzen Abend in der Hand behalten." Sie brach eS in zwei Teile und sie verspeisten eS Da- Bildchen aber steckte sie in die Tasche.
„Schenken Sie mir doch Ihr Porträt," bat er.
„O nein," sagte sie scherzend, „dazu kennen wir unS noch nicht lange genug." Und doch war ei ihr, als hätte sie ihn seit Jahren gekannt.
„Da geht die Straße ini heilige römische Reich deutscher Nation hinaus," sagte er, auf die breite staubige Landstraße deutend, die sich durch die Häuser der Vorstadt vor ihnen hinzog.
„Da geht ei nach Ratzeburg," flüsterte sie.