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herrMer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt' und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 138. Dienstag, de^M. Oktober ^ 1511
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 25. Oktober 1911.
Unter dem Viehbestände deS Friedrich JustuS Wagner in Heringen ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.
I. 13324. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 25. Oktober 1911.
Unter der Schafherde deS Schäfers Breul zu Niederjoffa ist die Räude amtlich festgestellt worden.
I. 13498. Der Landrat
von GruneliuS.
nichtamtlicher teil.
Neformationsfost.
Der 31. Oktober ist einer jener großen protestantischen Gedenktage, die ihre Bedeutung nimmer verlieren können, mag auch in manchen Kreisen das persönliche konfessionelle Interesse manchmal recht gering sein. Luther- Thesenanschlag an der Tür der Schloßkirche zu Wittenberg wider den Ablaß war zunächst ein akademischer Akt. In lateinischer Sprache waren die 95 Streitsätze geschrieben, und wohl kaum einer, auch Luther selbst nicht, ahnte damals, welch gewaltige, weltgeschichtliche Bedeutung dieser Vorgang haben würde., Auch der Papst war der Meinung, daß der beginnende Streit nur ein müßiges Mönchsgezänk werden würde, wie er deren schon mehrere erlebt hatte.
Und doch pulsierte in den Thesen bereits etwa- Neue-, Unerhörtes. So wurde e- auch von den Zeitgenossen em- psunden. Mit einer für damalige Verhältnisse erstaunlichen Schnelligkeit wurden diese Lutherworte in ganz Deutschland verbreitet. Man sühlte, hier war ein Mann, der da-, waS längst zeitenreis geworden war, nun weiter aussprechen und ausgestalten würde, ein Mann, der zum religiösen Helden und Führer der Nation berufen sein könnte. Und von jenem Zeitpunkte an ist denn Luther immer mehr zum großen Reformator geworden. AuS persönlichen Gewissen-erlebnissen hat er gehandelt, und persönliche GewissenSsreiheit hat er gesordert. Er bekämpfte die ganze mittelalterlich kirchliche Gebundenheit und stellte dafür einen Glauben in den Mittelpunkt, der sich einzig und allein an die durch Christus vermittelte Gottes- gnade hält.
Es ist etwa- Einzigartige- um diese gewaltige resormato- rische Persönlichkeit, die einem immer wieder vor die Seele tritt, wenn man da- Wort Reformation au-spricht. Man hat die kühne Gleichung gezogen: Martin Luther ist der
Klara.
Eine Geschichte auS der Biedermeierzeit von H. von Krause.
(Fortsetzung.)
Diese- „jämmerlichen, kleinen Geschöpfes" und dieses „hergelausenen Burschen Betragen" hatten in so hohem Grade ausS neue die Entrüstung der ehrbaren Frau »weckt, daß sie ihre etwa- ohnehin laute Stimme zu einer Höhe erhob. Die ihren besonnenen Sohn einigemale veranlaßte, seine rote Hano auf ihren Arm zu legen und, auf die Kontortür deutend, zu sagen: „Bitte, sprich nicht ganz so laut, liebe, Mutter, Die jungen Leute nebenan brauchen nicht- zu hören.
Endlich aber schwieg auch sie ganz, und beide Eltern blickten sorschend in daS undurchdringliche Gesicht ihres Sohne-, über dessen Stirn die rote Tolle '" tadelloser Korrest. heit thronte, und der die hellbewimperten Augenlieder nachdenklich gesenkt hielt.
Jetzt blickte er aus, und einen durchdringenden, forschenden Blick aus die Gesichter der Eltern hestend jagte er, weder Zorn, noch Schmerz in dem harten, gleichmäßigen «lang seiner Stimme verratend: „Ist von d'estm.Voffall irgend etwa- lautbar geworden? Gibt es eine Angestellten oder die Dienstboten oder sonst lemand tm davon ersahren haben?" . . m H
„Nein", sagte Herr LüderS bestimmt. "Deine Mutter brächte die Sachlage, vom Gartenhaus kommend, direkt zu meiner Kenntnis, zuerst, wie sich das geMe, au$ $ mutier, die an jenem Abend bereit- zur Ruhe gegangen wa, hat, wie deine Mutter sehr richtig bestimnsie, nicht» dav erfahren, bevor ich unterrichtet war, und ich ordnete sogleich absolutes Schweigen an, bis du alles erfahren haben würdes. Deine Bestimmungen allein müssen in diesem Falle maßgebend sein." „ , .....
„Ich danke dir, Vater!" sagte August befrttdigt.
„Wie ist mit Klara, wie mit Heinrich Rehberg vrSher verfahren?" fragte er dann.
Protestantismus. „Kleine Geister freilich," so hat der berühmte Historiker Friedrich von Bezold geurteilt, „werden an dem Gewaltigsten unserer Nation nur die kleinen und häßlichen Züge aufsuchen, wie fie jedem Erdensohne, auch dem Edelsten anhasten. Die geschichtliche Größe Martin Luthers . . . wird dadurch nicht berührt; sie ist über jede Verun- glimpfung wie über jede Beschönigung erhaben." Luther war ein Mann der Tat. An Gelehrsamkeit, an humanistischer Bildung ist ihm damals mancher über gewesen, aber niemand hat die religiöse Not der Zeit so persönlich erlebt wie er, niemand war so zum Reformator legitimiert, wie dieser mutige, auch durch falsche Freunde nicht zu verwirrende GotteSstreiter. Dem ganzen Zeitalter hat er seinen Geist ausgeprägt. Sein Werk hatte bleibenden Charakter, mochte eS von den Nachfahren noch so sehr bestritten oder verengt werden.
Resormatorische Grundsätze haben eine neue Zeit einge- läutet, und sie klingen auch in unserer Zeit fort. So widerspruchsvoll eS scheinen mag, auch der Katholizismus hat von der deutschen Reformation profitiert, man denke nur an die protestantische Wisienschast, vor der nicht wenige katholische Gelehrte alS dankbar Nehmende gestanden haben. Und wir wollen eS nicht vergessen, wie bei Luther Deutschtum und Evangelium harmonisch zusammenklangen.
Deutsch sein Name,
Deutsch sein Blut,
Deutsch fein Trotz und ManneSmut!
Er ist ein Großer aus der Linie, die dann zu BiSmarck führte. Und so wollen wir unS dankbar deS TageS erinnern, den wir als den Beginn der deutschen, Reformation bezeichnen dürfen. In unseren Kirchen erschallt da daS alte herrliche Lutherlied:
Ein' feste Burg ist unser Gott, Ein' gute Wehr und Waffen.
Möge es einen gesegneten Nachhall in unseren Herzen finden 1
Reichstag.
Der Reichstag hat am Schlüsse feiner Sitzung vom 27. Oktober die schon erwartete Pause in seinen Plenarverhand- langen eintreten lassen, hauptsächlich, um hierdurch die Arbeiten der Kommission für dat PrivatbeamtenversicherungS- gesetz möglichst zu fördern. Die nächste Sitzung des HauseS findet am 7. November statt; in ihr stehen der Handelsvertrag mit Japan, sowie kleinere Sachen auf der Tagesordnung. Die letzte Sitzung der Hauses vor der jetzigen Pause wurde durch die Debatte vom Zentrum und von der VolkSp^rtei eingebrachten Interpellationen über die Maul- und Klauenseuche ausgesüllt. Die Interpellation des Zentrum- wurde vom Abgeordneten Steindl begründet, sie war daraus gerichtet, welche Maßnahmen der Reichskanzler zu ergreifen gedenke, um die großen Schäden, welche durch die Maul- und Klauen- feu^e besonders für die Landwirtschaft und den Gewerbestand
„Die undankbare Person", nahm Frau Henriette daS Wort, „ist zunächst, wie dein Vater befahl, ganz unbehelligt geblieben, doch sah ich nicht ein," daS Schlüsselbund klirrte hier leise, „weshalb sie die Hände in den Schoß legen und ich mich für sie ab arbeiten sollte. Sie hat also den Umzug vom Gartenhause her besorgt. AlS daS fertig war, legte sie sich inS Bett und behauptete, krank zu sein."
„Sehr gut", schaltete August ein.
„WaS Rehberg anlangt", begann Herr LüderS, „so" — er zögerte einen Augenblick — „so hatte ich wegen seines Einschreiten-, gelegentlich der Unglück- im VereinigungSkeller, einige Rücksicht zu nehmen. Ihn plötzlich entlassen, würde so viel bedeutet haben, alS die Ausmerksamkit aus die Sache ziehen, daher habe ich ihn nur sofort nach Hamburg an die Firma Lorenz Meier geschickt, für die ich einen GeschästSaus- trag hatte. Dadurch sind alle Weiterungen vor der Hand abgeschnitten, und er ist, ohne Aussehen zu erregen, auS dem Wege geräumt."
„Sehr gut!" wiederholte August. Er strich sich mit der Hand über sein glattrasiertes Kinn und inquirierte weiter: „Seid ihr beide gewiß, daß die von Mutter beobachtete Szene zwischen Rehberg und Klara der einzige derartige Vorgang gewesen ist?" . .
„Sicher. Ich bin davon überzeugt, so weit man die- fein kann", sagte Herr LüderS bestimmt. „Ich halte Dafür, daß Klara trotz allem unS nicht belügen würde, sie hat der Mutter versichert, daß niemals vorher dergleichen geschehen ist. Auch habe ich hier einen Brief von Rehberg, in dem er feine Schuld eingesteht, mir aber sein Ehrenwort gibt, daß er nie zuvor von Liebe mit Klara gesprochen habe."
Der Vater zog einen Brief auS der Tasche, den er August reichte. Dieser durchlaS ihn und steckte ihn dann mit einem „Du erlaubst wohl Vater," in feine große Briestasche, aus der eine Perlstickerei prangte, die Klärchen ihm in den ersten Wochen ihrer Brautschaft gearbeitet hatte.
Nun entstand eine Pause. Herr LüderS hatte sich hinten, über auf seinen Stuhl gelehnt, er spielte mechanisch mit seiner schweren Uhrkette, seine Züge verrieten eine gewiffe unterdrückte Unruhe Frau HenriettenS große, dunkle Augen richteten sich
entstehen, zu m'ldern. Die Interpellation der VolkSpartei vertrat der Abg. Fegter, sie weist daraus hin, daß die bisherigen Bestimmungen über die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche teilweise ganz zweckwidrig seien, und verlangt, daß der Reichskanzler bei den einzelstaatlichen Regierungen auf eine sachgemäße Aenderung der betreffenden Bestimmungen hinwirkt. Der Staatssekretär deS Innern Dr. Dellbrück beantwortete die Interpellationen; er gab zu, daß die bestehenden Bestimmungen zur Bekämpsung der Maul- und Klauenseuche nicht in dem wünschenswerten Maße wirkten. Er wies jedoch aus da- neue Viehfeuchengesetz hin, das am 1. April 1912 in Kraft treten könne und die mangelhaften Bestimmungen, die bis jetzt hinsichtlich der Maul- und Klauenseuche bestimmen, beseitige. In der Debatte betonten alle Redner die Notwendigkeit einer energischeren Bekämpsung der Maul- und Klauenseuche. In die Diskussion griff auch der preußische Land- wirtschastSminister v. Schorlemer mit einer Rede ein, in der er nachzuweisen suchte, daß sich die getroffenen Maßnahmen zur Bekämpsung der Maul- und Klauenseuche im großen und ganzen bewährt hätten, während doch vorher sein Kollege im StaatSsekretariat des Reich-amtes deS Jnnnern zugestanden hatte, daß die bisherigen Vorschriften zur Bekämpfung dieser Seuche in verschiedenen Punkten ungenügend seien. Mit einer Rede deS Abg. Werner (Reformpartei) endete diese Interpellation-debatte.
Der Stieg «i (Tripolis.
Die Türken haben vor Tripolis einen großen Erfolg errungen : Der Kamps am Morgen deS 26. d. M. hat die italienischen Truppen gezwungen, die bisher innegehabte Verteidigungsstellung aufzugeben und eine neue Position ein- zunehmen, die näher an der Stadt Tripolis gelegen ist.
Gestern haben die italienischen Truppen eine Verteidigungslinie, die hinter der während der letzten Tage innegehabten liegt, eingenommen, weil die Leichname, die vor der alten Linie liegen, die Lust verpesteten und das Wasser in einen gesundheitsschädlichen Zustand versetzten. Die neue Front ist kürzer und bietet daher den Vorteil, daß Truppen in Reserve gehalten werden können.
Wenn die italienische Heeresleitung sich veranlaßt sieht, ein für sie so wenig günstige- Telegramm wie daS vorstehende, daS von der Agence HavaS verbreitet wird, die Zensur passieren zu lassen, so muß die Lage der italienischen Truppen vor Tripolis immerhin so heikel geworden sein, daß eine längere Verheimlichung für zwecklos gehalten wird. Aus der sehr vorsichtigen Fassung der Berichtes geht hervor, daß die Italiener den heftigen Angriffen der Araber und Türken am 26. d. M. auf die Dauer nicht haben standhalten können, oder daß sie befürchten, die alte Verteidigungslinie bei neueren Angriffen nicht behaupten zu können; daß sie nur der Leichen und des
mit einer erwartungsvollen Schadenfreude auf August, auS dessen Munde sie die verdammende Sentenz über die Ver- brecherin mit Bestimmtheit erwartete. Da er länger, alS sie für nötig hielt, schwieg, rückte sie ermunternd aus dem Leder- polster der Bank hin und her, waS wieder den Schlüsselbund zu leisem Klirren brächte.
Endlich erhob August die rote Tolle, die er nachdenklich etwas gesenkt hatte, richtete seine kalten blauen Augen auf die Eltern und sagte mit Nachdruck: „Liebe Eltern, ich bin euch ausrichtig dankbar, daß ihr die Sache mit so viel Vorsicht und Klugheit behandelt habt. Meine Meinung ist, daß unserem Hause dadurch eine Aussehen erregende Katastrophe erspart ist. Meine Verlobung mit Klara, aus diese Weise zum Bruch gebracht, würde viel Anlaß zu Skandal und übeler Nachrede gegeben haben und mir leicht einen gewissen Makel anhesten. DaS muß unter allen Umständen vermieden werden. Klara ist ein junge-, törichtes Kind und hat wohl keine sehr sorgfältige Erziehung genossen. Letzteres nachzuholen wird meine Sache sein, ersteres entschuldigt es einigermaßen, daß sie sich von dem zudringlichen, srechen Burschen überrumpeln ließ. Dieser muß selbstverständlich entfernt werden, waS ohne Auf- fehen geschehen kann. Ich würde Vorschlägen, lieber Vater, hierzu etwa die Aufforderung, jemand nach Philadelphia zu senden, die dir zuging, zu benutzen. Unterdessen wird meine Hochzeit so bald wie möglich festgesetzt, und Klara muß, wenn sie erst meine Frau ist, uns doppelt dankbar sein, daß wir sie davor bewahrten, einem mittellosen jungen Burschen in die Hände zu sollen, der ihr gar nicht- bieten kann. Sie wird die Wohltat zu schätzen wissen, die sie vor dem Schicksal bewahrt, ihr Brot von Tür zu Tür zu suchen. Machen wir also einen Strich unter diese ganze peinliche Angelegenheit. Und ich bitte ganz besonders dich, liebe Mutter, sie auch Klara gegenüber gar nicht mehr zu berühren."
„Du bist zu großmütig, August," sagte Frau Henriette bewundernd, „aber ich gestehe, daß du meinem empörten Mutterherzen eine starke Zumutung stellst. Dieser Person meine Meinung über ihr Betragen zu sagen, dünkt mich nur