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Herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Sernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 139

Donnerstag, den 3, November

1911

MMcher teil.

Bekanntmachung.

Die Jagdverordnung vom 9. September 1909, wonach bis aus weiterer die Schonzeit für Rehkälber im RegierungS- bezirk Cassel mit Ausnahme deS Bezirks der Oberförster« Haste im Kreise Grasschast Schaumburg aus daS ganze Jahr ausgedehnt ist, wird in Erinnerung gebracht. (B. A. 2804 a/11.)

Gaffel, den 14. Oktober 1911.

Der Bezirksausschuß in Cassel. gez. B e r n st o r f f.

HerSfeld, den 25. Oktober 1911. Wird veröffentlicht.

I. 13458. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 27. Oktober 1911.

Unter dem Rindviehbestande der GutSverwaltung der Landbank (Rittergut Obersontra) in Sontra, KreiS Rotenburg a. F., ist die Maul- und Klauenseuche amtlich sestgestellt worden. I. 13546. Der Landrat.

3. 8.:

Wessel, KreiSsekretär.

HerSseld, den 27. Oktober 1911.

Unter dem Echweinebestande deS Bäckermeisters Wilhelm Hettler hier ist die Rotlausseuche amtlich festgestellt worden. I. 13527. Der Landrat.

I. A.: Wessel, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 27. Oktober 1911.

Unter den Schweinen der Witwe Otto hier (Wallengasse) ist die Rotlaufstuche erloschen.

I. 13526. Der Landrat.

3. «.:

Wessel, KreiSsekretär.

Nichtamtlicher teil.

Ein« Mythe

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" bezeichnete am Sonntag unter Berufung aus Mythen, die über die Vorge­schichte und den Verlaus der Verhandlungen mit Frankreich verbreitet seien, eine baldige Erörterung deS MarokkoabkommenS alS erwünscht und notwendig und suhr dann fort:Ins­besondere wird die Rolle Englands und deren Einwirkung auf die Haltung Deutschlands noch immer falsch dargestellt.

Klara.

Eine Geschichte auS der Biedermeierzeit von H. von Krause.

(Fortsetzung.)

Sie war daher völlig überrascht, alS ihr Herr LüderS in seinem Zimmer, daS sie, an Händen und Füßen bebend und einer Ohnmacht nahe, betrat, ganz freundlich entgegenram, sie zu der gepolsterten Bank führte und sie bat, sich zu! be­ruhigen.Meine liebe Klara," sagte er dann rm Tone väterlicher Ermahnung,ich kann mir denken, daß Sie mit Bedauern auf die Vorgänge zurückblicken, die mich, wie Sie wohl wissen, heute veranlassen, mit Ihnen zu reden. Sre werden sich gesagt haben, daß Ihre Unerfahrenheit und viel­leicht ein Korn weiblicher Eitelkeit

O nein," wagte Klärchen unwillkürlich zu flüstern.

Weiblicher Eitelkeit," wiederholte Herr Ferdinand unbeirrt, Sie veranlaßt haben, in einem Augenblicke der Ueberraschung, um nicht zu sagen Ueberrumpelung, zu vergessen, war Sie mir und meinem Hause, vor allen Dingen aber meinem Sohn, Ihrem Bräutigam, schuldig waren. Ist dem nicht so?"

Ja," hauchte Klärchen, kaum vernehmbar.

Ich habe ein solcher Benehmen um so weniger erwartet, als Sie doch wohl einige Pflicht der Dankbarkeit, und wenn das nicht, wenigstens der Pietät hätte abhalten sollen von solcher Mißachtung dessen, waS Sie meinem Sohn im be­sonderen und unserem HauS im allgemeinen schuldeten. Auch daS Andenken an Ihre Mutter, die Sie doch an dies^ HauS gewiesen hatte, würde, so meine ich, nicht zu Ihrem Betragen stimmen." , .

Klärchen war völlig zerknirscht. Sie saß gesunken, wie gebrochen auf ihrem Platz. Ihr kleines blaffe- Gesicht, um da- sich seitwärts die blonden Löckchen ringelten, ihre geröteten Augenlieder, die sie nicht zu erheben wagte, ihre gefalteten Hände, die sie wie in stummem Flehen erhob, das alles machte den Eindruck tiefster Reue, und so faßte eS Herr LüderS auch auf.

ES wird sich weiterhin zeigen, wie haltlos die Behauptung ist, daß Deutschland bei Einleitung oder während deS Verlaufs der Verhandlungen mit Fankreich vor einem Einspruch von dritter Seite zurückgewichen sei. Deutschland hatte von An­fang an den Wunsch ausgesprochen, mit Frankreich allein zu unterhandeln, und dabei ist eS geblieben.

Diese Feststellung ist bedeutungsvoll. In manchen poli­tischen Kreisen hat sich bekanntlich die Ansicht festgesetzt, daß die deutsche Regierung vor einem englischen Einspruch zurück­gewichen sei. Diese Ansicht stützt sich hauptsächlich aus jene Ende Juli abgehaltene Tischrede deS englischen SchotzministerS Lloyd George, in der dunkle Andeutungen über ein mögliche- Eingreifen England- in die Marokkosrage enthalten waren. Daraus wurde, da die deutsche Regierung schwieg, der Schluß gezogen, England habe einen Druck auSgeübt und dem Gange der deutsch-französichen Verhandlungen eine andere Richtung gegeben. Der Schluß war voreilig. Tischreden englischer Minister gelten in England selbst nicht alS Regierungihand- lungen. Immerhin blieb eS unklar, waS Herrn Loyd George so verdrossen haben konnte, daß er et für gut hielt, drohend so bei Tische auszutrumpsen.

AuS den obigen Bemerkungen deS deutschen RegierungS- organS ist zu entnehmen, daß eine dritte Seite, also doch nur England, an den deutsch-französischen Verhandlungen be­teiligt zu werden wünschte, daß eS jedoch bei dem deutschen Verlangen, allein mit Frankreich zu verhandeln, geblieben ist. Mit andern Worten: die deutsche Regierung hat jeden sremden EinmischungSversuch mit Erfolg abgclehnt. Die Bankettrede Lloyd Georges darf also auch nur zum Beweise für den Versuch gelten, aus die deutsche Haltung einzuwuken, nicht aber auch dasür, daß eS gelungen fei. Mit irriger Vorstel­lung eines gelungenen Einschüchterung-versuches fällt aber auch der Vorwurf gegen die deutsche Regierung, daß sie eine schüchterne und schwächliche Politik geführt habe. Die Fest­stellung derNorddeutschen" beweist im Gegenteil, daß gerade England gegenüber die volle Selbstständigkeit der deutschen Marokkoaktion gewahrt worden ist.

Der Krieg um

In Konstanlinopel waren wieder einmal Gerüchte verbreitet, daß TripoliS von den Türken wiedererobert sei. Eine andere Meldung besagt, die Italiener seien in TripoliS eingeschossen und die weiße Flagge sei gehißt worden. Die italienische HeereSmacht sei unter enormen Verlusten vertrieben worden, 5000 Italiener seien getötet, 700 gefangen genommen und 95 Geschütze, 37 Mitrailleusen und 1700 Kisten Munition erbeutet.

DaS sind zweifellos falsche Sensationsmeldungen, die man sich in Konstantinopel im Freudentaumel über die tatsächlich erzielten Erfolge auS den Fingern gesogen hat. ES ist kaum glaubhaft, daß eS den Türken so schnell gelungen sein sollte,

In Anbetracht Ihrer großen Jugend," fuhr er nach einer Pause fort,und überzeugt, daß Ihnen selbst sehr schmerzlich ist, waS Sie uns angetan haben, bin ich indessen bereit, Ihnen zu vergeben."

Klärchen schlug die Augen zu ihm aus, sie traute ihren Ohren nicht.

Wie, Sie wollten" stammelte sie.

Ja," sagte er mit PathoS,mein Sohn selbst hat für Sie gebeten, sein rdleS Herz hat sich nicht von Ihnen ab- gewendet. Er vertraut Ihnen auch ferner in wahrhaft groß­mütiger Vergebung da- Glück seine- Leben-, und ich erwarte, daß Sie sich sortab einer so edlen Vertrauen- würdig zeigen."

Wie waS," stotterte Klärchen,ich soll doch"

Die Hochzeit wird in acht Tagen stattfinden," fuhr Herr LüderS fort.

Klärchen schwindelte, sie wurde leichenblaß und fuhr sich mit der Hand nach dem Herzen, daS stille zu stehen drohte.

Unmöglich Heinz Herr Rehberg," rang eS sich stoßweise von ihren Lippen, ohne daß sie recht wußte, war sie sagte.

Sie sollten seinen Namen nie mehr nennen und am wenigsten mir gegenüber," sagte Herr LüderS streng.Der Undankbare, der daS Vertrauen, daS wir in ihn fetzten, so schändlich gemißbraucht hat, ist übrigens von unserem Entschluß unterrichtet. Daß er keine weiteren Annäherungsversuche mehr wagen wird, glaube ich versichern zu können, er befindet sich bereit- auf der Reife nach Amerika."

Klärchen stöhnte leise.

Sie wissen, waS ich nun von Ihnen erwarte, ich habe nichts weiter zu sagen," schloß August Ferdinand LüderS und wandte sich der Tür zu, die inS Kontor führte. Er öffnete sie und rief:August."

Dieser trat ein, und Herr LüderS verließ daS Zimmer.

Klärchen saß immer noch auf dem Bänkchen, sie wußte nicht, daß zwei große Tränen langsam über ihre Wangen rollten, und schrak heftig zusammen, alS sie Augusts Stimme

T> poliS zurückzuerobern. Von derAgencia Stefani" werden die Gerüchte, daß die Italiener in den letzten Tagen enorme Verluste erlitten hätten, auch als absolut salsch bezeichnet.

Daran ist allerdings kein Zweisel, daß eS um die Sache der Italiener in den letzten Tagen recht schlecht steht. Daß sie zurückgeworsen wurden, haben sie selbst zugeben müssen und über die Ereignisse der letzten zwei Tage liegen überhaupt keine Nachrichten vor. Man nimmt deshalb mit Recht an, daß die Italiener aus ihren vorwärtigen Stellungen verdrängt und vielleicht auch einige AußenfortS von TripoliS von den Türken wieder zurückerobert wurden. Alles, waS darüber hinauSgeht, gehört inS Reich der Fantasie und ist eitel Sensation.

DerNeuen Freien Presse" telegraphiert man auS Konstan­tinopel: DaS Gerücht von der Wiedereinnahme von TripoliS wurde bisher amtlich nicht bestätigt. Der Kriegsminister erklärte jedoch demTanin", daß die Eroberung bcvorstehe. Die Erfolge der türkisch-arabischen Truppen feien glänzend, die Kasernen vor der Stadt von den Türken eingenommen. Die Verluste der Italiener seien schwer. ES seien ihnen 8 Feldgeschütze und 4 Mitrailleusen abgenommmen worden. Die Türken hätten 1000 Gefangene gemacht.

TripoliS, 31. Oktober. In den letzten beiden Tagen herrschte hier Ruhe. Die Araber unternahmen keine neuen Angriffe, eS ist jedoch sestgestellt, daß sich starke Etreitkräste in unmittelbarer Nähe der italienischen Linien befinden. Der gestrige Tag war für die Italiener überaus beschwerlich. Sie gingen gegen zerstreute türkische Abteilungen vor, die sich noch immer in der Oase halten und die Italiener durch Schüsse, die sie nachtS gegen die italienischen Stellungen abgeben, be­unruhigen. Einzelne Häuser, die den Türken Deckung boten, wurden von den Italienern in die Luft gesprengt. Nach einer Meldung, die freilich noch nicht bestätigt ist, sind sich die arabischen Stämme durchaus nicht einig darüber, ob sie einen neuen Angriff unternehmen sollen. Einige Stämme wären, so heißt eS, zum Angriff bereit, wenn sie nicht doch die Stärke deS Feindes fürchteten, andere dagegen möchten sich wieder in das Hinterland zurückbegeben. Nach einer Schätzung, die allerdings auf Genauigkeit keinen Anspruch erheben kann, find in den Tagen vom 23. bis 27. Oktober 4000 Araber gefallen.

London, 31. Oktober. Die heutigen Morgenblätter veröffentlichen spaltenlange Artikel ihrer Korrespondenten in TripoliS, in denen daS blutige Gemetzel geschildert wird, daS die Italiener in der Oase von TripoliS anrichteten, alS sie sich zum Rückzug vor den Türken und Arabern gezwungen sahen, während in ihrem Rücken einige hundert Stadtbewohner revoltierten. Drei Tage lang schössen diesen Berieten zufolge die Jraliener alle- nieder, waS ihnen gerade vor die Flinte kam. Nichtkombattanten, Frauen und Kinder sollen dabei nicht geschont worden sein. Die Opfer dieses Germtzels werden auf 4000 angegeben.EtwaS Beklagenswerteres, alS die Szenen, die sich in TripoliS abspielten," sagte Reuter- Korrespondent,hat man in keinem Kriege seit langer Zeit

hörte:Meine liebe Klara, ich freue mich, Sie endlich wieder zu sehen," sagte er, zu ihr tretend.

Sie wollte ausstehen, aber sie konnte nicht. Er setzte sich neben sie und legte den Arm um die Wankende.

Ich bedaure, Sie so angegriffen zu sehen," sagte er.

Ihr Kops sank in halber Ohnmacht gegen seine Schulter, aber sie zuckte zusammen, als sie seine Lippen an ihrer Stirn fühlte.

Kommen Sie, ich führe Sie hinaus." Er legte ihren Arm in den feinen. Sie erhob sich mühsam, und er führte sie in die Halle und die Treppe hinan. Sie folgte willenlos. Als er sich aber oben zu den vorderen Zimmern wandte, wo Frau Henriette waltete, flüsterte Klärchen bittend:Zur Groß­mutter :

Gewiß, wenn Ihnen das lieber ist," sagte er und ge- geleitete sie in daS freundliche Zimmer mit den wunderlichen gemalten Tapeten; die Blinde saß aus ihrem gewöhnlichen Platz am Fenster.

Großmutter," sagte August,ich bringe dir die Klara, sie ist nicht wohl, ich werde ein GlaS Wein hinausschicken und meine Mutter benachrichtigen."

Laß nur die Mutter, die hat zu tun," sagte die alte Frau.Klärchen und ich werden schon allein fertig. Nicht wahr, mein Kind?"

Ach, ja, bitte," seuszte daS Mädchen.

Schiebe einen Stuhl dicht zu mir heran; so, mein Klärchen," sie tastete nach der Hand der hülfloS neben ihr Niedersinkenden,und nun gehe nur, August, und schicke Wein eS wird bald besser werden."

Kaum aber hatte sich die Tür hinter August geschlossen, da löste sich der Bann der auf dem Mädchen gelegen hatte, sie brach in lauteS, herzbrechendes Schluchzen aus.Heinz, Heinz" war alles, waS sie zunächst hervorbrachte. Die alte Frau ließ sie auSweinen, sie zog den Kopf der Schluchzenden an ihre Brust, streichelte ihre Wangen und sagte:Sprich, Kind, sprich, sage mir alles, alles." Und sie hörte alle-, die ganze traurige, hoffnungslose Geschichte.--

Am Nachmittage derselben TageS saß Herr LüderS wieder allein in seiner Stube, als es pochte und zu seinem nicht