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herrMer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage' ;

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 130. Sonnabend, den 4. November 1911.

Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten.

Erstes Blatt, tätlicher M.

Landespolizeiliche Anordnung, betreffend die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche im Kreise HerSseld.

Mit Rücksicht aus die Feststellung der weiteren Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche in Heringen durch den beamteten Tierarzt bestimme ich in Erweiterung meiner landeSpolizeilichen Anordnung vom 9. Oktober 1911 A. III. 4843 Amtsblatt Nr. 41, Seite 354/5 folgendes:

Zu dem Sperrgebiet im § 1 tritt die Gemeinde Heringen in ihrem ganzen Umfange. (A. III. 5270.)

Casfek, am 31. Oktober 1911.

Der RegierungS-Präsident. Graf von Bernstors s.

* * *

HerSseld, den 3. November 1911.

Wird veröffentlicht.

I. 13971. Der Landrat

gez. von Grunelius.

Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 3. Januar d. Js. Amtsblatt Nr. 2, vom 11. Januar 1911 wird hierdurch erneut bekannt gemacht, daß der nächste Termin der durch das Gesetz vom 18.-Zürm-18S4^vsrgefchnch^ Prüfung von Schmieden über ihre BesShigung zum BetrMe deS HufbeschlaggewerbeS hierselbst am Sonnabend, den 9. Dezember, vormittags 9 Uhr, in der Schmiede des Schmiede- meister- Hellwig, Wörthstraße 4, wird abgehalten werden.

Caffel, den 6. Oktober 1911.

Der Vorsitzende der staatlichen Prüfungskommission Veterinärrat Buch.

*

HerSseld, den 23. Oktober 1911.

Wird veröffentlicht.

I 13120. Der Landrat.

J. A.:

W e s s e l, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 27. Oktober 1911.

An die OrtSpolizeibehörden deS KreiseS.

Aus gegebener Veranlaffung mache ich auf die im § 1 Absatz 1 der AuSsührungs-Anweisung zum Gesetze, betreffend die Bekämpsung übertragbarer Krankheiten, Beilage zum Amts­blatt Nr. 47/96, vorgeschriebene Anzeige der T o d e S s S l l e an übertragbaren Krankheiten ausdrücklich aufmerksam.

Ich weise erneut daraus hin, daß die Anzeige vom Todesfälle auch dann zu geschehen hat, wenn die Er­krankung bereit- angezeigt war.

I. 13430. Der Landrak*

von GruneliuS.

HerSfeld, den 31. Oktober 1911.

Unter dem Rindviehbestande der Rittergut-pächter- Oster- mann in Boxerode, Kreis Rotenburg, ist die Maul- Klauenseuche amtlich festgestellt worden. L 13610. Der Landrat.

I. «.:

und

W e s s e l, KreiSsekretär.

Ailsßrcht ob Die Htvölkemg

über die Bedeutung und die Ausführung der Viehzählung

am 1. Dezember 1911.

Am 1. Dezember 1911 findet in Preußen eine außerordent­liche Viehzählung kleineren Umfanges statt; die Fragen, die hierbei an die Bevölkerung gestellt werden, sind nicht zahlreich und leicht verständlich, ihre Beantwortung verursacht nur ge­ringe Mühe.

Folgende Viehgattungen werden gezählt:

1. die Pferde, und zwar gesondert nach folgenden Gruppen: a) die unter 3 Jahre alten Pferde, einschließlich der Fohlen, b) die 3 biS noch nicht 4 Jahre alten Pferde, einschließlich der Militär­pferde, c) die 4 Jahre alten und älteren Pferde, einschließlich der Militärpferde;

2. die Rinder, und zwar a) die unter 3 Monate alten Kälber, b. daS 3 Monat«. r>t» i^ nicht 1 Jahr alte Jungvieh, c) das ! ms noch nicht 2 Jahre : ~ 8 - alten und älteren Bullen, Stieren und en, e alten und älteren Rinder weiblichen Geschlechts (Kühe, Färsen, Kalbinnen);

3. die S ch a f e, und zwar a) die unter 1 Jahr alten Schafe, einschließlich der Lämmer, b) die 1 Jahr alten und älteren Schafe;

4. die Schweine, und zwar a) die unter Va Jahr alten Schweine, einschließlich der Ferkel, b) die Va bis noch nicht 1 Jahr alten Schweine, c) die 1 Jahr alten und älteren Schweine.

Auf die genaueste Beantwortung der Fragen nach den Unter­abteilungen der einzelnen Viehgattungen muß besondere Sorgfalt verwendet werden, da nur hierdurch eine ausreichende Kenntnis der Zusammensetzung und der vor- oder rückwärts schreitenden Entwickelung des Viehstandes gewonnen werden kann. Diese Kenntnis ist für viele wirtschaftliche Zwecke, so u. a. für alle Maßnahmen zur Förderung der Viehzucht; unentbehrlich; die Angabe der Gesamtzahl für die einzelnen Viehgattungen genügt zu derartigen Zwecken niemals.

Die Zählung erfolgt wieder nach viehhaltenden Haushal­tungen.

Jeder HauShaltungSvorsteher oder sein Stellvertreter hat da» ihm gehörende oder unter seiner Obhut befindliche Vieh, das in der Nacht vom 30. November.bis zum 1. Dezember 1911 auf dem Gehöfte, wo er wohnt, steht, nach Maßgabe der Zählkarte zu zählen und in diese wahrheitsgetreu einzutragen. Wie das

ire

zu geschehen hat, sagen die Erläuterungen auf den Zählpapieren.

Die Ergebnisse der Viehzählung dienen lediglich den Zwecken der Staats- und Gemeindeverwaltung und der Förderung wissenschaftlicher und gemeinnütziger Aufgaben. Insbesondere soll festgestellt werden, ob durch die heimische Viehzucht die für die Volksernährung nötigen Fleischmengen gewonnen werden können. Zu Steuerzwecken werden die in den Zählkarten ent­haltenen Angaben in keinem Falle verwendet. Nach Feststellung der Ergebnisse durch das Königliche Statistische LandeSamt in Berlin werden die Zählkarten vernichtet.

Die Erreichung des bedeutsamen Zweckes der Zählung hängt zum großen Teile von der Mithilfe der Bevölkerung ab. An diese wird daher die dringende Bitte gerichtet, das Zühlgeschäft durch bereitwilliges Entgegenkommen den Zählern, Ortsbehörden usw. gegenüber zu erleichtern. Wenn auch die Zählkarte in erster Linie von oem Haushaltungsvorsteher oder dessen Stell­vertreter selbst auSzufüllen ist, so bedarf es doch außerdem einer großen Zahl freiwilliger Zähler, die bet der Ausübung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit die Eigenschaft von öffentlichen Beamten besitzen. Es steht zu erwarten, daß wie bei früheren Zählungen so auch diesmal sich in genügender Zahl Männer finden werden, die bereit sind, dieses Ehrenamt zu übernehmen; sie würden damit dem allgemeinen öffentlichen Interesse einen wesentlichen Dienst leisten.

um die

Endlich ist noch in geeigneter Weise, namentlich durch Be- sprechung in den Gemeindeversammlungen und in den Schulen, durch die amtlichen Blätter und die TageSpresse die sich durch Abdruck dieser Ansprache oder durch Verbreitung einer sonstigen entsprechenden Belehrung ihrer Leser ein großes Verdienst Erhebung erwerben wurde der Zweck der bevorstehenden Zählung zur möglichst allgemeinen Kenntnis zu bringen. Namentlich würde darauf hinzuweisen sein, daß die in den Zähl- karten enthaltenen Angaben lediglich der Förderung Wissenschaft- licher und gemeinnütziger Aufgaben, in keinem Falle etwa zu Steuerzwecken dienen. Die Veröffentlichung der Ergebnisse wird so gehalten werden, daß darin die Angaben des einzelnen HauS- Haltung-vorstehers in keinem Falle mehr erkennbar sind.

Die Aufbereitung der Ergebnisse der Zählung ist dem Königlich Preußischen Statistischen Landesamte in Berlin SW. 68, Lindestraße Nr. 28 übertragen worden. Diese Behörde wird zur Behebung etwa auftauch »der Zweifel bezüglich Einzelheiten der "ählung auf ;»d« an ^ ^ ^uux »lvagt-berettwtlligst Auskunft erretten.

Berlin, im Oktober 1911. -------

Königlich Preußisches Statistisches Landesamt.

E v e r t, Präsident * *

HerSseld, den 2. November 1911,

I.

Wird veröffentlicht. 12887.

Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

nichtamtlicher teil

Politischer Wochenbericht.

Mit nicht geringer Spannung blickte man in ganz Deutsch­land dem AuSsalle der Wahlen zu der neuen elsaß- lothringischen Volksvertretung entgegen. Mußte sich hier doch zum erstenmal die Wirkung der sehr radikal ge-

Kleptomanie.

Eine Geschichte auS dem Leben von F. R o d e r b u r g.

(Schluß.)

Da hatte ihm ja die UnteiHaltung mit dem jungen Journalisten einen höchst schätzenswerten Klienten zugesuhrt, und vor seinem inneren Auge funkelte schon sein Orden, der ihm durch die Bekanntschaft zuteil werden mußte. Mit einer gewissen Ungeduld wartete Dr. Sartiam am andern Lage auf daS Erscheinen deS Geheimen RateS. Die wenigen Kranken, die sich heut ei. fanden, wurden ch> adge «tigt Jetzt ging wieder die Klingel, und da kam wnklrch der fremde Herr mit einer außerordentlich vornehm auSschenden, "es ver­schleierten Dame.Sie sehen, ich halte Wort. Hier bringe ich Ihnen die Kranke," sagte der Munstmalrat und reichte dem Arzte mit großer Herzlichkeit d,e Hand. .Der DLktor lud die Herrschaften in der verbindlichsten Weise ein, chm. w seine Privatzimmer zu folgen, aus deren glänzende Elnr chtiHig e ganz besonders stolz war; da er Junggeselle war ha er einen nicht unbedeutenden Teil seiner Einnahmen aus Ausschmückung dicser Räume verwenden können. Auf allen Tischen und in allen Winkeln lagen wertvolle kostbare Gegenstände umher, dar Zimmer sah weit mehr wie ein kleines Museum auSals wie eine Privatwohnung. In einem GlaSkästchen befanden sich höchst seltene Münzen, denn Dr. Sartiani war ein leiben schaftlicher Sammler.Lieber Doktor", begann die ^rau nachdem sie der Einladung der ArzteS gefolgt war und in einem Sessel Platz genommen hatte, bm j i Mi g lrank. Mein Mann bildet sich dies nur ein und schleppt mich von einem berühmten Arzt zum andern. D u 8 dabei ein heitere- Lachen auS, und trotzdem sie tres verschlemt war, konnte der Doktor nicht daran zweiftln, bad s l h hübsch und noch sehr jung sein mußte. Der Mimflenalrat warf dem Arzte einen verständnisvollen Blick K». als ll e er sagen:Na, du weißt -S ja schon besser." Dr. Sartmn nahm auch eine recht würdevolle Miene an und entgegn e sehr artig:Ach, Frau Marquise, e- find oft die sch.immsten Krankheiten, die wir selbst nicht kennen."

Da mögen Sie vielleicht Recht haben," sagte die schöne junge Frau; aber noch ehe der Doktor die nötigen Fragen nach ihrem Befinden stellen konnte, sprang sie aus, und an einen der Tische herantretend, tief sie lebhaft auS:Ach, waS haben Sie da für hübsche Sachen!" und während sie ihre Augen noch auf den Gegenständen ruhn ließ, hatte sie schon eine kostbare goldene Uhr, die dort lag, verschwinden lassen.

Dem Doktor war die Annexion der Uhr nicht entgangen; er wollte schon Einspruch dagegen erheben, da klopfte ihm der Ministerialrat leise aus die Schulter und flüsterte ihm zu: Lassen Sie nur die Unselige! Ich bringe Ihnen morgen alle- zurück," und nun lächelte der Doktor nur gutmütig vor sich hin, wenn die Kranke einen Gegenstand nach dem andern mit wunderbarer Geschicklichkcit zu erbeuten und in ihre Taschen zu bringen suchte. Als ob sie nur von all den vielen reizenden Sachen, die hier reichlich vorhanden waren, angezogen werde, schwebte die Marquise in graziöser Haltung in dem ganzen Raume umher, um schließlich immer wieder etwas verschwinden zu lasten; und wie der Doktor anerkennen mußte, wählte die Gattin der hohen Beamten stets die kostbarsten und wertvollsten Schmuckgegenstände.

Selbst an dem Schranke mit seltenen Münzen konnte sie nicht vorüber, ohne sich gerade die seltensten Stücke heimlich anzueigncn daS war doch die ausgesprochenste Kleptomanie. Sein junger Freund hätte die Frau Marquise sehen sollen, er wäre gewiß für immer von seiner Ansicht geheilt worden. Nun heute beim Nachmittag-kaffee wollte er ihm diesen inte­ressanten Fall haarklein erzählen.

Ich bin entzückt von all dem, war ich hier gesehen habe." wandte sich die Ministerialrätin zu dem Doktor.Sie haben ja eine Sammlung von Schmuckjachen, um die Sie jeder beneiden muß." . . _ , , . . ,

Eine törichte Liebhaberei," entgegnete der Arzt, aber er sprach dies mehr zu dem Geheimrat, als wollte er sich deshalb

Min nein, daS find ganz herrliche Sachen. Sie ver­dienen für Ihren Sammeleifer die höchste Anerkennung," entaegnete die junge Frau sehr lebhaft, und als auch ihr Gatte einstimmte, sah Dr. Sartiani abermql- den Orden, der

für ihn in der Lust schwebte, und gewiß wurde er durch die Hilfe seines hohen Gönners zumCavaliere" ernannt.

Ich komme nächsten? wieder, lieber Doktor," fuhr die Frau Marquise lebhaft fort,und dann mögen Sie mich über alles ausfragen. was mir fehlt, aber heut bin ich durch daS viele Sehen und Bewundern schon zu ermüdet, und Sie entschuldigenmich wohl." Sie empfahl sich rasch, wie jemand, der ahnt, daß ihm der Boden unter den Füßen zu heiß werden könnte.

Dr. Sartiani lächelte zu dem Geheimrat hinüber, der über daS auffällige Treiben seiner Gattin doch verlegen schien, und als wollte er den Mann ein wenig trösten, sagte er leise: Ach, wie liebenswürdig und wie unglücklich I" und drückte dem Mmquir die Hand.

Sie haben recht. Sehen Sie, so treibt fit'8 immer! E- ist entsetzlich! Ich danke Ihnen für Ihre gütige Nachsicht. Die Unselige hat viel erbeutet; aber lassen Sie mich nur machen. ES soll Ihnen auch nicht daS kleinste Stück ver­loren gehen. Heut abend, wenn sie zu Bett ist, leere ich ihre Taschen, und morgen bringe ich Ihnen aller gewissenhaft zurück. Seien Sie also ohne Sorge, und nochmals tausend Dank!" Der Geheimrat empfahl sich mit größter Höflichkeit Beim Nachmittagskaffee erzählte Doktor Sartiani dem jungen Journalisten triumphierend von seinem interessanten Gaste. Werden Sie nun endlich an Kleptomanie glauben?" schloß er seinen Bericht.

Na, Doktor, sind Sie nicht schon ganz närrisch geworden?" rief Emilio Franchini auS, der diesmal dem Arzte ruhig zu­gehört hatte, ohne ihn, wie sonst, lebhast zu unterbrechen.

Lieber Emilio, ich nehme von Ihnen viel hin, weil ich eS aus Rechnung Ihrer Jugend setze; aber daS ist doch zu stark."

Ja, wie soll ich denn anders sagen? Merken Sie denn gar nicht, daß Sie raffinierten Gaunern in die Hände ge­fallen sind?"

Ach, die vielen Geschichten und Schwindeleien, die ihr Journalisten in euren Zeitungen bringt, macht euch gegen alle- mißtrauisch," entgegnete der Doktor übellaunig.

Mit Fug und Recht! Ich wette ein- gegen hundert