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5mf*r Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 136.
Sonnabend, den 18. November 1911.
Die heutige Nummer umfaßt 8 Seite».
Erstes Blatt.
XmMcher teil.
Hersseld, den 10. November 1911.
Die Schweineseuche unter dem Schweinebestande beS Johannes Weppler in Oberhaun ist erloschen.
I. 13576. Der Landrat.
3. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
nicbtamtlicber teil.
Politischer Wochenbericht.
Der ReichS tag hat nunmehr die große Marokko- Debatte gehabt. In überzeugender Weise hat unser ReichS- kanzler dargelegt, daß Deutschland mit dem Marokko-Abkommen erreicht hat, waS unter den obwaltenden Umständen überhaupt erreichbar war. Wir haben allen Unsicherheiten und Unklarheiten der Lage in Marokko ein Ende bereitet, unS auf marokkanischem Boden eine feste wirtschaftliche Position geschaffen und noch dazu unsern Kolonialbesitz um ein gewaltiges Gebiet vermehrt, das reiche EntwicklungSmöglichkeiten und ZukunftSauSsichten in sich birgt. Hieran vermag keine Kritik zu rütteln. Ein Blick auf die französische Presse beweist, wie sehr derjenige Teil unserer öffentlichen Meinung im Unrecht ist, der Deutschland bei dem abgeschlossenen Vertrage unter allen Umständen als den übervorteilten und unterlegenen Partner darzustellen sucht. Gewichtige Stimmen in Frankreich behaupten daS Gleiche für ihr Vaterland. So schreibt beispielsweise Gabriel Hanotaux, der frühere Minister deS Auswärtigen und Verfasser der „France contemporaine", Frankreich habe mit der Zulassung Deutschlands zum mittlern Kongo und zum Bassin deS Sangha und Ubanghi einen Kapitalsehler begangen, der die sranzösischen Interessen empfindlich schädige und einen unendlichen Widerhall finden werde zum Schaden deS französischen Einflusses in Afrika und des afrikanischen Gleichgewichts, und er faßt fein Gesamturteil über die Tätigkeit der Unterhändler Frankreichs in die Worte zusammen: „Sie haben dem französischen Kongo die Lenden gebrochen und die Kehle zugeschnürt; er wird in Paralyse oder erdrosselt sterben." Man kann hieraus in Deutschland ersehen, daß unser kolonialer Neuerwerb doch wohl nicht so ganz wertloS ist, und daß wir mit Frankreich nicht so ganz ungünstig abgeschnitten haben. Es gilt daher, alle nörgelnde Kritik zu bannen und vielmehr den Blick vorwärts zu richten. Wir wollen deutsche Kraft und deutschen Fleiß, deutsche Wissenschaft und deutschen Unternehmungsgeist daran setzen, um die neugeschaffene Lage in der denkbar günstigsten Weise für unS auSzunutzen. DaS sei die Losung der Zukunft!
Neben den Reichstagsverhandlungen über daS Marokko- Abkommen sind naturgemäß die übrigen innerpolitischen Vorgänge stark in den Hintergrund getreten. Nur einer dieser Vorgänge war imstande, daneben noch die öffentliche Aus- merkjamkeit in größerem Maßstabe zu fesseln, nämlich die Auflösung d eS L an dtageS und die Ausschreibung von Neuwahlen in Bayern. Anlaß hierzu hat ein scharfer Konflikt zwischen der herrschenden Partei im bayerischen Landtage, dem Zentrum, und dem Ministerium PodewilS gegeben. Der zweitgrößte BundeSstaat sieht sich so in der nächsten Zeit der Ausregung und Unruhe eines doppelten WahlkampseS, für den Reichstag und für den Landtag, auSgesetzt. ES liegen Anzeichen vor, daß der Versuch gemacht werden wird, der Großblockidee für die bevorstehenden Landtagswahlen auch in Bayern Eingang zu verschaffen. Man kann nicht dringend genug hiervor warnen. Jeder Schritt aus dieser Bahn ist ein Schritt auf dem Wege zum Verderben, und wenn Blätter, die „nationale Politik" treiben wollen, einen solchen auS „real- politischen Erwägungen" heraus empfehlen zu müssen glauben, so bekunden sie damit nur, daß sie weder von wahrhast nationaler noch von wahrhaft realer Politik sonderlich viel verstehen. Gespannt darf man aus das erste Austreten der beiden Neubildungen im bayerischen Parteileben, der bayerischen ReichSpartei und der Konservativen Vereinigung, während deS Wahlkampfes sein. Daß beide in den Freunden des Großblocks zugleich ihre Feinde erblicken werden, erscheint unS bei dem Charakter dieser Neubildungen alS selbstverständlich. Hoffentlich gelingt es ihnen, sich recht krastvoll und ersolgreich geltend zu machen.
In England hat sich mit dem Rücktritte B a l f o u r s von der Führung der unionistifchen Partei im Unterhause ein sichtiges parteipolitisches Ereignis vollzogen. An seine Stelle M Bonar Law getreten. Die Wohl ist in mancher Hinsicht ^raschend, da der künstige Führer der Unionisten erst ver- MwiSmäßjg kurze Zeit im politisch-parlamentarischen Leben >^ht, noch kein Ministerporteseuille bekleidet hat und auch
nicht, wie man wohl erwarten durfte, den Kreisen deS englischen HochadelS entnommen ist. Er gilt als ein überzeugter und begeisterter Anhänger der Chamberlainschen Schutzzollideen. Die heftigen innerpolitischen Kämpfe, denen England und die unionistische Partei entgegengehen, dürften ihm sein Führeramt zu einem besonders schweren und verantwortlichen machen.
In Rußland hat die Duma während der BerichtSwoche einen großen Tag gehabt. Ministerpräsident Kokowzew ent- wickelte sein Programm und erntete damit den Beifall der Rechten und deS Zentrums. Er stellte sich als einen Fortsetzer der Politik StolypinS vor und führte auS, daß eS in Rußland nur eine Politik gebe, und daS fei die Politik deS Kaisers. Die Linke ist selbstverständlich mit diesem Programm wenig zusrieden, sie hat eS aber ihrer eigenen revolutionären Drauf- gängerpolitik zuzuschreiben, daß in Rußland nach wie vor im wesentlichen absolutistisch regiert wird.
Im italienisch-türkischen Kriege ist noch keine Entscheidung abzuschen, und ebenso sind die Folgen, welche die chinesische Revolution nach sich ziehen wird, noch völlig unklar. Hoffen und wünschen wir, daß beide, der Krieg in Asrika sowohl wie die Revolution in Ostasien, trotz ihrer zahlreichen traurigen und gräßlichen Begleiterscheinungen am letzten Ende dennoch den Zielen der Zivilisation und deS kulturellen Fortschrittes dienen mögen.
Reichstag.
Der Reichstag trat am Mittwoch in die zweite Lesung der SchiffahrtSabgabengesetzeS ein, zu welcher auS dem Hause eine ganze Anzahl von Anträgen eingebracht worden sind. Der Entwurf hat in der Kommission bedeutende Abänderungen erfahren, durch welche die Aussichten auf seine schließliche Annahme im Plenum, die bislang nuw recht schwankende waren, sehr gebessert worden find. Nachdem der ZentrumSabgeordnete Gerstenberger den Bericht über die Kvmmisstonsverhandlungen erstattet hatte, erklärt der ZentrumSabgeordnete Zehnter namenS der Fraktion, sie werde ihre Zustimmung zum SchiffahrtSabgaben- gesetz von dessen weiterer Gestaltung abhängig machen, doch erkannte er an, daß der Entwurf in der Kommission bereits erhebliche Verbesserungen erfahren habe. Abg. Kreth (Kons.) erklärte, daß seine Fraktion die Vorlage in der Kommission-- fasfung annehmen würde, mit Ausnahme ihrer sächsischen Mitglieder. SozialdemokratischerseitS sprach sich Abgeordneter David gegen da- SchiffahrtSgesetz aus, welche- den bundeS- staatlichen Charakter deS Reiches verletze, wirtschaftliche Interessen weiter Kreise störe und die Einigkeit zwischen den Bun- deSstaaten beeinträchtige. Regierungsseitig verteidigte der preußische Eisenbahnminister v. Breitenbach das SchiffahrtS- abgabengesetz gegen die wieder dasselbe bislang in der Kommission und schon vorher in der Presse erhobenen Angriffe, verbreitete sich über die Entstehungsgeschichte deS GesetzeS, wies den Vorwurf zurück, daß beim Entstehen dieser' GesetzeS hauptsächlich fiskalische Jntereffen eingewirkt hätten, und betonte die Notwendigkeit, an Stelle eines überlebten Wirtschaftssystems der Wasserwirtschaft in Deutschland ein neueS zeitgemäßes System zu setzen. Weiter hob er den ZweckverbandSgedanken des GesetzeS und seine Vorteile hervor und schloß mit dem Ausdrücke der Zuversicht, daß eS für einen großen Teil Deutschlands wirtschaftliche Vorteile bringen werde. Im weiteren Verlaus der Mittwochsdebatte sprachen sich Abgeordneter von Gamp (ReichSp.) und Abg. Hanisch (Wirtjch.Vgg.) sowie der Nationalliberale Hausmann namenS deS größeren Teiles seiner FraktionSgenossen für daS Gesetz in der Kommis- sionSsassung auS, während Abg. Gothein (VolkSp.) eS bekämpfte. Regierungsseitig griffen außer dem Minister von Breitenbach noch der Württembergische Minister Dr. v. Pischek und der preußische Ministerialdirektor Dr. PeterS zu gunsten des GesetzeS in die Debatte ein. Sie wurde am Donnerstag weiter geführt.
Die Budgetkommission deS Reichstages für da- deutsch- französische Marokko- und Kongo-Abkommen führte am Mittwoch die Diskussion über die verfassungsrechtliche Seite deS Abkommens zu Ende, wobei sich herauSstellte, daß man auf keiner Seite des Reichstages einen BersaffungSkonflikt mit der Regierung in dieser Angelegenheit wünscht. Schließlich gelangte ein Kompromißantrag des ZentrumS und der Volk-partei in Gestalt eines Zusatzes zu § 1 des SchutzgesetzgebieteS zur Annahme; der Zusatz bestimmt, daß eS zum Erwerb oder zur Abtretung eines Schutzgebietes oder von Teilen einer solchen einer ReichsgesetzeS bedürse. Der Antrag der VolkSpartei und der Sozialdemokratie dieser Bestimmung rückwirkende Kraft auf das Marokko- und Kongo-Abkommen mit Frankreich zu geben, wurde dagegen von der Kommission-mehrheit abgclehnt. Am Donnerstag trat die Kommission in die Erörterung der staatsrechtlichen Seite deS Abkommens ein.
Drr Kries um WEs.
Die „Köln. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Aus den Berichten vom Kriegsschauplatz scheint Hervorzugehen, daß die türkischen Truppen vor TripoliS eine Stellung zur Verteidigung hergerichtet haben, welche etwas rückwärts von der Linie liegt,
die von den Italienern biS zum 25. Oktober besetzt war* Daraus würde folgen, daß die italienischen Vorstöße seit Ankunft der Verstärkung nicht ganz erfolglos gewesen sind und daß die Türken Die Absicht, einen gewaltsamen Angriff auf TripoliS zu unternehmen, aufgegeben haben. An amtlicher Stelle nimmt man an, daß der Rückzug der türkischen Truppen ins Innere bevorsteht, jedoch nicht infolge der italienischen Angriffe. Hier wird eS als nicht ganz ausgeschlossen betrachtet, daß Italien die Durchfahrt durch die Dardanellen und die Zerstörung der türkischen Flotte zu erzwingen und sogar einen Angriff aus daS Marmarameer mit Konstantinopel zu machen versuchen werde. Die Türken sehen solchen Versuchen mit größter Ruhe entgegen.
Offiziös wird von italienischer Seite berichtet:
Am Mittwoch nachmittag entwickelte sich bei dem Fort Hamidie und bei Scharaschat verschiedene Male ein Feuergefecht. Eine vom 18. Infanterieregiment unternommene Rekognoszierung führte zur Erbeutung von Waffen und Munition. Der Barackenbau zur besseren Unterbringung der Truppen schreitet fort. Der Regen hält an.
Interessante Mitteilungen von TripoliS veröffentlicht der dortige Korrespondent der „Berl. Ztg.". Nach seinem Berichte ist die Lage der Italiener eine recht ungünstige. Die fremden Militärattachees äußern sich wenig anerkennend über die Maßnahmen der italienischen Heeresleitung. Die Proklamierung der Annektion wird selbst von italienischen Offizieren angesichtS deS UmstandeS für verfrüht bezeichnet, daß die Italiener bisher nur 4 Küstenstädte mit einer Gesamtzahl von etwa 15 000 Eingeborenen besetzt haben und selbst diese wenigen Punkte von einem fast unter den Mauern stehenden Truppen- kordon mit schwerer Mühe und Not tagtäglich gegen die heftigen Angriffe der Türken verteidigt werden müssen. Die Passivität demoralisiert dir italienischen Truppen. Der Mangel an Organisationstalent macht sich in Unzulänglichkeit der Verpflegung, der SanitätSvorkehrungen und deS Postver- kehrS sehr bemerkbar.
H« ]n- und Ausland,
DaS Befinden deS Kaisers gibt zu keinerlei Besorgnis Anlaß; die ErkältungSerscheinungen sind bereit- im Rückgang begriffen. Die Reise nach Baden-Baden und Donaueschingen wird der Kaiser, wie schon angekündigt, voraussichtlich am Sonntag antreten.
In der gestrigen Sitzung der Budgetkommission deS Reichstages teilte der Staatssekretär v. Kiderlen-Waechter salzenden Zusatz zu dem deutsch-sranzösischen Abkommen vom 4. November 1911 mit: In einem Notenwechsel zwischen dem Staatssekretär deS Aeußern Herrn V. Kiderlen-Waechrer und dem Botschafter der französischen Republik Herrn JuleS Cambon ist zum Ausdruck gebracht worden, daß, sallS Deutschland von Spanien Spanisch-Guinea, die Insel Corisco und die Elobay-Jnseln zu erwerben wünschen sollte, Frankreich bereit ist, zu Deutschlands Gunsten auf die sich aus dem sranzöstsch-spanischen Vertrage vom 27. Juni 1900 ergebenden Vorzugsrechte zu verzichten. Dagegen hat Deutschland erklärt, sich nicht an den besonderen Abmachungen beteiligen zu wollen, die Frankreich und Spanien etwa miteinander über Marokko treffen sollten. ES herrschte dabei Uebereinstimmung darüber, daß unter Marokko derjenige Teil von Nordasrika zu verstehen ist, der zwischen Algier, Französisch- Westasrika und der spanischen Kolonie Rio de Ore liegt. Aus Zweifel wegen der Grenzziehung im Süden von Spanisch- Guinea bemerkte der Staatssekretär, daß unsere Grenze ein ziemliches Stück südlich deS spanischen Gebiets vorbeigehe, der spanische Kolonialbesitz sonach eine vollständige Enklave sei. Auf eine weitere Anfrage erwiderte der StaatSfekretär, daß Deutschland bereits auS früherer Zeit ein Vorkaufsrecht auf Fernando Poo besitze.
Die endgültigen Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 werden im „Reichs- und StaatSanzeiger" veröffentlicht. Danach betrug an dem genannten Tage die Zahl der Einwohner deS ReichS 64 925 993 Seelen, daS bedeutet gegen 1905 eine Zunahme von 4 284 504 Köpfen.
Es liegen jetzt die Nachweise vor, welchen Einfluß die innere Kolonisation auf die Abwanderung vom Lande gehabt hat. In Ostpreußen hat im letzten Jahre die Abwanderung um 1750 Personen abgenommen. Der gesamte Zuwachs auf dem Lande betrug 1404 Köpfe, so daß ohne die Betätigung der inneren Kolonisation eine bedeutende Abnahme der Bevölkerung aus dem Lande stattgcsunden hätte. ES wurden nämlich 375 Ansiedler-Familien von außerhalb herbeigezogen, die insgesamt 1785 Personen zählten. Sehnlich günstige Ergebnisse wie in Ostpreußen wurden auch in Posen erzielt, wo auch eine beträchtliche Abnahme der Abwanderung vom Lande festgestellt worden ist.
Wie auS Cöln gemeldet wird, veröffentlicht der Kardinal Erzbischof Dr. Fischer Verhaltungsmaßregeln für die deutschen Katholiken bei der F e u e r b e st a t t u n g. ES ist den Katholiken nicht erlaubt, FeuerbestattungSvereinen anzugehören. Die Verbrennung ist von der Kirche, abgesehen von Notsällen, streng verboten. Katholiken, die Verbrennung