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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 138. Mittwoch, den 22. November 1911.

Amtlicher teil.

HerSseld, den 18. November 1911.

Der Landwirt Conrad Rüger in Wehrshausen ist zum Bürgermeister der Gemeinde Wehrshausen gewählt worden.

Ich habe diese Wahl bestätigt und den p. Rüger heute verpflichtet.

Der Vorsitzende'des Kreisausschusses:

J. A. 7253 II. von Grunelius.

Hersseld, den 16. November 1911.

Unter den^Viehbeständen der Landwirte Siebold, Laun und Lichtenberg in Heringen ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.

I. 14648. Der Landrat

von Grunelius.

HerSfeld, den 16. November 1911.

Die Rotlaufseuche unter dem Schweinebestande des Bäcker­meisters Wilhelm Hettler hier ist erloschen.

I. 14766. Der Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 14. November 1911.

Unter den^ beiden Schasherden in Mecklar ist die Räude amtlich sestgestellt worden.

I. 14398. Der Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 16. November 1911.

Die Maul- und Klauenseuche in Bebra (Kreis Rotenburg) ist erloschen.

I. 14 744. Der Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 15. November 1911.

Die Maul- und Klauenseuche in Sondheim (Sachsen- Weimar) ist erloschen.

I. 14595. Der Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher Ceil.

Busttag.

Die letzten welken Blätter rascheln am Boden. Ueberall herrscht Spätherbststimmung, und leise kündigt sich der Winter an. Das iftjuft die rechte Jahreszeit für den Bußtag, der ein Tag tiefen Ernstes, stiller Einkehr und wehmütigen Be­

Das gestohlene Bild.

Kriminalnovelle von Berthold Rosenthal.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Fahren Sie schneller, stellen Sie auf höchste Ge schwindigkeit ein!" rief er dem Chauffeur zu. Der Chauffeur gehorchte und das Automobil entwickelte ein Tempo, gegen das die vorige Schnelligkeit fast langsam erschien. Mit klopfendem Kerzen und angehaltenem Atem saßen die Männer auf ihren Plätzen; jeder wußte, daß es eine Fahrt auf Leben und Tod war. Das ge­ringste Versehen des Chauffeurs, der kleinste Defekt an der Maschine, und sie waren alle dem sicheren Verderben geweiht. Ohrenbetäubend knatterte der Motor; mit unheimlichem Surren pfiff die Luft an ihnen vorüber. Wieder verging eine halbe Stunde, eben hatten sie einen Wald durchrast, und eine weite, freie Ebene lag vor ihnen. Da stieß Lepelletier plötzlich einen Schrei aus und deutete mit weitausgestrecktem Arme nach vorn. Ganz fern am Horizont wurde ein dunkles Etwas sichtbar. Mit einem Ruck fuhren die Männer empor; vergessen war die Gefahr, in der sie sich befanden, und sie dachten nur an den Gegenstand ihrer Verfolgung. Allmählich kamen sie ihm näher, und bald konnten sie deutlich die Umrisse eines Automobils erkennen. Doch auch der Verfolgte schien ihr Herankommen bemerkt zu haben, denn augenscheinlich verfiel er in eine größere Geschwin­digkeit. Bald begann sich sein Vorsprung wieder zu vergrößern. Ueber eine Stunde lang ging die Ver­folgung weiter, während die Grenze immer näher heranrückte. Das Terrain begann immer mehr zu steigen, wodurch sich natürlich die Geschwindigkeit der beiden Automobile bedeutend verlangsamte. Und bald stellte es sich heraus, daß das Polizeiautomobil für die Bergfahrt besser geeignet war, als der Wagen des Amerikaners. Langsam aber sicher tarnen die Verfolger

sinnens sein soll und dem weltlichen Menschen von der Ver­gänglichkeit alles Irdischen predigt. Er zeigt ihm den schweren, tiefdunklen Hintergrund alles menschlichen Wollens und Sterbens: die Sünde, die Schuld.

ES ist ja eins der traurigsten Merkmale des heutigen Ge­schlechts, daß ihm so vielfach jeder Bewußtsein von der Sünde geschwunden ist. Der Mantel deS Aesthetischen muß un­zählige sittliche Mängel verdecken. Aber selbst das glänzendste Gewand kann aus die Dauer niemals über die alte erschütternde Bibelweisheit hinwegtäuschen: die Sünde ist der Leute Ver­derben! Die Gebildeten unter den Verächtern der Religion sollten sich das ebenso gesagt sein lassen wie die Ungebildeten, die da vermeinen, mit allen möglichen Schlagworten gegen Glauben und Kirche dreinfahren zu müssen. Das christliche Gewissen kann nicht so ohne weiteres hinwegdisputiert werden, und es können doch einmal Zweifel kommen, wo eS einer ähnlich empfindet wie Martin Luther in einsamer Kloster­zelle, als eS in seiner Seele rang und schrie:Ach, meine Sünde, meine Sünde!" In einem Bußliede deS 17. Jahr­hunderts heißt eS ganz entsprechend:

Ach, was soll ich Sünder machen?

Ach, waS soll ich sangen an? Mein Gewissen klagt mich an, ES beginnet aufzuwachen.

Und doch, Buße ist nicht bloß ein verzweifelter Zerknirfcht- sein, nicht nur ein müdeS Trauern in Sack und Asche. Luther hat auch freudig bekannt:Der Glaube hat die Art, daß er sich zu Gott aller Guten versteht und allein auf Gott sich verläßt. Buße ist eben zugleich ein felsenstarkeS Vertrauen auf die göttliche Güte."

Ob bei unS ist der Sünde viel, Bei Gott ist viel mehr Gnade.

Seit den ersten Tagen der Christenheit haben sich Taufende und Millionen aufrichtig und demütig als arme, reuige Sünder gefühlt und haben ihren wirklichen Frieden erst dann gefunden, als sie fest an die Gnade jenes heiligen Gottes glaubten, den sie durch ihr Denken und Tun beleidigt hatten. Mag eS auch vielen etwas unangenehm in die Ohren klingen, am Bußtage muß das Zeugnis laut werden:

Wir treten

Mit Beten

Vor Gott den Gerechten, Er waltet

Und schaltet

Nach strengem Gericht.

Ebenso klar und bestimmt soll aber auch die alte tröstliche Losung erklingen, daß der allgütige Gott nicht den Tod des SünderS will, sondern daß er sich bekehre und lebe.

Und so möge jeder Bußtag recht vielen Christenleuten den hohen Segen einer stillen Einkehr bringen! Möchten es auch die kulturhungrigen Kinder einer modernen Welt verstehen lernen, waS der fromme Spitta gesungen hat:

Kehre wieder, kehre wieder,

ihm wieder näher. Den Revolver in die Faust pressend, erwarteten die mutigen Männer den Augenblick, da sie ihn einholen würden.

Doch die Grenze war kaum noch 20 Klm. entfernt; würde es bis dahin gelingen an den Fliehenden heran- zukommen ? Das war die bange Frage, die alle Herzen gefangen hielt, ohne daß ein Wort darüber gesprochen wurde. Das Terrain wurde jetzt wieder ebener, und mit erneuter Geschwindigkeit begannen die beiden Auto­mobile dahinzusausen.

Der Polizeidirektor, der nochmals seine Karte zu Rate gezogen hatte, richtete sich plötzlich aus, und angst- suchend überblickte er die vor ihnen liegende Gegend. Am Ende der Hochebene, da, wo es wieder bergan ging, war deutlich ein hoher spitzer Stein sichtbar.

Der Polizeidirektor deutete darauf.

Die Grenze!" stieß er mit rauher Stimme hervor. Wie ein lähmender elektrischer Schlag traf dies eine Wort feine Gefährten. Die Hoffnung schwand, den Flüchtigen einzuholen; noch eine Minute, und er be­fand sich jenseits das Grenzsteines in Sicherheit. Auch der Millionär wußte das. Er befand sich vielleicht hun­dert Meter vor dem Stein, als er sich plötzlich in seinem Automobil aufrichtete und mit höhnischem Triumphe nach seinen Verfolger» zurückwinkte. Doch was war das? Einige Augenblicke lang schien sein Automobil hin unb her zu schwanken, dann wandte es sich zur Seite und rannte mit voller Gewalt gegen den Stein, ein entsetzliches Krachen verkündete den Verfolgern das Ende der Katastrophe, die sich mit blitzartiger Geschwin­digkeit vor ihren Augen abgespielt hatte. Wenige Sekun­den später hielten sie neben der Unfallstelle. Das Auto­mobil war vollständig zertrümmert; eine Strecke davon lag der Millionär regungslos auf dem Boden. Als Lepelletier an ihn herantrat, sah er auf seinen harten Zügen noch ein finsteres, wildes Lächeln festgebannt, und die weitgeöffneten Augen blickten mit grauenhafter Starrheit zum gestirnten Himmel empor. Der Detektiv, der gute medicünsche Kenntnisse besaß, kniete neben dem

Der du dich verloren hast; Sinke reuig bittend nieder Vor dem Herrn mit deiner Last!

DieSchwarze Gefahr".

Die Budgetkommission der Reichstags setzte gestern die Beratung über das deutsch-französische Abkommen betreffend Marokko und Aequatorialafrika nebst den dazu gehörigen An­trägen fort. Vor Eintritt in die Tagesordnung fand eine längere Erörterung über die Berichterstattung in öffiziösen Blättern mit Bezug auf die letzte Sitzung statt.

Der Vertreter des preußischen KriegSministeriums, General Wandel, verbreitete sich sodann über dieschwarze Gefahr". Diese sei nicht so groß, wie man früher vielfach geglaubt habe. In absehbarer Zeit werde man nicht damit rechnen müssen, daß durch Besetzung von Marokko schwarze Kräfte in erheblichem Maße dem französischen Staate für militärische Zwecke zuwachsen würden. ES würde wohl noch lange Jahre dauern, bis große Truppenmassen sich dort gewinnen lassen würden. Aus die Dauer sei nicht von der Hand zu weisen, daß eine Verstärkung der militärischen Macht Frankreichs in Marokko erfolgen werde.

Ein Mitglied der nationalliberalen Partei glaubte auS eigener Sachkenntnis daraus hinweisen zu können, daß die militärischen Fähigkeiten der in Frage kommenden Leute nicht zu unterschätzen seien. Diese kämpften allerdings heute noch in Formen, wie sie im Altertum gebräuchlich gewesen, aber mit modernen KriegSmitteln ausgerüstet und in rechter Weise auSgebildet, könnten sie sehr gefährlich werden. Ein Mit­glied der konservativen Partei wies darauf hin, daß man sich darauf besinnen müsse, daß der Zweck der heutigen Verhand­lungen nicht darin bestehe, Vorwürse gegen daS Auswärtige Amt zu erheben. Seine Partei habe nur an der Art der Behandlung der Angelegenheit in der Oeffentlichkeit Kritik geübt. ES habe den Anschein, als ob das Auswärtige Amt nicht so eingehend mit anderen Ressorts in Verbindung ge­treten sei, wie es wünschenswert gewesen. Aber man solle bei der Erörterung der Marokkofrage in der Oeffentlichkeit stets im Auge behalten, daß kein Schaden daraus entstehe.

Staatssekretär v. Kiderlen-Waechter kam infolge Aus­führungen aus der Kommission auf die Frage der Oeffentlichkeit der Verhandlungen zurück unb bemerkte, daß er seinerseits nur die Opportunität der Veröffentlichung von Regierungserklärungen zu beurteilen habe. Was die Notizen in der Presse über den vertraulichen Teil der Verhandlungen betreffe, so sei keine einzige von ihnen vom Auswärtigen Amt veranlaßt worden. Der Staatssekretär wies sodann die Annahme, als sei die militärische Seife der marokkanischen Frage vom Auswärtigen Amt leichtsinnig behandelt worden, mit Nachdruck zurück. Diese Dinge seien schon vor dem vom Reichstag allgemein gebilligten Abkommen von 1909 mit den militärischen Be-

Leblosen nieder und begann ihn zu untersuchen. Abe^ bald richtete der Franzose sich wieder empor, während er den fragenden Blick des Polizeidirektors nur mit stummen Kopfschütteln erwiderte. Der Millionär hatte das Genick gebrochen. Während Lepelletier und der Polizeidirektor um den Toten beschäftigt waren, unter­suchten die beiden Polizisten die Trümmer des Automo­bils. Bald verriet ein Freudenrus, daß sie das Bild gefunden hatten.

Hochaufatmend betrachtet der Detektiv das verhäng- nisvolle Bild, um dessentwillen ein Mensch sein Leben hatte lassen müssen und ein anderer in Verzweiflung getrieben worden war. Sinnend ruhten seine Augen auf den reizvollen Zügen der Monna Vanna, deren Schönheit noch Jahrhunderte nach ihrem Tode fo viel Unheil angerichtet hatte. Auch der Polizeidirektor war in die Betrachtung des Gemäldes versunken, aber andere Gefühle regten sich dabei in seiner Brust. Wie froh war er, daß dieser kostbare Schatz der Stadt F. wieder zurückgewonnen war! Und in warmer, neidloser Dank­barkeit drückte er dem berühmten Detektiv die Hand, ohne dessen Hilfe, wie er recht wohl wußte, das Ge­mälde für immer verloren gewesen wäre.

Der Polizeidirektor nahm sodann ein genaues Pro­tokoll über das SorgefaUene auf, welches sämtliche An- wesende unterschrieben. Sodann schickte er einen der Polizisten nach den: nächstgelegenen Städtchen, um die Leiche des Millionärs behördlich aufheben und die Trüm- mer seines Automobils bergen zu lassen. Nach etwa einer Stunde war der dortige Bürgermeister mit den nötigen Mannschaften zur Stelle, und nun konnten unsere Freunde daran denken, den Heimweg anzutreten. Mit der Morgendämmerung langten sie wieder in F. an.

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Eine ungeheure Aufregung hatte sich der Stadt be- mächiigt, als am andern Tage die Wiedererlangung der Monna Vanna bekannt wurde. Hatte man seinerzeit den Diebstahl des Bildes als ein öffentliches Unglück