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h errMer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" , Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 140. Dienstag, den 38. November 1911.

Amtlicher teil

Hersfeld, den 23. November 1911.

Auf Grund ministerieller Ermächtigung wird der Gewerbe­betrieb in offenen Verkaufsstellen an dem vorletzten Sonntage vor Weihnachten, am 17. Dezember d. Js., bis 8 Uhr abends für die Dauer von 10 Stunden freigegeben.

Am ersten und dritten Sonntage vor Weihnachten, am 10. und 24. Dezember d. Js. ist nach der Bekanntmachung vom 22. August 1892 (Amtsblatt S. 208) in allen Zweigen des HandelSgewerbeS die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern, sowie der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufs- stellen biS 7 Uhr abends zulässig.

Auch an diesen beiden Tagen ist die Beschästigungszeit für je 10 Stunden freigegeben.

Die für den Hauptgottesdienst festgesetzte Pause muß inne- gehalten werden.

Während deS übrigen Gottesdienstes dürfen an den ge­nannten 3 Tagen die Geschäfte geöffnet sein.

Die Ortspolizeibehörden deS Kreises ersuche ich um Be­kanntgabe.

I. 14574. Der Landrat

von Grunelius.

HerSfeld, den 23. November 1911.

Die Ortspolizeibehörden deS Kreises mache ich ganz besonders auf die in der nächsten AmtSblatt-Nummer zum Abdruck ge­langende AuSführungS-Anweisung zum Feuerbestattungs-Gesetze vom 14. September 1911 aufmerksam.

1^4792. Der Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher ÖÜ

MuH des HenWn KriMtunks.

DieParole" veröffentlicht folgenden Wahlaufruf: Kameraden!

Die Wahlen zum Reichstage stehen bevor! Am 12. Januar 1912 sollen alle wahlberechtigten Deutschen zur Wahlurne schreiten, um das wichtigste staatsbürgerliche Recht auSzuüben. Von dem AuSsall der Wahlen hängt unendlich viel sür daS Wohl unseres großen deutschen Vaterlandes ab!

Die Kriegervereine sind der VereinigungSpunkt ehemaliger Soldaten, die aus dem Boden der Treue zu Kaiser und Reich und der Liebe zum Vaterland stehen. Die Anhänger aller sich hierzu bekennenden politischen Richtungen, also Anhänger aller bürgerlichen nationalen Parteien find in den Krieger­vereinen gleichberechtigt. Politische Streitigkeiten wie religiöse Unterschiede unter diesen Parteien dürfen in den Krieger­

Birsa.

Eine Seemannserzählung von Karl Western.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Dabei überkam sie aber doch das Schluchzen. Ich ließ sie sich ein wenig beruhigen, dann sagte ich:Birsa!"

In diesem Augenblick ließ sich aus daS breite Blatt einer Alovstaude vor unS ein Vogel nieder, der gleich der Nachtigall, aber noch melodischer und berückender, sein Lied anstimmte.

Sie blickte mich an und sagte melancholisch:

ES ist ein Flötenvogel."

Unter den schmelzenden Tönen deS kleinen Sängers ward ich mit plötzlich bewußt, daß Birsa mir unendlich teuer war. Stotternd begann ich:

Birsa, ich muß Dir gestehen, was ich schon lange aus dem Herzen habe! Birsa, ich liebe Dich! Fliehe mit mir, sei mein Weib!

Da hob sie die dunklen Rehaugen zu mit empor in denen gleich Diamanten 2 blitzende Tränen hingen. Im nächsten Moment ruhte ihr Kopf an meiner Brust, dann aber floh sie wie ein gescheuchter Reh. AlS sie wieder erschien, trug sie ein langes, weißes Musselingewand, welches ihre Gestalt vom Halse bis zu den Füßen züchtig umhüllte, während sie bis dahin in dem oben beschriebenen Kostüm gegangen war. ES schien als ob die Liebe das Schamgefühl in ihr vervollkomm­net hätte.

So ließ sie sich vor mir nieder und sagte sinnig:

Licht meiner Augen, Birsa folgt Dir, und sei eS in den Tod!

»Nicht doch!" entgegnete ich.Zum Leben sollst Du mir folgen, Du Liebliche, zum langen, glücklichen Leben ! Wenn wir gerettet sind, lasse ich Dich taufen und Du wirst mein geliebtes Weib!"

Sie schloß die Augen, lehnte ihr Köpfchen selig an mich und flüsterte:Ja, mein Herr und Gebieter!"

Ich teilte ihr nun meinen Plan mit: sie sollte nachtS ein

vereinen keine Stätte finden. Die Kriegervereine haben des­halb in ihren Satzungen festgelegt, daß politische und religiöse Erörterungen bei ihren Verhandlungen ausgeschlossen bleiben müssen. Andererseits ist ihre Grundlage das Bekenntnis zur Monarchie und zur Vaterlandsliebe. Mitglied eines Krieger- vereinS kann nur der sein und bleiben, der Treue und Liebe zu Kaiser und Reich, zu Fürst und Vaterland fühlt und betätigt.

Damit ist die Stellung der Kriegervereine und ihrer Mit­glieder zu den bevorstehenden Reichstagswahlen gegeben.

In den Kriegervereinen darf auch zu Wahlzeiten von den Unterschieben der bürgerlichen nationalen Parteien und ih:er Bekämpfung unter einander keine Rede fein. Jeder Kamerad ist vollkommen frei, innerhalb dieser Parteien sich zu betätigen und zu wählen wie und wen er will.

Dagegen ist eS Pflicht der Verbands- und VereinSvorstände, ihre Kameraden darauf hinzuweisen, daß kein Mitglied eines KriegervereinS einen Kandidaten wählen kann, der ent­weder das Deutsche Reich in seiner jetzigen Zusammensetzung nicht anerkennt oder der ein Feind der Monarchie und des vaterländischen Gedankens ist. Welsen, die daS ehemalige Königreich Hannover wiederherstellen wollen, Großpolen, die nach der Wiederaufrichtung deS alten PolenreicheS streben, insbesondere aber Sozialdemokraten, tie geschworenen Feinde des Kaisers, der Monarchie und deS Vaterlandes, dürfen da­her unsere Kameraden nicht wählen; sie würden sich dadurch mit dem Gelöbnis in Widerspruch setzen, daS sie beim Ein­tritt in ihren Kriegerverein abgelegt haben. Wer dieses Ge­löbnis nicht mehr halten will, von dem erwarten wir, daß er als ehrlicher Mann aus seinem Kriegerverein auSscheide, denn seine Zugehörigkeit ist freiwillig, und wir halten niemanden, der sich nicht mehr zu unseren Grundsätzen bekennen will. Dies gilt sowohl bei den Hauptwahlen wie bei den Stichwah­len! Auch bei den Stichwahlen ist die Wahl eines Sozial­demokraten, Hannoverschen Welsen oder Großpolen eine Unter­stützung dieser Parteien und mit den Satzungen deS Krieger- vereinSwefenS unvereinbar. Wir bitten unsere Verbands- und VereinSvorstände, in vorstehendem Sinne tätig zu sein.

Von allen unseren Kameraden aber erwarten wir, daß sie im Geiste deS KriegervereinSwesenS sich bei den bevorstehenden Wahlen als patriotische Staatsbürger betätigen, daß ein jeder den Kamps gegen die Sszialdemokratie unbeirrt durchführt sowohl bei der Hauptwahl wie bei den Stichwahlen. Ein jeder Kamerad tue seine Pflicht als treuer, monarchisch ge­sinnter und vaterlandsliebender Staatsbürger. Grhe ein jeder zur Wahl, zur Hauptwahl wie zur Stichwahl, und betätige sich dort im Sinne deS Wahlspruches der Kriegervereine:

Für Kaiser und Reich!

Mit kameradschaftlichem Gruße! Der Vorstand deS Deutschen KriegerbundeS: von Lindequist.

Boot mit Lebensmitteln und einem Schlauch voll Wasser be­frachten und in einer stillen Bucht verstecken, sodann sollte sie für Waffen sorgen; die KanoeS der Wilden wollten wir sämt­lich losschneiden und treiben lassen, damit eine Verfolgung unmöglich sei. In der folgenden Nacht wollten wir unsere Flucht ins Werk setzen.

Birsa war mit allem einverstanden, nur die Trennung von Otamate fiel ihrer Dankbarkeit schwer.

Er ist mir ein Vater gewesen;" sagte sie einfach.

Ja," gestand ich ihr zu,aber er ist ein Greis, dessen Tage gezählt sind, dessen Glückseligkeit Dein Bleiben hier unter Kannibalen nicht vermehren kann! Hier droht Dir Ukwensis Werbung und ein Leben voll Lug und Trug, bei mir eine Zukunft voll Licht nnd Sonnenschein!" Nun wähle frei!"

Sie schloß mir den Mund mit Küssen und flüsterte:

Birsa ist Dein, Birsa geht mit dem weißen Fremdling, wohin er will!"

Sie hatte schon erraten, daß ich auch Spanisch verstand und Otamates Worte stets gehört hatte; sie bat mich deshalb, mich ja nicht zu verraten, denn groß sei dieses alten Mannes Schlauheit und Spürsinn; dann setzte sie hinzu:

Fürchte nichts! Birsa hält die Augen offen! Wenn sie sagt:ES ist Zeit!" dann soll uns bald das Meer von Wanwi trennen!"

Noch einmal wollte ich das liebe Wesen an mein Herz drücken, da entschlüpfte sie mir und hielt sich den Rest des Tages von mir entfernt.

Gegen Abend erschien Otamate auch wieder und sagte finster bei BirsaS Aufzug:

Schmückst Du Dich etwa so für den weißen Mann?"

Doch Birsa zeigte unbefangen aus den eben am Horizont austauchenden fast vollen Mond und sagte:

WaS denkt der weiße Schnee der Südens doch von seiner Tochter? Sagte er nicht, daß Birfa Braut sei, und sie soll sich nicht schmücken?"

Da leuchteten deS Alten Augen aus und er pflichtete chr freudig bei:

Recht so! Und morgen feiert Ukwensi das VermählungS- fest zugleich mit dem Vollmond, legt den weißen Mann in

Der Stieg um (Tripolis.

Tripolis, 25. November. Nach einer Meldung der halbamtlichen italienischen Telegraphenagentur wurden gestern auf der Oflseite der italienischen Front in geringer Entsernung starke Abteilungen von Türken und Arabern gesichtet, es entspann sich ein lebhaftes Feuergesecht, daS den ganzen Tag über anhielt. Da um 3 Uhr der Wind nachgelassen hatte, konnte ein Fesfelballon aufsteigen, und daS KriegsschiffCarlo Alberto" nahm das Feuer gegen die Oase wieder aus. Gegen 7 Uhr abends machte eine seindliche Abteilung auf die italienische Linie ungefähr Jn südlicher Richtung von Fort Hamidie einen Angriff, anscheinend in der Absicht, die italieni­schen Stacheldrähte zu beseitigen, wurde aber zerstreut. Durch Aeroplane wurde festgestellt, daß die Lage deS Feindes unver­ändert ist. AufklärungSstreifzüge, die italienische Truppen im Süden in der Wüste Vornahmen, ergaben, daß sich dort kein Feind befand. Fast sämtliche Feinde scheinen in der Oase und in Ainzara konzentriert zu sein. Kleinere Gruppen Araber gehen zu den Italienern über. Das SchiffCassiopea" ist heute von einer AusklärungSsahrt an der westlichen Küste zurückgekehrt und hat eine verdächtige griechische Barke mit ein« gebracht. Die Lage in HomS ist unverändert. Der General­stabsarzt Sorza und der Kommissar des Roten Kreuzes Deputierter Negrotto begaben sich am 22. b. MtS. von dem HospitaljchiffRe d'Jtalia" an Bord einer Dampsbarkasse. auf der die Flagge der Genfer Konvention gehißt wurde. AlS die Barkasse ein Kilometer von der Küste entfernt war, wurden auS der Oase Gewehrschüsse abgegeben, durch die ein Heizer leicht verletzt wurde.

TripoliS, 25. November. An dem gestrigen Angriff gegen die Schützengräben deS 93. Jnfanterie-RegimentS nahmen ungefähr 600 Araber teil, die 40 Tote und etwa 100 Ver­wundete zurücklicßen. Am heutigen Tage fand eine Zufammen- ziehung der Araber nach Ainzara statt, wo anscheinend Kamelkarawanen mit Lebensmitteln auS Garian angekommen sind. Bei Erkundungen, die mehrere Kilometer weit ausge­dehnt wurden, wurde keine Spur vom Feinde entdeckt. Alle Verwaltungsdienste der Stadt sind in regelrechter Tätigkeit. Bei HomS wurden Erkundungen vorgenommen, ohne daß man auf den Feind stieß. Nach Briefen auS Tunis haben acht Aerzte des Roten Halbmondes die Grenze überschritten, nachdem sie nachgewiesen hatten, daß sie tatsächlich Aer^e seien.

D e r n a, 25. November. Gestern wurde auf dem Plateau vor der Stadt eine Erkundung mit zwei Bataillonen Infanterie einem Bataillon Alpenjäger, drei Maschinengewehr-Abteilungen, einer Abteilung Gebirgsartillerie und einer Kompagnie Matrosen vom Linienschiff Napoli unternommen. Gegen 9 Uhr wurden beträchtliche Streitkräfte deS Feindes gemeldet, und kurz darauf begann ein lebhafter Kampf, der bis 5 Uhr nachmittags dauerte. Die Türken und Araber, die ernsthafte Verluste erlitten hatten

Ketten und heiligt ihn zum Opfer; am andern Tage holt er Birfa in feinen Palast und schickt daS Opfer gen Ebo. Ich habe geredet!"

Ich konnte kaum meine Bewegung verbergen, Birfa warf mir aber einen warnenden Blick zu. So suchte ich mein Lager aus.

In derselben Nacht hörte ich ein Geräusch neben mir. Schon glaubte ich, eS seien Ratten, die sich hier zu Hunderten aufhielten, da flüsterte Birsas Stimme:

Fürchte nichts, mein Geliebter; eine Kanoe steht fertig im Schilf versteckt; die Ketten werden wir zerreißen! Schlafe wohl mein Liebling!"

Damit war sie'verschwunden, so leise wie sie gekommen.

Am anderen Morgen erschienen die Krieger von Wanwi beim Tempel mit großem Geschrei, bekränzten mich mit Blumen, führten ihre Waffentänze aus, schloffen mich dann in Ketten und brachten mich in ein fester Gemach von Pjahl- werk. Dann gingS in den Kraal hinab, wo bereits Ferkel über Feuern gebraten wurden und so viel Palmwein und ReiSbranntwein vertilgt wurde, daß am Nachmittag alles berauscht war. Selbst Otamate taumelte gegen abend auf fein Lager.

Da erschien Birsa bei mir mit einer englischen Feile, mit Hilfe deren die Ketten bald von meinen Gliedern fielen. Dann erquickte mich daS kluge Mädchen mit Speisen und reichte mir einen Dolch nebst einem Assegai. Dabei flüsterte eS mir zu:

»Licht meiner Augen, jetzt gilt eS den großen Wettlauf um daS Leben!"

Eben war der Mond ausgegangen, als wir die Aloöalleen durchmaßen, den Palmenhain kreuzten und durch Reisfelder und Anpflanzungen den Strand zu erreichen suchten. Alles ging nach Wunsch! Nun machten wir unS daran, die KanoeS loSzureißen. Plötzlich erhob sich in einem derselben eine der alten Megären, die mich gefangen genommen, welche sich hierher verirrt haben, um daselbst ihren Rausch auSzuschlafen. Sie stimmte ein Zetergeheul an! Ich hätte sie töten können, aber ich mochte angesichts der Freiheit kein Blut vergießen. DaS sollte für unS verderblich werden I Die alte Hexe floh