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herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 143. Sonnabend, den 2. Dezember 1911.
Die heutige Nummer umfatzt 13 Seiten.
Erstes Blatt.
Amtlicher teil
HerSseld, den 28. November 1911.
AuS Anlaß eines EinzelsalleS mache ich aB^mein aus den Inhalt deS § 15 Abs. 4 der Anweisung betreffend die Errichtung von Testamenten vor dem Gemeinde- oder GutSvor. steher vom 23. Juni 1900 (Ministerialblatt für die innere Verwaltung S. 251) aufmerksam. Danach ist in allen Fällen, in denen der Erblasser auS irgend einem Grunde das Protokoll über die Errichtung deS Nottestaments nicht eigenhändig unterschreiben kann, an Stelle seiner sonst erforderlichen Unterschrift ihr Fehlen im Protokoll festzustellen.
Die Beifügung eines Handzeichens (Kreuze) ist in einem solchen Falle nicht erforderlich, die Feststellung im Protokoll, daß der Erblasser (auS diesem oder jenem Grunde) nicht schreiben könne, ersetzt seine Unterschrist vollständig.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:
I. A. 7495. von GruneliuS.
HerSfeld, den 24. November 1911.
Diejenigen Herren Bürgermeister, welche meine Bersügung vom 23. März 1880, I. Nr. 3135, KreiSblatt Nr. 24, betreffend Ausräumung der Flutgräben noch nicht erledigt haben, werden mit Frist bis zum 10. Dezember d. JS. erinnert.
I. 14959. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 24. November 1911.
Die Maul- und Klauenseuche in Tiesenort, BezirkS- Direktion Dermbach, ist erloschen. I. 14937. Der Landrat.
I. 8L:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSseld, den 28. November 1911.
Unter den Rindviehbeständen deS Bürgermeisters Gebauer und deS Landwirts Schaub in Heringen ist die Maul- und Klauenseuche erloschen. I. 15319. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 24. November 1911.
Bei einem Schwein deS Heinrich Münch in Reilos ist die Rotlaufseuche amtlich sestgestellt worden. I. 15181. Der Landrat.
3. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
Gefundene Gegenstände:
Eine wafferdichte Pserdedecke. Meldung deS Eigentümers bei dem OrtSvorstand zu OberlengSfeld.
Dkbtaintlicber teil.
Politischer Wochenbericht.
Die Tage deS gegenwärtigen Reichstags sind gezählt und bald werden sich feine Pforten für immer schließen. Umso eifriger wird augenblicklich von der Volksvertretung noch ge- arbeitet, damit die Legislaturperiode, die außerordentlich r«ch an bedeutsamen gesetzgeberischen Leistungen gewesen ist, auch einen würdigen und entsprechenden Ausklang finde. Noch m letzter Stunde ist dem Reichstage eine hochwichtige « o l o- nialvorlage zugegangen, durch welche die Mittel zur Fortsührung der oft afrikanischen Zentr alb ahn bis zum Tanganyika-See gefordert worden. ES steht zu hoffen, daß der Reichstag der Vorlage, die sich als kräftigster und wirksamster Hebel zur wirtschaftlichen Förderung und Hebung unseres ostafrikanischen Kolonialbesitzes erweisen durfte, in möglichster Einmütigkeit und ohne viel Besinnen seine Zustimmung erteilen wird. Schon wegen der Wirkung nach außen hin wäre dies in höchstem Maße erwünscht. Zu den Vorlagen, die außerdem noch aus Verabschiedung rechnen dürfen, gehören das SchissahrtSabgaben-Gesetz.wc Privatbeamten-Versicherung und daS HeiM- a r b e i t e r - G e s e tz. WaS den letztgenannten Gesetzentwurf anbetrifft, so wird der mannhafte Widerstand, dendieRclchs- regierung der Einsührung von Lohnämtern entgegengesetzt hat, gewiß von allen Kreisen, die aus Erhaltung der bestehenden StaatS- und Gesellschaftsordnung Wert legen, mitjw» haster Freude begrüßt worden sein. Die sogenannten royn-
Lmter sollten der unter behördlicher Mitwirkung vorzunehmen- den Festsetzung obligatorischer Minimallöhne dienen. Das wäre eine Maßnahme von so stark sozialistischem Charakter, daß dieselbe unbedingt zurückgewiesen werden muß. Ist erst einmal in daS System der freien Lohnvereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Bresche gelegt, so gibt es auf diesem Wege kein Halten mehr. Wenn daher irgendwo, so gilt hier der Grundsatz, daß man den Anfängen Widerstand leisten muß.
In Bayern kommt eS doch nicht zu dem von dem Liberalismus ersehnten und erhofften Zusammenschluß aller übrigen Parteien gegen daS Zentrum bei den Landtagswahlen. Vielmehr haben sowohl Konservative wie Bund der Landwirte erklärt, daß sie sich an einem Großblocke, der die Sozialdemo- kratie mit umsaßt, nicht beteiligen können, sondern genötigt seien, die Freunde und Bundesgenossen der Umsturzpartei alS ihre Feinde zu betrachten. Man wird diese Haltung vom nationalen und staatSerhaltenden Standpunkte aus nur gut- heißen müssen. Die Aussichten auf eine wesentliche Schwächung deS Zentrums im bayrischen Landtage aber dürften damit stark herabgemindert sein.
Die mit Spannung erwartete ParlamentSrede deS britischen Staatssekretärs deS Auswärtigen Sir Edward Grey ist nunmehr gehalten worden. An den politischen Zuständen und Stimmungen dürste durch sie im wesentlichen nichts geändert werden. Sir Edward Grey hat sich hauptsächlich mit den Ereignissen deS Monats Juli d. JS. befaßt und die hieraus bezüglichen Darlegungen unseres Staatssekretärs deS Auswärtigen von Kiderlen-Wächter in einem für die englische Regierung günstigen Sinne zu ergänzen versucht. DaS Tatsächliche der Mitteilungen deS deutschen Staatssekretärs hat aber, soweit wir sehen können, in keinem Punkte eine wirkliche Berichtigung oder gar Widerlegung durch GreyS Angaben erfahren. Der Ton, der die Rede deS Leiter-der auswärtigen Politik Englands durchwehte, war Deutschland gegenüber der einer kühlen und abgemessenen Höflichkeit. Doch geht der Gesamteindruck der Greyschen Ausführungen dahin, daß England nicht die Absicht hat, die Differenzen mit Deutschland auf die Spitze zu treiben, und wir begrüßen eS immerhin, daß der englische Minister eS vermieden hat, eine Sprache gegen Deutschland zu führen, die geeignet gewesen wäre, der starken Erbitterung, die gegenwärtig daS deutsche Volk gegen England und die englische Politik ersüllt, neue Nahrung zuzuführen und die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und England in noch höherem Maße alS bisher zu erschweren. Wir wissen jedenfalls, woran wir zurzeit mit England sind, und wollen die Weiterentwicklung der deutsch-englischen Beziehungen getrost der Zukunft überlassen. An der Bereitwilligkeit zu ihrer verständnisvollen Pflege und Förderung hat eS auf deutscher Seite in der Vergangenheit nicht gesehlt und wird es auch fürderhin nicht fehlen.
Aus tripolitanischem Boden wird mit wechselndem Erfolg gekämpft und an ein Vordringen der Italiener in das Innere deS Landes ist noch lange nicht zu denken. Die Ab- ficht Italiens, die Dardanellen zu blockieren, ist an dem Widersprüche Rußlands und der übrigen Mächte gescheitert. Da aus Seiten der beiden kriegführenden Staaten keine Neigung zu Konzessionen vorhanden ist, so erscheint die Wiederherstellung des Frieden- noch in nebelhafter Ferne.
Ebenso ist auch in China ein Ende der Wirren und Kämpfe noch nicht abzusehen. Die Erfolge der Truppen der Regierung an einem Punkte werden durch Erfolge der Rebellen an anderer Stelle wieder ausgewogen. Die Lage aber kompliziert sich dadurch, daß der tief in der Seele des chinesischen Volkes ruhende Fremdenhaß bereit- zu Ausschreitungen und Gewalttaten gegen Europäer geführt hat. Machen solche Exzesse deS Fremdenhasser aber erst einmal eine Intervention auswärtiger Mächte notwendig, so können sich daraus leicht Verwicklungen weitestreichender Art ergeben.
Der Krieg m Äripilis.
Eine Meldung aus Konstantinopel deutet auf die Möglichkeit hin, daß die Türkei mit Italien über die Tripolisfrage in Unterhandlungen treten wird. Die Meldung lautet:
Jkdam meldet: Der Ministerrat beriet am Donnerstag über die Eröffnungen einiger Mächte bezüglich der Notwendigkeit, eine Grundlage für die Lösung der TripoliSsrage zu finden, und beschloß, durch den türkischen Botschaster in London die englische Regierung über ihre Absichten zu sondieren.
Die „Agenzia Ltesani" meldet auS TripoliS: Die Arbeiten zur Verstärkungen der neuen italienischen Stellungen werden fortgesetzt, während der Feind immer wieder versucht, störend einzugreisen. — Wegen zu starken WindeS konnten Aeroplans und Drachenballon- am Donner-tag nicht aussteigen. Tagiura wurde beschossen. Kundschafter bestätigen, daß der Feind am 26. November bedeutende Verluste hatte. Auf dem Rückzüge befindliche Türken wurden von einer Arabergruppe, die sie für Italiener hielt, beschaffen.
AuS Benghasi wird gemeldet, daß feindliche Gruppen gegen die vorgeschobenen italienischen Stellungen vorgingen, aber durch Kanonenschüsse zurückgetrieben wurden, ohne daß die Italiener Verluste hatten. — Bei dem letzten Gefecht bei Benghasi verloren die Italiener 22 Tote, und 44 Verwundete, der Feind 150 Tote, darunter zwei türkische Offiziere und ebensoviel Verwundete. Ein italienische- Wachtschiff brächte in der Nähe vom Kap Adrian den griechischen Segler Sannicola auf und wurde mit Kontrebande nach Benghasi geschleppt. Aus HomS, Derna und Tobruk wird nichts Neues berichtet.
DaS „Reuterbureau" berichtet auS Perim:
Ein italienisches Kriegsschiff begann am Donnerstag mit dem Bombardement deS Forts Schech Eaid, das annähernd zwei Meilen östlich vom Perim liegt. Die Beschießung bei Fort- wird fortgesetzt. Seit Donnerstag vormittag wird auch Mokka von den Italienern beschaffen.
AuS Rom wird gemeldet:
Aus das Anerbieten deS deutschen Roten Kreuzes, bai italienische Rote Kreuz bei der Pflege der Verwundeten in TripoliS zu unterstützen, hat dieses seinen lebhaftesten Dank ausgesprochen, mit der Bemerkung, daß die vaterländische Bereitwilligkeit der Nation es in den Stand setze, allen Anforderungen der Lage zu entsprechen.
JIni Jn- und Ausland.
Der Kaiser ist, wie aus Maschen gemeldet wird, gestern srüh um 9 Uhr im Automobil nach Zyrowa gefahren. Er wurde von den Kriegervereinen, den Schulen und der Kujauer Feuerwehr, die am Wegc Aufhellung genommen hatten, begeistert begrüßt. In Zyrowa traf der Kaiser mit Gefolge um 98/i Uhr ein; um 10 Uhr begann die Jagd im Gelände von Olcschka in neun Treiben. DaS Wetter ist ungünstig, eS herrscht starker Nebel. — Der Kaiser trifft, wie nunmehr sestgestellt ist, am 5. Dezember, abends in BreSlau ein und begibt sich vom Hauptbahnhof aus nach der Kaserne seines LeibkürassierregimentS. Am Mittwoch, 6. Dezember, nimmt der Kaiser daS Frühstück beim Kardinal Kapp; nachmittag- erfolgt dann die Absahrt nach Primkenau.
In der Budgetkommission deS Reichstag- erklärte gestern bei der weiteren Beratung der Eisenbahnvorlage für Ostasrika Gouverneur Dr. Sols, daß er, da er doch die Geschäfte des ReichSkolonialamt- nur provisorisch führe, die im Plenum gelegentlich der Beratungen der Eisenbahnvorlage gestellten allgemeinen Fragen nicht beantworten könne, denn er möchte die Verwaltung nicht auf seine eigene Meinung festlegen. Zu der Vorlage, die der Staatssekretär von Lindequist mit besonderer Sorgfalt und Liebe bearbeitet habe, würden die Referenten die Vertretung der einzelnen Punkte übernehmen. Nach den Mitteilungen bei UnterstaatSsekretärS sind die Gerüchte über die ungünstige Gestaltung bei Etats unrichtig. Die Reichsfinanzen sollen sich nach den Darlegungen bei Regierungsvertreter- auf dem Wege fortschreitender Sanierung befinden. Ministerialdirektor Ebermaier sührte aus, daß die Bedenken wegen der Mehrbelastung deS Etats für Ostasrika hinfällig seien, da die Berechnung der Steuerauskommens sich alS durchaus günstig erwiesen habe. Nach weiterer Aussprache wird auch der aus den Bau der Mittellandbahn bi- zum Tanganjikasee bezügliche Teil der Vorlage gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Weiter beschloß bte Kommission zwei Resolutionen. Die eine ersucht den Reichskanzler, im Interesse der deutschen Industrie bei den noch mit Frankreich infolge der Abkommen über Marokko und Aequa- toriolasrika zu schließenden Verträgen u. a. in Verhandlungen über eine zweckentsprechende Aenderung der neuen französischen Tarabestimmungen vom 27. August 1911 einzutreten. Die zweite Resolution ersucht, in den Schutzgebieten Organisationen nach Art des heimischen Eisenbahnrats zur Mitwirkung bei der Festsetzung der Eisenbahn- und Schiffahrtstarise zu errichten. — Damit schloß die letzte Sitzung der Budgetkommission dieses Reichstags. Freiherr von Hertling sprach dem Vorsitzenden der Kommission Freiherrn v. Gamp-Massaunen den Dankjder Mitglieder aus, den dieser mit dem Wunsche, im neuen Reichstage alle Mitglieder wiederzusehen, liebenswürdig erwiderte.
Der russische Gesandte in Teheran hat am Mittwoch der persischenRegierung eine neueNote überreicht, in der die Beschwerden gegen Shuster und Leoffre wiederholt, und die Absetzung dieser beiden Finanzratgeber verlangt wird Die Stellung der anderen von Shuster für den persischen Dienst verpflichteten Beamten solle im Einverständnis mit der russischen und englischen Gesandtschaft geregelt werden. Die Persische Regierung sollte sich verpflichten, ohne vorherige Einwilligung dieser Gesandtschaften keine Fremden in ihre Dienste zu nehmen. Sie solle ferner gehalten sein, die Kosten der russischen Expedition nach Persien zu zahlen. Für die Beantwortung der Note wird eine Zeit von 48 Stunden eingeräumt. Falls die Antwort nicht günstig ausgenommen werden sollte, würde das russische in Rescht konzentrierte Expeditionskorps in das Innere bei Landes vorgeschoben werden.
In den chinesischen Revolution-kämpfen