Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, va
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^»«vvn»
$erster Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 152. Donnerstag, den 28. Dezember
1911.
Zu dem am 1. Januar 1912 neu beginnenden Vierteljahr ladet das
Ijersfelder Kreisblatt
zu recht zahlreichen Bestellungen ein.
Von dem reichhaltigen Inhalte des Hersfelder Kreisblattes sei folgendes hervorgehoben:
Der amtliche Teil
enthält die Bekanntmachungen des Königlichen Landratsamtes sowie zahlreicher anderer Zivil- und Militärbehörden. Für alle Handels- und Gewerbetreibende sind die amtlichen Bekanntmachungen von besonderer Wichtigkeit.
Der politische Teil
enthält allgemein verständlich geschriebene Leitartikel sowie das interessanteste auf dem Gebiete der Politik des In- und Auslandes.
Die Nachrichten aus Provinz
und Nachbargebiet enthalten alle wichtigen Ereignisse aus der Stadt und dem Kreis Hersfeld, sowie diejenigen aus den benachbarten Bezirken.
Der Vermischte Teil
bringt Nachrichten aus allen Gegenden der Welt.
Die Letzten Nachrichten
bringen die neusten Ereignisse politischen und nichtpolitischen Inhalts.
Die Nomane
. Novellen, Humoresken etc. erscheinen in jeder Nummer fortsetzungsweise.
Die Gratisbeilagen
bestehen in einem Stägigen Jlluftr. Sonntagsblatt und einer 14tägigen Illustr. Landwirtschaftlichen Beilage, außerdem am 1. Mai und 1. Oktober in einem Auszug aus dem Gifens bahnfahrplan der in Betracht kommenden Strecken, sowie am 1. Januar in einem (Hand- halender und einem hlärhteverzeichnis.
Der Hbonnementspreis beträgt vierteljährlich
1,40 Mark.
hundert Pflichten.
Skizze von Else K r a s s t.
Sie trug ein Empirekostüm aus weißer Seide. Die Schleppe raschelte hinter ihr her, und fie sühlte, daß sie schön war heute abend.
Vom Kinderzimmer her kamen hastige Schritte.
DaS Mädchen.
„34 weiß nicht, ich glaube Hardi ist krank, gnädige Frau. Er ist so heiß und unruhig und klagt über heftige Schmerzen im Hals." . . .
„Unsinn," sagte Frau Kläre ärgerlich. »Vor einer Stunde hat er noch durch alle Zimmer getobt. Der Junge hat sich nur heiß gespielt."
Sie ging aber doch mit — hinter ihr Alfred, der daS Gespräch in seinem Zimmer gehört hatte.
„Wir wüsten ihm in den Hals sehen. Bringen Sie einen silbernen Löffel, Anna."
Der Professor trat gleichzeitig mit seiner Frau in daS Kinderzimmer. Und da saß daS kleine dreijährige Bübchen mit heißen Bäckchen im Bett und weinte.
Frau Kläre schalt.
„DaS kommt von deiner Wildheit . . . Herrje, Junge, . . . hab' dich doch nicht so I Halt' mal still, Papa will blos mal in den Hals sehen ... so ... sag mal „aw . . . Mein Gott, Hardi, wer wird sich so anstellen!"
Der Professor zog den Löffel zurück, den er in daS schreiende Mündchen gesteckt.
„Nur etwas belegt . . . hoffentlich kommt da nur ein Schnupfen heraus. Jedenfalls halte ich eS für bester (er streifte flüchtig daS weiße Festgewand der jungen Frau), wenn du heute abend hier bleibst, Kläre." . . .
Sie lachte nervös.
„DaS geht nicht. Was denkst du denn! Ich habe ja das ganze Fest im Frauenklub mit arrangiert. Ich habe
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 13. Dezember 1911.
Die ReichS-VersicherungS-Ordnung hat mit Rücksicht auf die vom 1. Januar 1912 ab erfolgende Einbeziehung der Hinterbliebenenfürsorge in die Invalidenversicherung die Geldwerte der Beitragsmarken erhöht und zwar für eine Woche
in Lohnklasse I. von 14 Pfg. auf 16 Pfg.
„ „ II. „ 20 „ „ 24 „
„ „ III. „ 24 „ „ 32 „
„ „ IV. „ 30 „ „ 40 „ und
h V, „36 „ „ 48 „
DaS ReichS-VersicherungSamt hat mit Erlaß vom 11. November 1911 die Formen der neuen Marken, die als Ein-, Zwei- und Dreizehnwochenmarken bei den Reichspostanstalten und bei unseren Markenverkauf-stellen zu haben sind, festgestellt.
Für die Zeit nach dem 1, Januar 1912 sind ausschließlich die neuen Marken zu verwenden.
Dagegen sind zum Zwecke der nachträglichen BeitragS- leistung (§ 29 Absatz I. §§ 1442 bis 1444 der ReichSver- sicherungSordnung) für die v o r dem 1. Januar 1912 liegenden Zeiten die alten auf Grund der § 130 deS Jnvalidenver- sicherungSgefetzeS auSgegebenen Marken (Bekanntmachung betreffend die für die Invalidenversicherung zu verwendenden Beitragsmarken, vom 27. Oktober 1899. Amtliche Nachrichten deS ReichS-BersichcrungSamtr 1900 Seite 183) zu verwenden. Mit Rücksicht hierauf werden entsprechend den Anordnungen der obersten Postbehörden die Postanstalten diese Marken noch bis zum 30. Juni 1912 einschließlich verkaufen. Vom 1. Juli 1912 ab sind alte Marken nur noch von den Versicherungsanstalten zu beziehen.
Bis zum 31. Dezember 1913 einschließlich können die alten Marken bei den MarkenverkausSstellen gegen neue Marken unter Berücksichtigung deS veränderten Geldwerts umgetaufcht werden.
Auf Grund der neuen Bestimmungen über die freiwillige Zusatzversicherung können vom Jahre 1912 ab alle Ver- sicherungSpflichtigen und alle VersicherungSberechtigten zu jeder Zeit und in beliebiger Zahl Zusatzmarken einer beliebigen Versicherungsanstalt in die QuittungSkarte einkleben. Sie er- werben dadurch Anspruch aus Zusatzrente für den Fall, daß sie Invalide werden. Der Wert der Zusatzmarken beträgt 1 Mark, und sie können, ebenso wie die Beitragsmarken von der Post und den Markenverkaufsstellen bezogen werden.
Die OrtSpolizeibehörden des KreiseS ersuche ich, dieses in der Gemeinde aus ortsübliche Weise wiederholt bekannt machen zu lassen. Etwaige vorhandene und dort aushängende Bekanntmachungen der LandeS-VersicherungS-Anstalt in Caffel über die Höhe der zu verwendenden Beitragsmarken sind in- bezug auf die neuen Markenwerte in den einzelnen Lohnklaffen entsprechend zu berichtigen.
I. 16118. Der Landrat
von GruneliuS.
hundert Pflichten da. Ich muß gehen. Bleibe doch hier, ob du die Sitzung heute besuchst oder nicht, ist doch ganz egal.
„DaS ist eS nicht," meinte er bestimmt. „Wir haben heute eine außerordentliche Versammlung. Es handelt sich um wichtige naturwissenschaftliche Entdeckungen des ProfesiorS Knudsen auS Stockholm. Ich muß das hören, sonst hätte ich dich ja ebenso gut aus dein Fest begleiten können . . ja. Voraussichtlich werde ich selber sprechen, und" . . .
„Voraussichtlich!" fiel sie ihm geringschätzig ins Wort. „Du hast keinen Vortrag angemeldet, und was du sagen willst, werden andere heute Abend ebenso gut sagen können. Einer ist ja immer gelehrter bei Euch wie der andere, und unsere Frauenbewegung ist nur Mumpitz für euch . . ja . . . daS weiß ich längst. Aber daS mußt du doch auch einsehen, daß ich heute hundert Pflichten habe und dem Feste nicht fern bleiben kann. . . Herrje, Junge, nun hör endlich auf mit Brüllen! Schlafe lieber! . . . Warte . . . ich hole dir auch Schokolade, eine ganze Tafel, wenn du artig bist, ja, Hardichen ?"
„I . . . ja," flüsterte daS Kind kläglich.
„Und dann tut dir auch nichts mehr weh, nein?"
„N . . . ein," sagte daS Kind.
Frau Kläre lief ins Speisezimmer und holte die Schokolade.
„So, nun bist du aber hübsch brav, mein Hardichen? Anna bleibt auch bei dir, nicht wahr, Anna? Und wenn der Junge schläft, können Sie sich mit einem Buch nebenan inS Zimmer setzen."
„Ja," sagte daS Mädchen gähnend.
Der Professor hielt die Hand deS Kleinen.
„Ob wir lieber erst mal mit dem Fieberthermometer messen ?"
Die junge Frau schüttelte den Kopf.
„DaS ist ja gar nicht nötig! Du siehst ja, wie ihm die Schokolade schmeckt. Adieu, schlafe wohl, mein Herzel."
Beinah wie fliehend ging die junge Frau auS dem Zimmer. Der Professor folgte langsamer.
HerSseld, den 19. Dezember 1911. An die OrtSpolizeibehörden deS Kreises.
Auf Grund der Bestimmungen über die JnlandSlegitimie- rung der ausländischen Arbeiter mache ich die OrtSpolizeibehörden deS Kreises besonders darauf aufmerksam, daß alle Legitimationskarten nur für das Kalenderjahr Gültigkeit haben, n welchem sie ausgestellt sind. Nach Ablauf der Kalenderjahres erfolgt die Ausstellung einer neuen Karte für die dem Rückkehrzwange nicht unterworfenen, im Jnlande verbliebenen ausländischen Arbeiter nach Maßgabe der Vorschriften über die Legitimierung an der Arbeitsstätte. In diefen Fällen wird eine AuSsertigungSgebühr nicht erhoben. Die OrtSpolizeibehörden des KreiseS — in deren Bezirke ausländische Arbeiter beschäftigt werden — ersuche ich deshalb die Ausländer darauf aufmerksam machen zu lassen, daß ihre Anträge aus kostenlose Erneuerung der JnlandSlegitima- tionskarten für das Kalenderjahr 1912 bis spätestens z u m 31. Januar 1 9 1 2 bei der Polizeibehörde gestellt werden müssen. Dem Anträge hat der Ausländer beizusügen die LegitimationSkarte für daS Kalenderjahr 1911 und seine Heimatpapiere. Wird die Frist — 31. Januar 1912 — von ihm versäumt, so hat er auch für die Erneuerung der Karte die übliche Gebühr von zwei bezw. fünf Mark später zu entrichten.
Die OrtSpolizeibehörden haben die bei ihnen eingehenden Anträge auf kostenlose Erneuerung bezw. Ausstellung einer LegitimationSkarte für das Kalenderjahr 1912 schleunigst dem Grenzamt der Deutschen Feldarbeiterzentralstelle in Effen a. Ruhr einzureichen.
Schließlich mache ich noch daraus aufmerksam, daß polnische Arbeiter, die im Regierungsbezirk nur in der Landwirtschaft beschäftigt werden dürfen, nach dem 20. Dezember nicht mehr im Jnlande in Arbeit stehen dürfen. Ihre BeschäftigungSzeit ist aus die Zeit vom 1. Februar bis 20. Dezember jeden Jahres beschränkt. Sollten trotzdem polnische Arbeiter (polnischer Sprache und Abstammung) noch im Kreise in Arbeit stehen, haben mir die OrtSpolizeibehörden unverzüglich zu berichten; auch die Beschästigung von Ruthenen ist im Regierungsbezirk Caffel nur in der Landwirtschaft gestattet. Die Ruthenen unterliegen aber bis jetzt nicht dem Rückkehr z w a n g e.
I. 16686. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 18. Dezember 1911.
In der KreiSausschußsitzung am 16. Dezember 1911 wurde gemäß § 18 des GesetzeS vom 12. März 1881, betreffend die Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen, auS den sachverständigen Eingesessenen deS Kreises folgende Personen alS Schiedsmänner für das Jahr 1912 gewählt:
1. Rentner Peter Heil in HerSseld,
2. Oekonom Friedrich Friedrich in Hersseld,
3. Oberamtmann Suntheim in HerSseld,
4. Rentner Franz Roll in HerSfeld,
5. DomSnenpSchtcr Rabe von Pappenheim in Wil- helmShos,
Er half seiner Frau in den Abcndmantel und zog sich selber an.
„Du kannst mich übrigens in deinem Auto mitnehmen bis zum Völkermuseum, die Philharmonie ist ja dicht dabei."
„Bitte," nickte sie kühl. „Heute hättest du mir wirklich mal den Gesallen tun können und hier bleiben. Man wäre viel beruhigter fortgefahren."
„Oder du mir," sagte er.
Und so stiegen sie stumm die Treppe hinunter.
„Dein Mann wird alt," dachte Frau Kläre in einer Art körperlichen Unbehagens, als sie die seinen Falten in seinem Gesichte sah. „Die Gelehrten haben keine Zeit, um jung zu zu bleiben. Und Über dein kostbares Kostüm hat er kein Wort gesagt." Ein Glück, daß heute andere sie bewundern werden auf dem Feste . . .
Im Auto schwiegen sie beide. Und als sie sich trennten, sagte er mit einem Versuch zu scherzen: „Wir find Rabeneltern, Kläre. Adieu, amüsiere dich gut."
„Adieu." . . .
Sie fuhr allein weiter. Und als daS Auto wieder hielt, versuchte sie zu lachen. ES ging aber schlecht.
In den großen Spiegeln der Garderoberäume sah sie gar nicht ihr eigener, glühendes Gesicht — nur HardiS blonder Köpfchen. Und irgend jemand sagte laut hinter ihrer Schul- ter: „Wir sind Rabeneltern, Kläre."
Mit einem trotzigen Zug um die feinen Lippen trat fie in den geschmückten Saal. Ein paar Bekannte stürzten auf sie zu, eS bildete sich sofort ein großer Kreis um die schöne Frau.
Sie hörte gar nicht aus die vielen Worte hin. Mechanisch setzte sie sich aus den ihr ungebetenen Stuhl und sah auf die Bühne. Aber sie hörte nicht, was da gesungen wurde. Sie hatte auch ganz vergessen, daß sie alS eine der ersten Vor- standsdawen gar nicht hier fitzen dürfe, daß sie Pflichten habe heute abend.
Sie hätte doch Hardi mit dem Fieberthermometer messen