Der Scarabäusring
Roma 1i vo^ jm-^rnTTgt.
(Fortsetzung.) R
' ^H^ U§ Fred unb So11n aus dem Gar- | | teil ins Haus zurückkehrten, fanden j ? 1.1 sie den alten Wüllner allein
1 I „Nama hat sich bereits schon k —-' zur Ruhe gelegt, da sie sich heute G^ gar nicht wohl fühlte, sagte er mit umwölkter Stirn. Dann blickte er die beiden forschend an. Der stille Glanz, 'der auf beider Antlitz lag, in Verbindung mit ihrer langen Abwesenheit ließ ihn erraten, was geschehen war.
Fred und Lona wechselten einen fragen den Blick, dann nickte das Mädchen leise.
„Wir haben uns verlobt, Vater." sprach Fred, die Geliebte an der Hand fassend.
„Ich wußte es, als Ihr so lange aus bliebt," meinte der Alte, „und eine andere wußte es auch," fügte er trüb' hinzu. „Dar urn hat sie sich vorher zurückgezogen. Um ihretwillen bitte ich Euch, Kinder, vorläufig Euren Bund noch geheim zu halten — bis sie Wien verlassen hat. Sie kündigte mir vorhin ihren Entschluß an, bereits in dieser Woche nach Paris abzureisen. Aber jetzt —" fuhr Tom Wüllner bewegt fort — —^läht. Euch Glück wünschen."
Er nahm den Pflegesohn in seine Arme und küßte ihn so herzhaft, wie er's ehedem mit dem Knaben getan. Auch Lona erhielt ihren Kuß, aber freilich nur auf die Stirn.
„Machen Sie ihn glücklich," sprach er mit zitternder Stimme, an seinen Tränen würgend. „Er braucht sehr viel Liebe, sehr viel Sonnenschein, er gehört nicht zu denen, die es vertragen, durch Nacht und Kälte zu wandern."
Bevor das Mädchen noch Zeit gefunden, etwas zu erwidern, fuhr er, die gerührte Stimmung, energisch von sich abschüttelnd und mit einem Blick auf die Tür, welche zu Namas hinter dem Wohnzimmer gelegenen Schlafzimmer führte, den Finger an den Mund legend — so, als wollte er die zwei im Hinblick auf jene an weiteren ihre Verlobung betreffenden Worten hindern — fort, „ich habe jetzt noch eine Bitte an Sie, Fräulein Lona — wollen Sie Fred und mir morgen nachts gestatten, eine Stunde
oder je nachdem auch länger, in Ihrem Zimmer zu verweilen?" Da die beiden ihn überrascht ansahen, sprach er rasch weiter, „und Herrn Doktor Janda und seine Frau bitte ich Sie, zu veranlassen, ebenfalls zugegen zu sein. Auch bringe ich noch eine sechste Person mit"
Fred war erblaßt. Er begriff unschwer, daß es nichts Unwichtiges war, das den Pflegevater zu seinem Verlangen veranlaßte, und daß das ganze Unternehmen mit der Ringgeschichte in Verbindung stand.
Admuudsens Winterquartier Frauchenn.
„Nicht wahr, Sie schlagen mir meine Bitte nicht ab?" sprach Tom Wüllner zu Lona gewandt.
„Ja, ich weiß nur nicht —" stammelte diese — „was —"
„Das Ganze für einen Zweck hat?" vollendete der Alte. Er blinzelte pfiffig. „Abwarten, chers enfants, der gamle Black — Bird will Euch, nachdem er den palco scenico, will sagen, die Bretter, welche die Welt bedeuten, schon lange verlassen hat, noch einmal ein Schauspiel gunt besten geben. Hoffe, daß es eine Glanznummer erster Giite wird. So eine Sherlock Holmes- Nummer! Sagte Ihnen schon einmal, daß so etwas von jenem unsterblichen Detektiv in mir steckt."
„Was soll ich aber Doktor Janda und seiner Frau sagen, um meine Einladung zu begründen?" fragte die Malerin verlegen. „Sie wissen bis jetzt noch nichts von meinen Beziehungen zu Ihnen?"
„Werden aber bald davon wissen! Sagen Sie Ihnen, daß Black-Beard alias Tom Wüllner die Herrschaften zu einer kleinen Privatvorstellung im Dachgeschoß der Skod- nitzkyschen Villa einladen läßt — sagen Sie ihnen — ach, was, sagen Sie ihnen, was Sie wollen! Eine kluge junge Dame, wie
Sie, wird sich schon zu helfen wissen. Also abgemacht — Sie erfüllen meine Bitte?"
Lona versprach, was man von ihr ver- langte. So peinlich ihr die Sache war, konnte sie doch nicht anders, da auch sie begriff, um was es sich dabei handelte.
„Aber wer ist die sechste Person, Vater, die du mitbringen wirst?" forschte Fred.
„Abwarten, Fred, mein Sohn. Wirst es erfahren." — — —
Als Lona dem Doktor Janda die Bitte des alten Wüllner aussprach, nickte dieser verständnisinnig. Er begriff sofort, um was es sich handelte, da er sich über mancherlei Vorgänge in der Skodnitzkyschen