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herrfelder Kreisblatt

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Zernsprech-Nnschluh Nr. 8

Nr. 4.

Dienstag, den 9. Januar

1912.

Amtlicher teil.

Cassel, den 15. Dezember 1911.

Die Berichte auf meine Rundversügung vom 28. August b. JS. A. IV. 1867 haben ersehen lassen, daß in gewissen Teilen deS hiesigen BezirkS mit Rücksicht auf die Anwesenheit ausländischer, namentlich russischer und polnischer Arbeiter, ein Bedürfnis nicht in Abrede zu stellen ist, nach einem zweck- mäßigen Formular für Nottestamente von Erblassern, die er­klären, der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein.

Der Fall solcher Nottestamente wird namentlich in GutSbezirken wegen der dort vielfach beschäftigten ausländischen Arbeiter vorkommen.

Im Einverständnisse mit dem Herrn OberlandeSgerichtS- präsidenten Hierselbst sind daher die in je einem Ueberdruck- exemplar hierunter abgedruckten Formulare hergestellt worden, für die Nottestamente von Personen, die der Deutschen Sprache nicht mächtig sind.

Ich bemerke hierzu auf Veranlassung des Herrn Ober- landcSgerichtSpräfidcnten, daß die in der Anweisung vom 23. Juni 1900, (Min. Bl. für inn. Verw. S. 251, § 6 Abs. 2 unter Nr. 4, 5, 6 und 7) aufgeführten Personen zwar alS Zeugen im allgemeinen nicht zugezogen werden sollen, ihre Zuziehung aber daS Testament nicht nichtig macht. (B. ®. B. § 2237). Da namentlich in GutSbezirken der Gutsvorsteher vielfach nur unter seinem Gesinde oder seinen Gehilfen einen geeigneten Dolmetscher finden wird, so weise ich darauf hin, daß ausnahmsweise auch eine im Dienste deS GutSvorsteherS befindliche Person alS Dolmetscher zugezogen werden kann.

Zum Gebrauche vorgerichtete Drucksormulare zu den vor­erwähnten Nottestamenten find in dem Verlage deS reformierten Waisenhauses hier erhältlich. (A. IV. Nr. 2814/11.)

Der RegierungS-Präsident. An die Herren Landräte deS Bezirks.

*

Muster 1. Muster zu einem Protokoll über die Errichtung eines Testaments eines der deutschen Sprache nicht Mächtigen durch mündliche Erklärung.

Verhandelt zu . . . am ... Gegenwärtig: 1. GutS-Vorsteher Bürgermeister ..., 2., 3. als Zeugen ..., 4. als Dolmetscher ...

Auf Antrag deS hier wohnhaften, sich aufhaltenden . . . hatte sich der unterzeichnete GutS-Vorsteher Bürgermeister unter Zuziehung der ihm bekannten Zeugen 1. . . ., 2. . . . heute in die Wohnung des ... begeben. Sie fanden dort den . . ., welcher dem GutS-Vorsteher Bürgermeister bekannt ist, der als solcher von dem . . . anerkannt wurde, der sich als solcher durch Vor­legung folgender Papiere . . : auSwtes, krank vor. Nach seinem Zustand erschien die Besorgnis begründet, daß ihm die Errichtung eines Testaments vor einem Richter oder Notar nicht mehr mög­lich sein werde. . . . erklärte, daß er der Deutschen Sprache nicht mächtig sei. Es wurde deshalb der . . . als Dolmetscher hinzu­gezogen und alS solcher von dem Guts-Vorsteher Bürgermeister dahin beeidigt, daß er treu und gewissenhaft übertragen werde.

Der . . . wiederholte hierauf sein Gesuch um Aufnahme seines Testaments und erklärte dem Vorsteher und den Zeugen

mein ist die Rache.

Detektiv-Roman von Theo von Blankensee.

lFortsetzung.)

Kommissar Halln aber wankte nach seinem Schreibtisch und ließ sich in den Stuhl zurückfallen. Er stützte seinen Kopf auf beide Hände und dachte nach.

War eS denn ein Traum, der ihn genarrt? Nein, das war nicht möglich! Zu deutlich hatte er alles gehört. Er wußte alles, er sah alles gleichsam, wie eS geschehen war. Ein Anläuten!. Vermutlich wollte der Unglückliche, der einem Verbrechen zum Opfer gefallen war, telephonieren. Irrtüm­licherweise war er mit dem Fremden verbunden! War da» Schicksal? Fügung oder Zusall? WaS wußte er. Dann hatte er den dumpfen Laut gehört! Erschlagen mußte der Unglückliche sein! Erschlagen, meuchlings von hinten l Dann war der Mörder entflohen! Diese minutenandauernde Pause solgte dann, in der er nur daS dumpfe Gurgeln und Röcheln hörte. Dann hatte sich der Ermordete aufgerafft und durchs Telephon die Nachricht der Mordtat mitgeteilt. Wohl waren eS feine letzten Worte gewesen.

WaS bedeuteten diese letzten Worte? Schwarz schwarz Kops ?"

Wollte der Unglückliche noch mehr sagen ? Galten diese Worte seinem Mörder? Sollten sie die Spur auf den Täter lenken, da doch die letzten Worte auch der Rache galten.

Haller glaubte noch in seinen Ohren den gellenden Rus zu hören.

Rache!

3a, Rache I DaS sollte ihn antreiben, um diese Tat zu sühnen, von der er soviel wußte und doch wieder nicht« I Er selbst wollte diesen Mord rächen!

Aber jetzt? Wat konnte er tun? Nicht«!

Warten I

vor dem Dolmetscher mündlich seinen letzten Willen wie folgt . .. Weiter habe ich nichts zu verordnen.

Dem Testator wurden die Vorschriften deS § 2262 Abs. 1 und 2 deS Bürgerlichen Gesetzbuchs bekannt gemacht.

Hierauf wurde vom Dolmetscher eine Uebersetzung dieses Protokolls in der . . . Sprache angefertigt, die diesem Protokoll als Anlage beigefügt ist. Die Uebersetzung ist dem Dol­metscher vorgelesen worden. Das Protokoll ist von dem Testator vorgelesen von ihm genehmigt und eigenhändig, wie folgt unter­schrieben worden. Der Testator erklärte, nicht schreiben zu können. . . . (Testator). . . . GutS-Vorsteher Bürgermeister. . . . Zeuge. . . . Zeuge. .. . Dolmetscher.

Muster 2. Muster zu einem Protokoll über die Errichtnng eines Testaments eines der Deutschen Sprache nicht Mächftgen durch Uebergabe einer Schrift.

Verhandelt zu . . . Gegenwärtig: 1. Guts-Vorsteher Bür­germeister . . ., 2., 3. als Zeugen . . ., 4. als Dolmetscher . . .

Auf Antrag des hier wohnhaften, sich aufhaltenden . .. hatte sich der unterzeichnete Guts-Vorsteher Bürgermeister unter Zuziehung der ihm bekannten Zeugen 1. . . ., 2. . . . heute in die Wohnung des . .. begeben. Sie fanden dort den..., welcher dem GutS-Vorsteher Bürgermeister bekannt ist, der als solcher von dem . , . anerkannt wurde, der sich alS solcher durch Vor­legung folgender Papiere . . . auSwies, traut vor. Nach seinem Zustand erschien die Besorgnis begründet, daß ihm die Errichtung eines Testaments vor einem Richter oder Notar nicht mehr möglich sein werde. . . . erklärte, daß er der Deutschen Sprache nicht mächtig sei. Es wurde deshalb der . . . als Dolmetscher hinzugezogen und von dem Guts-Vorsteher Bürgermeister dahin beeidigt, daß er treu und gewissenhaft übertragen werde, t. Der... bat um Annahme seines Testaments. Er über­reichte hierauf dem Guts-Vorsteher Bürgermeister eine offene, von ihm unterschriebene Schrift einen mit . . Siegelabdrücken versehenen Umschlag welcher mit folgender Aufschrift versehen war . . . und erklärte: Diese Schrift die in diesem Umschlag befindliche Schrift enthält meinen letzten Willen.

Dem Testator wurden die Vorschriften deS § 2252 Abs. 1 und 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches bekannt gemacht. Hierauf wurde vom Dolmetscher eine Uebersetzung dieses Protokolls in der . . . Sprache angefertigt, die diesem Protokoll als Anlage beigefügt ist. Die Uebersetzung ist von dem Dolmetscher vorge­lesen worden. Das Protokoll ist dem Testator vorgelesen, von ihm genehmigt und eigenhändig wie folgt unterschrieben worden. Der Testator erklärte, nicht schreiben zu können. ... (Testator). . . . Guts-Vorsteher Bürgermeister. . . . Zeuge. . . . Zeuge. .. . Dolmetscher.

*

HerSfeld, den 28. Dezember 1911.

Vorstehend abgedruckte Verfügung deS Herrn RegierungS- Präsidenten teile ich den Herren Bürgermeistern und GutSvorstehern deS Kreises zur Nachachtung mit. Von den oben erwähnten Nottestamenten sind einige Druckformulare zu beschaffen und zum Gebrauche vorrätig zu halten.

A. 8115. Der Landrat

von GruneliuS.

Caffel, den 10. Dezember 1911.

Wie in den Vorjahren wird auch im Jahre 1912 ein KursuS gut Unterweisung von VolkSschullehrern im Obstbau in der Obstbauanstolt in Oberzwehren und in Gelnhausen ab­gehalten werden.

Wir ersuchen, unS bis spätestens zum 10. Januar k. I.

2. Kapitel.

Frau Gerd Eanbtner saß am FrühstückStifch. Sie trug ein rote» Matinee, das mit Seidenspitzen besetzt war. Ihre üppigen braunen Haare fielen ausgelöst über die halbentblößten Schultern und ringelten sich schlongengleich über ihren schönen Leib, der unter der bergenden Hülle ebenmäßige, herrliche Gliedersormen verriet. Weit zurückgebeugt in die schwellende Rücklehne deS FauteuilS saß die schöne Frau und hatte träumend die Augen geschloffen.

Ihr Gesicht war von jener interessanten Schönheit, wie sie nur den nordischen Frauen zu eigen ist; blaß, fast von bläu­lichem Schimmer war die zarte, sammetweiche Haut, die Lip­pen voll erblüht, die Stirne hoch gewölbt.

Sie erwartete den Gatten!

DaS Speisezimmer war mit so elegantem Luxus eingerich­tet, wie er nur bei sehr Vermögenden gesucht werden kann. DaS Kaffeeservice, daS schon bereit gestellt war, war echt chinesisches Porzellan und zeigte sehr wertvolle Handmalereien. Die Löffelchen bestanden aus schwerem, massivem Silber.

Die Uhr, die aus dem Marmorfim« deS Kamins ausgestellt war, schlug mit hellen Glockenschlägen halb.

Seufzend blickte die Frau auf I

Halb elf! Noch immer nichtI Er behandelt mich mit jedem Tag gleichgültiger wie eine kostbare Ware, die er zwar mit großen Opfern erkauft hat, der er aber jetzt überdrüssig geworden ist.'

Sie klingelte an der Tischglocke.

DaS Zimmermädchen erschien und fragte nach ihrem Begehr.

Ist mein Mann noch nicht zurück?* Der gnädige Herr arbeitet aus seinem ZimmerI*

Dann warten Sie mit dem Servieren deS Frühstücks, bis er wieder hier ist!"

Gewiß, gnädige Frau!"

DaS Mädchen huschte geräuschlos wieder hinaus, während Frau Gerd sich wieder ihren Träumereien hingab.

Die Sonne flutete durch die offenen Fenster und Por­tieren in da» Zimmer und warf ihre Strahlen über den

diejenigen an den öffentlichen Volksschulen de» Kreises an* gestellten Lehrer zu bezeichnen, die zur Teilnahme an einem der Kurse geeignet und bereit sind, auch eventuell anzugeben, an welchen von beiden Surfen sie teilzunehmen wünschen.

Bei Auswahl der Lehrer ist zu berücksichtigen, daß sie nicht allein Neigung und Verständnis für den Obstbau zeigen, sondern auch Gelegenheit haben, daS Erlernte praktisch zu verwerten: Ferner ist eS erwünscht, daß die Gemeinden ihr Interesse an der Ausbildung deS Lehrers dadurch bekunden, daß sie sich von vornherein zu einem demnächst an unsere Hauptkasse zu zahlenden Koflenbcitrage, besten Höhe zu berichten ist, verpflichten.

Einstweilig angestellte Lehrer werden zu den Kursen nicht zugelassen werden.

Die in Vorschlag kommenden Lehrer sind daraus aus- merksam zu machen, daß sie sich im Falle ihrer Einberusung mit einem ArbeitSanzuge zu versehen haben.

Auch auf jüdische Lehrer ist bei den Vorschlägen Rücksicht zu nehmen. (B. I. 5773.)

Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, gez. Dr. Blanckenhorn.

An die Herrn Landräte deS BezirkS.

* *

HerSfeld, den 8. Januar 1912.

Die Echulvorstände des Kreises wollen mir alsbald die Lehrer namhaft machen, die geeignet und bereit find, an einem der beiden Kurse teilzunehmen.

I. 16594. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 2. Januar 1912.

Die Militärpflichtigen deS Kreises, welche beabsichtigen, die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachzusuchen, mache ich zur Vermeidung etwaiger Versäumnisse auf die nachstehenden Bestimmungen der Wehrordnung aufmerksam. Die Herren OrtSvorstände deS KreiseS haben diese Bestimmungen alsbald in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.

I. M. Nr. 1. Der Landrat.

3. «.:

Wessel, KreiSsekretär.

* * *

1. Die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst darf im Allgemeinen nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre nachgesucht werden. Die frühere Nachsuchung darf, sofern eS sich nur um einen kurzen Zeitraum handelt, ausnahmsweise durch die Ersatzbehörde dritter Instanz zugelassen werden, doch hat in solchem Falle die Aus­händigung deS Berechtigungsscheins nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr zu erfolgen.

Der Nachweis der Berechtigung bezw. Beibringung der für die Erteilung deS Berechtigungsscheins erforder­lichen Unterlagen hat bei Verlust deS Anrecht» spätesten»

großen, bunten Smymateppich, der den Boden deS Zimmer» vollständig bedeckte.

Frau Gerd Sandtner gähnte.

DaS Ticken der Uhr wiederholte sich andauernd mit der steten Gleichmäßigkeit; Sekundenschlag auf Sekundenschlag, stets dasselbe eintönige Ticktack.

Da» ist der Reiz deS Lebens!" flüsterten im Halbschlum- mer die Lippen der Frau.Schönheit und Reichtum I Oede! Oedc in meinem Innern! So lange noch die Jugend goldene Träume hat, glänzt alles in rosigem Schimmer, vom Sonnen- gold übergoffen, aber dann!"

Mit einer müden Bewegung erhob sich Frau Gerd und trat an das Fenster.

Wie die Sonne glänzt, wie sie wärmt; bis dann eine Wolke sich vor sie hindrängt, dann ist alle» grau und öde."

Jnmitten dieser Reichtums, umgeben von all dem, wa» der Mensch als Glück betrachtet, jühlte sich Frau Gerd den­noch unbefriedigt; sie befaß alles, waS taufende vergeben» be­gehrten, Reichtum, Schönheit, Gesundheit, jeder ihrer Wünsche schien nur der Erfüllung zu harren; und doch beneidete sie die lachenden Mädchen, die mit den langen baumelnden Zöpsen aus der Straße dahineilten, bald rechts, bald link» schelmische, kokette Blicke warsen und dann aufjauchzten in be­gehrender Sehnsucht. Die Frau beneidete selbst die Laden­mädchen, die mit RobeSkästen, mit Pack und Bündel geschäf­tig durch die Menge der Passanten drängten, deren Gesichter glühten und deren Augen leuchteten in echter Lebenslust. Alle diese, selbst die Aermste darunter, war glücklicher, lebte doch in allen die Sehnsucht, ein befriedigtes Verlangen nach einem fernen Glück.

Sehnsucht ist Glück!" flüsterte Frau Gerd.

Sie reckte verlangend die Arme.

Sehnsucht!-

Auch sie hatte einmal diese Sehnsucht gekannt! Auch sie hatte einmal einem ungeahnten Glück entgegengeharrt, hatte verlangend die Arme danach ausgestreckt, aber da« Glück, wie sie eS geschaut und gehofft hatte, war nicht gekommen.