Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, ns
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hersfeloer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 7. Dienstag, den 16. Januar 1912.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 8. Januar 1912.
Die amtliche Ausgabe der „Jahresberichte der Königlich Preußischen RegierungS- und Gewerberäte und Bergbehörden für 1911“ wird Ende März dieses Jahres in der ReichSdruckerei fertig gestellt werden.
Für ihren Bezug ist folgendes zu beachten.
I. Die Direktion der ReichSdruckerei wird die biS spätestens zum 29. Februar d. JS. unmittelbar bei ihr im Voraus bestellten Exemplare des Werkes zu einem B o r z u g?-P reise ablassen, der auf 2,75 Mk. für ein broschiertes Exemplar und auf 3,25 Mk. für ein in Ganzleinen gebundenes Exemplar festgesetzt ist. Die Kosten für Verpackung und Absendung trägt die ReichSdruckerei, die Portokosten der Sendungen müssen die Besteller tragen. Der besonders niedrige Vorzugspreis kann nur für die Bestellungen gewährt werden, die bei der Direktion der ReichSdruckerei Berlin S. W. 68 Oranienstraße 91, bis zum 29. Februar d. JS. tatsächlich eingehen. Bei der Bestellung ist anzugeben, ob broschierte oder gebundene Abdrücke deS Werkes gewünscht werden.
II. Alle nach dem 29. Februar d. JS. eingehenden Bestellungen werden, wenn etwas anders im Bestellschreiben nicht ausdrücklich gesagt wird, dem R. v. Deckerschen Verlage Berlin 8. W. 19 Jerusalemerstraße 56, der den buchhändle- rischen Vertrieb des Werkes übernommen hat, zur Erledigung überwiesen werden. Für die AuSsührung solcher Bestellungen wie für alle Lieserungen im Wege deS Buchhandels ist außer den etwaigen Portokosten der Ladenpreis von 5,25 Mk. für ein broschierte- und von 5,75 Mk. für ein gebundene- Exemplar zu zahlen.
Die Jahresberichte werden auch diesmal Mtteilungen über die praktische Handhabung der Arbeiterschutzgesetzgebung und durch Beschreibungen und Skizzen näher erläuterte Borschläge für die Unfallverhütung und die Bekämpfung gewerblicher Krankheiten, sowie auch für weitere Kreise interessante Mitteilungen auS dem Gebiete der ArbeiterwohlfahrtSeinrichtungen enthalten.
Die Ortspolizeibehörden mache ich auf da? Erscheinen deS WerkS aufmerksam.
I. 211. Der Landrat.
I. A.:
W e s j e l, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 8. Januar 1912.
Fortgesetzte Anfragen au? dem Publikum zeigen, daß noch BielerorM Unklarheiten über die Verwendung der neuen Jnvalidenverficherungemarken bestehen.
Die Ortspolizeibehörden deS Kreises ersuche ich daher, meine Verfügung vom 13. Dezember v. JS. I. 16118, KreiS-
mein ist die Rache.
Detektiv-Roman von Theo von Blankensee.
(Fortsetzung.)
Ein zweiter Schutzmann, der hier postiert war, verständigte den Kommissar, daß er Niemandem den Eintritt in da? Arbeitszimmer deS Toten gestattet habe.
Haller nickte bestätigend. Er hatte die Situation aus den ersten Blick erfaßt; da? junge Mädchen war sicherlich die Nichte deS Ermordeten und die Dame im Hintergrund die Frau.
Der Kommissar trat auf diese zu und sagte entschuldigend: „Verzeihen Sie, wenn die durchgesührten Anordnungen Ihnen alS der Gattin des Unglücklichen peinlich fallen, aber es zwingt die Pflicht zu solchen Maßnahmen."
„Ich kann aller nur gutheißen I" war die Entgegnung von Frau Gerd Sandtner.
„Entschuldigen Sie, wenn ich auch Ihnen bis auf Weiteres den Eintritt in diese? Zimmer verweigern muß!"
„Handeln Sie nach Ihrer Pflicht!"
Die Antworten von Frau Gerd Sandtner erfolgten mit gepreßter Stimme, wie durch Tränen zurückgrhalten. Die? mußte um so begreiflicher erscheinen, da sie doch die Gat- tin des Ermordeten war.
Untersuchungsrichter Maran und Kommissar Haller betraten nun daS Zimmer; niemand durste ihnen folgen als der Protokollführer dr? Richters.
Vom Vorzimmer aus führte geradeaus die Türe in da? Arbeitszimmer Robert SandtnerS. Beim Eintritt fiel der erste Blick sofort aus da? Opfer der Mordtat. Ueber dem Schreibtisch zusammengebrochen lag der Tote. Der Kops war neben dem Tischtelephon seitwärts gebeugt. Die schwammigen Augen ?>it den Fältchen waren weit offen und stierten glanzlos. Das Gesicht mit den vorstehenden Backenknochen war bartlos. Ueber die Schläfe nieder rann dicke? geronnene? Blut. Das kurzgeschnittene Haar ließ auf den ersten Blick die Art de? Todes erkennen. Da? Schädeldach war zertrümmert, dick
blatt No. 151 und 152 nochmals wiederholt in der Gemeinde auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.
Insbesondere ersuche ich, darauf aufmerksam zu machen, daß für jede versieherungspflichtige Beschäftigung und für jede Hrt der freiwilligen Äleiterverficherung nach dem i. Januar 1912 nur starken des neuen Musters und der neuen Beitragswerte (Lohnklasse I —16 Psg., Lohnklasse 11 — 24 Psg., Lohnklasse III — 32 Pfg., Lohnklasse IV — 40 Psg., Lohnklasse V — 48 Psg.) verwendet werden dürfen.
ES werden zwar bis zum 1. Juli d. JS. auch noch Beitragsmarken des alten Musters und der alten Werte bei den Postanstalten käuflich zu haben sein. Diese alten Marken dürfen aber nur insoweit Verwendung finden, al? eS sich um Begleichung von Beitragsmarkenrückftänden handelt, die Arbeitszeiten vor dem 1. Januar 1912 betreffen.
Ferner dürfen vom 1. Januar 1912 ab OuittungSkarten alten Musters nicht mehr ausgegeben werden. Die biS zu diesem Tage ausgestellten OuittungSkarten dürfen innerhalb zweier Jahre nach dem Ausstellungstag weiter verwendet werden. Bei der Aufrechnung der OuittungSkarten alten Musters ist aber die Zahl der «wa verwendeten Zusatzmarken noch besonders anzugeben.
I. 17270. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 11. Januar 1912.
An Stelle der Anweisung vom 17. November 1899 (ReichS-Gesetzblatt Seite 483), betreffend das Verfahren bei der Ausstellung usw. von Quittungskarten, ist vom 1. Januar d. Js. ab die Anweisung DeS Herrn Ministers für Handel u. Gewerbe vom 20. November 1911 betreffend die QuittungS- karten-AuSgabe getreten. Die Anweisung ist abgedruckt in Nr. 51 deS RegierungS-AmtSblattS pro 1911 lTonderbeilage.)
Die Ortspolizeibehörden und GutSvorsteher deS Kreises werden auf diese neuen Vorschriften besonders aufmerksam gemacht und angewiesen, nach denselben künftig zu verfahren.
I. 16565. Der Landrat
von GruneliuS.
Zugelaufen.
Ein großer Spitzhund. Meldung deS Eigentümer- bei dem Ortsvorstand in Rotensee.
nichtamtlicher teil.
Sie Ergebnisse von sämtlichen 397 Wahlkreisen find nunmehr bekannt. Danach sind beim ersten Wahlgang
floß bat Blut au? den brüchigen Stellen, selbst die weißliche, breiige Gehirnmasse quoll hervor.
Die vermutliche Mordwaffe lag am Boden.
Er war die- eine schwere Fruchtschale in Bronceguß.
Haller hob die Schale und untersuchte sie. Hierbei konnte er deutlich die Blutspuren wahrnehmen. Eine furchtbare Waffe mußte die? gewesen sein. Sie besaß ein schwere- Gewicht und war mit schrecklicher Kraft gebraucht worden, da ja da? ganze Schädeldach zertrümmert war.
E? war dies das Ergebnis der ersten Untersuchung.
„Alles, was wir bereit? missen!" sagte der Kommissar Haller.
Der Untersuchungsrichter schien bereits aus diesen Augenblick gewartet zu haben, da er sofort fragte:
„WaS halten Sie von diesem Herrn Costa?" „Nichts! Ich halte ihn für gänzlich harmlos!"
Maran zog die Augenbrauen hoch und antwortete:
„Da bin ich schon anderer Ansicht. Wir haben ja die vollständige Erklärung für eine solche Tat. Dirser wird wahrscheinlich an den halsstarrigen Robert Sandtner sein Anliegen vorgebracht haben. Natürlich ist er brüsk abgewiesen worden. Nun wollte dieser weder auf seine Geliebte noch aus deren Vermögen verzichten. Da hat er sich dann hinreißen lassen und hat den Unglücklichen niedergeschlagen."
„DaS ist nur eine Möglichkeit, aber nicht der geringste Beweis."
„Nun, es stimmt doch alles! Hat er nicht gestanden, einige Minuten vor 11 habe er den Toten gefunden! Um dieselbe Zeit meldete dieser seine Ermordung!
„Aber er kann auch einige Minuten, oder unmittelbar nach der Tat in da? Zimmer gekommen sein."
„Möglich! Aber der Mörder?" „Wir werden sehen!"
Haller blickte prüfend um sich; da schien er das gefunden zu haben, waS er suchte; er wieS mit der Hand nach dem Fenster und sagte:
„Diese? Fenster steht offen. Hier hinaus mag der Mörder geflohen sein. ES liegt hier der Garten mit den Bäumen und Strauchwerk. Dahinter aber zieht sich ein freie? Feld bis
212 Reichstagsabgeordnete definitiv gewählt, während es in 185 Wahlkreisen zur Stichwahl kommt.
Definitiv gewählt
In Stichwahl
Bisher. Partei- stärke
Konservative
27
43
58
Deutsche Reichspartei
5
13
25
Deutsche Reformpartei
0
4
3
Wirtsch. Vereinigung
4
14
17
Zentrum
88
37
103
Polen
14
10
20
Nationalliberale
4
64
51
Forlschr. Volkspartei
0
62
49
Sozialdemokraten
66
121
53
Wilde
4
10
17
Nach einer halbamtlichen Zusammenstellung, die daS Gesamtergebnis der ReichStagSwahlen umfaßt, beziffern Gewinn und Verlust der Parteien sich wie folgt: Die Konservativen gewinnen 2 und verlieren 9, die Reichspartei gewinnt 2 und verliert 10, die Wirtschaftliche Vereinigung gewinnt 1 und verliert 8, daS Zentrum verliert 6, die Polen verlieren 1, die Nationalliberalen gewinnen 2 und verlieren 16, die Fortschrittliche VolkSpartei verliert 12, die Sozialdemokratin gewinnen 28 und verlieren 2. Danach haben, die Parteien der Rechten und das Zentrum bis jetzt im ganzen 29, die Nationalliberalen und Fortschrittler zusammen 26 Sitze verloren; der Verlust der Rechten ist also etwas größer als derjenige der lü-gulich-v Linken, und die Mandatziffer deS „schwarz-blauen Blocks" ist von 223 auf 194 Stimmen zurückgegangen. Die Stichwahlen werden darüber zu entscheiden haben, wie weit dieses Wahlergebnis sich zugunsten der Linken oder der Rechten verschieben kann.
I«r Stichwahl.
Die Hauptwahlen sind vorüber. Sie haben gebracht, wa» sie nach den erbitterten Kämpfen unter den bürgerlichen Parteien bringen mußten, einen beträchtlichen Gewinn der Sozialdemokratie. 66 Mandate haben nach den bisher vorliegenden Nachrichten, die Sozialdemokraten im ersten Anlauf gewonnen. Sämtliche bürgerliche Parteien zusammen nur 144, davon daS Zentrum allein 88, die Parteien recht? von ihm 36, der bürgerliche Liberalismus nur 4.
In 121 Wahlkreisen kommt die Sozialdemokratie zur Stichwahl. Nicht aus eigener Kraft kann sie dabei siegen. Jedes Mandat, das sie noch erwirbt, wird sie dem deutschen Bürgertum verdanken. Die bürgerlichen Parteien selbst werden die Schuld tragen, wenn die rote Flut noch weiter ansteigt.
In die Hauptwahl ist die Sozialdemokratie mit dem Schlachtruf gezogen:
zur Uhlandst»aße hinüber aus. Dorthin ist der Mörder geflüchtet." „Wie aber kam er ins Zimmer?" „DaS müssen wir erst abwartcn!"
Wiederum blickte Haller orientierend um sich.
Der Türe gegenüber, durch die sie eingetreten waren, stand zwischen 2 Fenstern ein Schreibtisch; sowohl nach der rechten wie linken Wandseite mündete eine weitere Türe. Haller untersuchte die beiden; rechts befand sich ein großer Salon, links die Bibliothek. Von hier au? war also Georg Costa eingetreten.
Der Untersuchungsrichter hatte inzwischen durch seinen Protokollführer, der an einem kleinen Tischchen Platz genommen hatte, eine Niederschrift deS bisher Vorgefundenen ausnehmen lassen.
Da Kommissar Haller sah, daß diese noch länger beschäftigt sein mußten, so sprang er zum Fenster hinaus, um vielleicht im Garten Spuren deS Mörder? zu finden.
Gebückt schlich er dahin, suchte an und unter jedem Strauch. Aber der Boden war durch die Sonnenglut wie auSgedürrt und hatte nicht die geringste Spur zurückgelassen.
WaS er schließlich vorfand, bewies zwar die Wahrscheinlichkeit seiner Behauptung brächte aber die Lösung nicht um einen Schritt näher. Mißmutig kehrte er wieder den Weg zurück, den er gekommen war.
Untersuchungsrichter Maran war oben mit dem Verhör von Ella Gerlach beschäftigt, die bisher keine andem Angaben wie Georg Costa gemacht hatte.
Um daS nun folgende Verhör in keiner Weise zu stören, setzte sich Haller aus einen Stuhl im Hintergründe deS Zimmers, um von hier auS seine Beobachtungen zu machen.
Ella Gerlach antwortete ruhig aus jede Frage, die von Maran an sie gestellt und von dessen Sekretär niederge- schrieben wurde.
„Dasselbe hat unS bereit? Herr Costa berichtet. Aber daS genügt nicht."
„Ich kann sonst nichts angeben!" „Hotte Ihnen der Tote ein Vermögen ausgesetzt?"
„Ja."
„Wie hoch?"