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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-klnschlutz Nr. 8

Nr. 9.

Sonuabend, den 20* Januar

1912»

Erstes Blatt.

Amtlicher teil.

HerSseld, den 18. Januar 1912.

Reichstagr-Stichwahl betreffend.

Im Anschluß an meine Bekanntmachung vom 16. d. Mtk., I. 718, bringe ich gemäß deS § 26 be8 Wahl-ReglementS vom 28. Mai 1870 28. April 1903 zur öffentlichen Kenntnis, daß die Ermittelung deS Ergebnisses der am

Sonnabend den 20. Januar 1913 stattfindenden engeren ReichStagS-WahlStichwahl am Mittwoch den 24. Januar 1912 vormittags 11 Uhr im Sitzungssaals deS Königlichen LandratSamteS zuHerSseld ersolgt.

Der Zutritt zu dem Lokale steht jedem Wähler offen. Der Wahlkommissar jür den 6. Wahlkreis deS RegierungS-BezirkS Caffel: von GruneliuS,

J. I. Nr. 832. Landrat.

HerSseld, den 16. Januar 1912.

Unter Hinweis auf die Bestimmungen in § 89 der Land­gemeindeordnung für die Provinz Hessen-Naffau vom 4. August 1897 veranlasse ich die Herren Bürgermeister der Landgemein­den deS Kreises den Gemeindevoranschlag für daS Rechnungs­jahr 1911 umgehend aufzustellen. Nach erfolgtet öffentlicher Auslegung und Feststellung durch die Gemeindevertretung bezw. Gemeindeversammlung ist mir derselbe bis spätesten» zum 10. März d. JS. in zwei Exemplaren unter gleichzeitiger Mitvorlage einer Abschrift deS Gemeindebeschlusses über die zur Erhebung gelangenden Gemeindeumlogen zur Prüfung kinzureichen.

Ich erwarte auf daS Bestimmteste, daß die Aufstellung deS Boranschlags sachgemäß und genau erfolgt und insbeson­dere auch meine beiden Verfügungen vom 6. Februar 1911 A. 806 KreiSblatt No. 17 und 26. April 1911

A. 2618 KreiSblatt No. 51 beachtet werden.

Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:

I. A. 296. von GruneliuS.

HerSseld, den 8. Januar 1912.

Fortgesetzte Anfragen auS dem Publikum zeigen, daß noch »ielerort» Unklarheiten über die Verwendung der neuen ^nvalidenverficberungemarken bestehen.

Die Ortspolizeibehörden deS Kreises ersuche ich daher, meine Verfügung vom 13. Dezember v. JS. I. 16118, KreiS-

Der Erbonkel.

Novelle nach dem Italienischen von H. E.

Bor etwa drei oder vier Jahren ging durch die Zeitungen die Notiz von einem gewissen Onkel Bittarelli, der bei Leb­zeiten ein rechter Leichtfuß gewesen war, aber dennoch sein Leben in sehr vernünstiger, ja, man könnte sagen, musterhafter Weise beschlossen hatte. Er war gewissermaßen ein Original, hatte fein Lebelang die Welt durchstreift, besonders gewisse Länder, in denen man nicht- von unserer verfeinerten Bildung wußte, und kümmerte sich auch gar nicht um die Forderungen deS gesellschaftlichen Lebens. UebrigenS trübt auch nur eine Schuld sein Andenken, und diese hat er in der letzten Stunde seine- Leben- wieder gut zu machen versucht. Etwa 20 Jahre vorher hatte er plötzlich daS Bedürfnis gefühlt, sich zu ver­heiraten ; er nahm ein Weib und lernte ein Jahr lang die stillen Freuden häuslichen Glückes kennen, daS durch die Geburt eines TöchterchenS noch erhöht wurde. Aber da faßte ihn plötzlich wieder daS Reisefieber, er ließ eines schönen Tage- Weib und Kind im Stich und wurde nicht mehr ge­sehen. Die Gattin erfuhr nicht- mehr von ihm und starb achtzehn Jahre später, den allzu vergeßlichen Bittarelli ver­wünschend, Seine Treulosigkeit war der armen Frau sogar so nahe gegangen, daß sie ihren Mädchennamen wieder an­genommen und ihrer Tochter niemals gejagt hatte, daß sie eigentlich einen anderen Namen zu tragen berechtigt sei.

Zwei Jahre nach dem Tode feinet Gattin kehrte Bittarelli i» seine Heimat zurück, freilich nur, um da zu sterben. Kaum war er in Genua gelandet, da befiel ihn eine Krankheit, die ch" in wenigen Tagen dahinraffte. Der rastlose Zugvogel war in sein Nest zurückgekehrt, um darin für immer au-zu- ruhen. Aber er hatte ein Vermögen von fast einer Million heimgebracht und diese- Vermögen hatte er, bevor er die Augen schloß, in aller Form seiner Tochter vermacht, und wie gesagt, sein Leben in recht vernünftiger Weise be- icylvssen. Nur im letzten Augenblick hatte ihm der aben­teuerliche Geist, der ihn im Leben beherrscht hatte, die Idee ««gegeben, feinem Testamente folgende Klausel hinzuzufügen:

blatt No. 151 und 152 nochmals wiederholt in der Gemeinde auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.

Insbesondere ersuche ich, daraus aufmerksam zu machen, daß für jede verfieherungspfUchtige Beschäftigung und für jede Hrt der freiwilligen «teiterverficherung nach dem i. "Januar 1912 nur Marken des neuen Musters und der neuen Beitragswerte (Lohnklasse I 16 Psg., Lohnklaffe II 24 Pfg., Lohnklaffe III 32 Pfg., Lohnklasse IV 40 Psg., Lohnklaffe V 48 Psg.) ver­wendet werden dürfen.

ES werden zwar biS zum 1. Juli d. JS. auch noch Bei­tragsmarken deS alten Musters und der alten Werte bei den Postanstalten käuflich zu haben sein. Diese alten Mar­ken dürfen aber nur insoweit Verwendung finden, als eS sich um Begleichung von Beitragemarhenrückständen handelt, die Arbeitszeiten vor dem 1. Januar 1912 betreffen.

Ferner dürfen vom 1. Januar 1912 ab QuittungSkarten alten Musters nicht mehr ausgegeben werden. Die bis zu diesem Tage ausgestellten QuittungSkarten dürfen innerhalb zweier Jahre nach dem Ausstellungstag weiter verwendet werden. Bei der Aufrechnung der QuittungSkarten alten Musters ist aber die Zahl der etwa verwendeten Zusatzmarken noch besonders anzugeben.

I. 17270. Der Landrat

von GruneliuS.

Hertfeld, den 17. Januar 1912.

Die Herren Bürgermeister und Gut-vorsteher deS Kreise- ersuche ich, die BetriebSsteuer-Rollen bis spätestens zum 2 8. Januar d. JS. einzureichen.

Der Vorfitzende der (Einkommensteuer Veranlagungs-Kommisfion:

I. Nr. 141. von GruneliuS.

HerSfeld, den 12. Januar 1912.;

Die Maul- und Klauenseuche in Schlitz, Bernhausen, Hutz- dors und UellerShausen ist erloschen.

I. 508. Der Landrat.

J. A.:

W e s s e l, Kreitsekretär.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Die Hauptwahlen zum Reichstage sind vor- über. ES ist gekommen, wir vorsichtige, um deS Vaterlandes Wohl besorgte Warner seit lange vorhergesagt hoben: die Steuerhetze des LiberaliSmuS, die Selbstzerfleischung deS Bürger- tumS haben der Sozialdemokratie einen wohlfeilen Triumph

Irgendwo müssen zwei Neffen von mir, Heinrich und Peter Bittarelli, existieren, die Söhne meine- Bruder-, denen ich eine Ueberrafchung bereiten möchte. Ich drücke hierdurch meiner Tochter den Wunsch aus, sie möge ihr Ber. mögen mit demjenigen meiner Neffen teilen, der sie liebt und heiratet."

Eine- Tage- erhielten nun die beiden jungen Leute, die in Mailand sich schlecht und recht durch- Leben schlugen, die Nachricht, sie sollten sich unverzüglich bei dem Notar Barta- vello in Genua rinfinden, um Kenntnis von dem Testament ihre- Onkel- Bittarelli zu nehmen. Selbstverständlich beeilten sie sich, dieser Aufforderung Folge zu leisten. Nachdem sie Einsicht in da- Testament genommen, sagte der Notar ihnen: Meine Herren, alle Nachsorschungen nach der rechtmäßigen Erbin, Fräulein Bittarelli, Ihrer Cousine, find bisher vn- geblich gewesen. Dennoch glaube ich annehmen zu müssen, daß sie noch am Leben ist, da keine Behörde Kenntnis von ihrem erfolgten Tode hat. Es bleibt mir daher nichts übrig, als Ihnen anheimzustellen, fich Ihrerseits zu bemühen, sie ausfindig zu machen. Und wenn Ihnen dies gelungen ist, wissen Sie ja, war Sie zu tun haben, da einer von Ihnen berufen ist, die Erbschaft mit ihr zu teilen. Versuchen Sie also Ihr Heil und lassen Sie mir sobald wie möglich Nach­richt zukommen." ES ist überflüssig, hinzuzufügen, daß da- negative Resultat deS Notar- dem Umstände zuzuschreiben war, daß die Tochter deS Erblasser-, die nie einen anderen Namen, als den ihrer Mutter gekannt hatte, nicht vermuten konnte, sie fei da- so sehr gesuchte Fräulein Bittarelli, daS in allen Zeitungen ausgesordert wurde, sich bei dem Notar Bartovello in Genua zu melden, um eine Million einzn- Heimsen.

Die beiden Brüder kehrten nach Mailand zurück und machten sich sogleich aus die Suche nach der reichen Cousine, die sie nie gesehen und von der sie nie etwa- gehört hatten. Aber dieser Eis« im Suchen hatte nur bei Heinrich, dem älteren der Brüder Bestand; der jüngere gab nach Verlauf von acht Tagen die Partie aus, indem er dachte:WaS nützt eS mir? Haben wir auch die Koufine gefunden, mein Bruder wird doch her Bevorzugte sein; der Beweis dafür ist

verschafft. Jetzt gilt eS, in den Stichwahlen für daS Bürger­tum noch zu retten, waS noch zu retten ist. Leider hat die offizielle Parteileitung deS Freisinn- die von den Parteien der Rechten dargebotene Hand bereit- zurückgewiesen. Die Selbstverblendung, die in den führenden Kreisen deS Link-- liberaliSmuS herrscht, kennt eben keine Grenzen mehr. Wir haben aber zu dem gefunden Sinne der liberalen und frei­sinnigen Wähler im Lande das feste, hoffnungsvolle Vertrauen, daß sie der Parole ihrer Führer, soweit diese aus passive oder aktive Unterstützung der Sozialdemokratie lautet, keine Folge leisten werden. Wer von freisinniger Seite dazu beiträgt, daß ein Sozialdemokrat mehr in den Reichstag gelangt, der begeht ein Verbrechen am Vaterlande und läd eine schwere Schuld aus sich. Die Sozialdemokratie ist die Todfeindin aller Kul­tur, Gesittung und Freiheit, sie will die Menschheit in einen ZuchthauSstaat hineinzwängen, gegen welchen die Zustände in unseren heutigen Gefängniffen, wie dies der ehemalige Frei- finnSsührer Eugen Richter mehrfach erklärt hat, noch eine große Annehmlichkeit wären. Für jeden wahrhaft liberalen und freisinnigen Mann kann und darf daher die Stichwahl­parole nur lauten: Unter allen Umständen gegen die Sozial- demokratie!

In Frank reich ist daS Ministerium Caillaux zujam- mengebrochen und der Senator P 0 i n c a r v hat ein neue» Kabinett gebildet, dem mehr Vertrauen entgegengebracht wird und daS die Gewähr längerer Dauer in sich trägt. Eine Reihe bedeutender Männer, unter denen neben dem Minister­präsidenten besonders Millerand, Bourgeois und Briand Her- vorzuheben find, bringen Geschick, Erfahrung und bewährte Arbeitsfähigkeit inS Kabinett. Von der französischen Preffe wird daS neue Ministerium im allgemeinen recht günstig be­urteilt. Man erkennt 07 daß er Poincarv gelungen ist, eine ungewouytich siamichr '^uhl Der hervorragendsten parlamen­tarischen und rednerischen Talente, über welche die Republik gegenwärtig verfügt, in seinem Kabinett zu vereinigen, und mehrfach wird dasselbe bereits als da-große" oder auch als daSnationale" Ministerium bezeichnet und dir Hoffnung ausgesprochen, daß Frankreich diesmal eine Regierung im wirklichen und besten Sinne des Wortes erhalten habe. Ob mit den neuen Ministern freilich nun das große und dauernd« Kabinett geschaffen ist, daS man in Frankreich erhofft, kann erst die Zukunft lehren.

In England, dessen wirtschaftlichem Leben der vor­jährige große Eisenbahnerousstand schwere Wunden geschlagen hat, zieht der Kampf um die Macht zwischen den Gewerk­schaften und den Arbeitgebern immer weitere Kreise in Mit. leidenjchast. Die Gewerkschaften verlangen, daß die Arbeit- geb« nur Mitglieder der Trade Union- beschäftigen, und for­dern offizielle Anerkennung, um dann die noch nicht organi­sierte Arbeiterschaft in ihren Bann zu zwingen. Gegen diese Eingriffe in die Freiheit der Arbeit wehren sich die Arbeitgeber- verbände mit Recht und beantworten mit Aussperrungen, durch welche die davon betroffenen Arbeiter bereits in große Not

die hübsche kleine Modistin im Laden da drüben, die wir beide lieben, die aber nur Augen für ihn hat. WaS soll ich mich also noch mit Suchen abmühen?" Und so teilte Peter nach acht Tagen seinem Bruder mit, daß er sich zurückziehe und ihm daS Weitere überlasse.

Der ältere Bruder, der darin dem Onkel Bittarelli glich, daß er einen weniger sentimentalen alS abenteuerlichen Sinn hatte, hielt ihn beim Worte und sagte:Hier meine Hand, lieber Peter! Bon jetzt ab bin ich blind gegen unsere schöne Nachbarin!"

Die Nachbarin ihrerseits, eine kleine blonde Modistin, von intelligentem und gewecktem Aussehen. mit zwei hübschen Augen, blauer und größer als die Veilchen, mit denen sie ihre blauen Hüte garnierte, merkte bald, daß der ältere der Brüder sie nicht mehr beachtete, und sie tat gleichfalls, als ob er ihr gleichgültig fei. Anfangs litt sie freilich darunter, suchte sich aber zu trösten und erkannte bald, daß der andere, der sie bisher immer so schüchtern angeschaut hatte, auch nicht häßlich war. Nur konnte ihr Herzchen, daS ein etwas eigen­sinniges Ding war, den ersten nicht vergessen.

Da kam, waS kommen mußte. Eines Abends, als sie auS ihrem Geschäft ging, bemerkte sie hinter sich ihren Lieb­haber. Sie ging etwa- langsam, und als Peter ein schüchterne? Guten Abend, Fräulein" wagte, antwortete sie mit einem so ermutigenden Lächeln und so freundlichem Gegengruße, daß der arme Bursche ganz außer sich vor Freude war. Sie schritten nebeneinander her, Peter faßte nach und noch Mut und unterhielt sich mit ihr. Sie antwortete ihm mir ermutigendem Lächeln, wußte aber die Unterhaltung aus seinen älteren Bruder überzuleiten. Sie hatte sich zwar getröstet, aber wollte doch gern etwa- von ihm erfahren.

Und sie erfuhr alles. Peter erzählte vom Tode bei OnkelS, von der Cousine, die Millionärin sei und die er heiraten sollte usw. Dann fügte er hinzu:

Ich habe verzichtet, Fräulein; die Cousine wud mem Bruder heiraten. Aber daS ist mir gleichgültig, da ich Sie habe sprechen können . . . Und wenn Sie wüßten . . . wenn ich Ihnen sagen dürste ..." _

Sprechen Sie nur frisch heran?, Herr Peter he