Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für hersseld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, v^
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein-1 gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 Pfg. H Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^n»^^ H
herzfeltzer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 11.
Donnerstag, den 25. Januar
1912.
Amtlicher teil.
Bekanntmachung.
Bei der am 20. d. MtS. stattgefundenen, engeren Wahl — Stichwahl — eines Abgeordneten für den Reichstag sind nach der heute erfolgten Ermittelung des Wahlergebnisses im Ganzen 16 023 gültige Stimmen abgegeben worden, wovon 11 738 Stimmen aus den Redakteur Ludwig Werner in Charlottenburg und 4285 Stimmen auf den GewerkschastS- Sekretär Michael Schnabrich in Franksurt a/Main-Heddernheim gefallen sind.
Der Erstere ist hiernach als Reichstagsabgeordneter für den aus den Kreisen HerSfcld-Rolenburg a. F.- Hünfeld bestehenden 6ten Maklkreis des Regierungsbezirks Gaffel gewählt worden.
Hersfeld, den 24. Januar 1912.
Der Wahlkommissar sür den 6. Wahlkreis deS RegierungS-BezirkS Cafsel: von GruneliuS, Landrat.
HerSfeld, den 22. Januar 1912.
In letzter Zeit ist eS mehrfach vorgekommen, daß OrtS- Vorstände deS Kreises auf die Ersuchen auswärtiger Ortsbehörden um Uebernahme oderUeberweisung von Steuerpflichtigen nicht geantwortet haben.
DieS ist unzulässig und verursacht unnötiges Schreibwerk. ES gibt bei derartigen Ersuchen nur 2 Wege:
1. die Steuern werden sogleich übernommen oder über- wiejen, oder
2. der ersuchenden Behörde wird sogleich geantwortet, daß und weshalb die Uebernahme oder Ueberweisung nicht möglich ist.
Dies kann der Fall sein:
a. bei Uebernahme-Ersuchen: wenn die betreffende Person nicht am Orte weilt, wenn sie inzwischen wieder verzogen oder zur Ableistung der Dienstpflicht in daS Heer eingetreten oder wenn sie in den Haushalt anderer übergetreten ist (hierbei sind Steuersatz und Steuernummer anzugeben, unter der die Veranlagung deS Anderen erfolgt ist.)
b. Bei UeberweisungS-Ersuchen: wenn die Person nicht veranlagt ist oder wenn sie ihren steuerlichen Wohnsitz in der Gemeinde hat und hier veranlagt ist. (Hierbei sind Steuersatz und Steuernummer anzugeben, unter der der Steuerpflichtige veranlagt ist.
Der Vorsitzende der EinKommensteuer- Veranlagungs-Kommission:
I. Nr. 195. von GruneliuS.
HerSfeld, den 18. Januar 1912.
Die den hiesigen Kreis berührenden Meßtischblättter
mein ist die Rache.
Detektiv-Roman von Theo von Blankensee.
(Fortsetzung.)
Die beiden Detektivs Stein und Norbert hatten den Aus- trag hierüber erhalten.
Die beiden hatten in dieser Nacht sich hinter dichtem Strauchwerk versteckt, von wo auS sie direkt auf daS Fenster Ella GerlachS sehen konnten.
Stein hatte seinem Gefährten eben eine Warnung zu- gerusen.
Sofort herrschte eine lautlose Stille; nur da» leise Säuseln deS LaubeS, daS vom Winde bewegt wurde, war zu hören.
Die beiden lauschten.
Da näherte sich ein Knastern und Knistern, als wenn jemand über dürreS Laub und Holzwerk wegschreitet. Die Augen der beiden wandten sich nach der Richtung deS Ge- räufcheS. Noch konnten sie nichts sehen. Die Finsternis war undurchdringlich.
Wieder hörten sie dasselbe Knacken.
Da löste sich aus dem Dunkel der Bäume ein Schatten lo», der vorsichtig um sich spähend vorwärts huschte. Sprung- artig eilte diefer der Villa zu. Von Zeit zu Zeit blieb er wieder lauschend stehen.
„Endlich I" flüsterte Norbert. „DaS war nun schon bald zum verzweiscln! Aber heute entkommt er unS nicht mehr?" „Er steht am Fenster!"
Der Schatten deS Unbekannten war nun gerade unter dem hellerleuchteten Fenster, hinter dem Ella Gerlach ihr Zimmer hatte. Der Schatten bückte sich und hob etwas vom Boden aus und warf eS nach dem Fenster.
Die beiden Lauschenden konnten deutlich bemerken wie eS lfise klirrte. Offenbar gab er durch kleine Steinchen ein Zeichen seiner Anwesenheit.
, DieS hatte auch sosort die beabsichtigte Wirkung. Eine weibliche Gestalt, die bei dem Lampenlicht, daS aus ihr Gc-
No. 3050 und 3051 im Maßstab 1: 25000 sind von der Plankammer der Kgl. Landesaufnahme in Berlin berichtigt worden und neu erschienen, sie können von der VerlagSbuch- Handlung R. Eisenschmidt in Berlin N.W. 7, Dorotheen- straße No. 70a bezogen werden. Der PreiS eine» Blattes beträgt 1 Mk., für den dienstlichen Gebrauch aller StaatS- und Kommunalbehörden, auch der Gemeindevorstände 0,50 Mk.
Die Meßtischblätter dienen in der Hauptsache Staatsund wirtschaftlichen Zwecken und verdienen im allgemeinen Interesse die weiteste Verbreitung.
Ich mache auf daS Erscheinen der Meßtischblätter ausmerk- sam und empfehle Interessenten die Anschaffung.
I. 590. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 22. Januar 1912.
In Niederaula ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.
Niederaula ist auS dem Sperr- und Beobachtungsgebiet und die Orte Beiershausen, KerSpenhausen, MengShausen, SolmS, Engelbach, Niederjossa, Hottenbach und Kleba sind auS dem BeobachtungSgebietc auSgeschieden worden.
I. 934. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 23. Januar 1912.
Der vor einigen Jahren aus Kreismitteln beschaffte Projektionsapparat zur Abhaltung von Lichtbilder- V o r t r ä g e n ist im letztverflossenen Jahre wenig benutzt worden.
Der Apparat ist s. Zt. beschafft worden, um vorzugsweise den Schulen und Vereinen äuf dem Lande Gelegenheit zu bieten, gegen Zahlung einer geringen Leihgebühr (5 Mark) interessante UnterhaltungSabende veranstalten zu können und auf diese Weise zur Verbreitung von Volksbildung mitbeizutragen.
Ich nehme deshalb Veranlassung, die Benutzung deS Apparates aufs Neue zu empfehlen. Die näheren Bedingungen für die leihweise Abgabe deS Apparates find im Ausschreiben vom 30. November 1908 I. A. 6248, KreiSblatt Nr. 145, veröffentlicht.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. No. 444. von GruneliuS.
HerSfeld, den 19. Januar 1912.
Diejenigen Herren Bürgermeister und GutSvorsteher deS Kreises, welche meine Verfügung vom 29. Dezember v. JS. I. A. Nr. 8100, KreiSblatt No. 5/12, betreffend Mitteilung deS Steuersolls derjenigen Steuerpflichtigen, die nach der Gemeindesteuerliste pro 1911 mit dem Steuersätze von 1,20 Mk. und weniger veranlagt worden sind, noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist bis spätestens zum 26. d. MtS. erinnert.
Der Vorsitzende des kreisausschuffes:
A. 8100. von GruneliuS.
ficht fiel, als Ella Gerlach zu erkennen war, hatte sich dem Fenster genähert und den einen Flügel geöffnet. Sie beugte sich hinunter und schien etwas hinabzurusen, woraus der Schatten auch Antwort gab.
Daraushin kletterte der Fremde in daS Zimmer hinein, worauf Ella Gerlach daS Fenster wieder zumachte.
„Wir müssen näher kommen!" raunte Stein seinem Gefährten zu und huschte geräuschlos näher an daS Fenster heran. Norbert folgte ihm. Sie waren jetzt am Rande deS Parkes, von wo auS sie nur durch einen kaum 2 Meter breiten Kiesweg vom Gebäude selbst getrennt waren.
Hier wären wir allerdings nahe genug, aber wir sehen nicht hinein."
„Aus die Bäume!"
Eines weiteren Wortes bedurfte eS nicht.
Mit großer Gewandheit waren die beiden auf einen Baum geklettert.
Von diesem neuen Versteck auS sahen sie in daS hellerleuchtete Zimmer Ella GerlachS und konnten in diesem jeden Vorgang genau verfolgen. DaS Weib stand am Tische, aus dessen gegenüberliegender Seite der Fremde war. Sie konnten auch jetzt dessen Gesicht erkennen. Er war noch jung, anscheinend herabgekommen; in dem eingefallenen Gesicht standen die Backenknochen hervor, der Bart bedeckte in Stoppeln Wangen und Kinn. Auch die Kleidung war stark derangiert, so daß der Fremde den Eindruck eines Landstreichers oder Stromers machte.
„WaS will diese von dem Burschen? wandle sich Norbert an Stein.
„Wir werden sehen!" war die Antwort. „Hören können wir nichts, wir müssen unS darauf verlassen, die Mimik der beiden deuten zu können."
„DaS scheint mir ein Strolch zu sein!" „Vielleicht der gesuchte Mörder?" „Ich glaube da» bestimmt!" „Dann darf er unS nicht entkommen!" „Nicht daran zu denken!"
„Sie macht ihm jetzt wohl Vorwürse! So scheint c» mir!"
Der in der Gemarkung Herfa gelegene V«rväsf<rungsgrab«n,
a. Kartenblatt 8, Parzelle Nr. 29/18, Graben 1,21 ar groß, in der Großen Wiese soll eingezogen und an die Gewerkschaften Herfa-Neurode verkauft werden.
Nach Vorschrift deS § 57 deS ZuständigkeitS-Gesetzet vom 1. April 1883 wird die» mit der Aufforderung bekannt gemacht. daß Einsprüche hiergegen binnen 4 Wochen bei Meidung deS Ausschlusses bei der unterzeichneten Behörde geltend zu machen sind.
Hersa, den 22. Januar 1912.
Die Wegepolizeibehörde:
Schaub.
nichtamtlicher teil.
Kim Erinnerung m Preußens grchi Ach.
Zum 24. Januar, dem 200. Gedenktage seiner Geburt.
Die Weltgeschichte rechnet nach Jahrhunderten. Erst in solche Ferne gerückt, erscheint eine Persönlichkeit in ungetrübter Beleuchtung, in ihrer ganzen Bedeutung. Richten sich heute bei der 200. Wiederkehr deS „FriedrichStageS", deS Geburtstage» Friedrichs deS Einzigen, unsere Blicke aus da», waS der große König seinem Lande gewesen ist, waS er in Frieden und Krieg geleistet und geschaffen hat, so erkennen wir, daß die Folgen seiner unermüdlichen Arbeit und Wirksamkeit weit über seine Zeit hirwuSreichen. Sie haben sich in Preußen- guten und schweren Tagen, namentlich in letzteren, segensreich fühlbar gewacht und tun eS noch heute für ganz Deutschland.
Durch eine lange Reihe glänzender Siege erhob Friedrich Preußen zu einer europäischen Großmacht, ehe die Ausdehnung und die Mittel seine» StaateS für eine solche Rolle hinreichten. Sein Vater hatte ihm ein Heer hinterlassen, dessen Stärke weit daS Maß überstieg, welches nach den HilsSquellen deS noch armen Landes zu erwarten war. Durch weise Sparsamkeit und eine streng geordnete Verwaltung hatte er eS verstanden, die Kräfte zu verdoppeln, die daS kleine Königreich bot. Pflichtgefühl und MannSzucht waren als feste Grundpfeiler dem Heere anerzogen, besten Infanterie sich rühmen konnte, die bestauSgebildete der Welt zu fein. Mit einem so wohlvorbereiteten KriegSwerkzeuge wagte Friedrich, noch im Jahre feiner Thronbesteigung, die Weltlage auSzu- nutzen und gegen den übermächtigen österreichischen Kaiserstaat zu Felde zu ziehen, um alte Erbansprüche aus Schlesien geltend zu machen. Hart war der Kamps, namentlich im 3. schle- sischen, dem siebenjährigen Kriege, auS dem der König al» ruhmgekrönter Sieger, als der anerkannt erste Feldherr seines Jahrhunderts zurückkehrte. Seine Feldherrnkunst und feine
„Ja! Sie weist aus ihn! Er fährt zurück! Wie entsetzt!"
„DaS kam ihm wohl unerwartet!"
Die beiden Detektive tauschten stets ihre Bemerkungen aus, während sie dem Minenspiel der beiden Belauschten folgten.
Ella Gerlach war aus den Unbekannten zugegangen und wieS mit der ausgestreckten Hand nach ihm. Sie schien ihm Vorwürfe zu machen. Er aber fuhr zurück, schüttelte dann hestig den Kopf, machte dann abwehrende Gesten und sprach eifrig auf sie ein.
„Er leugnet!"
„So scheint eS mir auch 1" „Aber jetzt?«
„Sie hat einen Brief!"
Sie sahen, wie Ella Gerlach einen Brief au» der Tasche nahm, wie sie auf diesen wies nnd daraus etwas vorzulefen schien. Dann wies sie nach dem Garten, zeigte mit dem Finger auf sich selbst. Der Fremde schüttelte um so heftiger den Kops.
„WaS wollte sie wohl sagen?"
„AuS dem Bries geht wahrscheinlich seine Tat hervor!" „Wenn wir diesen hätten!"
„Wenn! Sie hat dann nach dem Garten gewiesen und dann aus sich selbst! Vermutlich hat sie ihn um die Zeit der Tat im Garten bemerkt!"
„Er leugnet aber immer noch!"
Der Fremde ging jetzt anscheinend in tiefer Auflegung im Zimmer aus und nieder. DaS Weib folgte ihm hierbei stet» nach, wobei sie heftig auf ihn einredete.
„Er will nicht» davon wissen l"
„Sie will ihn zu einem Geständnis zwingen. Sie weist nach der Uhr!"
„Ah!"
Sie konnten jetzt bemerken, wie daS junge Weib vor dem zerlumpten und herabgekommenen Burschen niedersank, seine Knie umklammerte und immer leidenschaftlicher in ihn drang. Die beiden konnten wohl ihre Borte nicht hören, aber fie n-