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hersfel-er ttrekblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 13 Dienstag, den 30. Januar 1913.

Amtlicher teil

Bekanntmachung.

Zu den Schuldverschreibungen der preußischen konsolidierten 3WVoigen Staatsanleihe von 1882 werden vom 1. Dezember v. JS. ab neue ZinSscheinbogen auSgegeben. Die Ausgabe geschieht durch Vermittlung der Kgl. Kreiskasse in Hersseld und der ReichSbank-Nebenstelle in HerSfeld. Den VermittelungS- stellen find die Eineuerungsscheine (TalonS) mit Verzeichnis einzuliefern. Formulare zu Verzeichnissen werden unentgeltlich abgegeben.

HerSfeld, den 22. Januar 1912.

I. 15794 II. Der Landrat.

I. A.:

W r s s e l, Kreissekretär.

HerSfeld, den 22. Januar 1912.

Diejenigen Herren Bürgermeister, welche meine Verfügung vom 9. Februar 1884 I. I. 1721 13. März 1908 I. 2862 KreiSblatt Nr. 20 u. 33 betreffend Revision der Feuerstätten noch nicht erledigt haben, werden mit Frist bis zum 1. n. MtS. hieran erinnert.

I, 888. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, Kreissekretär.

HerSfeld, den 24. Januar 1912.

Der Herr Oberpräsident in Cassel hat die Abhaltung einer HauSkollekte für die Niederlassung der Barmherzigen Brüder zu Fulda bei den katholischen Einwohnern deS RegierungS- BezirkS Gaffel genehmigt.

Das Bischöfliche General-Vikariat in Fulda hat den Termin für die Kollekte aus die Zeit vom 31. Oktober bis 6. November d. JS. festgesetzt.

Die Ortspolizeibehörden und die Königliche Gendarmerie deS Kreises weise ich an, dafür zu sorgen, daß den mit der Einsammlung beauftragten Personen keine Hindernisse bereitet werden.

I. 896. Der Landrat.

I. «.:

Wessel, Kreissekretär.

nichtamtlicher Ceil.

Die preubische Steuernovelle.

Dem preußischen Landtage ist der Entwurf eines Ge­setzes über die Abänderung des Einkommensteuergesetzes und des ErgänzungSsteuergefetzeS vorgelegt worden. Der Gesetz­entwurf hat sich in der Hauptsache zur Ausgabe gestellt, die

Meln ist die Rache.

Detektiv-Roman von Theo von Blankensee.

(Fortsetzung.)

Er promenierte im Garten, sah sich die Leute an, ging hinaus zur See und sah dem Spiel der Wellen zu. Wie die Wellen sich hoben, wie sie sich zischend ausbäumten! Er war ein tolleS Spiel! Und darüber weg huschten die Son­nenstrahlen, so daß die schäumende Gischt funkelte und glänzte wie tausend und abertaufend Perlen.

Fritz Merk kehrte wieder zurück nach dem Kurhaus.

Da inzwischen die Abendpost eingetroffen sein mußte, ging Merk in daS Zimmer deS Portiers.

Dort stand wieder dieser Ueberall und Nirgends, der Fremde. Schon hatte er dessen bartlose-, lächelndes Gesicht vergessen, nun sah er es wieder vor sich.

Sie wünschen?" fragte der Portier. .Ist ein Brief für mich angekommen?" Unter welchem Namen?" Fritz Merk!"

Gewiß! Hier!"

Der Portier nahm einen Brief auS mehreren heraus und überreichte ihn Merk.

Dieser sah sofort nach der Adresse und erkannte auch die Schrift; Frau Gerd hatte ihn geschrieben, der erste Bries, seit sie sich trennten. Er steckte den Brief zu sich, er mußte ihn auf feinem Zimmer lesen.

Der Fremde, der Fritz Merk überall hin nachgefolgt war, war Kommissar Haller selbst. Sein Beauftragter hatte bei dem Zusammenstoß mit Frau Gerd die Adresse gelesen und diese dem Kommissar mitgeteilt. Riefet war daraushin sofort nach dem Badeort abgereist, woselbst er Fritz Merk aufsuchte.

AIS Haller im Zimmer deS Portiers dem Gesuchten ge- genüberstand, als dieser nach Briesen unter seinem Namen fragte, da hatte sich daS Jaquet Fritz Merks so geöffnet, daß er dessen Weste sehen konnte. Ein Blick nur war eS und

Tarise deS Einkommensteuer- und ErgänzungSsteuergefetzeS so umzugestalten, daß das zu erwartende Steuerauskommen unge­fähr demjenigen der letzten Jahre, einschließlich der erhobenen Stcuerzujchläge, entspricht. Der Steuerfuß bei der Ergänzungs- steuer hat bis zum 1. April 1909 0,526 für das Tausend betragen. Vom 1. April 1909 ab hat der sich infolge der Erhebung der Zuschläge auf 0,6575 erhöht. Der Entwurf stellt daher den Tarif für die Ergänzungssteuer nach einem Steuerlast von 0,66 für daS Tausend auf. Der Einkommen­steuersatz hat bis zum 1. April 1909 in den Einkommen- steuerstusen von mehr als 100 000 Mk. für die physischen Personen 4000, für die Gesellschaften mit beschränkter Haftung 4600, für die übrigen nichtphysischen Personen 4000 Mk. betragen. Nach Einführung der Zuschläge hat er sich für die physischen Personen, eingetragenen Genossenschaften und Konsumvereine aus 5000 Mk., für die Aktiengesellschaften, Aktienkommanditgesellschaften und Berggewerkschaften auf 6000 und für die Gesellschaften mit beschränkter Haftung auf 6440 Mk. crböht.

Als niedrigste Einkommensteuerstufe ist in dem Entwürfe diejenige von mehr als 900 bis 1050 Mk. und als deren Steuersatz für physische Personen der bisherige Betrag von 6 Mk. beibehalten worden. Von der Einkommensteuerstufe von 100 000 Mk. ab auswärts ist in dem Entwürfe der Tarif wie bisher prozentual gestaltet. Von 100 000 Mk. abwärts ist, wie bisher, eine Regression der Steuersätze in der Weise vorgesehen, daß in der niedrigsten Einkowmensteuerstuse von mehr als 900 bis 1050 Mk. der Steuersatz von 6 Mk. er­reicht wird. Ungleichmäßigkeiten in der Regression, die der bisherige Tarif auswies, die bei den Einkommensteuerstusen von mehr als 10 500 bis 32 000 Mk. bisher bestehende, un­begründete Horizontale, sowie b:e Sprünge, die sich aus der in den einzelnen EinkommenSgruppen verschiedenen Höhe der Steuerzuschläge ergaben, sind beseitigt. Die Steuersätze deS neugestalteten TarisS find zum Teil höher, zum anderen Teil, und zwar bis zur Einkommensteuerstufe von 32 000 Mk, zum weit überwiegenden Teile niedriger als die bisherigen Steuersätze einschließlich der Zuschläge, und es ergibt sich hieraus |ür die Staatskasse ein SteuerauSfall von mehr alS 2Vi Millionen Mark.

Um zu verhüten, daß durch die Umgestaltung der Steuer- tarife gegenüber dem bisherigen Zustande automatisch eine Plutokratisterung des Wahlrechts herbeigcsührt werde, ist in dem Entwurse die Bestimmung vorgesehen, daß bei Berechnung der zu entrichtenden Einkommensteuerbeträge für Wahlzwecke in den Steuerstusen von mehr als 12 50031000 Mark ein Zehnteil und in den Steuerstufen von mehr als 31000 Mk. ein Fünsteil sowohl der StaatSeinkommensteuer- als auch der Gemeindeeinkommensteuerbeträge abzusetzen sind. Hierdurch wird erreicht, daß für die Stufen über 31 000 Mark so gut wie jede Veränderung der für die Wählerlisten anrechnungSfähigen Steuerbeträge gegenüber den alten Tarifen vermieden wird und auch die Stufen von 12 500 31000 Mk. von einer

dem scharfen Auge deS Kommissars war nicht entgangen, waS er schon lange gesucht hatte.

Der schwarze Knopf.

Bon der grauen Weste stachen die seltsamen, eigentümlich geformten, sünskantigen schwarzen Knöpse auffallend ab; eS waren dieselben Knöpfe. Ja, er glaubte sogar bemerkt zu haben, daß der unterste von diesen fehlte.--- Welches Zimmer hat Herr Merk?" Nummer achtzehn!" Ich danke Ihnen I"

Rasch eilte Haller in den ersten Stock deS Kurhauses hinaus und stand bald vor dem Zimmer deS Gesuchten.

Ohne anzuklopsen öffnete er die Türe; er mußte Merk überraschen, nur so konnte er sein Ziel erreichen.

AlS er unter der Schwelle der Türe stand, sah er, daß Fritz Merk am Boden vor dem Ofen kniete und eben ein Papier verbrannt hatte.

Merk selbst hatte sich rasch umgewandt, alS er die Türe gehen hörte, und hatte sofort den Fremden wieder erkannt. Da sprang er auf und schrie diesen unwillig an:

Mein Herr, Ihre Anhänglichkeit an meine Person ist zu groß! Ich danke dafür! Aber zu den Annehmlichkeiten deS Lebens gehört eS nicht, fortgesetzt umfchnüffelt zu werden! WaS suchen Sie! Sie sind in einem falschen Zimmer!"

Haller lächelte sarkastisch und antwortete:

Ich denke doch, ich hätte nun daS richtige Zimmer ge­funden! Zimmer Nummer 18!"

Gewiß eS ist 18! Aber hier bin ich!" Ist mir sehr lieb, wenn Sie Herr Fritz Merk sind!"

DaS bin ich! DaS hörten Sie doch eben vorhin im Zimmer deS Portier!"

Allerdings! Deshalb habe ich Sie hier ausgesucht!" Und Sie wünschen?"

Ich bin Kriminalkommissär Haller! Hier ist meine Legitimation!"

Bei diesen Worten schien eine sofortige Umwandlung in dem Benehmen Fritz MerkS einzutreten. Er war erblaßt und antwortete:

Und weshalb suchen Sie mich?"

Erhöhung deS steuerlichen Einflusses auf die Wählerlisten im wesentlichen ausgeschlossen bleiben.

Von den sonstigen Bestimmungen deS EntwursS sei hier noch auf die nachstehenden hingewiesen: Die Bestimmungen der 88 1 und 2 deS Einkommensteuergesetzes, welche den Vor­schriften deS ReichsgesetzeS wegen Beseitigung der Doppel­besteuerung vom 13. Mai 1870 entsprachen, sind nach Maß­gabe deS inzwischen ergangenen ReichsdoppelbesteuerungSgesetzes vom 22. März 1909 abgeändert; nach dem bisherigen Rechte unterlagen solche preußischen Staatsangehörigen, die nach dem Auslande verziehen, noch während eines Zeitraums von zwei Jahren der preußischen Besteuerung. Dieser zweijährige Zeitraum soll auf sechs Monate abgekürzt werden; die Be­steuerung der Gewinne aus nicht gewerbsmäßig betriebenen Spekulationsgeschäften soll aufgegeben werden. War die Be­steuerung von jeher anfechtbar, so ist sie nach dem Jnkraft- treten deS ReichSzuwachSsteuergefetzeS vom 14. Februar 1911 unhaltbar geworden; bei Steuerpflichtigen, deren Einkommen bei Zurechnung deS Einkommens der Ehefrau nicht mehr als 3000 Mk. beträgt, soll der Umstand, daß die Ehefrau einer ArbeitStätigkeit nachgeht und daß hierdurch besondere Aus­wendungen im Haushalt erwachsen, einen Anspruch auf Steuerermäßigung gewähren. Schließlich ist dem in allen Ressorts bestehenden Bestreben, nach Möglichkeit zu dezen­tralisieren, in dem Entwürfe dadurch Rechnung getragen, daß die Festsetzung der Steuerzuschläge bei nicht rechtzeitiger Ab­gabe der Steuererklärungen und VermögenSanzeigen, die Ent­scheidung auf Einkommensteuer- und ErgänzungSsteuer-Er» mäßigungSanträge, die Festsetzung der Abgangslisten und der Kosten im RechtSmittelverfahren von den Regierungen auf die Vorsitzenden der VeranlagungSkommiffionen übergehen sollen.

Der Krieg um (Tripolis.

Tripolis, 28. Januar. In der vergangenen Nacht gegen 3Vü Uhr unternahm der Feind einen Vorstoß gegen Gargaresch, der sofort zurückgewiesen wurde. Zur selben Stunde fand ein Angriff des FeindeS auf die italienischen Schanzen bei Ainzara statt, der bis zum Morgen durchgeführt wurde. Bei Tagesanbruch setzten die Türken Streitkräfte von mehr als 3000 Mann auf Ainzara an, die gegen 7V-2 Uhr mit bemerkenswertem Nachdruck angriffen, aber durch das Feuer der Italiener auf der ganzen Linie zurückgeschlagen wurden. Um 8 Uhr 40 Minuten trat der Feind den Rück­zug in südlicher und südwestlicher Richtung an, verfolgt von den italienischen Geschossen. Die Verluste der Italiener be- tragen zwei Tote und acht meist leicht Verwundete, die deS Feindes sind sehr viel größer.

TuniS, 27. Januar. Der Dampfer Tavignano wurde in den tunesischen Gewässern eine halbe Stunde von ZarziS

Der Brief, den Sie soeben verbrannten, wird Ihnen ge­nügend bewiesen haben, aus welchem Grunde Sie mich hier sehen."

Also deshalb!" tief Merk. Sie beschuldigen mich, den Mord an Robert Sandtner begangen zu haben."

Gewiß!" Ich sehe, daß Sie keine Ausflüchte machen. Aber nicht nur deS Mordes an Robert Sandtner werden Sie bezichtigt, sondern auch der Vergiftung deS Zimmermädchens Sophie Streb!!"

Auch daS weiß ich!" Und Sie gestehen?"

Fritz Merk lächelte. Sein Benehmen war jetzt so seltsam ruhig, daß Haller selbst daran irre wurde.

Glauben Sie, dann würde ich so Ihnen gegenüberstehen? Glauben Sie, ein Mensch, der diese beiden Verbrechen be­gangen Hot, ergibt sich so ruhig Ihrer Gewalt? Nein! Ich bin unschuldig an den beiden Verbrechen!"

Ein Leugnen wird Ihnen wenig helfen, denn ich sage Ihnen, Sie sind Überfahrt!"

Ich weiß eS! Ueberführt nach menschlicher Berechnung durch eine Reihenkette verhängnisvoller Zufälle."

WaS wollen Sie behaupten?"

Wollen Sie sich nicht setzen? Man spricht so viel bequemer!"

Diese Aufforderung geschah so ruhig, daß dadurch alle Berechnungen und Wahrnehmungen HallerS mit einem Schlage vernichtet wurden. Dieses Benehmen war nicht das eine» Mörders!

Haller setzte sich und Fritz Merk begann feine Erzählung: Ich war an jenem verhängnisvollen Tag bei Frau Gerd. Ich war erst einige Tage vorher in Berlin angekommen. Von dieser Frau mußte ich ersahren, daß ihr Gatte durch eine Lüge mein ganze- LebenSglück vernichtet hatte. Ich wollte diesen, der ein Schulgenosse von mir war, zur Rechenschaft ziehen. Ich ging durch den Salon in daS Arbeitszimmer und sah beim Eintreten ich stand unter der Türschwelle die Gestatt deS Ermordeten. Einen Augenblick starrte ich auf diesen eS war mir, als hätte sich in so furchtbarer Weife ge­rächt, wak er mir angetan. Rann aber eilte ich zurück und