Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich
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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 18.
Sonnabend, den 10. Februar
1912.
Erstes Statt
Mta teil
HerSfeld, den 7. Februar 1912.
Der frühere Rentenstellenvorsitzende, LandeSsekretär J. G. Groß in Cassel hat in einer kurzen gemeinverständlichen Ab- Handlung „daS Wissenswerteste aus der ReichSversicherungs- Ordnung über die Invaliden- und Hinterbliebenen-Versicherung" zum Gebrauche für Jedermann zusammengestellt, während von dem Sekretär der LandtSversicherungS-Anstalt, Hessen-Nassau, zu Cassel, HanS Waßmuth, ein besonderer „Führer durch die Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung nach der Reichs- VersicherungS-Ordnung vom 19. Juli 1911“ herausgegeben worden ist.
Beide Schristchen sind gemeinverständlich geschrieben, in handlicher, klarer und übersichtlicher Form gehalten. Sie sind besonders geeignet, weiteren Kreisen der Bevölkerung als schätzenswertes Hillsmittel zur leichteren Einlebung und Ein- führung in die mit dem 1. Januar d. JS. vielfach geänderten und neu in Kraft getretenen Bestimmungen aus dem Gebiete der Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung zu dienen.
Während daS Groß'sche Schristchen wegen seiner kurzen, belehrenden Fassung mit zahlreichen praktischen Beispielen sich für jedermann, Arbeitgeber und Versicherte und alle Privatleute eignet, wird der Waßmuth'jche Führer neben diesen Kreisen vorzugsweise den Herrn Bürgermeistern und Beamten, sowie den Behörden, Krankenkassen und AmtSstellen, welche Geschäfte für die Invaliden- und Hinterbliebenen-Versicherung zu besorgen haben, gute Dienste leisten, weil er auch den Wortlaut der einschlägigen einzelnen Bestimmungen mit den dazu erforderlichen Erläuterungen enthält.
Beide Büchlein sind durch jede Buchhandlung zu beziehen. Der Einzelpreis des Groß'schen beträgt 90 Psg. und der deS Waßmuth'schen Büchleins 50 Psg.
Bei unmittelbarem Bezug der Büchlein von Groß und Waßmuth soll der PreiS
a. für daS Groß'sche Schristchen
bei Abnahme von mehr alS 50 Stück ... 60 Pfg. „ . „ „ „ 100 ..... 55 „
„ „ „ „ „ 200 „ ... 50 „
„ „ „ „ „ 500 „ ... 45 „
„ „ ...... 1000 ..... 40 „ „ „ » * n 1500 „ ... 35 „ sowie b. für den Waßmuth'schen Führer bei Abnahme von 1 bis 99 Stck. aus je . . 50 Psg. „ „ „ 100 „ 499 „ „ „ . . 45 „ „ „ „ 500 „ 999 „ „ „ . . 40 „ „ „ „ 1000 und mehr „ „ „ . . 35 „ herabgesetzt werden. „
Mua.
Novelle von L. vom VogelSberg.
Weiterhin zog sich die Linie der italienischen Streiter. Kaum, daß sie sich vom Boden ein wenig abhob, grau und gelb und darüber die Sonne, sengend, glühend, tödlich.
Drüben, kaum wahrnehmbar, lief eine andere Linie dahin, weiß und schwarz; daS waren die Scharen MenelikS. Und vor der Linie huschte ein silberglänzendes Pünktchen auf und ab: RaS Mokonnen.
Ganz draußen auf dem rechten Flügel stand Leutnant Franconi. Ein Generalstäbler ritt auf ihn zu und reichte ihm vom Pferde herunter die Hand. „Halt die Obren steif, Gio! Im Vertrauen gesagt, daS ist der schlimmste Posten in dem ganzen verfehlten Plan!"
Giovanni Franconi sah ihm mit einiger Befriedigung inS Gesicht. „Also du glaubst auch nicht an ein Gelingen?"
Der Generalstäbler schüttelte ernst den Kops: „Nein, ich glaub' nicht daran; eS ist alles verpfuscht, total verpfuscht .."
Eine Weile sahen sie schweigend nach der schwarzweißen Linie und dem hellen Pünktchen da hinten. Dann sprach Franconi wieder, langsam und schleppend: „Willst du mir einen Gefallen tun, Bernabe? Grüß meine Frau — mein letzter Gedanke wäre bei ihr gewesen ..."
Der andere versuchte ein Lächeln, eS gelang nicht so recht „Du hast Halluzinationen, Gio!"
Franconi schüttelte den Kopf. „Hier kommt keiner durch!" sagte er ruhig und sah die Reihe seiner Leute entlang. „ES ist kein schöner Tod — kein rechter Soldatentod I" . . ._
„Wie lange warst du verheiratet, Gio, alS wir von Hause fortgingen?" fragte Bernabe Carducci, ohne daran zu denken, daß er solches eigentlich in diesem Augenblicke nicht fragen durfte.
Aber Franconi blieb ruhig. -„Zwei Wochen, Bernabe, eS war nicht schön sortzumüssen, nein . . ."
Ein Trompetensignal schmetterte am linken Flügel. Der Generalstäbler winkte noch einmal mit der Hand und stob eilig davon. Gedankenverloren sah ihm Giovanni Franconi
Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher sowie alle Interessenten deS Kreises werden auf daS Erscheinen dieser Büchlein besonders aufmerksam gemacht. Ihre Anschaffung kann empfohlen werden.
Die betreffenden Werke können auch in meinem Büro (Zimmer Nr. 9) eingesehen werden.
I. 16 614. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e I, Kreissekretär.
Herssclv, den 5. Februar 1912.
An die Herren Bürgermeister des KreiseS.
Gemäß § 21 deS Reglements zur AuSsührung deS Wahlgesetzes für den Reichstag haben die Herren Wahlvorsteher alle Stimmzettel und WahlzcttelumschtSge, die sowohl bei der ordentlichen ReichStagSwahl alS auch bei der engeren ReichS- tagS-Stichwahl in der Wahlurne vorgesunden worden sind und dem Protokoll nicht beizufügen waren, in Papier einzuschlagen, zu versiegeln und solange dort sorg- fällig auszubewahren, bis der Reichstag die Wahl definitiv für gültig erklärt hat und von mir s. Zt. weitere Versügung ergangen ist.
Die überhaupt nicht verwendeten, blauen Wahlzettelumschläge waren mir dagegen mit der im Absatz 4 meiner Versügung vom 28. Dezember v. JS. I. 16436 zu machenden Angabe bis zum 1. Februar d. Js. zurückzusenden.
Diejenigen Herren Bürgermeister, welche mit der Rücksendung der nicht verwendeten Umschläge noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis spätestens zum 14. d. M t S. erinnert.
I. 1497. Der Landrat.
3. A.:
Weffel, Kreissekretär.
Mit Ermächtigung des MinisterS für Handel und Gewerbe (Erlaß vom 29. Dezember 1911) bestimmen wir auf Grund der §§ 112, 110 der ReichSversicherungsordnung und auf Grund der Uebergangsbestimmung des BundeSratS, betreffend die Anwendung deS § 112 der ReichSversicherungS- ordnung in Fällen, in denen Die Versichertenvertreter in öffentlicher Wahl gewählt sind, vom 23. Dezember 1911 (ReichS- gesetzblatt Seite 1133), waS folgt:
Die nachstehenden Ausgaben deS VerficherungSamtS alS die Entgegennahme der Anträge auf die Leistungen der Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung nach § 1613 R. V. O.; die Vorbereitung und Begutachtung dieser Anträge nach den 88 1617 bis 1628 R. V. O.;
Die Benachrichtigung der VerficherungSträger nach den §§ 1629 und 1550 R. V. O.;
die Stellung deS Antrags auf Kostenbelastung eines Beteiligten nach § 1634 R. V. O.;
die Entscheidung über vorzeitig, wiederholte Anträge nach § 1635 R. V. O.;
nach. „Grüß meine Frau — wenn du nicht auch bleibst!" Dann zog er ein Medaillon auS der Brusttasche und« betrachtete eS lange, lange . . .
Beißender Pulverdamps zog über da- Feld von Adua. Der Rauch selbst zerging bald in der heißen Lust, ober daS ächzende Jammern der Getroffenen klang weithin. Die Abessy- nier schössen gut.
Nur der rechte Flügel und daS Zentrum waren in den Kamps gezogen worden. Vor Franconi hielt der Kompagnie- chef, Hauptmann Battista. Er sah graugelb auS im Gesicht, waS von einer Leberkrankheit, aber auch von anderen Ursachen herrühren konnte. Mit unruhig glitzernden Augen sah er auf die schwarzweiße Linie, die langsam und stetig näherrückte. Battista beugte sich vom Pserd. „Geben Sie doch acht jetzt, Franconi — woran denken Sie?“
„An meine Frau!" sagte der Leutnant ruhig und schob daS Medaillon wieder in die Tasche.
Battista sah wieder in die Ferne mit fahlem Gesicht. Er war sehr fromm, früher sollte er allerdings anderen Sinnes gewesen sein. Er griff mehrere Male mit zitternder Hand nach seiner Kopsbedeckung. Endlich nahm er sie ab und senkte den Blick zur Erde. Seine Hände greifen sich saltend ineinander: „Vater unser ..."
Er fällt wie ein Klotz vom Pferde. Keiner springt, um ihn aufzuheben. Nur der Arzt beugt sich über ihn. „Kopfschuß!"
Da kommt der Adjutant. „Kompagnie im Laufschritt vorgehen — der Feind soll zurück!"
Ein Unteroffizier macht Franconi daraus aufmerksam, daß er daS ledige Pserd deS Hauptmanns besteigen könne. Er schüttelt den Kops und hebt den Degen: „Zum Laufichritt— marsch, marsch I"
Wie eine laufende Stroußenherde rennen die Leute vorwärts. Schießen können sie nicht, daS Feld ist flach und ohne Deckung. Von drüben krocht eS ununterbrochen, und im Laufen stürzte da und dort einer . . „0 madre mia.
„0 carissima fidanzata mia . . ." Es war wie ein wrheS Weinen, dann stürzten sie aufs Gesicht.
Ein dumpfes Grollen kam näher: der Schlachtgesang der
die Einforderung der eidesstattlichen Erklärung von den Hinterbliebenen eines Verschollenen nach § 1265 Absatz 2 R. V. O.;
die Bestimmung der zum Bezüge der WaisenauSsteuer berechtigten Person nach § 1303 Absatz 2 R. V. O.; werden den Vorständen deS HauptlnappschaftSvereinS zu Clausthal, deS Jlseder KnappschastSvereinS zu Gr.-Jlsede, deS Raffelet KnappschastSoereinS zu Caffel, deS Unterharzer KnappjchaftS- Vereins zu CoSlar übertragen, und zwar in Ansehung der Ansprüche auS der Invalidenversicherung für die aktiven Mitglieder ihres VereinS, die Invaliden ihre- VereinS und diejenigen Personen, welche sich nach § 172 d deS Preußischen BerggesetzeS die Anwartschaft an den Verein durch Zahlung einer ErkennungSgebühr erhalten haben und in Ansehung der Ansprüche auS der Hinterbliebenenversicherung für die Hinterbliebenen der vorgenannten Personen.
Bei den Aufgaben nach den §§ 1613, 1617 bis 1628, 1634, 1635, 1265 Absatz 2, 1303 Absatz 2 R. V. O. tritt der KnappschaftSvorstand an Stelle der VerficherungSamtS. Die Benachrichtigung des BerficherungSträgerS nach den §§ 1629 und 1550 R. V. O. liegt dem KnappschastSvorstande neben dem VersicherungSamt ob.
Gleichzeitig wird bekannt gegeben, daß der Minister für Handel und Gewerbe auf Grund der §§ 1628, 1627 der ReichSversicherungsordnung durch Erlaß vom 29. Dezember 1911 folgendes bestimmt hat:
Für daS Verfahren vor dem beauftragten KnappschastS- organ gelten die Vorschriften der Kaiserlichen Verordnung über den Geschäftsgang und daS Verfahren der VersicherungS- ämter vom 24. Dezember 1911 (ReichSgesetzblatt S. 1107 ff.), insbesondere die §§ 73 bis 95, soweit sich nicht notwendige Abweichungen aus der Art der Zusammensetzung des beauftragten Organs ergeben.
Die Anträge auf die Leistungen der Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung können durch die zuständigen KnappschaftSältesten angebracht werden.
Die Beibringung der in den §§ 74 ff der Kaiserlichen Verordnung bezeichneten Urkunden kann durch die Bezugnahme aus bereits beim Knappschaftsverein vorhandene Urkunden gleicher Art ersetzt werden.
Clausthal, am 11. Januar 1912.
Königliches Oberbergamt. gez. 8 teinbrinck. ♦ ♦
HerSfeld, den 3. Februar 1912.
Wird veröffentlicht.
V. 115. Der Landrat.
I.
Wessel, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 1. Februar 1912.
Die Räude unter der Echasherde deS Schäfers Breul in Niederjossa ist erloschen.
I. 1344. Der Landrat.
3. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
braunen Menschen dort hinten, dröhnend in seinem sonderbaren Rhythmus die Herzen erhebend; langsam, unaufhaltsam rückte die schwarzweiße Linie näher, und dazwischen knatterte eS herüber . . .
Ein gellendes Hornfignal . . . „Ritirata — zurückgehen. Eilig gingen Dit Leute zurück, dreißig waren umsonst gesallen. Einer lächelte, alS sie dem Feind den Rücken kehrten: „Vielleicht jeh' ich nun Tonietta doch noch ..." Er griff in die Lust und stürzte vornüber.
Teilnahmlos ging Giovanni Franconi mit. Er wunderte sich eigentlich, daß ihn noch keine Kugel getroffen hotte. Und sinnend nahm er im Weiterschreiten wieder daS Medaillon auS der Tasche und heftete unverwandt den Blick daraus.
Mit einem dumpsen, ächzenden Seufzer griff er anS Lein und brach in die Knie, gerade neben einem armseligen Akaziengebüsch. Ein bohrender Schmerz wühlte in ihm — eS mußte eine Kugel im Bein sitzen. Ein paar Soldaten drehten sich nach ihm um. Er schüttelte heftig den Kops und suchte sich aufzurichten: „ES ist nichts — geht zurück I" Wie sie liefen! Und bewußtlos fiel Giovanni Franconi unter den armseligen Akazienstrauch.
DaS Knattern der Schüsse weckte ihn wieder aus, lange nachher. ES mußte jetzt in den späten Nachmittag-stunden sein, und der Kamps tobte noch. Die braunen Mensche« waren im Vorteil; da vorn, zweihundert Meter von ihm schössen sie schon gar nicht mehr. Sie gingen mit suchenden Augen über daS Feld und neigten sich, blitzende krumme Meffer in den Händen, über die Liegenden. Ab und zu stieß einer der Verwundeten ein tierähnliches gräßliche- Gebrüll auS, aber die braunen Menschen lächelten dazu und wischten daS blutige Meffer am Burnus ob.
Und endlich erkannte Giovanni, daß sie an ihren Opfern Herumschnitten, Trophäen abschnitten. Ein lähmendes Grausen kam über ihn, und er fiel wie betäubt auf den Sand zurück. Sein Bein war taub; wie tot, wie einen fremden Klumpen zog er eS nach. Aber er konnte nicht weit kriechen, ba» Blut fing wieder an zu sickern, und der Schmerz kam. Und draußen kamen die fremden lächelnden Teusel näher und näher mit blinkenden Messern in den Händen . . .