Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ^

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^,»««

Herrfelder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-^nschlutz Nr. 8

Nr. 24. Sonnabend, den 24. Februar 1912.

Erstes Blatt.

»mm« ta

HerSfeld, den 18. Februar 1912.

Der Herr Landeshauptmann in Cafsel hat daS im Jahre 1876 vorgeschriebene Formular zu den Anträgen aus Auf- nahmekrankerPersonenindieLandkranken- Häuser deS BezirkSverbandeS neu bearbeiten lassen.

Bei Beantragung der Aufnahme kranker Personen in daS hiesige LandkrankenhauS ist fortab ausschließlich dieses neue Formular zu benutzen. Die Funk'sche Buchdruckerei hier hält Formulare der gedachten Art jederzeit vorrätig.

Indem ich die Herren OrtSvorstände deS Kreises noch besonders aus genaue Beachtung der Nachrichten, Seite 4, deS Formular- Hinweise, mache ich zur besonderen Pflicht, daß daS Antragsformular in allen Teilen stets vollständig und genau auSgefüllt wird.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. Nr. 751. von GruneliuS.

HerSfeld, den 13. Februar 1912.

Der Schlachthofverwalter Tierarzt Friederich hier wird in der Zeit vom 1. März bis 4. April d. Jr. am hiesigen Schlachthause einen KursuS in der Fleisch- und Trichinenschau abhalten.

Interventen mache ich hieraus aufmerksam.

I. 1832. Der Landrat.

3. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

Cassel, den 11. Februar 1912.

Zum Rundschreiben des ReicbsverKcberungsamte vom 15. Dezember 1911 fir. 26556.

Voraussichtlich wird daS neue Formular zu derchUnfall- Anzeigen nach JahreSsrist zur Einsührung gelangen. Da nun bei einzelnen Sektionen der Vorrat etwa? knapp ist, so mache ich daraus ausmerksam, daß bei der Hofbuchdruckerei von Gebrüder Gotthelst hier noch 2000 Stück vorhanden sind, und daß außerdem die Sektionen Hanau-Land, Marburg, Schlüchtern, Wolshagen, Ziegenhain und Höchst a. M. noch einen Vorrat haben, der von ihnen selbst nicht ausgebraucht wird.

Ich gebe daher anheim, sich im Bedürfnirsalle die Anzeige- sormulare von einer dieser Stellen gegen Erstattung der Kosten kommen zu lassen.

Landeshauptmann der Provinz Hessen-Nafsau. Landwirtschaftliche BerufSgenossenschaft.

I. V.: (Unterschrift.)

An die sämtlichen SektionSvorstände. * *

Hest.-Nast.

landw. Berussgenoffenschafi

Lektion Hersfeld.

I. 8. 159.

HerSfeld, den 19. Februar 1912.

Abschrift teile ich den Herrn Bürgermeistern und GutS- vorstehern deS Kreise- zur Kenntnisnahme mit.

von GruneliuS.

HerSfeld, den 20. Februar 1912.

In Dippach (Sachsen-Weimar) ist die Maul- und Klauen­seuche auSgebrochen.

I. 2069. Der Landrat.

I. «.:

Wessel, KreiSsekretär.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

AuS dem innerpolitischen Leben der BerichtSivoche ist zu- nächst eine hocherfreuliche Tatsache zu melden: der K a i s e r hat eS abgelehnt, das Reichstagspräsidium zu empfangen. Der Präsident Kämps und der zweite Vize­präsident Dove hatten darum nachgesucht, der Monarch aber hat diesem unvollständigen Präsidium die erbetene Audienz verweigert. Dieser Bescheid deS Kaisers ist auf Vorschlag deS Reichskanzlers erfolgt. Er stellt also keineswegs einen per­sönlichen WillenSakt des Monarchen dar, wie die liberale Presse, anscheinend um die Bedeutung deS Vorganges abzuschwächen, gemeint hat, sondern eS handelt sich um einen RegierungSakt deS Monarchen, für den der Reichskanzler die Verantwortung trägt. LinkSliberaliSmuS und Demokratie, die bekanntlich trotz allenManneSmuteS vor Königsthrone»»" und allen Lieb­äugeln« mit der Masse doch so gern nach ober» wedeln, schäumen natürlich wegen deS vereitelten HofgangeS vor Wut, alle

monarchisch, national und staatSerhaltend gesinnten Kreise des deutschen Volkes aber empfinden über die Entschließung deS Kaisers lebhafte Genugtuung und sind dem Reichskanzler Herz- lich dankbar, daß er dieselbe angeregt hat.

Unter außerordentlich starkem Andrangs hat im Berliner Sportpalast der Bund der Landwirte feine dies­jährige Generalversammlung abgehalten und damit die all­jährlich stattfindende landwirtschaftliche Woche mit ihren zahlreichen Veranstaltungen und Versammlungen eingeleitet. Manches treffende Wort ist auf der Tagung deS BundeS der Landwirte gesprochen worden.

Mit lebhafter Befriedigung darf daS Ergebnis ausge­nommen werden, daS dcrAusenthaltdeS englischen Kriegsministers Lord Haldane in Berlin gehabt hat und daS nichts Geringeres als eine gründliche Besserung der deutsch-englischen Beziehungen bedeutet. Be­merkenswert ist in dieser Hinsicht insbesondere eine Rede, die der britische Staatssekretär deS Auswärtigen Sir Ed­ward G r e y in Manchester hielt. Er betonte, daß mit dem Besuche Lord HaldaneS in der deutschen Reichshauptstadt etwas getan worden sei, waS bleibend zum Guten ausschlagen werde und waS geeignet sei, den Nebel deS Argwohn? und Mißtrauens zu zerstreuen, der infolge von unbegründeten Gerüchten und Berichten das Verhältnis der beiden Nationali­täten bisher verdüstert habe. Auch die Auslassungen der eng­lischen Presse sind aus einen durchaus freundlichen und hoff­nungsvollen Ton gestimmt, der in Deutschland warmen Widerhall findet.

Der plötzliche Tod deS österreichisch-ungarischen MinisterS deS Aeußern Grafen Aehrenthal hat auch in Deutschland aufrichtige Teilnahme hervorgerufen. Der Verstorbene war unzweifelhaft ein Mann von großen Gaben und starkem Willen und hat sich um sein Vaterland unsterbliche Verdienste erworben. So wird sein Name besonders mit der Erwerbung von Bosnien und der Herzogowina für die Donaumonarchie uuzertrcnnlich verknüpft bleiben. ES ist noch in frischer Erinnerung, welche außerordentlichen Dienste Deutschland damals dem verbündeten Kaiserreiche durch seineNibelungentreue" geleistet hat. Ob Graf Aehrenthal diese Dienste mit dem rechten Maße von Dankbarkeit gelohnt hat, möge dahingestellt bleiben. Zum Nachsolger deS Grasen Aehrenthal ist Gras Leopold Berchtold vom Kaiser Franz Joseph ernannt worden, ein Mann, der in engem FreundschastS- und Vertrauensverhältnis zu seinem Vorgänger stand und in den letzten Phasen der auswärtigen Politik Oesterreich-Ungarns bereits eine bedeutungsvolle Rolle ge­spielt hat. In Oesterreich erwartet man von ihm besonder? eine weitere Förderung der russisch-österreichischen Wieder­annäherung.

In E n g l a n d ist die Sorge deS TageS der drohende Aus st and der Grubenarbeiter. Für den ge­waltigen Umfang, den ein solcher Streik annehmen würde, gibt eS in der industriellen Geschichte der Welt kein Vorbild, und was für Folgen daraus entstehen können, entzieht sich vorläufig der Beurteilung.

Reichstag.

Der Reichstag beschäftigte sich am Mittwoch mit den Interpellationen der Volkspartei und der Sozialdemokraten wegen Aufhebung deS KartoffelzolleS und deS Futtermittel­zolles. Die Interpellationen wurden volkSparteilichcrscitS vom Abgeordneten Wendorff, sozialdcmokratischerscitS vom Ab­geordneten Bock in anerkennenswert gemäßigter Weise be­gründet. Regierungsseitig beantwortete Staatssekretär Dr. Delbrück die Interpellationen, wobei er betreffs selbst nur einer zeitweiligen Aufhebung deS FuttermittelzolleS grundsätzliche Bedenken geltend machte und u. a. daraus hinwieS, daß speziell für Mais und Gerste eine Zollsuspendierung durchaus keine Verbilligung bringen würde. Hinsichtlich der Aushebung des KartoffelzolleS wies der Staatssekretär aus den BundeSratS- beschluß hin, die zwischen dem 15. Februar und dem 1. Mai in Deutschland bon außerhalb eintreffenden Kartoffeln zollfrei zu lassen, wobei jedoch der Staatssekretär betonte, diese Maß­nahme bedeute keinerlei grundsätzliche Abweigung vom Deutschen Schutzzollsystem, sondern stelle nur eine korrekte Handhabung der Zollgesetzgebung dar. In der Debatte schloffen sich die Redner aus dem Hause, die Abgeordneten Herold (Zentr.), Arnstadt (kons.), Wamhoff (nat.-lib.), Stubbendors (ReichSp.), v. GrabSki (Pole) und Dr. Will (Zentr.) den Darlegungen deS Staatssekretärs im allgemeinen an, obwohl sich verschiedene von ihnen von der SuSpendierung deS KartoffelzolleS keine erhebliche Verbilligung der Kartoffeln versprachen.

Am Donnerstag wurde die am Mittwoch abgebrochene Besprechung der Interpellationen wegen einstweiliger Aufhebung bei Zolls aus Futtergerste, Mais und Kartoffeln fortgesetzt. Der Eozialdemokrat, der zuerst das Wort erhielt, begann mit einer Polemik gegen den Staatssekretär deS Innern, dessen Antwort seine Freunde keineswegs befriedigt habe. Die Agrarier seien zwar auch nicht mit Dr. Delbrück zufrieden gewesen, da er ihnen nicht weit genug entgegengekommen fei,

in Wahrheit aber hätte der Staatssekretär eine Rede für den lückenlosen Zolltarif gehalten, wie sie sich die Rechte gar nicht besser hätte wünschen können. Die Regierung stehe eben unter der Fuchtel der Junker. Herr Antrick ging dann auf die Sache ein und suchte die Argumente der Staatssekretär- gegen die SuSpendierung der Zölle zu widerlegen. Sein Schluß war natürlich, daß mit dem verderblichen Zollsystem gebrochen werden müsse. Der Staatssekretär deS ReichSschatz- amtS Wermuth gab der Meinung Ausdruck, daß der Zeit­punkt für die Interpellationen nicht günstig gewählt sei, da sich gerade jetzt im allgemeinen ein Sinken der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse bemerkbar mache. Der Zoll sei gerade bei den Futtermitteln ohne Einfluß auf die Preise und aus die Einsuhr geblieben. Bei den Kartoffeln liege die Sache anders als bei den anderen Produkten. Der Reichs- schatzsekrctär ergänzte deS weiteren die gestrigen Aussührungen des Staatssekretärs Delbrück hierüber, teilte mit, daß der gestern in Aussicht gestellte Beschluß der preußischen Regierung auf SuSpendierung deS KartoffelzolleS heute vom BundeSrat gefaßt worden fei (Bravo!) und gab der Hoffnung Ausdruck, daß das Vorgehen der Regierung dem Volke zum Segen ge­reichen und zur Beseitigung der gegenwärtigen Schwierigkeiten beitragen werde. Der Abg. GieSbertS (Zentr.) sprach daS Vertrauen aus, daß die Regierung, wenn es nottue, auch weitergehende Maßregeln ergreifen werde. Einen Kartoffelzoll habe daS Zentrum niemals verlangt. Seine Verwunderung aber müsse er darüber aussprechen, daß der Abgeordnete Antrick jetzt für die Aufhebung deS ganzen Zolltarifs eintrete.

Abgeor k^ tenhans.

DaS flotte Tempo, daS das Abgeordnetenhaus bei der Besprechung deS JustizetatS bis jetzt innegehalten hatte, schlug am Donnerstag in das Gegenteil um. Denn der Abg. Dr. Liebknecht (Sozd.) fühlte, wie alljährlich, daS Bedürfnis, bei diesem Etat sein zornerfülltes Herz auSzuschütten. Daß er dazu 2V4 Stunde brauchte, war für daS HauS eine große Geduldsprobe. Präsident Frhr. von Erffa war nachsichtig genug, zunächst allerlei Abschweifungen vom Thema zu ge­statten; als aber der sozialdemokratische Redner seine Klagen jedesmal damit begann:Ich will nicht davon sprechen," und dann doch entgegen dieser Ankündigung sich weitschweifig gegen denKlassenfiaat" Preußen ereiferte, griff er ein und mit Erfolg. Der Justizminister beschränkte sich in seiner Antwort aus die Widerlegung einiger Punkte. Den Vorwurs, daß die Justizverwaltung sich nicht um die Jugendgerichts- barkeit kümmere, entkräftete er. Das Zurückgehen der Fälle der bedingten Begnadigung führte er auf einen Zufall zurück. Ferner wies er an Zahlen nach, daß die GefängniSverwaltung die Außenarbeit der Gefangenen im Gegensatz zu Liebknecht- Behauptung sehr oft anwende. Energischer wurde der Minister am Schluß seiner Ausführungen, al- er die Richter gegen den Vorwurf der Klassenjustiz in Schutz nahm und den maß­losen Angriffen deS sozialdemokratischen Redners gegen daS Kammergericht begegnete. Der nächste Redner, Dr. Bell (Zentr.) behandelte wieder die Frage der juristischen Vorbildung mit großer Ausführlichkeit. Er warnte vor dem Experimentieren auf diesem Gebiete und empfahl ein besonderes Studium der Logik, einen guten Stil und deutliche Schrift. Was die Verwendung der Prädikatsassessoren anbetrifft, so wünscht er, daß sich die einzelnen Behörden auf irgendeinen ModuS einigten, um sich die guten Kräfte nicht gegenseitig abzujagcn.

Bus > und Ausland.

Berlin, den 22. Februar 1912.

Der Kaiser besuchte heute Vormittag den Reichs­kanzler.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Su$ den Verhand­lungen deS Reichstage- ist bekannt, daß die zu erwartenden Wehrvorlagen den BundeSrat noch nicht beschäftigt haben und daß bisher weder über die Höhe der Forderungen noch über die Art der Deckung Beschlüsse gefaßt worden sind. Die beteiligten Instanzen beschleunigen nach Möglichkeit die Arbeit und eS kann erwartet werden, daß in kurzer Zeit über die Regierungsvorlagen Klarheit geschaffen sein wird. Die formulierten Vorschläge der Kriegsverwaltung, auf die weitaus der größte Teil der Forderunge», entfällt, sind gestern in die Hände des Reichskanzlers gelangt. Leider wird die Zeit der Vorbereitungen daz»i benutzt, um allerlei mehr oder weniger falsche Kombinationen teils über dei» Inhalt der Wehrvorlagen, teils über die DeckungSfrage zu verbreiten. In daS Gebiet der reinen Erfindungen gehört die Angabe, der Staatssekretär des ReichSschatzamteS sei ein Gegner der Verstärkung unserer Wehrfähigkeit.

Eine neue Bekräftigung deS DreibundeS enthält eine Notiz der WienerNeuen fr. Presse", nach welcher der neuernannte Minister deS Aeußern Graf Berchtold demnächst nach Berlin fahren wird, um sich dem Kaiser vor- zustellen und mit dem Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg und dem Staatssekretär v. Kiderlen-Wacchter persönlich in Fühlung zu treten. Sodann wird er nach Rom reisen, um